Hubert Reeves

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  • Meine jetzige Lektüre eines neuen Buches von 2013 (noch nicht auf Deutsch übersetzt) des Wissenschaftlers und populärwissenschaftlichen Autors Hubert Reeves nehme ich zur Gelegenheit, um diesen Autor vorzustellen und Lust auf die bislang auf Deutsch erschienen Werke zu wecken :


    Hubert Reeves (* 13. Juli 1932 in Montréal/Québec) ist ein franko-kanadischer Atom- und Astrophysiker, populärwissenschaftlicher Autor und Umweltschutzaktivist. Reeves studierte nach dem Besuch des Jesuitencollège Jean de Brébeuf von 1950 bis 1953 Physik an der University of Montreal. 1955 erwarb er an der McGill University unter John David Jackson einen Magistergrad in Atomphysik und promovierte 1960 an der Cornell University unter Edwin Salpeter in Astrophysik und lernte und arbeitete dort mit Physikern wie George Gamow, Richard Feynman, Fred Hoyle, Philip Morrison.


    Von 1960 bis 1964 unterrichtete Reeves als Assistent Professor Physik an der Université de Montréal. Daneben war er Berater des Institute for Space Studies der NASA und unterrichtete an der Columbia University. Danach war er Professor für Atomphysik an der Université Libre de Bruxelles. 1965 zog er mit seiner Familie nach Frankreich und wurde Direktor des « Centre national de la recherche scientifique » (CNRS) in Paris und wissenschaftlicher Berater des « Commissariat à l'Énergie Atomique » in Saclay.


    Reeves arbeitete wissenschaftlich über die thermonuklearen Prozesse im Inneren von Sternen und die Entstehung leichter Elemente wie Helium, Lithium, Beryllium und Bor. Mit zahlreichen Büchern und Filmen trug er ab den 70iger Jahren zur Popularisierung von Erkenntnissen der Astronomie und der Kosmologie bei.


    Neben mehreren Ehrendoktortiteln wurde Reeves u.a. die Petrie Prize Lecture, der Preis der Fondation de France (1982) und der Société Française de Physique (1985) sowie die Albert-Einstein-Medaille (2001) verliehen. Er wurde Ritter des Ordre national du Mérite (1976), Ritter (1985) und Kommandeur (2003) der Légion d'Honneur sowie Offizier (1991) und Compagnon (2003) des Ordre du Canada.


    Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ist Reeves verstärkt seit dem Jahre 2000 auch im Bereich des Umweltschutzes aktiv, u.a. als Präsident der Ligue ROC zum Schutze der Fauna und Mitglied von Terre d'avenir und France Nature Environnement.


    WERKE
    Wissenschaftliche Publikationen :
    Stellar evolution and nucleosynthesis, Gordon and Breach, New York, 1968
    Nuclear Reactions in Stellar Surfaces, Gordon and Breach, New York, 1972


    Populärwissenschaftliche Schriften :
    Soleil, 1977, 1990, 2006
    Patience dans l'azur, 1981 (dt. Woher nährt der Himmel seine Sterne?, 1983, ISBN 3764313684)
    Poussières d'étoiles, 1984
    L'heure de s'enivrer, 1986
    Wunder Universum : die Entwicklung des Kosmos und die Zukunft der Menschen, 1986
    Die kosmische Uhr. Hat das Universum einen Sinn ? 1989
    Malicorne, 1990 (dtsch : Schmetterlinge und Galaxien: Kosmologische Streifzüge)
    Compagnons de voyage, 1992 (mit Jelica Obrenovich)
    Dernières nouvelles du cosmos. 1994
    L'espace prend la forme de mon regard, 1995
    La première seconde, 1995
    La plus belle histoire du monde, 1995 (mit Yves Coppens, Joël de Rosnay und Dominique Simonnet) (dt. Die schönste Geschichte der Welt, 1998)
    Intimes convictions, 1996
    Oiseaux, merveilleux oiseaux, 1998
    Sommes-nous seuls dans l'univers?, 2000
    Les artisans du huitième jour, 2000
    Mal de Terre, 2003 (mit Frédéric Lenoir)
    Chroniques du ciel et de la vie, 2005
    Chroniques des atomes et des galaxies, 2007
    L'Univers expliqué à mes petits-enfants, 2011 ISBN 978-2-0210-3830-9 (dt. Wo ist das Weltall zu Ende?: Das Universum meinen Enkeln erklärt, 2012) siehe auch : http://www.buechertreff.de/kin…universum-mei/#post966145


    Filme :
    Les étoiles naissent aussi, 1979
    Le Soleil, notre étoile, 1980
    La vie dans l'univers, Fernsehserie, 1982
    Diaporama : Cosmologie (mit Alain Superbie und Michel Gonzalès), 1982.
    Un soir, une étoile, Fernsehserie, 1984
    Initiation à l'astronomie, 1990
    Les dialogues du ciel et de la vie, audiovisuelle Präsentation mit Benoît Reeves und Michel Gonzalès.
    Hubert Reeves, conteur d'étoiles, Film von Iolande Rossignol, 2002-03
    Mal de Terre audiovisuelle Präsentation nach dem gleichnamigen Buch von Benoît Reeves und Alain Superbie, 2005
    (Quellen : wikipedia.de ; wikipedia.fr)


