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Jochen Rausch - Krieg

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Krieg

4.1|6)

Verlag: Berlin Verlag Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 224

ISBN: 9783833309885

Termin: Januar 2015

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  • Zitat

    „Vielleicht überwindet der Mensch seine Angst, wenn er erst seine Träume begraben hat.“ (S 131)


    Lange, viel zu lange hat dieses Buch ungelesen in meinem Regal gestanden. Jetzt fiel es mir wieder in die Hände und eigentlich wollte ich nur kurz reinlesen. Daraus wurde dann ein Lesenachmittag, an dem ich die Welt um mich herum vergaß.


    Wie der Titel es schon kurz und prägnant aussagt, geht es um den Krieg. Dafür hat Jochen Rausch zwei Ebenen geschaffen. Im Mittelpunkt eines Erzählstranges steht Chris, der junge Mann, der sich als Soldat verpflichtet und nach Afghanistan geht. Findet er das Ganze zunächst noch cool, wird er schnell von der harten Realität eingeholt.


    Zitat

    „Röttger ist vorgestern auf eine Scheißmine getreten. Wäre er einen halben Meter weiter links gegangen, wäre ihm das nicht passiert. Da stand ich. Röttgers linkes Bein ist unterm Knie abgerissen. Habe gekotzt, als ich das sah. Scheiße. Was mit dem anderen Bein wird, wissen sie noch nicht.“ (S. 43)


    Röttger nimmt sich das Leben und Chris “opferte sein Leben für unser aller Vaterland.” (S. 170)


    Zu Hause haben sein Vater Arnold, seine Mutter Karen und seine Freundin Sandra die Nachrichten verfolgt, auf Mails gewartet und gemeinsam mit Chris die Tage gezählt, die sein Kriegseinsatz noch dauern sollte. Rund um Arnold baut der Autor die zweite Erzählebene oder besser gesagt, den zweiten Kriegsschauplatz auf. Arnold hat alles verloren. Neben dem Tod seines Sohnes muss er mit der Trennung von Karen fertig werden. Er hat sich mit dem Hund von der Welt in eine einsame Berghütte zurückgezogen. Aber auch dort findet er keine Ruhe. Es beginnt auch für ihn ein Überlebenskampf. Er führt seinen Krieg mit den Dämonen der Vergangenheit und einem Unbekannten, der in seine Hütte einbrach und das Wenige, das er noch besaß, zerstörte und den Hund schwer verletzte.


    Dieser 220 Seiten lange, in 66 Kapitel und sieben Teile gegliederte Roman hat mich sehr berührt. Der stakkatoartige, gehetzte Stil passte sehr gut zur Handlung, er verdeutlichte die Gemütsverfassungen und Ängste von Chris und Arnold. Stellenweise spürte ich die Anspannung der beiden fast körperlich. Die Stimmung war bedrückend und bedrohlich. Immer wieder gab es beeindruckende Beschreibungen des Wetters, welches die Dunkelheit in Arnolds Gefühlswelt untermauerte.


    Jochen Rauschs Roman ist durchweg gesellschaftskritisch. Mit seiner Meinung zum Krieg versteckt er sich nicht. Viel zu lange wurde in Deutschland nicht gewagt, von einem KRIEG zu sprechen..


    Zitat

    „Die Wahrheit. Im Krieg gibt es keine Wahrheit. Ein Krieg ist voller Lügen. Kriege werden mit Lügen begonnen, sie werden mit Lügen geführt und mit Lügen beendet. Das ist die Wahrheit.“ (S. 94)


    Mir hat dieser mit Worten geizende, tiefe, bedrückende und intensive Roman sehr gut gefallen. Ich schätze ihn als sehr bedeutend und wichtig ein, weil er auf einzigartige Weise Einblick in das Seelenleben des Soldaten und der daheim gebliebenen Eltern gibt.


    Zitat

    „Sicher wird es irgendwann wieder Krieg geben. Vielleicht wird dieser Krieg furchtbarer sein als alle Kriege zuvor.“ (S. 220)

    .


    Über den Autor (Quelle: amazon.de)


    Jochen Rausch ist Journalist, Autor und Musiker. Seit 2000 ist er Programmchef von Radio 1LIVE (WDR), Köln. 2008 erschien der Roman »Restlicht«, 2011 sein Erzählungsband »Trieb« und 2013 sein Roman »Krieg« im Berlin Verlag. Rausch lebt in Wuppertal.



    Mehr über den Autor auf http://www.jochenrausch.com/

  • Danke für die interessante Rezension, Karthause. Ich bin schon im "Zitaten-Thread" auf das Buch aufmerksam geworden und es mir auf die Wunschliste gepackt.

