David Safier - 28 Tage lang

Affiliate-Link

28 Tage lang

4.5|68)

Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 416

ISBN: 9783499211768

Termin: August 2015

  • David Safier "28 Tage lang"


    :study: Eine ehrenvolle Hommage an alle Verstorbenen!


    Klappentext: Mira ist 16 Jahre, trägt ihr schönstes Kleid und geht auf dem Markt einkaufen. Ein ganz normales Mädchen würde man meinen. Doch der Schein trügt. Mira lebt im Warschauer Ghetto zur Zeit der Judenverfolgung und Konzentrationslager. Mit aller Mühe versucht sie sich, ihre Mutter und ihre geliebte Schwester Hannah das Überleben im Ghetto zu ermöglichen. Als sie beinahe verhaftet wird, rettet ihr Amos, ein Angehöriger des Widerstandes, das Leben. Doch damit nicht genug. Die SS beschließt die Ghettos zu säubern. Es bleiben nur noch 28 Tage für Mira, in denen sich alles entscheiden wird. 28 Tage in denen Daniel, ihr Freund, alles versucht um die Kinder im Waisenhaus zu schützen. 28 Tage, in denen Mira sich dem Widerstand anschließt und ums nackte Überleben kämpft. 28 Tage, in denen sich ihre Welt von Grund auf verändert und sie sich entscheiden muss: sterben oder kämpfen.


    Bewertung: Eine wunderbare Geschichte, die die Wahrheit erzählt. Selbst, wenn einige Dinge fiktiv sind, sind doch die Gefühle und Gedanken der Menschen jener Zeit wahr und lebendig. David Safir wollte vor allem seine Großeltern ehren, die das Unmenschliche in dieser Zeit erdulden mussten. Deshalb halte ich ihn für den idealsten Schreiber von so einer Geschichte.


    Sie ist einfühlsam erzählt und hallt noch lange nach. Safir hat einen poetischen Schreibstil und bringt die Gefühle passend rüber. Eine Geschichte, die es Kindern und Jugendliche ermöglicht, diese Geschichte von Deutschland leicht und verständlich zu ergründen.

    :study: In Büchern zu lesen bedeutet zu träumen :study:


    [-X Sinabell - Zeit der Magie (Jennifer Alice Jagger), Seite 17 von 178 (Jugendroman)

    [-X Der geheime Name (Daniela Winterfeld), Seite 99 von 521 (Fantasy)

    :musik: Mörderische Angst (Linda Castillo), CD 6 von 6 (Krimi)


    :!: TauschBücher im Profil :!:

  • Es ist mir schon länger nicht mehr passiert, dass ich ein Buch abbreche. Aber hier waren meine Erwartungen wohl zu hoch gesetzt, weil es so euphorisch gefeiert wurde.
    Erst einmal zum Inhalt:
    Mira ist 16 und lebt mit ihrer kleinen Schwester und Mutter im Warschauer Ghetto. Mit Schmuggel außerhalb der Ghetto-Mauern hält sie ihre Familie mehr schlecht als recht am Leben. Immer wieder riskiert sie ihr Leben dabei. Irgendwann machen Pläne der Nazis das Ghetto aufzulösen und alle Bewohner zu beseitigen die Runde. Mira schließt sich einer Widerstandsgruppe an, die den Nazis 28 Tage lang die Stirn bietet.