    Homepage von Hubert Reeves (auf Französisch) : http://www.hubertreeves.info/


    Hier in Frankreich war Reeves über Jahre hinweg gern und oft gesehener Gast bei Fernsehsendungen zu populärwissenschaftlichen Themen. Auch hatte er eigene Radiosendungen gestaltet, zB über den Sternenhimmel etc. Es ist schwer, sich der Ausstrahlung dieses Mannes zu entziehen. Nicht nur wegen seiner wissenschaftlichen Kompetenz und der Sicherheit und Einfachheit der Darstellungen und Erklärungen, sondern vor allem auch durch eine einfache Güte.


    Er versteht es, nicht nur komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge zu erläutern, so dass man den Eindruck hat, etwas schlauer hinterher zu sein. Zudem vermittelt er ein Staunen, eine Art poetischer Bewunderung vor der Komplexität und Schönheit der erklärten Dinge und den uns zugänglichen Gegebenheiten des Universums.

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  • Um die Gedankenwelt des frankokanadischen Autors etwas vorzustellen, möchte ich von seinem letzten Buch reden, das 2013 auf Französisch (noch nicht auf Deutsch übersetzt) erschienen ist. Mag es in dieser Sprache nicht zugänglich sein für alle, gibt es doch einen guten Eindruck und kann die Neugier zum Kennenlernen wecken. Ich hatte mehrere ältere Bücher schon vor etlichen Jahren gelesen, doch es liegt einfach zu weit zurück, um sie noch gerecht vorstellen zu können. Manche dieser Bücher (siehe oben) sind auf Deutsch erhältlich!


    Là où croît le péril...croît aussi ce qui sauve
    (Original: 2013)


    Der Titel ist ein Zitat aus dem Gedicht « Patmos » von Friedrich Hölderlin :
    «Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!“


    INHALT:
    Dieses Buch stellt die Geschichte des Universums und jene des Menschen in einen Zusammenhang. Zunächst erstaunt uns Reeves durch die Schilderungen der unwahrscheinlichen und so fruchtbaren Eigenschaften der Materie, sowohl im Mikrobereich (atomar) als auch den größten Dimensionen (galaktisch, im Universum). Diese erlaubten eine immer größere Komplexität bis zum Erscheinen des Lebens auf Erden und eeiner höheren Intelligenz, eventuell auch woanders. Dies ist die « schöne Geschichte ».


    Im Anschluß warnt uns der Astrophysiker und Ökologist vor den Gefahren, die durch des Menschen Dasein aktuell der Erde drohen. Es geht unter anderem um das besorgniserregende Verschwinden so vieler Arten, sowohl in Flora und Fauna. Dies nennt er die « weniger schöne Geschichte ».


    Vor welche Perspektiven stellen uns diese Gegebenheiten angesichts der Zukunft ? Gibt uns die Bewußtwerdung dieser Probleme einen Willen zur Reaktion und eine Hoffnung für eine grünere Zukunft ?
    (Quelle : mich an die französische Produktbeschreibung haltend ; Behelfsübersetzung von mir)


    BEMERKUNGEN :
    Das Buch ist einfach und pädagogisch gut in drei Teile und sehr lesbare Unterkapitel gegliedert. Die Eingangsseiten und stete kurze Zusammenfassungen, als auch die Inhaltsangabe am Ende des Buches geben gute Übersicht. So weiß man stets, an welchem Punkte der Darstellung, der Argumentation Reeves steckt. Man findet, grob gesagt, drei Themenkreise mit jeweils zwei längeren Teilen, die wiederum in kleinere Kapitel und Unterabschnitte aufgeteilt sind.


    Der erste Teil erzählt das Werden des Universums bis hin zum Erscheinen des Lebens, schließlich des Menschen. Reeves drückt wissenschaftlich aus, welche Unzahl an genau aufeinander abgestimmten kosmischen Gegebenheiten (zB die Größe der vier Grundkräfte ; die Verteilung von Materie ; die Zeitkomponente ; Meteoriteneinschläge etc...)notwendig waren und sind, damit sich das Universum derart organisierte, dass es zu einer Evolution zu höheren Organismen führte : ja, dass auch ohne von irgendwelchen « Plänen » zu sprechen, das Universum auf eine immer größere Komplexität ausgerichtet ist. Diese erstaunlichen Fakten und Geschichte nennt Reeves die « schöne Geschichte ». Hier bricht im Wissenschaftler immer wieder auch gleichzeitig das begeisterte und staunende Kind hervor.


