Kristof Magnusson - Arztroman

  • Buchdetails

    Titel: Arztroman


    Verlag: Kunstmann, A

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 320

    ISBN: 9783888979668

    Termin: August 2014

  • Bewertung

    3.7 von 5 Sternen bei 5 Bewertungen

    74% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Arztroman"

    Anita Cornelius ist Notärztin an einem großen Berliner Krankenhaus und liebt ihren Beruf. Sich auf unerwartete Situationen einzustellen, entspricht ihrem Temperament. Auch wenn es bei ihren Einsätzen nicht immer so aufregend zugeht, wie man sich das vorstellt. Anita ist das recht. Sie kann helfen. Und ab und zu sogar jemandem etwas Gutes tun. Adrian, ihr Exmann, ist Arzt am selben Krankenhaus. Sie haben sich erst vor kurzem in bestem Einvernehmen getrennt, und Lukas, ihr vierzehnjähriger Sohn, lebt bei seinem Vater und dessen neuer Freundin Heidi. Hätte Anita Adrian nicht zufällig bewusstlos auf der Krankenhaustoilette gefunden, zugedröhnt mit einem Narkosemittel, und hätte Heidi nicht dauernd diese flotten Sprüche losgelassen, dass jeder seines Glückes Schmied ist, dass Arme und Kranke oft genug selbst an ihrem Zustand schuld sind, dann könnte sich Anita weiter vormachen: alles ist in bester Ordnung. Ist es aber nicht. Weder privat noch beruflich. Kristof Magnusson erzählt mit großer Kenntnis aus dem Alltag einer Notärztin und gleichzeitig aus dem Alltag ihrer Patienten. Vor allem aber erzählt er witzig und unterhaltend aus dem Leben einer Frau Anfang vierzig, die mehr will als Routine und 'schöner Wohnen'.
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  • Klappentext:
    Anita Cornelius ist Notärztin an einem großen Berliner Krankenhaus und liebt ihren Beruf. Sich auf unerwartete Situationen einzustellen, entspricht ihrem Temperament. Auch wenn es bei ihren Einsätzen nicht immer so aufregend zugeht, wie man sich das vorstellt. Anita ist das recht. Sie kann helfen. Und ab und zu sogar jemandem etwas Gutes tun.
    Adrian, ihr Exmann, ist Arzt am selben Krankenhaus. Sie haben sich erst vor kurzem in bestem Einvernehmen getrennt, und Lukas, ihr vierzehnjähriger Sohn, lebt bei seinem Vater und dessen neuer Freundin Heidi. Hätte Anita Adrian nicht zufällig bewusstlos auf der Krankenhaustoilette gefunden, zugedröhnt mit einem Narkosemittel, und hätte Heidi nicht dauernd diese flotten Sprüche losgelassen, dass jeder seines Glückes Schmied ist, dass Arme und Kranke oft genug selbst an ihrem Zustand schuld sind, dann könnte sich Anita weiter vormachen: alles ist in bester Ordnung. Ist es aber nicht. Weder privat noch beruflich.
    (von der Verlagsseite kopiert)


    Zum Autor:
    Kristof Magnusson, geboren 1976 in Hamburg, machte eine Ausbildung zum Kirchenmusiker, arbeitete in der Obdachlosenhilfe in New York, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er lebt als Autor und Übersetzer aus dem Isländischen in Berlin. Sein Debütroman "Zuhause" (2005) wurde mit dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet, sein Roman "Das war ich nicht" war ein Bestseller. Die Verfilmung seiner Komödie "Männerhort" (mit Christoph Maria Herbst, Detlev Buck und Elyas M’Barek) kommt im Oktober 2014 in die Kinos. (von der Verlagsseite kopiert)


    Allgemeine Informationen:
    Personale Erzählform aus Anitas Sicht.
    Kapitel mit 1-2-Wortüberschriften
    312 Seiten + Danksagung


    Eigene Meinung / Bewertung:
    Magnusson segelt mit seinem dritten Roman, ähnlich wie beim ersten, Kristof Magnusson - Zuhause, hart an der Realität; er bildet die Wirklichkeit ab, erschafft keine neue. Er schneidet gleichsam ein Stück Alltagslebens einer Notärztin aus und präsentiert es.
    Eine ganz normale Familiensituation: Ein Paar hat sich mit der Trennung arrangiert, die beste Regelung für das gemeinsame Kind getroffen und lebt einvernehmlich. Auch Anita kommt mit der Lösung klar; dass der Sohn Lukas bei seinem Vater und dessen neuer Freundin lebt, bejaht sie. Wenn da nicht ein Stachel wäre, den sie sich selbst nicht eingesteht. Und wenn Heidi ihr sympathischer wäre. Und wenn Adrian sich nicht von Zeit zu Zeit wegspritzen würde. Und wenn Lukas sich bei Diskussionen auf die Seite seiner Mutter schlagen und mehr mit ihr unternehmen würde.


    Der Autor erzählt leidenschaftslos, bewahrt den gesamten Roman über das gleiche Tempo; Zeitsprünge überwindet er formal, setzt Abschnitte oder Kapitel. Erzählzeit und erzählte Zeit sind durch die Dialoge und Gedanken der Personen – meist Anitas – oft deckungsgleich.
    Zu allen Figuren baut der Leser eine ähnliche Distanz auf, auch zur Protagonistin.