    Vom Inhalt her ist das Buch wirklich sehr interessant und daher war es eines meiner Wunschbücher. Leider komme ich mit Safiers Schreibweise überhaupt nicht klar! Mir war zugegebenermaßen auch nicht klar, dass es sich um ein Jugendbuch handelt - erst als ich es zu lesen begann, kristallisierte es sich für mich immer mehr heraus. Ein komplett anspruchsloser Schreibstil.
    Am meisten stört mich die Protagonistin: Sie wirkt wie aus der Zeit gefallen. Sie denkt und redet wie ein Teenager heute aber nicht wie einer, der in den 30er Jahren herangewachsen ist. Das ist vermutlich für Jugendliche genau der richtige Trick, aber bei mir ist er gründlich daneben gegangen. Habe ja schon etliche Bücher zu dem Themenbereich gelesen (auch Jugendbücher), aber keines war dabei so... flach - ein besseres Wort fällt mir jetzt nicht ein - wie dieses.
    Das Buch an sich finde ich von der Idee her sehr gut und vermutlich für Jugendliche als Leser passend und u. U. wichtig, dass das Buch seine Zielgruppe erreicht bei diesem schwierigen Thema. Aber für mich war es durch seine Umsetzung mit einem Mädel aus den 40ern, das sich benimmt und denkt wie ein Girly von heute einfach nicht stimmig. Daher kann mich dieses Buch auch in keiner Weise berühren und mitnehmen.
    Die Hauptperson ist hier so dermaßen naiv und andererseits unnatürlich kalt und gekünstelt erwachsen, dass ich überhaupt keinen Draht zu ihr bekomme. Das ganze Drumherum ist irgendwie blass und farblos, so als müsse man nur einen Hintergrund für ein Objekt erfinden, das eigentlich im Fokus stehen soll. Dazu kommt die wohl für Teenager erforderliche Portion Romantik, bei der sie sich nicht entscheiden kann zwischen ihrem Freund und einem unbekannten Mann, der ihr mit einem Kuss das Leben rettet während einer Schmuggelaktion. Dabei sind ihre Gedankengänge (das Buch wird aus der Perspektive Miras erzählt) so.... ich nenn es mal unecht, dass es für mich einfach meist nur nervig war.
    Nach etwas über 100 Seiten habe ich also das Buch zugeklappt und es dabei belassen. Ich hoffe jedoch, dass die meisten Jugendlichen gut mit seinem Stil zurecht kommen und auf diese Weise etwas über diese grausige Zeit lernen. Daher gebe ich ihm immer noch die Hälfte der möglichen Punkte.
    Insgesamt möchte ich ausrufen: Safier, bleib bei deinen Comedy-Leisten!


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

  • Ein komplett anspruchsloser Schreibstil.

    Das hatte ich auch bemängelt. Aber bisher stand ich mit dieser Meinung hier ziemlich alleine. :(

    flach

    In diesem Fall hatte ich mich nur von Denis Scheck verstanden gefühlt: David Safier schreibt sogenannte heitere Romanen, über die ich nicht lachen kann. Nun hat Safier sich einen radikalen Themenwechsel verordnet: Sein neuer Roman handelt vom Aufstand im Warschauer Ghetto aus der Perspektive einer jungen Jüdin namens Mira. Gleich geblieben ist aber Safiers Sprache, eine Art Simpel-Deutsch, sein Hang zu flachen Witzen und noch flacheren Charakteren. Auf Pointe geschriebene Holocaustgeschichten enden in Holokitsch, und deshalb ist "28 Tage lang" ein schlechter Roman über ein ernstes Sujet. Hier kopiert

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • Tröste dich - ich kann diese Lobeshymnen auch nicht nachvollziehen. Safier hat m. E. versucht, heutige Naiv-Sprache und vor allem auch Naiv-Denke in die damalige Zeit zu versetzen. Aber in den 30ern und 40ern ist das vollkommen fehl am Platze. Jungen Leuten mag das nicht auffallen. Daher stört es sie womöglich nicht. Aber diese Mira wäre jetzt mind. 85. Das passt vorne und hinten nicht, wie sie dargestellt wurde.

  • Sie denkt und redet wie ein Teenager heute aber nicht wie einer, der in den 30er Jahren herangewachsen

    Trotz meiner Lobeshymne auf das Buch kann ich diese Sichtweise sehr gut nachvollziehen. Ich erinnere mich auch daran, dass mir diese Tatsache ganz am Anfang des Buches negativ aufgefallen ist. Aber ich wurde dann total bei den Emotionen gepackt und da blieb dann die rationale Kritik ein wenig auf der Strecke :D Rückblickend und mit ein wenig Abstand empfinde ich die unauthentische Sprache doch als Manko. Dennoch halte ich das Buch sehr geeignet dafür, ein Bewusstsein und eine gewisse Sensibilität mit dem Thema zu bewirken - vor allem eben bei Jugendlichen, die abseits von dem trockenen Unterricht etwas lernen möchten.

