Donald Ray Pollock - Knockemstiff

  • Buchdetails

    Titel: Knockemstiff


    Verlag: Heyne

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 256

    ISBN: 9783453676787

    Termin: Februar 2015

  • Bewertung

    4.7 von 5 Sternen bei 5 Bewertungen

    94% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Knockemstiff"

    Der amerikanische Traum stirbt in der Provinz Knockemstiff, Ohio, ist ein tristes Kaff in der weiten Leere des Mittleren Westens. Hier trifft man auf Außenseiter, die hinund hergerissen sind zwischen Sehnsucht und verlorener Hoffnung, zwischen Aufbegehren und sinnloser Gewalt. Ihre Schicksale greifen unheilvoll ineinander und verweben sich zu einem Netz falscher Lebenswege, bis am Ende keine Hoffnung mehr bleibt.
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  • Inhalt:
    Knockemstiff, Ohio, ist ein tristes Kaff in der weiten Leere des Mittleren Westens. Hier trifft man auf Außenseiter, die hin- und hergerissen sind zwischen Sehnsucht und verlorener Hoffnung, zwischen Aufbegehren und sinnloser Gewalt. Da gibt es den jungen Jake, der zum Militär eingezogen werden soll und in die Wälder des Hinterlandes flieht, nur mit einem Messer in der Tasche. Und doch kehren die beiden Soldaten, die ihn verfolgen, nicht lebend zurück … Da ist Daniel, der von zu Hause abhaut und in die Fänge eines psychopathischen Truckers gerät. Oder Duane, der so lange vor seinen Freunden mit einer erfundenen Freundin prahlt, bis er selbst an sie glaubt. Wie in den großen Gesellschaftstableaus von William Faulkner und Sherwood Anderson greifen die Schicksale in Knockemstiff unheilvoll ineinander und verweben sich zu einem Netz falscher Lebenswege, in dem sich die Figuren so ausweglos verfangen, dass als letzte Wahrheit nur die eigenen Illusionen bleiben.
    (Quelle: Verlagsseite)


    Der Autor:
    Donald Ray Pollock, geboren 1954, wuchs im US-Bundesstaat Ohio auf. Mit siebzehn Jahren brach er die Highschool ab und nahm einen Job in einer Fleischfabrik an. Danach arbeitete er über dreißig Jahre in einer Papiermühle, zumeist als Lastwagenfahrer. Ende der achtziger Jahre holte er in Abendkursen seinen Schulabschluss nach und schrieb sich an der Ohio State University ein. 2008 erschien sein Debüt »Knockemstiff«, 2011 der Roman »Das Handwerk des Teufels«, für den er mit dem Grand prix de littérature policière und dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet wurde. Donald Ray Pollock lebt in Chillicothe, Ohio.
    (Quelle: Verlagsseite)


    Originaltitel: Knockemstiff
    Aus dem Englischen von Peter Torberg


    Mein Eindruck:
    "Als ich sieben war, zeigte mir mein Vater in einer Augustnacht beim Torch-Drive-In, wie man einem Mann so richtig wehtut. Das war das Einzige, was er wirklich beherrschte.“


    Mit diesem Satz beginnt das Buch von Donald Ray Pollock, der selbst aus "Knockemstiff" stammt. Dem Episodenroman ist eine gezeichnete Karte des Ortes vorangestellt.
    "Knockemstiff" ist ein trostloser, verschlafener Ort in Ohio. Ein Kino, ein Kiosk, eine Tankstelle, verfallene Häuser und Wohnwagen - viel mehr gibt es dort nicht zu sehen. Dementsprechend trostlos ist das Leben der Einwohner und selten verirrt sich ein Fremder dorthin. Manche Einwohner arbeiten in der nahegelegenen Fabrik oder sind arbeitslos. Trostlosigkeit, Gewalt, Depression und Resignation - das sind die Themen des Erzählbandes, dessen Geschichten lose miteinander verbunden sind. Hinzu kommen Drogenmissbrauch und Alkoholmissbrauch. Das Leben der Erwachsenen wird an ihre Kinder weitergegeben.
    Gleich in der ersten Geschichte geht es um Gewalt. Ein Mann wird brutal verprügelt und der Sohn des Schlägers wird von seinem Vater
    angeleitet, es ihm gleichzutun. Und da gibt es einen Mann, der seinen Sohn mit Stereoiden vollpumpt, bis dieser zusammenklappt. Oder Todd Russell, der von seiner Oma 2000 Dollar vermacht bekommt, um ein neues Leben anfangen zu können -es aber für Drogen ausgibt und dazu noch betrogen wird.


