Erich Kästner - Fabian, Die Geschichte eines Moralisten

  • Beschreibung von ex-libris:

    Dr. Jakob Fabian lässt sich durch das Berlin der "Goldenen Zwanziger" treiben. Er wirft sich in erotische Abenteuer, trinkt mit Journalisten um die Wette und versucht, im Labyrinth der Großstadt seine Integrität und seine Ideale zu behaupten. Doch die Stadt windet sich wie in einem Fiebertraum; moralische Normen haben ihre Gültigkeit verloren, politische Extreme befehden sich, und die junge Demokratie der Weimarer Republik wird in ihren Grundfesten erschüttert. Dann lernt Fabian im Atelier einer Bildhauerin, wo sich leichte Mädchen und Todeskandidaten ein Stelldichein geben, die junge Juristin Cornelia kennen. Sie verlieben sich - doch bald wird Fabian erneut vom Strudel seiner Zeit erfasst.Mit "Fabian" hat Erich Kästner einen unverwüstlichen Klassiker der Moderne geschrieben; ein Werk, das nicht nur als historisch-politisches, sondern vor allem auch als menschliches Dokument von zeitloser Bedeutung ist.


    Meine Zusammenfassung:

    Fabian lebt in Berlin, einem Berlin, dass gute und auch schlechte Seiten hat. Er geht leicht durchs Leben, nimmt sich nichts zu Herzen und doch ist er seinem Jugendfreund Labude gegenüber sehr hilfsbereit. Er ist gutmütig, nimmt das Leben aber nicht allzu schwer. Sein Freund Labude und Fabian machen sich auf um gemeinsam auszugehen, doch da trifft Fabian auf Irene Moll, welche ihn zu verführen versucht und es auch fast schafft, doch dann plötzlich kommt etwas dazwischen, womit Fabian sich nicht in Einklang bringen kann.
    Im Allgemeinen ist Fabian eher negativ gegenüber der Welt und den darin lebenden Menschen eingestellt. Mit einem Zeitungsangestellten diskutiert er heftigst darüber ob jetzt ein Artikel gedruckt werden darf, wenn dieser nicht einmal der Wahrheit entpsricht und da bekommt man dann auch schnell das Bild: Fabian, der hat noch Moral.
    Doch diese Moral ist auch nicht allzu weit her, denn es macht ihm nichts aus mit seinem Freund Labude, welcher von seiner Verlobten enttäuscht wurde, in ein Puff zu gehen und Fabian hat auch keine Hemmungen mit wildfremden Frauen einfach mitzugehen, bis sie schliesslich im Atelier des Barons landen und dort lernt Fabian die junge Juristin Cornelia kennen. Sie entwickeln eine Beziehung und auf einmal bedeutet Fabian die Welt etwas. Er will etwas erreichen und als er seinen Job verliert ist das für ihn schlimmer als es vor Cornelia gewesen wäre. Doch Cornelia will unbedingt Schauspielerin werden und so verliert Fabian sie.
    Dies erschüttert Fabian in seinen Grundfesten und er flüchtet sich zur nächstbesten Frau die ihm begegnet. Er ist ist zwar selbst zuwider, doch er kann nicht anders und dann bekommt er eine schreckliche Nachricht von seinem Freund Labude, welche sein Leben völlig aus der Bahn wirft. So entscheidet er sich zurück zu seiner Mutter zu gehen und schwelgt dort für kurze Zeit in der Vergangenheit, bevor er seine Moral allen endgültig beweist.



    Meine Meinung:

