Carlos Ruiz Zafon - Der Fürst des Parnass / El principe de parnaso

  • Klappentext:
    In ›Der Fürst des Parnass‹ erzählt er, wie alles begann, wie im prachtvollen Barcelona des 16. Jahrhunderts ein passionierter Buchdrucker namens Sempere auf einen glücklosen jungen Dichter trifft – er heißt Cervantes und wird eines Tages den ›Don Quijote‹ schaffen –, wie ein geheimnisvoller Verleger mit Engel am Revers die Bühne betritt und sich ein unscheinbarer Gottesacker zum sagenumwobenen Friedhof der Vergessenen Bücher wandelt. Eine Geschichte von Ehrgeiz und Scheitern, von Wahnsinn und unsterblicher Liebe, eine Hommage an eine verwunschene Stadt am Meer und an die universelle Magie der Bücher. (von der Verlagsseite kopiert)


    Zum Autor:
    Carlos Ruiz Zafón begeistert mit seinen Barcelona-Romanen um den Friedhof der Vergessenen Bücher ein Millionenpublikum auf der ganzen Welt. ›Der Schatten des Windes‹ (Fischer Taschenbuch Bd. 19615), ›Das Spiel des Engels‹ (Bd. 18644) und ›Der Gefangene des Himmels‹ (Bd. 19585) waren allesamt SPIEGEL-Bestseller; der vierte und letzte Band der Tetralogie ist in Arbeit. Auch ›Marina‹ (Bd. 18624), der Roman, den er kurz vor den großen Barcelona-Romanen schuf, stand wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Seine ersten Erfolge feierte Carlos Ruiz Zafón mit den drei phantastischen Schauerromanen ›Der dunkle Wächter‹, ›Der Fürst des Nebels‹ und ›Mitternachtspalast‹. Carlos Ruiz Zafón wurde 1964 in Barcelona geboren und teilt seine Zeit heute zwischen Barcelona und Los Angeles. (von der Verlagsseite kopiert)



    Allgemeine Informationen:
    Originaltitel: El principe de parnaso
    Aus dem Spanischen übersetzt von Peter Schwaar
    Erstmals erschienen 2012 bei Editorial Planeta, S.A.
    Als Handlungsort und –zeit werden Barcelona 1569 angegeben. Erzählt aus der personalen Perspektive Antoni de Semperes, genannt „der Büchermacher“. Als Versatzstück eingeschoben und kenntlich an einer anderen Schrifttype ist ein Bericht über den spanischen Dichter Miguel de Cervantes, seine große Liebe, sein Kampf ums Schreiben und seinen Tod. Der Autor dieses Abschnitts nennt sich Ignatius B. Samson.
    In einem Epilogabschnitt erklärt Zafon, dieses Buch als Dank für die Leser und Buchhändler geschrieben zu haben, die ihn erfolgreich machten. Das Honorar, vom Verlag aufgerundet, spendet er dem Sozialwerk des Deutschen Buchhandels.
    83 Seiten + 2 Seiten Nachbemerkung des Autors


    Inhalt:
    Im Jahr 1619 steht der Büchermacher Sempere auf der Stadtmauer Barcelonas, neben ihm erscheint wie aus dem Nichts ein Mann, mit dem er offenbar eine Verabredung hat. Beide beobachten, wie sich eine prächtige Kutsche mit einem silbernen Engel als Galionsfigur, der Trauerzug für Cervantes, der Stadt nähert.


    Semperes Gedanken treiben zurück ins Jahr 1569, als Miguel de Cervantes in Barcelona eintrifft, ein erfolgloser Dichter, der hofft, für seinen Erstling „Ein Dichter in der Hölle“, einen Verleger zu finden. Nach vergeblichen Versuchen wird er an Andreas Corelli verwiesen. Doch Corelli legt ihm eine Entscheidung vor, die jeder große Künstler zu treffen hat. Cervantes hat seine große Liebe, die wunderschöne Francesca, aus dem Haus ihres ungeliebten Ehemanns entführt, hofft auf ein gemeinsames Leben in Liebe und Verbundenheit und gleichzeitig auf Ruhm und Anerkennung als Dichter.


    Nach Rückschlägen und finanziellen Miseren ist Cervantes tatsächlich ein angesehener Autor geworden. Doch sein Glück hat er nicht gefunden. Nun können ihm seine Freunde Sempere und Sancho Pansa und sein Verleger Corelli nur noch den letzten Dienst erweisen.


    Eigene Meinung / Bewertung:
    Sempere, Andreas di Corelli, der silberne Engel, Ignatius B Samson, Fermin (hier der Beiname des Sancho de la Torre) – immer wieder begegnet man Personen oder Motiven aus der Barcelona-Trilogie des Autors. Wer wissen will, warum der Friedhof der vergessenen Bücher gegründet wurde, wie es zu dieser Einrichtung kam und welchen Titel das erste Buch trug, kommt an „Der Fürst des Parnass“ nicht vorbei.


    Doch dies ist keine der Geschichten rund um den Friedhof der vergessenen Bücher, die sich in die anderen Bände einreiht. Vielmehr enthält das Buch eine Legende um Cervantes und spinnt Episoden aus seinem Leben weiter, die in der Realität im Dunkel der Historie verborgen sind.
    Auch wenn dieses Buch chronologisch weit vor „Der Schatten des Windes“ und seinen beiden Folgebänden liegt, bringt es wenig, die Reihe hiermit zu beginnen, weil erst die Querverweise und Reminiszenzen das Lesen zu einem besonderen Vergnügen machen.


