Cornelia Becker - Die Unsterblichkeit der Signora Vero

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  • Die junge deutsche Autorin Cordula Panini ist noch ganz in Trauer um ihren verstorbenen Mann Gaetano und versucht, sich und ihre Tochter Anna irgendwie durchzubringen, denn das Geld ist knapp. Wie ein rettender Anker erscheint ihr da das Angebot der alten reichen, aber auch exzentrischen Signora Beatrice Vero, die Cordula bittet, ihr zum Tod zu verhelfen. Dafür soll Cordula ihre Alleinerbin werden. Cordula versucht mit allen Mitteln, Signora Vero davon zu überzeugen, ihren Todeswunsch aufzuschieben, bis sie deren Unterlagen und Fotos gesichtet und sich ein Bild gemacht hat. Vielleicht wäre ja auch ein Roman über das Leben der Signora Vero ein Grund, am Leben zu bleiben? Während Cordula mit dem Leben der Beatrice Vero beschäftigt ist, mischt diese sich immer mehr in das Leben von Cordula und ihrer Tochter Anna ein und entdeckt dabei ganz langsam, wie schön das Leben doch eigentlich ist. Dabei verschlechtert sich das angespannte Verhältnis zwischen Mutter und Tochter immer mehr… Wählt Beatrice Vero den Tod oder das Leben?


    Cornelia Becker hat mit ihrem Buch „Die Unsterblichkeit der Signora Vero“ einen sehr spannenden Debütroman vorgelegt, der einer Personenstudie gleicht. Es geht nicht um Mord und Totschlag, sondern um Manipulation und Machtspielchen. Wie weit kann man einen Menschen steuern, wie viel muss passieren, dass er gleichgültig wird? Was tut er, um sich, seine Lieben und sein Leben zu schützen? Und warum kann man einen Menschen so beeinflussen? Verträgt er die Wahrheit?


    Der Schreibstil ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, der Roman ist aus der Sicht von Cordula in der Ich-Perspektive geschrieben. Doch schon bald fesselt die Geschichte so sehr, dass man als Leser alles um sich herum vergisst und regelrecht ein unsichtbarer Teil dieses Dreiergespanns wird, die Protagonisten beobachtet und sich ständig Fragen stellt, warum der oder die dieses oder jenes tut? Die beiden Hauptprotagonistinnen Cordula und Beatrice Vero sind beide sehr ausdrucksstarke Charaktere, die von der Autorin sehr authentisch und lebensecht skizziert wurden. Cordula ist vom Tod ihres Mannes und den damit einhergehenden Sorgen noch sehr gefangen, dazu kommt ihre pubertierende Tochter, die sich ihr ständig immer wieder aufs Neue widersetzt und ihr langsam zu entgleiten droht. Signora Vero ist eine eher unsympathische, herrschsüchtige Person, die des Lebens müde ist und den Tod als Erlösung empfindet. Doch durch das Auftauchen von Cordula und ihrer Tochter erwacht ihr Kampfgeist. Plötzlich kann sie dem Leben wieder Freude abringen, das mag an der Gesellschaft von Anna liegen, die mit ihrer Jugend vielleicht Erinnerungen an die Vergangenheit weckt.


    Die Autorin spricht in ihrem Roman viele Dinge an, die uns allen durch den Kopf gehen. Da geht es um Geldsorgen, das Alleinerziehen von Kindern, Sterbehilfe und Schicksalsschläge. In nachdenklicher und teils einfühlsamer Weise trifft Cornelia Becker den Nerv des Lesers. Das Ende des Romans mag zu überraschen, viele Dinge bleiben ungesagt. Aber gerade dieses offene Ende lässt dem Leser Raum genug, sich eigene Szenarien und ein eigenes Finale vorzustellen.


    Dieses Buch ist ein kleines literarisches Meisterwerk, nicht zum „einfach mal weglesen“, sondern um mitzudenken, mitzufühlen, in sich hinein zu horchen und sich selbst die Frage zu stellen, wie man in dieser oder jener Position reagieren würde. Dieses Buch vergisst man nicht so schnell.
    Eine absolute Leseempfehlung für alle, die Personenstudien mögen! Sehr gut gemacht, Chapeau!!!


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    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    SUB: ca. 1.800 / gelesen 2019: 367/ 143788 Seiten

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