Dennis Gira, Fabrice Midal - Jésus, Bouddha : Quelle rencontre possible ?

  • (Titel in etwa: Jesus, Buddha: Welche Möglichkeit zur Begegnung?)
    Original : Französisch, 2006


    INHALT :
    Persönlicher, tiefgehender und freundschaftlicher Austausch zwischen einem Buddhisten tibetanischer Prägung und tiefen Kenntnissen der abendländischen Kultur und des Christentums und, andererseits, einem Christen, anerkanntem Spezialist des Buddhismus', nordamerikanischer Herkunft und in Frankreich wohnend.


    BEMERKUNGEN :
    Was bedeutet wirklich ein Dialog der Tiefe zwischen zwei Religionen/Lebensanschauungen, wenn man sich über gewisse Klischees erhoben hat ? Welche Fragen, welche Unterschiede bleiben offen, stellt man einander, erklärt man sich tastend ? Weniger dabei von rein theoretischem oder dogmatischem Wissen ausgehend als vielmehr in einer Verwurzelung in der eigenen Spiritualität, der eigenen Praxis im Sinne der Bedeutung gewisser grundsätzlicher Aussagen der eigenen Tradition in der gelebten Umsetzung ?


    Dennis Gira und Fabrice Midal sind einerseits fest verwurzelt in ihren geistigen Heimaten (was zu einem wirklichen Dialog auch vonnöten ist), kennen aber auch sehr gut das Umfeld des anderen. So können sie sich auch deswegen teils in ihren eigenen Fragen zur eigenen Tradition und zu Verstehensschwierigkeiten des anderen frei äußern. Das alles dann geschieht nicht auf einer Ebene des Mißtrauens oder der Suche nach den Widersprüchen und Ungereimtheiten des anderen, sondern im Geiste der Freundschaft, des echten Interesses am Austausch, am Verstehen. Und in der Anerkennung der Schönheit gewisser Grundaussagen des anderen, bzw des anderen Weges.


    Ich kann nicht beurteilen, inwieweit dieses Buch für einige Leser zu viel Vorwissen verlangt, doch ein Minimum an Wissen über einige Begriffe ist wohl angebracht. Dennoch bewegt sich dieser Austausch auf einer sehr verstehbaren Ebene, und das Lesen kann sehr gewinnbringend sein. Vielen für uns mag dabei das ein oder andere ganz neu offenbar werden. Wie oft verstehen wir unsere eigenen Ursprünge nicht, unseren eigenen Kulturraum nicht mehr ? Benützen Begriffe, Wörter, meinen zu wissen, was dahinter steht, und liegen doch eigentlich etwas daneben. So ist es ein sstaunendes Entdecken und eine Einladung zum Überdenken gewisser Vor-Urteile oder auch falscher Auffassungen von Toleranz und « ist-ja-alles-gleich-Stimmung ».Die Autoren überraschen immer wieder sei es, indem sie manchen Vorstellungen eine gewisse Breite verleihen, oder auch anderen anders herum, etwas stutzen. So schaufeln sie Wege frei, die einen den anderen besser verstehen lassen. Und eine Begegnung wird möglich !


    Das Buch besteht aus fünf Briefaustäuschen, in denen sie jeweils, und immer weitergehender, aufeinander eingehen oder sich auch Fragen stellen. Es folgt am Ende ein kurzer Anhang : dort geben die Autoren einige für sie wichtige Schlüsseltexte aus ihrer Tradition an.


    Meines Erachtens sehr lesenswert ! Wer sich ur im Moment nur auf Französisch zur Verfügung stehenden Ausgabe nicht zurückgreifen kann, könnte sich dennoch diese Namen merken und schauen, was es sonst noch gibt. Dennis Gira konnte ich zweimal bei einer Konferenz erleben und war sehr beeindruckt von seinem Wissen, aber sicherlich auch seiner tiefen Menschlichkeit und Spiritualität.


    AUTOREN :
    Dennis Gira wurde 1943 geboren, ist ein französischer Forscher und Schreiber nordamerikanischer Herkunft. Als Spezialist des Buddhismus' ist er Ehrendoktor am Katholischen Institut, Paris. In den 70iger Jahren verbrachte er acht Jahre in Japan und interessierte sich für die Religionen des Landes, insbesondere für den Buddhismus. Im Rahmen seiner Forschungsarbeiten an einer japanischen Universität und anschließend in Frankreich analysiert er die verschiedenen Formen, Schulen des Buddhismus' und seine Entwicklung bis zum heutigen Tag.Als christlicher Theologe und Spezialist des Buddhismus' arbeitet er an den Grundbedingungen eines wahrhaften interreligiösen Dialoges und veröffentlichte auch zu diesem Thema mehrere Bücher.


    Fabrice Midal wurde 1967 in Paris geboren, ist Philosoph, Spezialist des Buddhismus', Photograph. Er wuchs in einer jüdischen Familie auf, wandte sich sehr früh dem Buddhismus zu und studierte bei namhaften tibetanischen Meistern : Khandro Rinpoché, Thrangu Rinpoché, Khenpo Tsultrim Gyamtso Rinpoché, Lopön Tenzin Namdak. Besonders prägte ihn die Begegnung mit 20 Jahren mit demWerk und der Lehre von Chögyam Trungpa. Er zieht daraus eine Haltung, wie sie dem Abendland präsentiert wurde und verkörpert einen undogmatischen Buddhismus, der der Poesie, der Freiheit, dem sozialen, politischen und künstlerischen Engagement offen gegenübersteht.


    Nach Studien an der Pariser Universität erhält er das Doktorat in Philosophie, und unterrichtete Photographie. Er hat inzwischen circa 20 verschiedenste Werke verfasst zu Fragen der Philosophie, der Meditation, der modernen Kunst..., und machte sich zum Biographen von Chögyam Trungpa.


    Taschenbuch
    Verlag: Bayard Jeunesse (30. März 2006)
    Sprache: Französisch
    ISBN-10: 2227475544
    ISBN-13: 978-2227475540