Siri Hustvedt -Was ich liebte

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  • Kurzbeschreibung (Amazon)
    "Was ich liebte" erzählt von sexuellen und künstlerischen Lebensentwürfen, von Familien, Eltern und Kindern. Alles beginnt 1975 im New Yorker Stadtteil SoHo, wo der Kunsthistoriker Leo Hertzberg in einer Galerie ein Bild des jungen Malers Bill Wechsler kauft. Es ist ein Frauenakt, der jedoch den rätselhaften Titel "Selbstporträt" trägt. Bald ziehen Leo und Bill mit ihren Frauen und neugeborenen Söhnen in ein Haus. Ihre Freundschaft ist bestimmt von der Suche nach ihrer Identität. Doch keine Erkenntnis der Welt kann sie auf die Schicksalsschläge vorbereiten, die ihr Leben für immer verändern.


    Über die Autorin:
    Siri Hustvedt ist die Frau von Paul Auster. Sie wurde 1955 in Minesotta geboren, lebt nun in Brooklyn und hat eine Tochter.


    Meine Meinung:
    Ich habe gerade gesehen, dass Siri Hustvedt hier noch gar nicht vorgestellt wurde... dieser Zustand gehört geändert :wink: .
    "Was ich liebte" erzählt die Geschichte von zwei befreundeten Ehepaaren aus der New Yorker Künstlerszene. Der Erzähler, Leo Hertzberg, berichtet über sein Leben und das seines Freundes Bill, ein Maler, sowie über ihre Familien. Der Roman ist Lebensgeschichte, Familiengeschichte, eine Story über Schicksalsschläge, und in all das mischt sich die Kunst.
    Siri Hustvedt hat eine tolle Sprache - sehr klar und offen, das Buch zieht sowohl inhaltlich als auch sprachlich in seinen Bann und gestaltet sich sehr vielfältig, da es viele Themen aus dem Leben aufgreift, ohne je ions Banale abzurücken. Ich hatte vorher leichte Bedenken, dass mich der Kunstaspekt im Buch eventuell abschrecken könnte, wenn er zu ausführlich behandelt wird. Im Nachhinein muß ich sagen, dass sich das Buch mE von Seite zu Seite steigert, aber nie fad oder zäh war für mich. Eine fantastische Geschichte von einer Autorin, die ich mir sicher noch genauer ansehen werde!
    Von mir eine klare Empfehlung!

    Liebe Grüße,
    Azrael


    Aktuelles Buch: "Schwarz zur Erinnerung" von Charlene Thompson

    Einmal editiert, zuletzt von K.-G. Beck-Ewe ()

  • Vor etwa einem Jahr habe ich das Buch auch gelesen. Ich fand es gut, habe aber ein paar Punkte anzumerken, die mir nicht so sehr gefielen.


    Die beschriebenen Personen leben, so wie ich es empfunden habe, in einer Art "Kunst-Getto", d.h. es kommen ausschließlich künstlerisch arbeitende Menschen vor, Maler, Autoren, Performance-Künstler. Mir fehlt ein Stück Balance, Ausgewogenheit und Lebendigkeit, das Figuren, die einem "normalen" Broterwerb nachgehen, in die Geschichte bringen könnten. Die Außenwelt spielt nur eine Rolle, wenn einer der Protagonisten mal gerade eine Ausstellung. Lesung o.ä. hat. Insofern stört mich eine gewisse Einseitigkeit.


    Der Komplex um Billies Sohn Mark ist für mich das schwächste Stück des Buches. Hier hat die Autorin versucht, ein Stück Autobiografie unterzubringen, nämlich die Geschichte um Paul Austers Sohn.
    Dagegen ist der Teil, der sich um Matthew, Leos und Ericas Sohn dreht, ganz ausgezeichnet und sehr intensiv geschrieben.


    Ich kann Azraels Empfehlung unterstützen, und trotz meiner Kritik habe ich das Buch gern gelesen. (Von weiteren Büchern der Autorin, z.B. "Die Verzauberung der Lily Dahl" war ich sehr enttäuscht.)


    Marie

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Zitat

    Original von Marie



    Der Komplex um Billies Sohn Mark ist für mich das schwächste Stück des Buches. Hier hat die Autorin versucht, ein Stück Autobiografie unterzubringen, nämlich die Geschichte um Paul Austers Sohn.
    Marie


    Das von Paul Austers Sohn wußte ich gar nicht - aber sehr interessant, danke für den Hinweis, Marie!


