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Romain Puértolas - Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte/L'extraordinaire voyage du fakir qui était resté coincé dans un armoire Ikea

Die unglaubliche Reise des Fakirs, der i...

3.5 von 5 Sternen bei 15 Bewertungen

Verlag: FISCHER Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 304

ISBN: 9783596030286

Termin: Juli 2015

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  • Ayarajmushee Dikku Pradash, seines Zeichens Fakir, braucht ein neues Nagelbett, und was wäre da naheliegender, als sich den erstbesten Billigflug zu schnappen und am Zielort ein bekanntes schwedisches Möbelhaus aufzusuchen, das gerade ein solch stacheliges Möbelstück im Sonderangebot hat?


    Blöd nur, dass Ayarajmushee beschließt, gleich bei Ikea zu übernachten, weil er kein Geld für eine Hotelübernachtung hat, und dabei in einem Schrank eingesperrt wird, der schon bald auf Reisen nach Großbritannien geht. Genauso war es wohl eine dumme Idee, einen Taxifahrer um sein Geld zu prellen, denn es handelt sich um einen hitzköpfigen, rachsüchtigen Vertreter, der dem Inder, der ihn düpiert hat, an den Kragen will.


    So beginnt eine irrwitzige Tour quer durch Europa und den Mittelmeerraum, in deren Verlauf "Aya" nicht nur - mal freiwillig, mal unfreiwillig - diverse ungewöhnliche Verkehrsmittel benutzt, sondern sich auch unsterblich verliebt, eine berühmte Schauspielerin trifft, ganz neue Karriereoptionen entdeckt und über sein Leben nachdenkt.


    Die Grundidee ist so bescheuert, dass sie schon wieder gut ist. Das erinnert, wie auch der lange, ulkige Titel, doch ziemlich an die Bücher von Jonas Jonasson, der solche absurden Geschichten bis zum Ende durchkonstruiert und dabei prächtig unterhält.


    Romain Puértolas gelingt dieses Kunststück leider nur sehr bedingt. Dass sämtliche indischen Protagonisten pseudowitzige Namen hatten wie Bhasmatee Rais, nervt fast von der allerersten Seite an ... und als ob das nicht schon genug wäre, muss auch noch in Klammern darauf hingewiesen werden, dass man Ree Senh Dehb bitte wie "Riesendepp" auszusprechen hätte. Ich mag ja durchaus albernen Humor, aber das war mir zu platt.


    Ayarajmushee benimmt sich auch nicht gerade liebenswert und entpuppt sich recht schnell als gewiefter Betrüger. Dann schlägt der Autor plötzlich ernstere Töne an und bringt die Problematik illegaler Einwanderer ins Spiel - für mich mit der stärkste Teil des Buches - bevor es wieder in die klamaukige Richtung umschlägt mit einer unerträglich klischeehaften Roma-Familie. Es scheint, als hätte sich der Autor nicht entscheiden können, ob er nun eine überdrehte Komödie, eine Sozialstudie oder ein modernes Märchen mit Moral schreiben wollte. Das Buch ist von allem ein bisschen und dabei nichts so richtig.


    Trotzdem habe ich bis zum Ende durchgehalten und fand ein paar Verwicklungen noch ganz amüsant. Die Namenswitze wurden gottlob auch weniger, dafür war der Schluss zwar nett, aber reichlich vorhersehbar. Die Lobeshymnen in der Presse kann ich für meinen Teil nicht wirklich nachvollziehen.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
    (Leonard Cohen)

  • Dieses Romandebüt des französischen Schriftstellers Romain Puertolas, das nach seinem sensationellen Erfolg in Frankreich mittlerweile in sechsunddreißig Länder verkauft wurde, ist ein unterhaltsamer Schelmenroman mit einem ganz außergewöhnlichen Protagonisten, wie in die Literatur nur alle paar Jahre erfinden kann.


    Er heißt Ayarajmushee Dikku Pradash, ist ein Fakir und außerdem ein fulminanter Hochstapler, nennt einen riesigen Schnurrbart sein eigen und kleidet sich gern in feiner Seide. Er lebt in Indien, von wo er eines Tages aufbricht, um sich in Paris bei IKEA ein neues Nagelbett zu kaufen. Genau 15 000 rostfreie Nägel soll es haben, so stellt er sich das vor.


    Doch bevor er seine Bestellung aufgibt, trifft er bei seinem Rundgang durch den riesigen Markt auf Marie, der er im späteren Verlauf einer lustigen und dramatischen Handlung wieder begegnet. Doch zuvor erlebt der Fakir aufregende Abenteuer. Denn der Schrank, in dem er sich versteckt, weil er in ihm die Nacht im IKEA-Markt verbringen will, wird verladen und auf eine Reise geschickt.


    Zum Vergnügen für seine Leser lässt Romain Puertolas den indischen Fakir durch die Welt reisen. Der Roman ist eine immer wieder erheiternde und unterhaltsame leichte Lektüre. Auf die Verfilmung dieses Schelmenstücks darf man gespannt warten.

  • @Madalena hat eine wunderbare Rezension geschrieben welche meiner Meinung nach genau auf diesen Roman zutrifft.


    Denn leider kann ich nicht viel positives anmerken, bin doch etwas enttäuscht worden.
    Das Buch liest sich auf langer Strecke flüssig, leicht und mit einem "innovativen" Humor.
    Ich nenne es innovativen Humor weil mir genau so wie @Magdalena das in meinen Augen unnötige veralbern der Namen etwas auf die Nerven ging.
    Lhegro Singh Lhe = Allegro single oder sein Cousin welcher Pushpak heißt wird angeblich als Push-Up ausgesprochen.
    Zudem wurde mir als Leser immer wieder in Klammern angezeigt wie ich einen Namen auszusprechen hätte.
    Und zwar je nach Situation (Ajatashatru wird folgendermaßen ausgesprochen Accatta-sta-gru) oder (Fakir Ajatashatru wird folgendermaßen ausgesprochen Ganascia-da-Gru) oder (Ajatashatru wird folgendermaßen ausgesprochen Accasciati-Artù)
    Das war recht verwirrend und irgendwann gab ich es auf dahinter einen Sinn zu sehen.


    Wie der Autor jedoch plötzlich in der zweiten Hälfte eine ernstere Tonart anschlägt bekommt man als Leser Probleme. Er wiederholt die anfänglichen interessanten Reflexionen in überflüssiger Art und Weise.
    Einige Male dachte ich schon der Autor hätte seine Protagonisten des Romanes vergessen, er verliert sich in seinen eigenen Überlegungen der Ungerechtigkeiten.


    Ich habe die Absichten des Autors nicht ganz verstanden. Wollte er einen Roman schreiben indem er verpackt in einer witzigen Geschichte auf die sozialen Missstände hinweist jedoch nicht schlüssig war wie er das am besten rüberbringt ohne den Leser zu erschrecken.


    Allerdings weiß ich jetzt das Guy de Maupassant den Eifelturm hasste und jeden Tag sein Mittagessen unter diesem einnahm "da dies der einzige Ort ist wo ich ihn nicht sehen muss"

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