    2019: Bücher: 51/Seiten: 21 598
    2018: Bücher: 224/Seiten: 89 626
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

    Dalai Lama

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    Lese gerade:

    Jonasson, Jonas - Die Analphabetin, die rechnen konnte

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  • Verlagstext

    Seit Monaten schon lebt Arnold Steins zurückgezogen inmitten der rauen Welt der Berge und kommt nur gelegentlich runter ins Dorf. Doch so einsam und abgeschieden ist das Leben nicht in dieser verwitterten Almhütte mit all ihren Geheimnissen: In einem Moment der Abwesenheit zerstört ein Fremder die letzten Dinge, die ihm wichtig sind, sein Hund wird brutal verletzt – ein Kampf auf Leben und Tod mit unbekanntem Gegner beginnt. Und auf einmal versteht Arnold, wie alles zusammenhängt: das Schicksal seines Sohnes mit der zerstörerischen Trauer seiner Frau und der eigenen Flucht aus einem Leben, in dem er sich nur ein einziges Mal zur Wehr setzte. »Angst? Nein. Merkwürdigerweise nicht. Vielleicht wird er nie wieder Angst haben im Leben. Vielleicht überwindet der Mensch seine Ängste, wenn er erst seine Träume begraben hat.«


    Der Autor

    Jochen Rausch ist Journalist, Autor und Musiker. Seit 2000 ist er Programmchef von Radio 1LIVE (WDR), Köln. 2008 erschien der Roman »Restlicht«, 2011 sein Erzählungsband »Trieb« und 2013 sein Roman »Krieg« im Berlin Verlag. Rausch lebt in Wuppertal.


    Inhalt

    Arnold hat sein Leben als Lehrer hinter sich gelassen und lebt in einer einsamen Berghütte. Hütte, Grundstück und komplett ausgestatteten Haushalt hat er von den Vorbesitzern gekauft. Obwohl er mitten in einem Urlaubsgebiet lebt, hat der Mann dafür gesorgt, dass Besucher nicht mit dem Auto bis an seine Hütte heranfahren können. Arnolds Verbindungen zur Welt sind nicht vollständig gekappt, er hebt regelmäßig Geld ab und kauft im nächsten Ort ein. In einem anderen Leben vor diesem hatte Arnold einen Beruf, eine Frau und einen Sohn, der in den Krieg gezogen war. Verschachtelte Rückblenden führen in dieses Leben, als Chris den Krieg anderer Leute gegen Männer mit Bärten führte und alle drei Familienmitglieder die Tage zählten bis zum Ende des Einsatzes.


    Sowie Arnold unterwegs ist und sich von seiner Hütte entfernt, gerät er in Panik, dass etwas mit seinem Hund sein könnte. Außer Arnold gibt es einen anderen Bewohner der Wildnis, der bei Arnold einbricht, seine Einrichtung zerstört und den namenlosen Hund schwer verletzt. Arnold bewaffnet sich und nimmt die Spur seines anonymen Gegners auf. Der gesichtslos bleibende Eindringling kann nicht ahnen, dass Arnold alles verloren hat und darum bereit ist, alles zu opfern, um seinen unsichtbaren Feind zu töten.


    Fazit

    Die Geschichte des deutschen Lehrers Arnold Steins spielt in den österreichischen Bergen. Sie erinnert stark an Donovans "Winter in Maine", reicht an Donovans atmosphärische Schilderungen jedoch nicht heran. Rausch arrangiert sein verstörendes, schnörkellos erzähltes Psychogramm eines Einsiedlers um die Folgen des Einsatzes deutscher Soldaten in Afghanistan auf deren Angehörige. Arnold hat seinen Schülern immer empfohlen, einen Schritt zurückzutreten, um die Dinge im Ganzen zu sehen. Dieser Schritt zurück lässt den Roman nach dem Lesen noch lange nachwirken. "Krieg" hat mich gefesselt und beeindruckt. Lesern, die schwer ertragen, wenn einem Tier im Roman Gewalt angetan wird, rate ich von dem Buch ab.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

  • Mir kam gerade die Inhaltsangabe so bekannt vor. Das Buch wurde unter dem Namen "Fremder Feind" verfilmt und lief letztes Jahr im Fernsehen.


    Habe ich den Film erst interessant empfunden (vor allem wie Ulrich Matthes die Hauptfigur spielt und natürlich die herrliche Berglandschaft), die ruhige Stimmung (zumindest anfänglich), der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart usw. ist es zunehmend suspekt für mich geworden. Mir hatte sich dabei einiges nicht so erschlossen und vor allem das Ende empfand ich recht merkwürdig und wusste nicht so recht was das jetzt sollte.

    Vielleicht würde die Lektüre helfen, die Lücken zu schließen, die sich mir beim sehen des Filmes aufgetan haben. Ich setz das Buch mal auf die WuLi.

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