  • Vielleicht hat der Autor das auch mit Absicht gemacht, weil er ein etwas poetisches Werk über die Zeit schaffen wollte, in der seine Großeltern gelebt haben. Eine Sprache, die auch die heutigen Generationen verstehen ... könnte ich mir jedenfalls gut vorstellen :-,

    :study: In Büchern zu lesen bedeutet zu träumen :study:


    [-X Sinabell - Zeit der Magie (Jennifer Alice Jagger), Seite 17 von 178 (Jugendroman)

    [-X Der geheime Name (Daniela Winterfeld), Seite 99 von 521 (Fantasy)

    :musik: Mörderische Angst (Linda Castillo), CD 6 von 6 (Krimi)


    :!: TauschBücher im Profil :!:

  • könnte ich mir jedenfalls gut vorstellen

    Ich mir bei diesem Autor nicht. Um ein Werk sprachlich über seine Zeit hinaus weisen zu lassen, muss man schon über eine gewaltige sprachliche Kompetenz verfügen, und die spreche ich Safier ab.
    Um "poetisch" zu sein, muss ein Buch über einen bestimmten Duktus verfügen, über Bilder und Satzmelodie. Das findet man in diesem Buch nicht.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • Ich mir bei diesem Autor nicht. Um ein Werk sprachlich über seine Zeit hinaus weisen zu lassen, muss man schon über eine gewaltige sprachliche Kompetenz verfügen, und die spreche ich Safier ab.

    Wow, das finde ich aber heftig! Dafür musst du aber viele Romane von ihm gelesen haben, wenn du dieser Auffassung bist ... ansonsten fände ich das ziemlich unverschämt, dass wegen eines Buches zu behaupten! :ergeben:

    :study: In Büchern zu lesen bedeutet zu träumen :study:


    [-X Sinabell - Zeit der Magie (Jennifer Alice Jagger), Seite 17 von 178 (Jugendroman)

    [-X Der geheime Name (Daniela Winterfeld), Seite 99 von 521 (Fantasy)

    :musik: Mörderische Angst (Linda Castillo), CD 6 von 6 (Krimi)


    :!: TauschBücher im Profil :!:

  • Ich habe drei gelesen und zwei abgebrochen.
    Und ich habe eine Anzahl poetischer Bücher gelesen, so dass ich weiß, wie poetische Sprache klingt.

    Das ist dann sicher echt enttäuschend!!! :| Gut, dass Geschmäcker verschieden sind :loool:

    :study: In Büchern zu lesen bedeutet zu träumen :study:


    [-X Sinabell - Zeit der Magie (Jennifer Alice Jagger), Seite 17 von 178 (Jugendroman)

    [-X Der geheime Name (Daniela Winterfeld), Seite 99 von 521 (Fantasy)

    :musik: Mörderische Angst (Linda Castillo), CD 6 von 6 (Krimi)


    :!: TauschBücher im Profil :!:

  • Vielleicht hat der Autor das auch mit Absicht gemacht, weil er ein etwas poetisches Werk über die Zeit schaffen wollte, in der seine Großeltern gelebt haben. Eine Sprache, die auch die heutigen Generationen verstehen

    Poetisch ist jetzt auch nicht das Wort, was mir als erstes eingefallen wäre. Dazu ist die Sprache generell zu schmucklos und zu unkomplex. Aber das macht ja nichts; ich finde schon, dass die drastische, klare Art die Geschichte gut transportiert. Es geht ja bei der Kritik auch nicht nur um die Wortwahl, sondern auch um das teilweise gestellt wirkende Verhalten. Manchmal fehlt Mira ja wirklich nur noch ein Smartphone und sie würde perfekt in die Gegenwart passen. Aber da unterstelle ich auch eine Absicht - zumindest zu einem gewissen Teil - weil Mira so grade für junge Leser besser zu einer Identifikationsfigur wird.
    Dass das Buch stilistisch kein literarisches Meisterwerk ist, muss vermutlich nicht diskutiert werden. Aber wenn eine Geschichte so viele Leute emotional da abholt, wo sie stehen, ist schon einiges richtig gelaufen, denke ich. Und ich habe die Lektüre - bei all der berechtigten Kritik - auf jeden Fall genossen (wenn man das in diesem Fall so sagen kann :cry: ).

  • Dass das Buch stilistisch kein literarisches Meisterwerk ist, muss vermutlich nicht diskutiert werden.

    Das ist wahr! :lol:

    Aber wenn eine Geschichte so viele Leute emotional da abholt, wo sie stehen, ist schon einiges richtig gelaufen, denke ich. Und ich habe die Lektüre - bei all der berechtigten Kritik - auf jeden Fall genossen (wenn man das in diesem Fall so sagen kann :cry: ).

