Lamya Kaddor- Muslimisch, weiblich, deutsch!

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  • Über den Islam wird seit etlichen Jahren viel geschrieben und diskutiert. Es wird angegriffen, verteidigt, unterstellt und entlarvt. Es geht, wie immer, wenn von Religion die Rede ist, um Wahrheit. Aber da die Debatte im demokratisch verfassten Deutschland stattfindet, in dem sich auch die Religionen der Verfassung zu beugen haben, geht es auch um Menschenrechte, um die Rolle der Frauen, Zwangsheiraten und vieles mehr.

    Zwei Bücher von islamischen Frauen, die sich als Deutsche verstehen, sind vor längerer Zeit erschienen, die man - nch wie vor aktuell -zur Kenntnis nehmen muss, will man die Debatte verstehen und nachvollziehen wie sehr ein aufgeklärter Islam schon in unserer Gesellschaft angekommen ist und wie Menschen, hier in diesem Fall zwei Frauen dafür kämpfen und werben, dass das noch mehr geschieht.


    Die eine ist Necla Kelek, die schon mit vielen Büchern und auch als Mitglied der von Wolfgang Schäuble initiierten Islamkonferenz von sich reden machte als streitbare Vertreterin eines aufgeklärten Islam, der im Westen und in der Demokratie ankommen soll, und in ihrem bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen Buch alle diese Themen abhandelt. Es ist aufgebaut wie eine Reise, eine "Himmelsreise" durch die Geschichte des Islam und die Rolle seiner Vertreter im gegenwärtigen Deutschland.


    Zwei Themen haben mich ganz besonders beschäftigt. Zum einen die Art und Weise, wie sie den auch von deutschen Intellektuellen als islamischen Aufklärer gehandelten Tariq Ramadan anhand seiner Reden und Schriften und in von ihr dokumentierten öffentlichen Diskussionen, die sie mit ihm geführt hat, schildert quasi als einen Wolf im Schafspelz, der mit gespaltener Zunge spricht und bei weitem nicht das hält, wozu ihn viele Intellektuelle machen.


    Zum anderen hat mich bestürzt, doch insgeheim auch in meinen "Vorurteilen" bestätigt, was Necla Kelek dokumentiert an Aussagen von Vertretern islamischer Verbände, allesamt Mitglieder der Ersten Islamkonferenz, die letztlich darauf hinauslaufen, dass auf eine stetige Islamisierung Deutschlands und Europas hingearbeitet werden soll.

    Das vorliegende Buch von Lamya Kaddor kommt weniger grundsätzlich und auch weniger radikal daher. Sie ist eine
    auch unter deutschen Politikern gefragte Religionspädagogin, de sich schon seit langem für einen islamischen Religionsunterricht stark macht und vor einigen Jahren einen vielbeachteten „Koran für Kinder und Erwachsene“ bei C. H. Beck veröffentlicht hat.

    Lamya Kaddor beschreibt so wie Necla Kelek auch den beklagenswerten Zustand und das furchtbare Erscheinungsbild des Islam in Deutschland, bei der es die schweigende Mehrheit der Muslime zulässt, dass bärtige Fundamentalisten für sie in der Öffentlichkeit sprechen, dass Terror, Zwangsheiraten und Ehrenmorde das Bildn des Islam in der Öffentlichkeit bestimmen.

    Lamya Kaddor erzählt sehr persönlich aus ihrem Leben, wie sie als Tochter frommer arabischer Einwanderer aufwuchs und wie sie ihren schwierigen Weg ging als gläubige junge Frau, die es in der Schule und im Berufsleben nicht leicht hatte.

    Das Buch ist eine Ermutigung für alle junge Muslime, gläubig und aufgeklärt ihren Weg zu gehen und ihren Platz zu finden in der deutschen Gesellschaft und in der Demokratie und ein wichtiges Dokument für alle Nicht-Muslime, die den selbsternannten Islamkritikern wie etwa Henryk M. Broder nicht in allem folgen wollen.

    Ein wichtiges Plädoyer für einen zeitgemäßen Islam , dem man eine große Wirkung wünscht.

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