    Dass in dem Buch nur Künstler und keine Menschen mit "gutbürgerlichen" Berufen vorkommen, stimmt. Mich hat das allerdings nicht gestört, irgendwie hat mir diese verschrobene Künstlerpartie gereicht. Einen Verkäufer, Lehrer oder ähnliches in den Roman mit hinein zu packen, hätte für mich nicht richtig gepasst zu der ganzen Atmosphäre, die das Buch umgibt.


    Wenn ich deine Meinung zu den anderen Hustvedt-Büchern lese, denke ich, dass ich mit dem Kauf lieber noch warte- vielleicht auf ihr nächstes Werk (zumal mich die anderen Inhaltsbeschreibungen auch nicht sooo wahnsinnig angesprochen haben).

    Liebe Grüße,
    Azrael


    Aktuelles Buch: "Schwarz zur Erinnerung" von Charlene Thompson

  • Danke, Azrael, für die Eröffnung dieses Threads. Ich hatte mich schon gewundert, dass offensichtlich niemand dieses großartige Buch gelesen zu haben schien und hätte früher oder später wohl selbst einen Thread eröffnet - wahrscheinlich nach dem zweiten Lesen, denn dass ich entgegen meiner sonstigen Gewohnheit dieses Buch ein zweites Mal lesen werde, steht für mich außer Zweifel.


    "Was ich liebte" habe ich vor etwa zwei Jahren gelesen und war zutiefst berührt, wobei ich einräume, dass ich damals aus sehr persönlichen Gründen sehr offen war für dieses Buch. An die schlaflosen Nächte, die es mir seinerzeit beschert hat, kann ich mich noch gut erinnern. Ich kenne kein Buch, das das Verschwinden von Liebe und das selbstzerstörerische Zerrissensein im Kampf um einen geliebten Menschen so beschreibt wie dieses.


    @ Marie:
    Dass sich Künstler gern unter Ihresgleichen aufhalten, ist sicher nicht so ungewöhnlich. Ob das nun gut ist oder nicht sei dahingestellt, gestört hat es mich eigentlich nicht. Was mich allerdings verwundert hat, ist die Eigendynamik, die die Geschichte um Mark im letzten Drittel entwickelt hat. Ich hatte beim Lesen manchmal das Gefühl, ein Anschlußbuch in der Hand zu halten, so abgespalten kam mir dieser Teil vor.


    Die beiden früheren Romane der Autorin habe ich auch gelesen, ein "Muss" nach diesem Leseerlebnis, aber ich fand beide eher enttäuschend ("Die Verzauberung der Lily Dahl" noch mehr als "Die unsichtbare Frau"). Ich bin sehr gespannt auf weitere Bücher - falls jemand etwas hören sollte, bitte melden! :wink:


    Liebe Grüße
    Siebenstein

    :montag: Dror Mishani - Drei


    "Sehnsucht nach Liebe ist die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam."
    (Bodo Kirchhoff: Die Liebe in groben Zügen)


  • Zitat

    Original von Siebenstein


    Ich hatte beim Lesen manchmal das Gefühl, ein Anschlußbuch in der Hand zu halten, so abgespalten kam mir dieser Teil vor.


    Ich habe auf einer Seite, die ich seit Azraels Eröffnung dieses Threads leider vergeblich suche, die Hintergründe für diesen Teil des Buches gelesen. Paul Austers Sohn hatte Drogenprobleme (kann sein, dass er sogar ins Gefängnis kam, aber das weiss ich nicht mehr genau), und daher konnte Siri Hustvedt diesen Teil so genau schildern. Er ist zwar dadurch sehr authentisch geworden, aber rein literarisch gesehen hat sie ihrem Buch keinen Gefallen getan. Vielleicht wäre es besser gewesen, über diesen ganzen Komplex ein neues Buch zu schreiben. Dass Eltern und Ich-Erzähler zum x. Mal von Mark gelogen, betrogen und bestohlen werden, entspricht zwar der Realität, wie sie Eltern von Drogenabhängigen mitmachen, aber ob es diesem Buch dienlich ist, immer und immer wieder die gleichen Szenen zu lesen?


    Marie

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  • "Was ich liebte" gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern und ist das Beste, was ich letztes Jahr gelesen habe. Mich hat das Buch verzaubert.
    Dass sich alles im "Künstler- Ghetto" abspielt, fand ich überhaupt nicht schlimm, es passte alles zusammen!
    "Die Verzauberung der Lily Dahl" habe ich einige Jahre vorher gelesen, hat mir auch gefallen, kommt aber nicht in die Nähe dieses Buchs. "Die unsichtbare Frau" dagegen fand ich grottenschlecht! Warte jetzt auch gespannt auf ihr neues Buch!

