Hans Fallada - Der Alpdruck

  • Buchdetails

    Titel: Der Alpdruck


    Verlag: Aufbau Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 285

    ISBN: 9783746631554

    Termin: November 2015

  • Bewertung

    4.3 von 5 Sternen bei 3 Bewertungen

  • Inhaltsangabe zu "Der Alpdruck"

    Berlin, Stunde null – ein bedeutender Fallada Ein fast vergessener Roman und ein tief bewegendes Zeugnis: Niemand hat die Monate des Zusammenbruchs 1945/46 so eindringlich geschildert wie der Autor von 'Jeder stirbt für sich allein'. Dieses Buch über die verworrene Zeit zwischen Krieg und Frieden, in der mecklenburgischen Provinz und ganz besonders in der für ihre historische Schuld abgestraften Stadt Berlin, ist in seiner dennoch menschlich warmen und zugleich lebensnahen Schilderung ein echter Fallada. April 1945: Der Krieg ist vorbei, doch nachts verfolgen den Schriftsteller Dr. Doll Träume vom Bombentrichter, der ihn nicht freigibt. Er will etwas tun gegen den Alpdruck der Mitschuld, doch er kann es niemandem recht machen als Bürgermeister einer Kleinstadt, eingesetzt von der Roten Armee. Er stiehlt sich fort und flüchtet in den Drogenrausch. Im Chaos des zerbombten, nur auf dem Schwarzmarkt funktionierenden Berlin entgleitet ihm seine junge, morphiumsüchtige Frau, und er hat um zwei Leben zu kämpfen, als er zaghaft beginnt, wieder an eine Zukunft zu glauben. Erst nachdem sich Fallada den 'Alpdruck', die Geschichte des erkennbar eng aus seinem eigenen Erleben geschöpften Protagonisten Dr. Doll, von der Seele geschrieben hatte, konnte er sich der Arbeit an 'Jeder stirbt für sich allein' stellen. Mit einem Vorwort und Hintergrundmaterial. »Ein spannendes Dokument.« Literarische Welt »›Der Alpdruck‹ ist Symbol für das, was sich in Deutschland nach der Kapitulation abspielte.« Der Tagesspiegel »Fesselnd und lebendig geschrieben.« Berliner Zeitung „Ein höchst ehrliches Buch, ein menschliches Dokument.“ Frankfurter Neue Presse „Meisterhaft sind die letzten Monate des Kriegserlebnisses geschildert.“ Zwiebelfisch
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  • Deutschland in den Monaten des Zusammenbruchs der Jahre 1945/46: Die Siegermächte nahen, im Osten des Landes kann es nicht mehr lange dauern, bis die russische Armee eintrifft. Viele packen ihr Hab und Gut und fliehen in den Westen, denn wenn der Russe kommt... Doch die Dolls in einem kleinen mecklenburgischen Dorf freuen sich, ganz im Gegensatz zum Rest der Bewohner. Zunächst sieht es gut für das Paar aus: Trotz Verleumdungen wird Dr. Doll vom russischen Kommandanten zum Bürgermeister ernannt. Doch die Arbeit fordert mehr von ihm als er zu leisten fähig ist und so kommt er, gemeinsam mit seiner ebenfalls kranken Frau, ins Krankenhaus. Mehr oder weniger genesen gehen beide nach Berlin, wo Frau Doll noch eine Wohnung besitzt. Doch als sie dort ankommen, wird ihnen nicht geöffnet: Ihre Wohnung ist besetzt, ihr Hab und Gut verstreut. Mitten im zerstörten Berlin stehen sie wie tausend Andere auch vor dem Nichts...
    Es ist die Geschichte Hans Falladas, und die Aussage des Vorwortes, das Buch sei autobiographisch inspiriert, halte ich persönlich für stark untertrieben. Zuviele der handelnden Personen sowie der Geschehnisse des Romanes stimmen mit dem realen Leben Falladas überein. Und mir erklärt es den stark Ich-bezogenen Ton, der das ganze Buch durchzieht. Doll/Fallada krankt an den Verbrechen die das deutsche Volk verübte ebenso wie an dem stillen Mitläufertum, das das Alles erst ermöglichte und wozu er sich auch selber zählt. Er verurteilt ohne Ausnahme einschließlich seiner eigenen Person und wird erst angesichts konkreter Armut und Hilfsbedürftigkeit milde und mitfühlend, aber auch dann ohne jede Einschränkung. Kein Gedanke daran, dass auch diese Menschen vielleicht überzeugte Nazis oder Mitläufer waren - hier zählt plötzlich nur der Mensch. Diese Einseitigkeit des Protagonisten, egal in welche Richtung, ist vermutlich der Krankheit Dolls/Falladas zuzuschreiben, der zeit seines Lebens an Depressionen litt, was es mir aber schwermachte, mich mit Doll als Romanhelden anzufreunden. Unter dem Aspekt Biographie betrachtet ist es jedoch ein ungemein ehrliches wie auch schonungsloses Zeugnis einer Zeit, die schlimmer kaum hätte sein können.
    Es gibt auch (wenige) humorvolle Stellen, an den durchschimmert, welch 'anderer' großer Erzähler Fallada ebenfalls war. Ich werde mir in jedem Falle seine weiteren Werke früher oder später zu Gemüte führen.