    Es geschieht nur, was jeder im Alltag erlebt, Streit und Versöhnung, Missverständnisse und Aussprachen, Verliebtheit und Zweifel. Gerade weil man als Leser mit solchen Situationen vertraut ist, spürt man meist im Voraus, wohin der Hase läuft und was jetzt wieder schief gehen wird. Daher könnte man Anita beim Hals nehmen und schütteln, wenn sie wieder etwas besonders geschickt und findig einfädelt, und man ahnt, dass sie sich verrennt. Es ist wie im Leben: Will man etwas besonders gut machen und für sich und die anderen das Beste erreichen, geht die Sache oft daneben und man erntet Kopfschütteln statt Applaus.


    Der Autor spielt ironisch mit seinem Titel, weil er nicht den typischen Arztroman-Protagonisten einführt, den aufopferungsvollen Helden und Halbgott in Weiß, sondern eine Frau, die sich bemüht, ihre Arbeit ordentlich und auf der Basis ihrer Ausbildung und Routine zu machen, Alltag auf dem Rettungswagen.
    Magnusson holt den Arzt als Protagonisten auf den Boden. Auf den Boden der Literatur und der Erde.


    Man darf von diesem Roman keine herausragende Handlung, keinen Spannungsbogen und keine schnellen Wendungen erwarten, sonst ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Wer einfache Geschichten, gern auch mit skurrilen Einschüben mag und das Alltägliche dem Spektakulären vorzieht, ist mit diesem Roman gut beraten. Ein literarischer Clou wie Kristof Magnusson - Das war ich nicht ist „Arztroman“ leider nicht.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Sein Roman „Das war ich nicht“, den er 2010 im Milieu der Finanzwirtschaft ansiedelte, überzeugte damals nicht nur die Kritik, sondern eine große Zahl von Lesern. Schon damals überzeugte Kristof Magnusson, der sich auch als Übersetzer einen Namen gemacht hat durch eine genaue Recherche des Gebiets, in dem er seinen Roman ansiedelte. Dort war es die genaue Beschreibung einer spekulativen Arbeit, die seine Hauptperson in den Ruin zu treiben droht, die zu einer gelungenen Mischung führte zwischen Finanzkrimi, Komödie und Alltagswelt.

    Hier nun in seinem neuen Roman ist es der Alltag und die Praxis einer Notärztin, die er mit Akribie recherchiert hat und sehr überzeugend und übrigens auch lehrreich für den Leser beschreibt.

    Seine sympathische Hauptfigur heißt Anita Cornelius. Sie arbeitet als Notärztin in einer großen Berliner Klinik, in der sie vor langer Zeit zusammen mit ihren Mann Adrian nach dem Studium angefangen hat. Zunächst im stationären Dienst, übernahm Anita immer mehr Notdienste, bevor sie dann schließlich nur noch als Notärztin sic einsetzen lässt. Anita liebt ihren Beruf. Sie findet Freude daran, anderen zu helfen, zur rechten Zeit das Richtige zu tun und die Zusammenarbeit mit dem homosexuellen Maik im NAW genießt sie sehr. Anderen helfen und manchmal auch außerhalb der Regel einem armen Schlucker etwas Gutes tun – das macht sie zufrieden.

    Von ihrem Mann Adrian ist sie getrennt und der gemeinsame vierzehnjährige Sohn Lukas lebt seit dieser Zeit bei seinem Vater und dessen Freundin Heidi. Auch in ihrer eigenen Wohnung hat Lukas ein eingerichtetes Zimmer, doch immer seltener hält er sich dort auf.

    Zwischen den detaillierten Schilderungen der auch medizinischen Details vieler Einsätze, spürt man bald, dass im Leben von Anita Cornelius so etwas wie Veränderung in der Luft liegt. Es ist nicht nur Lukas, der sich ihr entfremdet, auch weil, er die flotten Sprüche von Heidi nachplappert, die Armen und Kranken seien selbst an ihrem Schicksal schuld, es ist auch ihr eigenes Leben, das an Grenzen zu stoßen scheint. Nicht eben selten in diesem Alter und einer solchen privaten Konstellation.

    Sie verdrängt das, hangelt sich von einem Einsatz zum nächsten und fürchtet freie Tage wie der Teufel das Weihwasser. Doch als sie eines Tages in der Toilette der Klinik ihren Ex-Mann Adrian zugedröhnt mit einem Narkosemittel findet, kommt Beschleunigung in ihr Leben und Wahrheit. Sie spürt, dass sie nicht länger verdrängen kann, was sie sich immer als gelingendes patchwork schön geredet hat.

    Auch ihre zarte Liebesbeziehung zu dem Bootsbauer Rio bekommt Dellen und sie weiß nicht, wie ihr Leben weitergehen soll zumal auch Maik nach langer Zeit zu fremdeln beginnt, weil Anita sein Vertrauen und seine Loyalität über die Maßen strapaziert hat.

    Wie ein Symbol ist daher ihr erster ambulant in der Wohnung eines Mannes durchgeführte Luftröhrenschnitt (von Magnusson im Detail beschrieben), der nicht nur dem Mann das Leben rettet, sondern ihr auf wundersame Weise selbst wieder zu Lebensatem verhilft….

    In „Arztroman“ erzählt Magnusson gekonnt und mit großem Detailwissen nicht nur von dem Alltag einer Notärztin, sondern auch von einer Frau in einer Lebenskrise, die lernt, nicht nur anderen zu helfen, sondern auch sich selbst.

    Ein guter, unterhaltsamer Roman, der nie an der Oberfläche bleibt, gut recherchiert und mit Witz geschrieben.

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