    Das ist die Seite, die ich sehe! Ich glaube auch, das es neben der Message an die Großeltern (wie er selbst sagte) auch darum ging!


    Ich fand es auch gut, auch wenn es keine Meisterstück ist! Diesen Anspruch habe ich auch nicht! Ich kann Geschichten auch so gut finden. :tanzensolo:

    :study: In Büchern zu lesen bedeutet zu träumen :study:


    [-X Sinabell - Zeit der Magie (Jennifer Alice Jagger), Seite 17 von 178 (Jugendroman)

    [-X Der geheime Name (Daniela Winterfeld), Seite 99 von 521 (Fantasy)

    :musik: Mörderische Angst (Linda Castillo), CD 6 von 6 (Krimi)


    :!: TauschBücher im Profil :!:

  • Ich kann mir auch vorstellen, dass Jugendliche damit gut bedient werden. Wobei ich auch schon Kinder-/Jugendbücher zu ähnlichen Themen gelesen habe und die hatten es nicht nötig, die Protagonisten vom Wesen her ins Heute zu versetzen. Es ist m. E. auch nicht unwichtig, dass Jugendliche begreifen, dass man die heutige Denkweise Jugendlicher in keiner Weise vergleichen kann mit denen der damaligen Zeit.
    Man kann ja durchaus aus künstlerischen Ambitionen klassische Werke in die Moderne überführen, wie Bodo Wartke es bei Ödipus gemacht hat. Aber im Fall Safier sehe ich es so, dass es einfach nicht für mehr langt - auch wenn sich das jetzt hart anhört. Gerade wenn man seine anderen Bücher gelesen hat bekommt man eine Ahnung, wo seine literarischen Fähigkeiten liegen. Comedy kann er gut, wenn einen Wiederholungen nicht stören. Hier bei diesem Thema hatte ich auf mehr gehofft und wurde leider enttäuscht.
    Aber man sieht ja, dass ich ihm nicht zu hart gegenüber sein wollte. Sonst hätte das Buch bei mir keine 2,5 Sterne bekommen. Ein Buch das ich abbreche bekommt von mir i. d. R. 1 Stern.


    Ich hatte das Buch zum Glück nur von einer Verwandten geliehen, die genau wie ich etliche Literatur zum Thema 3. Reich gelesen hat. Und sie fragte mich auch gleich, als ich es zurück gab "Und? Wie fandest du das?" Auf meine Antwort hin meinte sie nur, dass sie froh sei, dass sie das nicht alleine so schlecht gefunden hätte. Wir einigten uns dann darauf, dass es einfach ein Jugendbuch ist und für Erwachsene mit Erfahrung in Sachen NS-Literatur schlicht unpassend.

  • Ich hatte das Buch zum Glück nur von einer Verwandten geliehen, die genau wie ich etliche Literatur zum Thema 3. Reich gelesen hat. Und sie fragte mich auch gleich, als ich es zurück gab "Und? Wie fandest du das?" Auf meine Antwort hin meinte sie nur, dass sie froh sei, dass sie das nicht alleine so schlecht gefunden hätte. Wir einigten uns dann darauf, dass es einfach ein Jugendbuch ist und für Erwachsene mit Erfahrung in Sachen NS-Literatur schlicht unpassend.

    Ja, ich sehe es auch las Jugendbuch an. Wobei ... Manche von Miras Gedankengängen und Äußerungen schon auch altersfrei sind bzw. sich so manche Erwachsene sich ein Stück davon abschneiden sollten ... und viele dieser Gedankengänge haben wir Erwachsenen ja auch, also so weit weg finde ich es nicht. Aber insgesamt kenne ich für Erwachsene -wie du auch- aussagekräftigere Bücher über diese Zeit.

    :study: In Büchern zu lesen bedeutet zu träumen :study:


    [-X Sinabell - Zeit der Magie (Jennifer Alice Jagger), Seite 17 von 178 (Jugendroman)

    [-X Der geheime Name (Daniela Winterfeld), Seite 99 von 521 (Fantasy)

    :musik: Mörderische Angst (Linda Castillo), CD 6 von 6 (Krimi)


    :!: TauschBücher im Profil :!:

  • Zum Inhalt des Buches wurde schon einiges gesagt, deshalb spare ich mir diesen Teil und setze direkt bei meiner persönlichen Meinung an.