    Ich lese gerade "Die Haushälterin" von Jens Petersen und "Der Geist von Lamb House" von Joan Aiken.

  • Ich habe das Buch gestern beendet und ich bin noch ganz gebannt von der melancholischen Stimmung. Ich bin richtig traurig, dass es schon aus ist und weiß gar nicht was ich jetzt lesen soll.
    Reif, ernst, bewegend, wahrhaftig – diese Begriffe fallen mir spontan ein, um den Roman zu charakterisieren. :thumleft:
    Das Buch beginnt eher unspektakulär, ist aber sympathisch, und schön zu lesen. Die Einblicke in die Kunstszene, die anschauliche Schilderung von Bill’s Kunstwerken oder auch Violets Abhandlungen über Geschichte der psychischen Erkrankungen fand ich durchaus anregend.
    Mit dem Teil zwei, wo das Leben der Protagonisten durch einen schweren Schicksalsschlag erschüttert wird, wird der Roman richtig emotional und ergreifend, ich war gerade in der U-Bahn als ich damit begonnen hatte und musste echt mit den Tränen kämpfen, was bei mir eher selten vorkommt. Die Gefühle, die hier beschrieben werden, sind so nachvollziehbar und echt. Aber auch der dritte Teil über die Probleme mit Mark hat mich persönlich sehr gefesselt.

    Gruß Bibliomana :cat:
    "Man kann im Leben auf vieles verzichten, aber nicht auf Katzen und Literatur!"

  • Hallo zusammen,


    ich bin ganz neu hier und möchte auch einen Kommentar zu diesem Buch abgeben: Ich fand auch, dass die Stimmung des Romans eine ganz besondere war und die GEfühlswelten ganz toll beschrieben wurden. Was mir - wie einigen anderen auch - nicht so gut gefallen hat, waren die genauen "Kunst-Beschreibungen". Ich konnte mir immer sehr schlecht vorstellen, wie die Kunstwerke, die beschrieben wurden, in Wirklichkeit aussehen (es gab doch z. B. dieses Würfel-Objekt)... Aber vielleicht muss man das auch nicht:-))

  • Auch mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die Kunstbeschreibungen haben mich gar nicht gestört, ich fand sie sogar sehr interessant. Einzig der dritte Teil wollte nicht so recht zum Rest passen, aber das wurde hier ja schon erwähnt.
    Die Geschichte mit Austers Sohn war mir auch neu, neulich habe ich durch Zufall eine Sendung über Auster im Fernsehen gesehen, und da kam nur seine Tochter vor, von einem Sohn war – glaube ich – gar nicht die Rede.


    Alles in allem ein sehr gutes Buch, wobei der dritte Teil etwas abfällt. Von mir gibt’s aber trotzdem fünf Sterne.

  • An einem Sonntag im März des Jahres 1996 befinden sich vier Männer in einem New Yorker Apartment. Einer dieser Männer - ein jedes Klischee erfüllender schwuler kolumbianischer Drogenhändler namens Angel Melendez - wird auf grausame Weise ... ermordet.
    Eine Woche später wird die Leiche zerlegt, eingetütet, mit einem Taxi zum Hudson befördert und dort versenkt. In dem Buch "Disco Bloodbath" (1999) gibt James St. James die für ihn unglaubwürdige erste Schilderung des Mordes von einem der beiden verurteilten Täter ihm gegenüber wieder. Demnach waren an der Tat drei Männer beteiligt. ...
    Der dritte Mann wurde 1998 nach seinem Eingeständnis der Anwesenheit während des Mordes zu einer fünfjährigen Bewährungsstrafe verurteilt, da er dem Mordopfer 3.000 Dollar gestohlen hatte. Sein Name: Daniel Auster, 1977 geborener Sohn aus Paul Austers erster Ehe mit der Schriftstellerin Lydia Davies.


    hier gefunden.


    Marie

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Das Buch ist sehr intensiv und hinterlässt einen sehr verstörenden Eindruck.


    Die ersten 100 Seiten sind zugegebenermaßen eine Durststrecke. Die seitenlangen Schilderungen der New Yorker Kunstszene, die Beschreibung von Bildern und Kunstwerken fand ich anfangs spannend, dann aber zunehmend langatmig.


