Ferdinand von Schirach - Die Würde ist antastbar

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Die Würde ist antastbar: Essays

4.5|13)

Verlag: btb Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 144

ISBN: 9783442715008

Termin: Februar 2017

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  • Buschbeschreibung (Quelle KNO):
    Wiegt ein Leben ein anderes auf? Was macht einen Täter zum Täter? Ferdinand von Schirach beschäftigt sich in seinen glänzenden Essays mit den großen Themen unserer Zeit ebenso wie mit ganz persönlichen Gedanken über die Literatur oder das Rauchen. Bestechend, klar und einsichtsvoll.
    Oft ist es nur der Zufall, der den Einzelnen zum Täter oder Opfer macht. Schuld ist das, was einem Menschen persönlich vorgeworfen werden kann. - Nicht zuletzt seine so überzeugend formulierten Gedanken über Gut und Böse, über die moralischen und ethischen Fragestellungen in unserer Gesellschaft haben seine Stories und Romane zu Welterfolgen gemacht. In seinen Essays widmet sich Ferdinand von Schirach brisanten Themen wie den Schauprozessen gegen Prominente, der Sicherheitsverwahrung oder der Folterandrohung gegen Kindermörder. Daneben geht er aber auch der Frage nach, wie es in Zeiten des iPads um unser Lesen bestellt ist oder was der Zwang zu schreiben für einen Schriftsteller wirklich bedeutet. Ferdinand von Schirach ist einer der klügsten und originellsten Köpfe unserer Zeit. "Die Würde ist antastbar" versammelt erstmals alle von ihm im "Spiegel" veröffentlichten Essays in einem Band.


    Der Autor (lt. Amazon):
    Ferdinand von Schirach, geboren 1964, arbeitet als Strafverteidiger und Schriftsteller in Berlin. Seine Storybände »Verbrechen« und »Schuld« wurden, genau wie sein erster Roman »Der Fall Collini«, zu internationalen Bestsellern. In mehr als dreißig Ländern erschienen Übersetzungen. Schirach wurde mit dem Kleist-Preis und anderen - auch internationalen - Literaturpreisen ausgezeichnet. Zuletzt veröffentlichte er im September 2013 seinen Roman »Tabu«. In seinen Essays und Reden äußert er sich regelmäßig zu großen gesellschaftspolitischen Themen.



    Zuallererst, ganz wichtig: Wie bereits in der Buchbeschreibung erwähnt, dieses Buch ist kein Krimi! Dieses Buch beinhaltet Essays, die zwischen 2010 und 2013 im Spiegel erschienen sind und allgemeine weltpolitische als auch sehr persönliche Themen von Schirachs aufgreifen.


    In der Printausgabe hat das Werk gerade einmal 144 Seiten, kostet allerdings stolze EUR 16,99. Für einen Reprint meiner Meinung nach ganz schön happig. Wenn man dazu bedenkt, dass diese Essay auch bis dato noch online verfügbar sind. Wikipedia hilft dabei. Obwohl ich ja eigentlich begeisteter Ebook-Leser bin, kaufe ich mir solch Bücher doch gerne in der Print-Ausgabe. Mit dem p-book in der Hand sind diese Abhandlungen für mich einfacher zu lesen, besser gesagt ist es einfacher für mich mir darüber Gedanken zu machen. Ich habe das Buch in meiner kleinen Buchhandlung meines Vertrauens entdeckt und mich gleich in den ersten Artikel eingelesen. Schon allein der hat mich gefesselt und nicht mehr losgelassen. Obwohl nicht fertig gelesen, ging mir das Buch nicht aus dem Kopf und ich bin Tage später nochmals hingegangen und hab's gekauft - und nicht bereut.


    Gleich im ersten Artikel fallen Sätze wie

    Zitat

    Unser Grundgesetz beginnt mit dem Satz: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Das ist natürlich falsch, denn die Würde wird dauernd angetastet.

    Und von Schirach belegt dies auch anhand von Beispielen die von heutiger Zeit bis ins 19. Jahrhundert reichen. Und natürlich setzt er sich mit dem Thema überwiegend so aus einander, dass man merkt, dass ein Jurist am Werke ist. Aber für mich durachaus interessant meine Meinung, die medial geprägt ist, einmal aus dieser Perspektive zu hinterfragen.