    Es ist nicht mein erstes Buch von David Safier und seine bisher von mir gelesenen Bücher sind auch eindeutig eher dem humorvollen Genre zuzuordnen. Und um ehrlich zu sein, hätte ich im Buchladen nicht gezielt danach gegriffen, wenn es nicht eine Empfehlung aus meinem Freundeskreis gegeben hätte, die mir das Buch sehr ans Herz gelegt hat. Und ich war sehr skeptisch. Kann David Safier auch anders als lustig?

    Ich habe das Buch beendet und muss zumindest für mich diese Frage mit "teilweise" beantworten. Das Buch hat mich gepackt. Es hat mich in vielen beschriebenen Situationen zum Nachdenken gebracht. Besonders nach Kapiteln, die mit der Frage "Was für ein Mensch willst du sein?" enden, brauchte ich für mich nicht nur eine gedankliche Pause, sondern habe das Buch bewusst aus der Hand gelegt. Eine Zigarttenpause, die Wäsche zusammenlegen, den Müll runterbringen - nur ein paar Minuten das Gelesene nachklingen lassen. Es sind Extremsituationen. Jeder Mensch reagiert anders in solchen Situationen und wohl kaum jemand kann von sich behaupten, wie er in so einem Moment reagieren würde.

    Ich gehöre zu einer Generation, die zwar die Bedeutung des Wortes "Krieg" theoretisch kennt, sie aber glücklicherweise noch nie am eigenen Leib erfahren musste. Und daher kann ich diese Frage noch nicht einmal für mich selbst beantworten.


    Das Grundthema von "28 Tage lang" gefällt mir und auch die Idee des Jugendbuches. Soetwas hätte ich zu meiner Schulzeit gerne gelesen und darüber diskutiert.

    Positiv für mich war, dass das Buch mich gepackt und nicht mehr losgelassen hat. Das ich mich immer wieder bei der "Was hättest du selbst getan?"-Frage ertappt habe. Das mir das Buch mit Sicherheit noch lange im Gedächtnis bleiben wird.


    Andererseits hatte ich gerade am Anfang einige Schwierigkeiten in die Geschichte hineinzufinden. Safier schreibt im Nachwort des Buches, dass seiner Meinung nach Überlebende des Holocaust ihre Geschichten mit einer gewissen emotionalen Distanz erzählen und er sich mit der fiktiven Person der Mira eine Möglichkeit geben wollte, dies in seinem Buch anders zu schreiben. Mmmh... das ist bei mir nicht unbedingt angekommen. Ich bin mit Mira nie wirklich "warm" geworden. Sie erschien mir teilweise wie eine konstruierte Superheldin. Dass einige ihrer Entscheidungen oder Gedanken fragwürdig waren, wirkte für mich wie eine eingebaute Konstruktion. Sie muss jetzt aber auch mal die Kontrolle verlieren..... Sie muss jetzt aber auch mal weinen... Sie muss jetzt auch mal Angst verspüren.... etc.

    Vielleicht wäre es glaubwürdiger gewesen, hätte man einigen Situationen einige Seiten mehr gegönnt. Dadurch hätte die Figur etwas mehr Persönlichkeit entwickeln können; ihre Ängst, ihre Zweifel, Wünsche, Träume etc. hätten dadurch vielleicht etwas mehr Raum bekommen. Das Grundtempo der Geschichte ist ohnehin sehr hoch, dadurch wirkten viele Stationen auf mich gehetzt.


    Ob der Sprachstil zu einem Jugendbuch passt oder nicht, darüber lässt sich streiten. Gerade die Stellen, in denen sich die Leute mit Galgenhumor durch den Ghetto-Alltag retten, erschienen mir zu flapsig.

    Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass das Buch von Lesen verschiedener Altersklassen unterschiedlich "gesehen" wird. Ein Erwachsener wird vermutlich anders über die Handlungen der Personen urteilen, als ein Leser im Alter der Protagonisten.


    Dennoch lädt das Buch zu Diskussionen ein. Und wenn ich da an meine Bücher in der Schulzeit zurück denke - da würde ich als Schüler doch lieber über ein Buch wie dieses diskutieren, als darüber welche Bedeutung die Farbe des Pferdes im "Schimmelreiter" hat. :-,[-(

    Insgesamt vergebe ich für das Buch damit :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:.

Anzeige