    :study: Das Eis von Laline Paul

    :study: Der Zauberberg von Thomas Mann
    :musik: QUALITYLAND von Marc-Uwe Kling

  • Autor: Hans Fallada
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Seiten: 285
    Erstausgabe Berlin 1947


    Über den Autor:
    Er wurde 1893 in Greifswald geboren und starb 1947 in Berlin. Er schrieb viele Romane und auch Kinderliteratur. Mit dem 1932 veröffentlichten Roman "Kleiner Mann -was nun?" wurde er weltberühmt. Viele seiner Bücher sind verfilmt.
    Im zweiten Weltkrieg lebte er als unerwünschter Autor in einem Dorf in Mecklenburg. Seine Bücher standen in der Nazizeit zum Teil auf der schwarzen Liste (zB "Wer einmal aus dem Blechnapf frißt") oder wurden stark zensiert ("Kleiner Mann - was nun?")
    Fallada war morphium- und alkoholabhängig, war oft in Kliniken. Im Streit mit seiner geschiedenen Frau schoss er in den Tisch und wurde wegen versuchten Totschlag angeklagt, kam aber nach dem Maßregelvollzug in die Heilanstalt.
    1945 zog er mit seiner neuen Frau zurück nach Berlin. Seine neue Frau war ebenfalls suchtkrank.


    Inhalt:
    Der Protagonist Dr. Doll lebt mit seiner wesentlich jüngeren Frau, deren Kind und einer fast bewegungslosen Großmutter auf dem Land in Brandenburg. Hier erlebt er er den Zusammenbruch des Naziregimes. Während die meisten aus dem Dorf Richtung Westen flüchten, weil sie Angst vor den Russen haben, freut Herr Doll sich auf die Befreier. Doch er hatte nicht geahnt, dass die Russen keinen Unterschied ziehen zwischen Nazi und Nazigegner. Für die Russen ist er einfach "ein Deutscher". Als er das begreift, nagt die Schuld, die die Deutschen und somit auch er auf sich geladen haben, sehr an ihm.
    Er erzählt, wie unbeliebt er in dem Dorf war, was natürlich auch nicht besser wurde, nachdem die Russen ihn als neuen Bürgermeister einsetzen. Erst dachte er, nun kann er sich an all den Nazis rächen, doch bald stellt er fest, dass diese kleinen Kämpfe mit den Bewohnern des Dorfes ihn nur noch ermüden und er keinen Hass mehr empfindet.
    Nach einem Zwischenfall mit einem "ehem" Nazi bekommt er einen Zusammenbruch und landet im Krankenhaus. Seine kranke Frau gleich mit.
    Nach zwei Monaten fahren sie vom Krankenhaus aus direkt nach Berlin und versuchen sich dort ein neues Leben aufzubauen, was in Folge der "Nachkriegswehen" alles andere als einfach ist.