    Das Buch liest sich relativ flüssig und einfach. Es hat witzige Szenen drin, die einen Grinsen lassen. Viele bildliche Beschreibungen und Metaphern kommen darin vor, die mich zum Grinsen gebracht haben.
    Selbst wenn der Hauptcharakter Fabian nicht wirklich gross charaktersiert oder beschrieben wird, konnte ich mich in den Mann hineinfühlen und habe ihn auch verstanden.
    Das Buch erhebt Kritik gegenüber der Geschellschaft, die keinerlei Moral mehr bestitzt. Eine Menschheit, die dem Niedergang geweiht ist, wenn sie so weitermacht, da sie einfach keinerlei gutes Benehmen mehr kennt.
    Diese Kritik wird sehr offen dargestellt und mir fast etwas zu häufig durch die Sexualität hervorgehoben. Aber an sich hat Erich Kästner hier nicht nur in der Zeit zu der das Buch geschrieben wurde, recht mit seiner Kritik, sondern es trifft auch einiges auf die heutige Gesellschaft zu, wie ich glaube.
    Es ist ein Buch, dass ich schnell und einfach gelesen habe, jedoch hat es mich nicht gerade in Begeisterungsstürme ausbrechen lassen. Es ist jedoch interessant und lesenswert, denn mit den 256 Seiten hat Kästner seine Geschichte über Fabian den Moralisten in eine angenehme Länge gebracht. Wäre das Buch länger gewesen, ich glaube dann wäre es mühsam geworden, aber Kästner hat eine gute Länge für seine Geschichte gewählt, sodass das Buch durchaus empfehlenswert ist, für jeden der gerne etwas über die kritische Ansicht der Menschheit lesen will und nicht darum wie schlecht alles sei, sondern mit viel Ironie und Sarkasmus vorgetragene Kritik, die durchaus auch mal Schmunzeln lässt.
    Da ich das Buch für die Schule lesen musste, habe ich es wahrscheinlich aufmerksamer durchgelesen als ich sonst Bücher lese. Doch das braucht es bei diesem Buch auch, denn es ist nicht einfach eine Geschichte die man durchliest und an der man Vergnügen hat, man sollte sich auch ein paar Gedanken dazu machen, denn Kästner hat nicht ganz unrecht damit, wie er Fabian die Menschheit und die Welt sieht.
    Ich vergebe:
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    Lg Jess

    -----------------

    Lesen heisst, duch fremde Hand träumen.
    Fernando Pessoa


  • Vielen Dank für die gelungene Rezension @jesles !


    Auch ich fand das Buch flüssig und einfach zu lesen und musste bei einigen Szenen grinsen – obwohl der Roman nicht gerade „leichte Kost“ ist, wenn man den historischen Kontext bedenkt.


    Tatsächlich ist die 1931 erschienene Fassung des Fabian eine gekürzte Version der Urfassung. Die nun vorliegende, unzensierte Version erschien unter dem Titel, den Kästner eigentlich für die Erzählung vorgesehen hatte: „Der Gang vor die Hunde“.


    Es ist jedoch interessant und lesenswert, denn mit den 256 Seiten hat Kästner seine Geschichte über Fabian den Moralisten in eine angenehme Länge gebracht.


    Die unzensierte „Urfassung“ enthält allerdings ein Kapitel und ein paar Absätze mehr; hat aber meines Erachtens noch immer eine angenehme Länge. Das liegt aber auch daran, dass die Kapitel mit 6-10 Seiten auch recht kurz sind und man leicht das Lesen unterbrechen kann, falls man wenig Zeit hat.


    Diese Kritik wird sehr offen dargestellt und mir fast etwas zu häufig durch die Sexualität hervorgehoben.


    Die Urfassung des Romans ist sexuell noch explizierter. Die selbstverständlichen Bordellbesuche sowie die Art, wie sich Frauen „karriereorientiert“ anbiedern, sind schon irritierend und übertrieben.
    Aber auch auf politischer Ebene sind Provokationen zu finden, die im "Fabian" fehlen.
    Interessanterweise fehlen gerade zwei Passagen, die mir mit am Besten gefallen haben, in der bisher veröffentlichten Fassung: die Busfahrt durch Berlin und das Kapitel betreffend des (ehemaligen) Blinddarms des Vorgesetzten.


    Aber an sich hat Erich Kästner hier nicht nur in der Zeit zu der das Buch geschrieben wurde, recht mit seiner Kritik, sondern es trifft auch einiges auf die heutige Gesellschaft zu, wie ich glaube.


    Absolut, auch wenn die heutige Zeit mit den 1930er Jahren nicht unbedingt vergleichbar ist, so kann man dennoch viel Bestätigung aus dem Roman gewinnen.