    In seinem Essay "Du bist, wer du bist" nimmt von Schirach dazu Stellung, warum er keine Fragen zu seinem Großvater machen kann. Dieser wurde als Reichsjugendführer in den Nürnberger Prozessen zu 20 Jahren Haft wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Von Schirach erzählt in dem Artikel, wie er seinen Großvater erlebte und wie in der Familie und im Bekanntenkreis damit umgegangen wurde. Natürlich nimmt er auch sehr persönlich Stellung zu den taten seines Großvaters. Es ist allerdings das erste und wird auch das letzte Mal bleiben, dass er über seinen Großvater schreibt. Sehr beeindruckend.


    In Summer werde in diesem Buch 13 seiner Essays nochmals veröffentlicht, die es wert sind gelesen zu werden. Ob mann überall seine Meinung teilen muss, sei dahingestellt. Diesen Anspruch erhebt allerdings auch Ferdinand von Schirach nicht.


    Insgesamt bin ich froh, mit dieses Büchlein gekauft zu haben, denn ich liebe es, tiefgründige Artikel zu lesen und Gedanken zu verfolgen. Diese Ausgabe hat sich gelohnt.


    Ich gebe dem Buch :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    „Dümmer wird man durchs Bücherlesen jedenfalls nicht“
    Christine Nöstlinger

  • Der Rezension von @julibito ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen. Als bekennender Ferdinand von Schirach Fan war es für mich selbstverständlich, auch dieses Buch von ihm zu lesen.
    Seine Essays sind gewohnt auf den Punkt, schnörkellos und direkt greift er gesellschaftliche Themen (meistens natürlich aus seinem Wohlfühlbereich des Rechtssystems) auf und lässt sich prägnant und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen über sie aus.
    Dabei ist mein einziger Kritikpunkt am Buch - und der Grund für den halben Stern Abzug - der wie auch vom Autor gewohnt hohe Preis für wenig Worte. Das ist wirklich sehr ärgerlich und sorgt mit Sicherheit dafür, dass viele nicht bereit sind für 144 Seiten den stolzen Ptreis von 16,99 Euro auszugeben. (Zumal in diesem Fall wie ja bereits erwähnt die einzelnen, ohne Frage lohnenswerten Texte nach wie vor im Netz auffindbar und allesamt zumindest für Spiegelleser bereits bekannt sind) Wenn von Schirach sich damit mal nicht ins eigene Fleisch schneidet.
    Davon abgesehen ist es ein absoluter Genuss, die Texte zu lesen und ich vergebe (leider NUR) :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    "Die wahrhaft menschliche Qualität besteht nicht aus Intelligenz, sondern aus Phantasie." - Terry Pratchett


    :study:

    Edward Rutherfurd - Der Wald der Könige


    :bewertung1von5: 2019: 36 :bewertung1von5:

  • Wenn von Schirach sich damit mal nicht ins eigene Fleisch schneidet.


    @Mojoh, glaubst du, dass der Autor den Preis macht? :|

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)



  • Zitat von Mojoh: „Wenn von Schirach sich damit mal nicht ins eigene Fleisch schneidet.“
    <a href="http://www.buechertreff.de/User/12956-Mojoh/">@Mojoh</a>, glaubst du, dass der Autor den Preis macht? <img src="http://www.buechertreff.de/wcf/images/smilies/mellow.png" alt=":|" />


    Nein natürlich nicht, da hast du selbstverständlich Recht.
    Dann habe ich mich zum Teil mißverständlich ausgedrückt.
    Ich dachte, dass ein Autor wie Ferdinand von Schirach zumindest ein Mitspracherecht (oder zumindest Veto-Recht) beim Preis oder der Entscheidung, ob ein Buch als Taschenbuch oder Hardcover herauskommt. Ich habe aber überhaupt keine Ahnung vom Verlagswesen und somit bin ich da sicherlich auch ein wenig blauäugig. Aber zumindest im deutschen Sprachraum halte ich von Schirach schon für eine Art Bestsellerautor und ich könnte mir vorstellen, dass er schon auch von anderen Verlagen gefragt wäre. Daher könnte er doch sicherlich auch ein wenig Einfluss auf die Art der Veröffentlichung nehmen.


    Aber selbst wenn nicht, würde ich meine Formulierung von oben in der Art ändern, dass sich dann halt der Piper Verlag mit einer solchen Preispolitik ins eigene Fleisch schneidet. :wink:

    "Die wahrhaft menschliche Qualität besteht nicht aus Intelligenz, sondern aus Phantasie." - Terry Pratchett


    :study:

    Edward Rutherfurd - Der Wald der Könige


    :bewertung1von5: 2019: 36 :bewertung1von5:

  • dass sich dann halt der Piper Verlag mit einer solchen Preispolitik ins eigene Fleisch schneidet.