    Im zweiten Teil spricht Reeves von der Ausbeutung des Planeten und der ökologischen, wachsenden Krise. Dies geschieht in einer – kosmisch gesehen – verhältnismäßig dramatisch kurzen Zeitspanne insbesondere mit Erscheinen des Menschen (wenngleich er auch nicht verschweigt, dass es andere Artensterbenperioden gab ohne Zutun des Menschen). Mit den verschiedensten Zivilisationsphasen (Jäger und Sammler ; Ackerbau und Viehzucht ; Industriezeitalter) folgen aufeinander Wellen des Artensterbens und des Kleinerwerdens ökologisch intakter Gebiete, die so wesentlich sind/wären, um die notwendige mögliche Artenvielfalt aufrecht zu erhalten und eventuelle natürliche Weiterentwicklungen zu begünstigen. Diese Zeitspanne seit Auftauchen des Menschen (es wäre anzufragen, ob diese Gegenüberstellung in einer gewissen Negativsicht so stimmt und alles ist) nennt er « die weniger schöne Geschichte ».


    Im dritten Teil findet der Titel des Buches, das Zitat Hölderlins wohl seine Begründung. Ist sich der Wissenschaftler auch der verheerenden Zustände bewußt, so entdeckt er dennoch Zeichen, die hoffen lassen. In diesen letzten zwei Jahrzehnten wäre langsam ein größer werdendes Bewußtsein entstanden für den Wert der Natur und die Erhaltung der Arten in allen Bereichen, als auch dem Schutz von Lebensraum. Diesen Prozeß nennt er das « grüne Erwachen ».


    In den letzten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts insbesondere sind dann auch konkrete Entscheidungen gefällt worden, die eine Veränderung unseres Verhaltens und unseres Verhältnisses zur Natur andeuten und konkretisieren. Reeves stellt uns einige handgreifliche Daten und Beispiele vor, die etwas geändert haben.


    Nun, dies lädt keineswegs zum Ausruhen ein und erfordert eine Ausdauer. Die Gefahr ist also da, doch – und ich finde dies hier bewundernswert – Reeves entwirft nicht einfach wie viele andere Horrorszenarien und unwiderrufliche apokalyptische Zeiten, sondern führt eine Note Hoffnung ein. Er lädt ein, nicht einfach einem Defätismus Platz zu lassen. Sicher, einerseits scheint die Natur nahezu unfähig, noch von sich aus angesichts der ökologischen Katatstrophe reagieren zu können.


    Doch zur selben Zeit IST der Mensch eine Frucht dieser Natur und trägt in sich verschiedenste, polyvalente Anlagen zum Handeln. Kann er nicht gewisse schon in der Tierwelt auftauchende Weisen des Miteinanders, der Empathie, des Mitleidens weiterführen ? Diese Verhaltensweisen laden dazu ein, unser Tun für die « scheinbaren Verlierer » der Natur auszurichten und allen Wesen eine Daseinsberechtigung zuzugestehen. Hier findet Reeves sehr starke und gute Worte um von einer Kosmoethik zu sprechen : Prüfstein, zu bestehendes Examen für alle höhere Intelligenz gewisser Komplexität um in einer Harmonie mit dem Universum weiterbestehen zu können.


    Viele gute Argumentationen und Ausführungen. Der Autor zitiert hier gerne seine « Klassiker », darunter insbesondere die Griechen und auch amerikanische Humanisten, Vorläufer und Querdenker. Er greift nicht frontal und virulent – wie von einigen gewohnt – den abendländischen Menschen an, sondern sieht eine universelle Konstante in zweifelhaftem Umgang mit den Schätzen der Natur. Nichts destotrotz hätte ich persönlich gerne gesehen, dass er die Ansätze eines « grünen/ökologischen Gewissens » nicht nur durch Philosophen und Denker begründet, sondern zB auch die großen Traditionen und Religionen befragt. Auch das semitisch-christliche Gedankengut hätte und hat hier zB viel zu sagen und beizusteuern. Eventuell aber täuchten wir damit in Diskussionsräume, die er vermeiden wollte ?


    Vielleicht ein sehr (zu?) ausführliches Resümee des Buches – auch wenn ich vieles nur angestreift habe -, doch es handelt sich ja nicht um einen Roman, und es sollte Einblick erlauben in die Gedanken- und Argumentationswelt von Hubert Reevs.


    Broché: 163 pages
    Editeur : Seuil (5 septembre 2013)
    Collection : Sciences
    Langue : Français
    ISBN-10: 2021118908
    ISBN-13: 978-2021118902

    Banana Yoshimoto - Kitchen

    Ernst Wiechert - Wälder und Menschen

    Trésor de la poèsie indienne - Des Védas au XXIème siècle (Schatzkiste der indischen Poesie - Von den Veden bis ins XXI.Jahrhundert)

    Constant Tonnelier - 15 days of prayer with Saint Therese de Lisieux


    (Un-)Gelesenes: https://www.buechertreff.de/user/2161-tom-leo/#library

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