Inga Tönnies: Abschied zu Lebzeiten

  • Buchdetails

    Titel: Abschied zu Lebzeiten: Wie Angehörige mi...


    Verlag: BALANCE Buch + Medien Verlag

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 240

    ISBN: 9783867390071

    Termin: Juni 2009

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  • Inhaltsangabe zu "Abschied zu Lebzeiten: Wie Angehörige mi..."

    Dieses Buch stellt die seelische Belastung von Angehörigen in den Mittelpunkt: Partner und Verwandte von demenzkranken Menschen schildern ihre Gefühle und Bewältigungsstrategien offen und ohne Tabus. Auf der Suche nach Literatur, die ihr bei der Bewältigung ihrer seelischen Belastung helfen könnte, stellte die Autorin fest, dass die vorhandenen Bücher zum Thema Demenz stets den kranken Menschen ins Zentrum stellen. Also führte sie Interviews mit Familienmitgliedern von Demenzkranken und fragte sie nach ihren Erfahrungen. Menschen, die ihre Väter, Mütter oder Partner rund um die Uhr pflegen, aber auch diejenigen, die »nur« Hausbesuche machen, schildern, was ihnen abverlangt wird. Ein bewegendes Buch, das Angehörigen hilft, ihre Gefühle von Trauer und Hilflosigkeit, von Scham, Kränkung und Wut zu akzeptieren.
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  • Hallo an alle
    Ein weiteres Buch zum Thema "Demenz" möchte ich euch hier vorstellen.



    Inga Tönnies weiß eindeutig, wovon sie spricht bzw. schreibt: auch ihre Mutter ist an Demenz erkrankt und wird von ihr gepflegt.
    Da viele Bücher zu diesem Thema sehr auf die pflegerischen und medizinischen Aspekte eingehen, aber weniger auf die Angehörigen und ihre Probleme, entschloß sie sich, diese Lücke zu schließen, und „Abschied zu Lebzeiten“ entstand. Es ist nun mal so, dass man als Angehöriger nicht nur mit den körperlichen und geistigen Ausfallerscheinungen der Betroffenen umgehen lernen muß, sondern auch mit der neuen Rolle, die man selbst zukünftig einnimmt: man ist plötzlich nicht mehr die Tochter (der Sohn), die von der Mutter hilfreiche Tips bekommt, sondern die Tochter (der Sohn), die der Mutter die Kleidung rauslegt und sagt „wir haben Winter, da brauchst du einen Schal“, die Tochter, die die Mutter beim Einkaufen ermahnt, dass man nicht einfach in der Obstabteilung Weintrauben isst. Man ist auch nicht mehr der Ehemann (die Ehefrau), der jahrelang als Partner Seite an Seite mit der Frau (dem Mann) gelebt hat, sondern man ist jetzt derjenige, der – gerade in der älteren Generation – für ihn völlig fremde Hausarbeiten übernehmen muß, der der Ehefrau zeigen muß, wie man ein Telefon bedient oder sie zur Toilette bringt, weil sie den Weg nicht mehr findet.


    In „Abschied zu Lebzeiten“ sind Erfahrungsberichte von betroffenen Angehörigen gesammelt, von Männern und Frauen, Söhnen und Töchtern, die unterschiedlich gut mit der Krankheit zurechtkommen, teilweise die Chancen, die die Krankheit – so merkwürdig es klingt – für einen bietet, nutzen, teilweise fast verzweifeln.
    Der Ehemann, der berichtet, wie vorausschauend er alles hergerichtet hat, und dann, als der Fall der Fälle eintrifft, gut gerüstet ist. Oder die Ehefrau, die nun – früher undenkbar – ihrem Mann sagen muß, wo im Keller er die Werkzeugkiste (die seit 30 Jahren am gleichen Platz steht) findet und wie er den Teppich zu schneiden und zu verlegen hat.


    Schon die Überschriften der einzelnen Berichte sind sehr aufschlussreich und lassen die vielfältige Problematik der Krankheit erkennen, z.B.:
    „Die Krankheit bestimmt den Tag und nichts anderes“
    „Mittlerweile freue ich mich schon, wenn er meinen Namen sagt“
    „Wenn ich nicht aufpasse, dann lebe ich nicht mehr mein Leben, sondern ihr Leben“
    „Mein großer starker Papa, und jetzt dieses Häufchen Mensch“


    Besonders gut gefallen hat mir der Fragebogen, den Inga Tönnies entwickelt und auf dessen Grundlage sie ihre Interviews durchgeführt hat. Man sollte sich wirklich Zeit nehmen und die Fragen genau überdenken, um so ein klares Bild auch von der eigenen Motivation zu bekommen, einen demenzkranken Angehörigen zu pflegen.
    Es finden sich Fragen wie: Haben Sie manchmal Schuldgefühle?“ Wie gehen Sie damit um, wenn Ihr Angehöriger etwas macht, was Ihnen auf die Nerven oder unter die Haut geht?“ „Wie war Ihre Beziehung zu Ihrem Angehörigen vor Ausbruch der Demenz?“ „Was gibt Ihnen die Kraft, Ihren Angehörigen zu pflegen und zu betreuen?“

    Stellt man fest, dass man z.B. nur aus Pflichtgefühl die Pflege übernimmt, ist das keine gute Basis, und man sollte über Alternativen nachdenken.Denn: ohne Liebe geht hier nichts! Naja, sollte im Leben überhaupt etwas ohne Liebe gehen?


    Inga Tönnies´ Buch „Abschied zu Lebzeiten“ – schon der Titel fasst das „Programm Demenz“ prägnant in drei kurze Worte – ist meiner Meinung nach ein sehr empfehlenswertes Buch nicht nur für Angehörige, sondern für alle am Thema Interessierten sowie z.B. auch für Freunde oder Bekannte von Demenzkranken und ihren Familien, für die die Probleme oft unverständlich sind oder die z.B. vor Besuchen zurückschrecken, aus Angst, etwas falsch zu machen oder weil sie ihre Hilflosigkeit spüren.
    Verstehen und helfen – kann das bei einer solchen Krankheit überhaupt jemand? Meiner Meinung nach kann man nur jeden Tag die Herausforderung neu annehmen und sein Bestes geben.



    Viele Grüße


    Sylvia, Paule, Lily, Zora, Luzian und Kasimir
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