    Vorwort:
    Im Vorwort schreibt Hans Fallada, dass er keineswegs mit dem Buch zufrieden sei. Neben all dem Schlimmen, den Depressionen, der Mutlosigkeit, neben all dem, was das Ende des Krieges jeden Deutschen gebracht hat, dachte er, seien auch Aufschwünge zu schildern. Dies war ihm nicht möglich. Dass ihm das nicht gelungen ist, liegt nicht allein an der Art des Verfassers, die Dinge zu sehen. Es liegt vor allem (so der Herausgeber) an der Gesamtlage des Deutschen Volkes, dass eineinviertel Jahre nach Kriegsende immer noch düster war.
    Wenn der Roman trotz des Mangels den Lesern übergeben wird, dann deshalb, weil es ein möglichst wahrheitsgetreuer Bericht dessen ist, wie es den Deutschen nach dem Krieg ging, wie sie gelitten und gefühlt haben, was sie taten.
    Vielleicht, heißt es weiter, wird man schon nach kurzer Zeit die Lähmung nicht mehr begreifen, die das erste Jahr nach dem Krieg so verhängnisvoll über den Deutschen hing. Es handelt sich hier um einen Krankheitsbericht, nicht um ein Kunstwerk, denn auch Fallada konnte nicht aus seiner Haut, auch er war wie alle anderen gelähmt.
    Es wird auch betont, dass dies ein Roman ist, dass nichts ganz genau so passiert ist und dass keine Person in dem Buch ganz genau so real existiert.


    Meine Meinung:
    Als erstes denke ich, dass das Vorwort wichtig ist und man es bei der Bewertung des Buches keinesfalls außer acht lassen darf. Es ist eben kein normaler Roman, sondern ein wichtiges Zeitzeugnis und in diese Zeit war Fallada genauso involviert wie alle anderen.
    Das Buch holpert manchmal. Ich schrieb oben, daheim im Dorf gab es noch ein Kind (das Alter wurde nicht genannt) und eine Großmutter, die sich alleine kaum bewegen konnte. Aber Dr. Doll und seine Frau verschwinden 2 Monate in die Klinik und danach auf direkten Weg nach Berlin. Was die beiden wohl nun alleine machten, in einem Dorf, dass die Dolls nicht leiden kann? Auch am Ende des Buches gibt es einige Unklarheiten.
    Doch all das fand ich, wegen des Vorwortes, nicht weiter schlimm. Im Gegenteil. Dadurch war mir Fallada in seiner damaligen Situation noch viel näher.
    Noch nie bin ich der Nachkriegszeit so nah gekommen wie mit diesem Buch. Es ist bedrückend, aber ohne zu erdrücken. Wie sehr doch wirklich jeder auf sich alleine gestellt war, da kommt man beim Lesen kaum aus der Dankbarkeit raus, dass heute alles so anders ist.
    Neben den ganz substanziellen Problemen (Wo schlaf ich?, Wo wärme ich mich?, Wo bekommen ich einen Mantel her? Wo was zu Essen?), betrückt Dr. Doll auch die moralische Schuld, die die Deutschen auf sich geladen haben.


    Am Ende des Buches gibt es noch eine Tabelle der biographischen Daten von Hans Fallada. Da kann man dann doch auf den Gedanken kommen, dass das Buch nicht nur ein bisschen authobiographisch ist. Doch wir waren nicht dabei und daher denke ich, sollten wir den Satz aus dem Vorwort glauben, dass es sich hier um einen Roman handelt.
    Ich finde das Buch sehr empfehlenswert. Nicht als großartiges literarisches Werk, sondern als herausragendes Zeitzeugnis.
    Von mir gibt es 4 Sterne. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

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