    Das unterschreibe ich dann auch, obwohl Piper zu meinen Lieblingsverlagen gehört. :wink:


    Ich glaube, der Einfluss der Autoren ist kleiner als wir glauben. Sie dürfen ja nicht einmal die Titel auswählen, die sie ihren Werken geben wollen, sondern müssen sich dem Gesetz des Marktes beugen. :(

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)



  • ich liebe es, tiefgründige Artikel zu lesen und Gedanken zu verfolgen. Diese Ausgabe hat sich gelohnt.

    Da kann ich voll zustimmen. Das war mein erstes Buch von ihm, aber bis auf einen Essay (den zweiten, mit den Fragen an die Wirklichkeit) fand ich die Artikel alle sehr gut strukturiert, nachvollziehbar argumentiert und leicht zu lesen.
    Dabei ging es bspw. um die "Saalöffentlichkeit" und die Berichterstattung in den Medien (Pranger in manchen Prozessen wie bei Kachelmann und Hoeness), um die Balance zwischen Menschenwürde und dem Abschuss eines durch Terroristen gekaperten Flugzeugs "auf Verdacht", der Sicherungsverwahrung, und ob vermehrte Volksbefragungen wirklich gleich mehr Demokratie bedeutet ("es gibt hier keine Schwarmintelligenz, Minderheiten würden lediglich unterdrückt") - viele unterschiedliche Themen, die in ein paar Jahren noch immer aktuell sein werden.

    Seine Essays sind gewohnt auf den Punkt, schnörkellos und direkt greift er gesellschaftliche Themen (meistens natürlich aus seinem Wohlfühlbereich des Rechtssystems) auf und lässt sich prägnant und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen über sie aus.

    Dabei zeigt sich zudem, wie wichtig diese dritte Kraft unserer Gewaltenteilung eigentlich ist. Gerade die Legislative wird manchmal durch politische Kurzsicht und Stimmungsmache in der Bevölkerung dazu verleitet, neue, strengere oder eindeutig formuliertere Gesetze zu schaffen. Es ist dann in der rechtssprechenden Instanz enorm wichtig, Menschen mit Sachverstand zu haben, die ohne äusseren Druck ihre eigene Meinung bilden zu können. Nicht immer einfach - zum Einen solche Leute zu finden, zum Anderen dem Druck öffentlicher Berichterstattung entgegen zu treten - aber beim Lesen dieser Texte wurde mir mal wieder klar, dass Juristen neben Polizisten und Politikern eben auch eine wichtige Säule der Gewaltentrennung sind.

    Ich dachte, dass ein Autor wie Ferdinand von Schirach zumindest ein Mitspracherecht (oder zumindest Veto-Recht) beim Preis oder der Entscheidung, ob ein Buch als Taschenbuch oder Hardcover herauskommt

    Mir fällt jetzt auch auf, dass ausgerechnet die Bücher von von Schirach deutlich teurer sind als vergleichbar dicke Bücher anderer Autoren. Keine Ahnung, an wem es liegt, aber in einem der 13 Essays beschreibt er ja auch, wie ein Buch zustande kommt, und wer bis zur Publikation (in Papierform) in den verschiedenen Ländern alles mitwirkt - da hatte ich mich schon eher gefragt, weshalb Bücher "so günstig" angeboten werden können. :wink:

  • Auch wenn in unserem Grundgesetz steht, die Würde des Menschen sei unantastbar wird sie tatsächlich jeden Tag angetastet. In diesem Werk finden sich essays, welche präzise Situationen zeigen, in denen die Menschenwürde angetastet wird. Dabei werden unterschiedliche Themen behandelt wie der Fall Kachelmann, die Raucher- und Nichtraucherthematik und so weiter.

    Die Texte sind kurz und bündig gehalten, dennoch vermag man als Leser sehr schnell und gut abzutauchen. Meiner Meinung nach ist es sehr spannend, auf welche Bereiche von Schirach aufmerksam macht. Nach dem Lesen habe ich das Gefühl noch etwas sensibler zu sein was das Thema der Menschenwürde betrifft.

    Alles in allem handelt es sich um ein sehr kurzweiliges und spannendes Buch, welches man unbedingt gelesen haben sollte. Mit seinen 134 Seiten ist es zwar nicht sonderlich umfangreich, jedoch inhaltlich genug geladen um eine ganze Weile über das Gelesene nachzudenken. Dies war mein erstes Werk von von Schirach und definitiv nicht das letzte.

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