Bücherwichteln im BücherTreff

Vicki Baum - Der grosse Ausverkauf

Der große Ausverkauf

3.5 von 5 Sternen bei 1 Bewertung

Verlag: Kiepenheuer&Witsch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 212

ISBN: 9783462015973

Termin: Januar 1983

Anzeige

  • Die Autorin:
    Vicki Baum wurde am 24. Januar 1888 in Wien als Hedwig Baum geboren. Gemäss Wikipedia gilt sie als eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen der Weimarer Republik und Repräsentantin der "Neuen Sachlichkeit". Ihre Bücher fielen 1933 der Bücherverbrennung zum Opfer, allerdings war sie zu dem Zeitpunkt bereits in die USA ausgewandert, wo sie vor der Judenverfolgung in Sicherheit war. Ihre Romane wurden mehrmals verfilmt (bspw. ihr grösster Erfolg "Menschen im Hotel") und werden heute noch verlegt. Am 29. August 1960 verstarb sie in Los Angeles.


    Beschreibung (Klappentext):
    Vicki Baum schrieb diesen Roman kurz nachdem sie 1931 in der Folge ihres Welterfolges von "Menschen im Hotel" nach New York gekommen war. Ernst Lubitsch, der berühmte Regisseur, schlug ihr vor, ein Filmskript zu schreiben. "Einen Kurzroman. Eine Menge Personen, verflochten in eine einzige Handlung, ein einziges Gewebe." Handlungsort sollte ein Kaufhaus sein. Statt des Filmskripts schrieb Vicki Baum, die bei Wanamaker, New Yorks grösstem und ältestem Kaufhaus, Ermittlungen vor Ort betrieb, den Roman "Der grosse Ausverkauf", der 1937 in der Emigration erschien. Das Muster ist ähnlich wie in "Menschen im Hotel", und auch die Intention, die Vicki Baum selber beschrieb als "Gleichnis oder Symbol des kurzen Aufenthalts, den wir Leben nennen, die innere Einsamkeit hinter all den Türen, die flüchtigen Begegnungen und Berührungen, das unausweichliche Scheiden und Meiden."


    Inhalt:
    Die Handlung spielt in New York der 1930er Jahre. Im Mittelpunkt stehen Nina und Erik, die beide in einem der grössten Kaufhäuser der Stadt arbeiten: sie als Verkäuferin in der Porzellanabteilung, er als Dekorateur der Schaufenster. Das Liebespaar heiratet, doch die Ehe steht von Beginn an unter keinem guten Stern. Erik ist als Künstler ohnehin nicht glücklich in einem routinierten Leben als Angestellter und amüsiert sich lieber mit seiner Muse. Nina flieht Hals über Kopf als betrogene Ehefrau aus der gemeinsamen Wohnung und gibt den Annäherungsversuchen des reichen, soeben von seiner Ehefrau verlassenen Mr. Thorpe nach.
    Ihre Geschichte ist allerdings eng verwoben mit den Hoffnungen und Ängsten der anderen Angestellten: Lilian, das Mannequin, die unbedingt Anschluss an die reiche Oberschicht sucht, Philip, der gealterte Detektiv, dessen Kräfte nicht nur aufgrund der Alkoholsucht nachlassen, Mrs. Bradley, die aus Angst vor einer Kündigung sich nicht einen Tag krank meldet um sich zu erholen, u.v.m.


    Eigene Meinung:
    Mir hat das Buch sehr gefallen. Es ist wohl keines, das mir lange im Gedächtnis bleiben wird. Dafür hatte die Handlung zu wenig "Tiefgang", aber es ist auf jeden Fall spannende Unterhaltungsliteratur, die auch mehr als 70 Jahre nach ihrem Erscheinen nichts eingebüsst hat.
    Im Prinzip ist die Handlung nebensächlich. Was das Buch auszeichnet sind die Motive, Wünsche und Ziele der unterschiedlichen Protagonisten. Vicki Baum hat es geschafft, mit scheinbar leichter Unterhaltung, die Charaktere lebensnah und glaubwürdig zu beschreiben.
    Die Stärke des Buches liegt an Vicki Baums nüchternem, distanzierten Schreibstil über das New York der 1930er Jahre, und der Verflechtung der unterschiedlichen Protagonisten und ihrer Handlungen miteinander. Im direkten Vergleich gefiel mir "Menschen im Hotel" besser, aber wem das eine Buch gefallen, der wird auch das andere mögen.
    Allerdings: ich habe bei Amazon keine aktuelle Auflage gefunden. Die neueste Auflage dort ist von 1989, und meine Ausgabe ist gar noch älter. Das wäre dann doch schade, wenn der Roman in Vergessenheit gerät und ich empfehle das Buch zu kaufen, wenn man es auf dem Flohmarkt sieht.

Anzeige