    Im Nachhinein gesehen sind diese Seiten des ersten Kapitels aber ein wichtiger Bestandteild es Buches, welches schon mit den ersten Zeilen von Kapitel 2 eine ganz andere Wendung nimmt.


    In Maries erwähntem Link spricht der Rezensent von einem "ambitionierten" Buch. Das finde ich recht zutreffend. Von Stil und Einfühlungsvermögen ist dieses Buch ganz großartig, auch die angesprochenen Themen machten mich betroffen. Doch stellenweise hatte ich das Gefühl, die Autorin wollte unbedingt einige Schilderungen "unterbringen" und "an den Mann bringen".
    So fand ich die "Verfolgungsreise" quer durch die USA etwas übertrieben und aufgesetzt, auch die vielen Schilderungen rund um Mark und seinen Zustand, um die Drogenproblematik hätten vielleicht gekürzt werden können.


    Für mich bestand die Hauptthematik darin,


    Alles in allem ein sehr empfehlenswertes, das trotz einiger Längen vom Talent der Autorin überzeugt!

    Herzliche Grüße
    Rosalita


    :study:
    Wenn das Schlachten vorbei ist - T.C. Boyle


    *Life is what happens to you while you are busy making other plans* (Henry Miller)

  • Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen. Ganz grosse Erzählkunst. Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, endlich mal wieder ein wirklich gutes Buch in den Händen zu halten. Es hat mich emotional sehr berührt. Die handelnden Figuren sind detailiert und klar gezeichnet, ihre Gefühle und Handlungen blieben stehts nachvollziehbar. Gleichzeitig ist das Buch spannend und informativ, gerade die Beschreibungen der Kunstwerke und Kunstszene fand ich sehr interessant (aber das ist natürlich Geschmackssache). Das Ende ist vielleicht nicht so gelungen wie die ersten beiden Kapitel, aber trotzdem immer noch besser als vieles, was ich sonst so in letzter Zeit gelesen habe.. Von mir fünf Sternchen :)

  • Ich habe den Roman gestern (heute?) Nacht um halb zwei ausgelesen.
    Sehr gelungen fand ich die Charaktere des Buches. Sie schienen absolut lebensecht. Ich mochte die Art, wie sich die Freundschaft der beiden Familien immer wieder veränderte und doch standhielt. Die interessanteste Person des Buches war für mich Violet.
    Auch Hustvedts Sprache hat mich, wie euch auch, sehr beeindruckt. Man merkt gar nicht, wie man liest und liest und die Zeit vergeht, weil ein richtiger Lesesog entsteht. Auch das von euch beschriebene "Kunst-Ghetto" ( wirklich ein sehr treffender Begriff, der mich schmunzeln ließ :) ) störte mich nicht besonders. Ich finde diese Szene sehr anziehend und ich habe, wie ich denke, einen ziemlich authentischen Eindruck von ihr bekommen.
    Weniger gefallen haben mir die ellenlangen Schilderungen von Bills Werken. Man konnte sie sich wirklich nur schwer vorstellen. (insbesondere diese Kästen)
    Am meisten hat mich allerdings der dritte Teil des Romans gestört. Ich kam mir vor wie in einem anderen Buch, das zwar nicht schlecht ist, aber mit den ersten beiden Teilen des restlichen Romans recht lose verbunden ist. Teilweise kam ich mir vor wie in einem Krimi (z.B.

    ) und das ewige Hin und Her mit Mark fand ich auch eher anstrengend.


    Trotzdem kann ich das Buch nur empfehlen. Ich werde sicher noch mehr von Siri Hustvedt lesen. Vor ein paar Wochen kam ein neuer Roman heraus: "Die Leiden eines Amerikaners" , der sich sehr interessant anhört. Von den anderen beiden Roman werde ich aufgrund eurer Meinungen wahrscheinlich eher Abstand halten.

    Ich :study:
    J.M.Coetzee - Das Leben der Tiere
    Erzählungen von Franz Kafka
    Gedichte von Allen Ginsberg und Cummings

  • shia: "Die Leiden eines Amerikaners" habe ich bereits gelesen Link . Leider konnte es mich nicht so recht begeistern. "Was ich liebte" hat mir da mehr zugesagt!

    Herzliche Grüße
    Rosalita


    :study:
    Wenn das Schlachten vorbei ist - T.C. Boyle


    *Life is what happens to you while you are busy making other plans* (Henry Miller)

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