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John Boyne - So fern wie nah / Stay where You Are and then Leave

So fern wie nah

4.3 von 5 Sternen bei 10 Bewertungen

Verlag: SFV: FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 256

ISBN: 9783596812417

Termin: August 2015

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  • Inhalt:
    Alfie ist fünf Jahre alt als 1914 der Krieg beginnt und sein Vater sich freiwillig fü´r die Armee Meldet. Er sieht ihn lange Zeit nicht und versucht der Mann im Haus zu sein. Er putzt Schuhe und trifft dabei auf einen Arzt und einen Hinweis wo sein Vater, von dem er nun schon so lange nichts mehr gehört hat, wirklich ist.
    Meine Meinung:
    Ich kenne Der Junge im gestreiften Pyjama und war ganz begeistert davon wie gefühlvoll John Boyne schreiben kann. Nun kam ein neues sehr gefühlvolles Buch raus. So fern wie nah beschreibt die Beziehung zwischen Vater und Sohn. Es handelt von den Kriegsereignissen in England. Wobei der Autor es schafft das Grauen zu beschreiben und es doch im Hintergrund zu lassen.
    Es geht um Alfie, seine Mutter und seinen Vater. Um die Bewohner seiner Straße und um die Liebe.
    Alfie ist fünf Jahre alt als sein Vater in den Krieg zieht. Georgie sein Vater hat sich freiwillig gemeldet. Jeder geht davon aus das der Krieg schnell vorbei sein soll. Alfie ist ein Kind und versteht doch recht viel. Er vermisst seinen Vater und merkt auch das die Situation immer schlechter wird. Er trägt zum Familienunterhalt bei und als er einen Hinweis bekommt wo sein Vater sein könnte. Handelt er sehr mutig. In einer kindlichen Naivität versucht er seinen Vater nach Hause zu holen. Alfie ist ein mutiger Junge, der weiß was im Leben wichtig ist und das obwohl er so jung ist. Er ist die Hauptfigur. Niemand ist so wichtig wie er weswegen eine wirkliche Tiefe nur bei ihm vorkommt. Man kann aber ahnen wie es den anderen Figuren geht. Sie sind Erwachsene und wissen was Krieg bedeutet.
    Das Buch hat mich von Anfang bis Ende berührt und gefesselt. Es ist eine zauberhafte Geschichte und ich würde mir wünschen wenn alles so einfach wäre wie es hier am Ende ist.
    Der Schreibstil ist einfach gehalten, ein wenig kindlich und doch ernst. Es ist eine Erzählung bei der ich sehr gespannt war wie es endet. Wird es ein Happy End geben oder eben nicht? Am Schluss fand ich das Ende gut so wie es war. Ein wenig ahnte ich schon wie es weiter geht und das bevor der Autor vom verschwundenen Vater schrieb, doch trotzdem war es für mich interessant.
    So fern wie nach ist für mich eine andere Art Kriegsgeschichte. Eine Geschichte mit viel Gefühl und doch den nötigen Ernst hinter der Fassade. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Liebe Grüße
    Natalie

    www.mem-o-ries.de


    :study: Bauchgefühle von Lena Hooge


    Gelesen 2013: 231 - 2014: 195 - 2015: 185 - 2016: 138 - 2017: 122 - 2018: 89

    Gelesen 2019: 80


    SuB: 299

  • Alfie feiert den 5. Geburtstag genau am Tag, an dem die Kampfhandlungen des 1. Weltkriegs beginnen. Seine Welt ändert sich drastisch: Nicht nur, weil sein Vater als Soldat in den Krieg zieht, auch seine beste Freundin aus der Nachbarschaft wird gemeinsam mit ihrem Vater abgeholt, weil dieser, ein gebürtiger Prager, angeblich ein Spion ist; seine Mutter muss arbeiten, um sie zu ernähren; immer wieder herrscht Trauer in seine Straße, weil Männer fallen, und der beste Freund des Vaters kommt als Kriegsdienstverweigerer ins Gefängnis.
    Mit einem Schuhputzkasten geht er zum Bahnhof (statt zur Schule), denn er fühlt sich mitverantwortlich für den Unterhalt für sich und seine Mutter.
    Am schlimmsten wird es, als keine Briefe des Vaters mehr ankommen, denn Alfie, inzwischen neun Jahre alt, dem niemand die Wahrheit sagt, hält ihn für tot. Durch einen merkwürdigen Zufall bekommt er heraus, dass der Vater in einer Traumaklinik lebt, und er beschließt, sich um das Problem auf seine eigene Weise zu kümmern.


    Mit der Figur des Alfie macht Boyne eindrücklich klar, was es für Jungen in Kriegszeiten hieß, „der Mann im Haus“ zu sein: Eine Verantwortung zu übernehmen, die das Überleben der Familie sicherte (auch wenn es sich hier nur um ihn und die Mutter handelt).


    Der euphemistische Begriff „Granatenschock“, womit der Zustand des Vaters erklärt wird, beweist die Haltung dieser Zeit zu dem, was man heute als „Kriegstrauma“ ernster nimmt.


    Gegenüber Alfie stellt sich ein ähnliches Gefühl ein wie gegenüber Bruno aus „Der Junge im gestreiften Pyjama“: Man ist ihm nah – wer leidet nicht mit Jungs, deren Leben vom Krieg auf den Kopf gestellt wird, und doch schafft Boyne mit einer kleinen Distanz zwischen Protagonist und Leser die beste Ausgangsposition, um mitzufühlen.


    Als erwachsener Leser hält man den Atem an. Man weiß, welche Reaktionen Traumata in Stresssituationen auslösen können, und ist besorgt, ob und wie Alfie in seiner Unbedarftheit das Problem bewältigt.


    Es wäre schade um dieses weniger bekannte Buch von John Boyne, wenn es nur als Jugendbuch gesehen und daher von Erwachsenen nicht gelesen würde.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)



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