    Fazit:
    Ich kann das Buch wärmstens weiterempfehlen. Insbesondere Jenen, die vielleicht vor Jahren mal den "Fabian" gelesen haben - es lohnt sich, das Buch von Zeit zu Zeit wieder in die Hand zu nehmen, und jetzt hat man mit der unzensierten Ausgabe wirklich die Gelegenheit Neues darin zu entdecken.
    Erich Kästner kann ich ohnehin ständig empfehlen. Überraschenderweise kennen Viele (in meinem Bekanntenkreis) den Autoren "nur" als Kinderbuchautor, aber gerade mit dieser Geschichte kann man entdecken, dass er auch politische "Erwachsenenliteratur" schreiben konnte. (Wegen "Emil und die Detektive" wäre er wohl auch nicht in der NS-Zeit verboten worden - was nicht heisst, dass Emil nicht auch für Erwachsene interessant ist!).
    Darüber hinaus bietet diese Ausgabe ausreichend "Begleitmaterial": Neben dem eigentlichen Roman findet sich ein Nachwort für die Sittenrichter ( 1931 ), ein Nachwort für die Kunstrichter ( 1931 ), ein Vorwort zur Neuauflage ( 1946 ), Vorwort des Verfassers ( 1950 ), eine editorische Notiz, sowie ein Nachwort des Herausgebers (2013) - insgesamt 70 zusätzliche Seiten !

  • In vierundzwanzig kurzen und kurzweiligen Kapiteln begleiten wir Fabian durch das nur wenig glanzvolle Berlin seiner Zeit. Während andauernd schwieriger politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse, verdingt sich der promovierte Germanist als Reklametexter, bis er schließlich auch diese Anstellung verliert. Als scharfsinniger Beobachter verschafft er uns einen provokativen Blick auf den mit den schwierigen Zeiten einhergehenden moralischen Verfall der Gesellschaft.

  • Beitrag an bestehenden Rezensionsthread angehängt :wink:
    @juevo512 Willkommen im BT :)
    Ich weiß, Du bist neu, trotzdem hätte ich zwei Bitten an Dich: zum einen schau doch bitte bei den Rezensionen, ob es evtl. schon einen Thread zu dem Buch gibt - hier im BT hängen wir dann die Beiträge als Antworten unten an, so dass wir zu jedem Buch nur einen Thread haben. Am einfachsten geht das rechts oben über den Reiter "Rezensionen", darunter findest du ein Suchfeld.


    Bei neuen, eigenständigen Rezensionen wäre es schön, wenn Du dich an unserem Rezensionsmuster orientieren würdest :wink:

    viele Grüße vom Squirrel


    :study: Uwe Wittstock - Marseille 1940

    :study: Edmund de Waal - Der Hase mit den Bernsteinaugen


  • Sorry, habe gerade erst die Mitteilung gelesen - und vermutlich schon weiteres Unheil angerichtet :cry:


    Ich gelobe Besserung :)


    ach was - Unheil ist es ja nun nicht und meine Mitteilung kam eh nach der zweiten Rezi von Dir :wink: und Du kannst Deine Simenon- Rezi ja noch korrigieren wenn Du magst - bis zu einer Stunde nach Erstellung kannst Du eigene Posts immer noch bearbeiten :)

    viele Grüße vom Squirrel


    :study: Uwe Wittstock - Marseille 1940

    :study: Edmund de Waal - Der Hase mit den Bernsteinaugen


  • Da kann ich ja auch gleich noch meine Rezension loswerden, die ich 2008 verfasst habe:


    Jakob Fabian hat Literaturgeschichte studiert, doch im Deutschland der Weimarer Republik kann man damit kein Geld verdienen. Er schlägt sich mit allen möglichen Jobs durch, zur Zeit arbeitet er in der Werbeabteilung einer Zeitung und haust in einem öden möblierten Zimmer in Berlin.


    Wenn er abends ausgeht, tritt das tägliche Elend der vielen Arbeitslosen und der Inflation in den Hintergrund, und er taucht ein in eine frivole Welt von Tanzclubs und halbseidenen Damen, schnuppert ins Künstlermilieu hinein und lernt schließlich Cornelia kennen, die eigentlich Referendarin ist, aber nun beim Film Karriere machen will...


    Mit dem ihm eigenen feinen und dabei oft herrlich bösen Sarkasmus (über)zeichnet Erich Kästner ein detailliertes Bild der damaligen Zeit, hin- und hergerissen zwischen Tanz, Musik, Sex und Lebenslust auf der einen und Geldsorgen, Massenarbeitslosigkeit und Politikverdrossenheit auf der anderen Seite, zwischen Schein und Sein, und erweist sich in manchen seiner Gedanken als regelrecht prophetisch für das, was nach Erscheinen des Buches 1931 in Deutschland geschehen wird.


    Trotz des ernsten Grundtenors musste ich doch häufig über Fabians freche Antworten bzw. generell die kästner-typische Ironie schmunzeln und habe Lust bekommen, auch Kästners andere "Erwachsenenromane" zu entdecken.