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Isaac Asimov - Das Ende der Ewigkeit/ The End of Eternity

Das Ende der Ewigkeit

4.2 von 5 Sternen bei 3 Bewertungen

Verlag: Heyne Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 240

ISBN: 9783453316867

Termin: Oktober 2016

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  • Inhalt
    Er beherrscht die Zeit – und in seinen Händen liegt die Entscheidung über Leben und Tod aller Menschen. (Klappentext)
    Andrew Harlan, zeitreisender Techniker, verändert die Zeit. Zusammen mit einigen wenigen anderen „Ewigen“ verfolgt er das Ziel, Leid und Unrecht auszumerzen, um den Fortbestand der Menschheit und der Ewigkeit zu sichern. Eines Tages begegnet er dem Mädchen Noys – und muss sich die Frage stellen, ob der gute Zweck tatsächlich alle Mittel heiligt.


    Der Autor
    Geboren 1919 im damaligen Sowjetrussland, gestorben 1922 in New York. Seine jüdische Familie wanderte 1923 in die USA aus, wo Asimov früh in den Kontakt mit Science Fiction-Literatur kam. Er erlangte einen Doktortitel in Biochemie und Berühmheit mit zahlreichen Science-Fiction-Romanen und Kurzgeschichten. Seine Roboter-Gesetze prägen bis heute das gesamte Genre.
    Webseite: http://www.asimovonline.com/


    Meine Meinung
    Viele Science Fiction-Autoren führen ihre Leser in eine Zukunft, die ein paar Jahre oder Jahrhunderte von der Gegenwart entfernt ist. Einige lassen die zeitliche Verortung ihrer Geschichte auch offen. Dieser sehr frühe Roman Asimovs spielt mit Jahrhunderten und Jahrtausenden, dass es dem Leser nur so schwindelig wird. Die Zukünfte – ja, man muss hier von der Mehrzahl reden – in die er den Leser mitnimmt, sind mit dem menschlichen Geist eigentlich kaum noch zu erfassen, genauso wenig, wie der menschliche Geist die Ewigkeit erfassen kann. Wer kann sich schon das 2456. Jahrhundert vorstellen oder gar, wie die Welt dann aussehen wird? Asimov versucht es und teilt seine Zeiten in verschiedene Epochen ein, jede gekennzeichnet durch einen speziellen Stil der Architektur, der Mode, der Kunst, der Vorlieben. Bei dem rasanten Tempo allerdings, mit dem sein Protagonist durch die Zeit reist, bleibt die Beschreibung der meisten Gesellschaften sehr oberflächlich; um sie geht es auch nicht.


    Es geht um die Macht, fundamental ins Leben aller Menschen, auf allen zeitlichen Ebenen einzugreifen. Die „Ewigen“ haben einen Weg gefunden, singuläre Ereignisse in der Zeit zu verändern. Es gibt Rechner, die die Wahrscheinlichkeit bestimmter Ereignisse berechnen; es gibt Lebensplaner, die das Leben aller Menschen planen; es gibt Soziologen, die Gesellschaften analysieren. Und es gibt Beobachter, die die Basisdaten für alle Berechnungen liefern, sowie Techniker, die den Ablauf der Ereignisse konkret verändern. So ein Techniker ist Andrew Harlan, Protagonist des Romans. Wie alle Ewigen arbeitet er daran, das auszumerzen, was zur Gefahr für die Menschheit und die Ewigkeit werden könnte. Dafür reist er in der Zeit umher und führt die Änderungsaufträge des Ewigenrates aus, festgesetzt nach einem System kühler Logik. Wenn dabei ein oder ein Dutzend Menschen aus der Zeit verschwinden – was ist das schon gegen den Fortbestand der Menschheit und der Ewigkeit an sich?
    Das ist die grundlegende Frage dieses Romans: Wie viel Handlungsfreiheit wird dem Einzelnen zugestanden? Wie viel Freiheit sollte ihm zugestanden werden? Harlan glaubt fest daran, das Richtige zu tun. Bis er eines Tages Noys begegnet, dem „Störgeräusch“ in seinem bisherigen Dasein (Noys – talking names, anyone? :wink: ). Langsam erkennt er, dass menschlicher Forschungsdrang und Kontrollwahn vielleicht doch zu weit gegangen sind.


    Das Ende der Ewigkeit entstand 1955 natürlich vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und der atomaren Bedrohung. Das merkt man dem Roman auch an. Die „Ewigen“ versuchen nicht nur die Entwicklung der Massenvernichtungswaffen, sondern auch die Raumfahrt zu unterdrücken. Alles vermeintlich zum Wohle der Menschheit. Doch gut gemeint ist halt immer noch das Gegenteil von gut gemacht; Asimov entwirft mit den „Ewigen“ das vielleicht totalitärste Regime, das denkbar ist. Darüber hinaus liefert er ein faszinierendes Spiel mit den Zeitebenen und ein Plädoyer für die Handlungsfreiheit des Einzelnen und für die Pflicht zum Widerstand.


    Fazit
    Ein faszinierender, tiefgründiger Zeitreiseroman. Verdient auch heute absolut noch Aufmerksamkeit.
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

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