    Die Sprache ist rau und direkt, der Ton düster. Manches wird nur angedeutet, wie z.B. " als unsere Familie noch kein Aufenthaltsverbot für die State Parks hatte." (Zitat), der Leser erfährt zwar nicht den Grund, kann es sich aber aus dem Kontext erschließen.
    Die Art des Aufbaus (Episodenroman, lose miteinander verbundene Erzählungen) erinnerte mich an "Winesburg, Ohio" von Sherwood Anderson, dessen Roman 1919 erschien.
    Mir hat das Buch gefallen, wenn es natürlich schockiert und manchmal auch in seiner Direktheit abstösst.


    Knockemstiff ist heute eine Geisterstadt

  • Vielen Dank für die Rezi, Conor. :thumleft:


    Ich habe gerade Pollock's zweites Werk gelesen ("Das Handwerk des Teufels") und "Knockemstiff" steht nun auch ganz weit oben auf meiner WuLi - trotz Kurzgeschichten, die ich eigentlich nicht mag. Haben die Kurzgeschichten eher etwas miteinander zu tun oder sind sie mehr unabhängig voneinander?

  • Es freut mich, dass dir die Rezension gefällt.
    "Das Handwerk des Teufels" habe ich mir nach der Lektüre von "Knockemstiff" gleich gekauft und wird sicher bald gelesen.
    "Knockemstiff" habe ich eigentlich eher wie einen Roman empfunden, so gar nicht als typische Sammlung von Kurzgeschichten.
    Manche Personen treten mehrfach auf, so begegnet man z.B. in der ersten Geschichte Bobby als Kind und am Ende des Buches als Erwachsenen.

  • Danke für deine Rezension, Conor!
    ich wollte das Buch gleich auf die Liste packen, denn die Thematik würde auch mich interessieren
    stellte fest, dass das Buch schon bei mir auf der WL ist :wink:
    Habe wahrscheinlich schon vorher in deinem Regal beim Stöbern entdeckt :wink:

    2021: Bücher: 81/Seiten: 36 510
    2020: Bücher: 139/Seiten: 60 837
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

    Dalai Lama

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    Lese gerade:

    Hillenbrand, Tom - Hologrammatica

  • Was ich auch interessant finde, das ist der Name der Stadt an sich. Knockemstiff bedeutet frei übersetzt wohl mehr oder weniger "Schlag ihn tot". Der Autor nimmt in der titelgebenden Erzählung einen direkten Bezug auf den Ortsnamen...


    Zitat

    "Und warum zum Henker heißt der Ort Knockemstiff?" will er wissen. "Kommt mir wie ein ziemlich übler Name vor für so eine ruhige Gegend."
    ...
    "Ach keine besondere Geschichte", sage ich. "Angeblich sind einmal zwei Frauen wegen eines Mannes da vor der Kirche in Streit geraten. Die eine war die Ehefrau, die andere die Freundin. Der Prediger hat gehört, wie eine der beiden schwor, sie würde die andere totschlagen." Ich zucke mit den Schultern und sehe den Mann an. "Schätze, der Ort hatte damals noch keinen Namen. Das war, bevor ich geboren wurde."

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