Leena Parkkinen - Die alte Dame, die ihren Hut nahm und untertauchte / Galtbystä Länteen

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  • Dringend muss Karen tanken, die 83jährige ist mit ihrem 56er Plymouth abgehauen. Zu dumm, dass die Tankstelle gerade als sie bezahlen will überfallen wird. Kurzerhand schlägt Karen einen der Täter nieder und entführt den anderen, bei dem es sich offensichtlich um eine schwangere junge Frau handelt. Ihrer unfreiwilligen Gemeinschaft zum Trotz kommen sich Karen und Azar näher. Es entblättert sich die Geschichte beider Frauen, die kaum unterschiedlicher sein könnten und die sich doch irgendwie ähneln.


    Zwischen Vergangenheit beider Frauen und der gemeinsamen Gegenwart pendelt sie Erzählperspektive hin und her, wobei Karens Vergangenheit allein schon wegen ihrer Lebensjahre den größeren Teil einnimmt. In ihrer Jugend wurde eine junge Frau umgebracht und in Karens Augen wurde die Tat nie richtig aufgeklärt. Dies lässt Karen keine Ruhe, denn wer weiß wie viel Zeit ihr in ihrem Alter noch bliebt.


    Die Lebenserzählungen alter Leute mit ungewöhnlichen Titeln bieten zur Zeit einen Anreizpunkt in den Regalen der Buchhändler, wobei der Originaltitel soweit ich herausfinden konnte in etwa „Galtby westen“ bedeutet (oder westlich von Galtby - ein Ort jedenfalls, den Google Maps findet), so dass hier möglicherweise der Übersetzer auf den Zug aufgesprungen ist. Ob die Umsetzung des Titels gelungen ist, darüber kann man sicher geteilter Meinung sein, die Gestaltung des Buches ist ausgesprochen gelungen und ansprechend. Ich wurde direkt verführt, mir das Buch zu genehmigen.



    Bei der Geschichte, die die Autorin erzählen will, handelt es sich dabei um eine pointierte Handlung, die mehr Tiefgang besitzt als der Titel ahnen lässt. Zwar haben wir in Karen eine ausgesprochen resolute und zupackende alte Dame, die sich ihrer jungen Freundin ohne zu zögern annimmt, doch die Erlebnisse ihrer Vergangenheit sind außergewöhnlich und von einschneidenden und leidensvollen Ereignissen geprägt. Von Azar dagegen könnte man fast sagen, sie hat es leicht gehabt, bis ihr die Leichtigkeit zu viel wird und sie sich ein paar Schwierigkeiten verschafft. So passen die beiden unterschiedlichen Frauen doch recht gut zusammen und sind sich gegenseitig eine Stütze. Karen stellt die Vergangenheit und Azar blickt in die Zukunft. Zwei Leben, die durch einen ungewöhnlichen Zufall eine Verbindung finden und deren keinesfalls oberflächliche Geschichten, den Leser von Anfang bis Ende fesseln und berühren.

  • Ja, das hatte ich auch gegoogelt, ich habe versucht, es zu übersetzen, um zu sehen, ob der Originaltitel genauso verschroben ist, wie der deutschsprachige. Allerdings war Google mit Finnisch auch etwas überfordert, deshalb habe ich ein wenig geraten. Galtby ist ein Ort an der Westküste Finnlands.
    :)

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