    Dass ein Autor den chronologisch ersten Band seiner Reihe erst dann veröffentlicht, nachdem er „spätere“ Bände geschrieben hat, ist nichts Neues; und doch hat dieses Buch eine ganz eigene, von den andern Romanen abgegrenzte Dynamik, die den Namen „Cervantes“ trägt. Um ihn und sein halb-fiktives Leben gruppiert Zafon in gewohnter Manier fantastische Begebenheiten, eine Liebesgeschichte, historische Details, Gefahr und Tod; er lässt fiktive Personen real auftreten und mischt unterschiedliche Ebenen miteinander. Was in „Der Schattens des Windes“ und Nachfolgern faszinierte, zieht den Leser auch hier in seinen Bann. Auch wenn sich das Ganze in einem 80-Seiten-Bändchen nicht so breit entwickeln kann wie in den 700-Seiten-Wälzern, schimmert Zafons Handschrift durch.


    Fazit:
    Eine lebendig erzählte semi-fiktionale Geschichte und ein interessanter Lesehappen für alle, denen die Zeit zwischen „Der Gefangene des Himmels“ und dem vierten Band von Zafons Tetralogie lang wird.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • In Italien hofft der junge Dichter Miguel de Cervantes 1569 einen Verleger für sein erstes Werk „Ein Dichter in der Hölle“ zu finden. Nach vergeblichen Versuchen wird er an Andreas Corelli verwiesen. Corelli widmet Cervantes Werk große Aufmerksamkeit und wirft das Manuskript schließlich ins Feuer – ein schwerer Schlag für Cervantes, der davon träumt ein großer und erfolgreicher Dichter zu werden. Der Verleger verspricht, dass es eines Tages soweit sein wird, doch dafür muss der junge Cervantes erst das verlieren, was er am meisten liebt. Kurz darauf entführt dieser seine große Liebe, die wunderschöne Francesca, aus dem Haus ihres Ehemanns. Zu Pferd treffen Cervantes und Francesca in Barcelona ein, wo er sich mit dem Büchermacher Sempere und dessen Gehilfen Fermín Sancho de la Torre anfreundet und seine Geschichte erzählt. Noch in derselben Nacht stirbt Francesca…


    Das Büchlein ist mit seinen 85 Seiten schnell ausgelesen und käme der Erlös nicht dem Sozialwerk des Deutschen Buchhandels zugute, hätte ich den Preis etwas unverschämt gefunden. Spätestens nach den ersten drei Seiten wäre ich aber wohl auch damit versöhnt gewesen, denn Zafón lässt den Leser durch seinen traumhaften Schreibstil wieder völlig in die spannende, wenn auch kurze, Geschichte eintauchen.


    „Der Fürst des Parnass“ erzählt zum einen die Vorgeschichte der Buchreihe um den „Friedhof der vergessenen Bücher“, zum anderen enthält es eine Legende um den bekannten Dichter Cervantes, dem Verfasser des „Don Quijote“.


    Die Geschichte beginnt an einem Tag im Jahr 1616, an dem der Büchermacher Antoni de Sempere und der Verleger Corelli den Trauerzug für Cervantes beobachten. Der Anblick ruft in Sempere Erinnerungen an seine erste Begegnung mit dem damals noch erfolglosen Dichter im Jahr 1569 wach.


    Wer bereits „Der Schatten des Windes“ und die Folgebände kennt, wird auf bekannte Charaktere, wie Sempere, dem mysteriösen Verleger Corelli oder auf das Symbol des silbernen Engels treffen. Um Verweise und Anlehnungen an Zafóns großen Romanen nachvollziehen zu können, ist es durchaus von Vorteil diese zuvor gelesen zu haben. Besonders fasziniert es mich immer wieder aufs Neue, wie geschickt der Autor die Verbindungen zwischen den Büchern herstellt. Dennoch sehe ich die vorliegende Erzählung nur bedingt als Vorgeschichte, da die Legende um Cervantes als eigenständige Darstellung einen Großteil davon einnimmt. Darin kombiniert Zafón Fakten und Fiktion mit einer tragischen Liebesgeschichte zu dem schicksalhaften Leben von Miguel de Cervantes, der letztendlich mit seinem „Don Quijote“ viel Ruhm, aber nie das Glück erlangt.


    „Der Fürst des Parnass“ ist eine schöne Ergänzung um die Wartezeit auf den letzten und leider vierten Band um den „Friedhof der vergessenen Bücher“ zu verkürzen. Selbst auf den wenigen Seiten erzeugt Zafón einen erzählerischen Sog, dem sich der Leser nach den ersten Sätzen und bis zum Schluss hin nicht mehr entziehen kann.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

  • Ich getraue mir kaum etwas dazu zu schreiben. Eine vollständige Rezension wird es von mir nicht geben.


    Ich habe diese Erzählung sehr genossen, finde sie aber sehr anspruchsvoll und musste immer wieder mehrere Seiten zurückblättern, Stellen mehrmals lesen. irgendwie konnte ich stellenweise der Geschichte nicht immer folgen, habe mehrmals den Faden verloren. Vielleicht sollte man diese Erzählung nur lesen, wenn man vollkommen entspannt ist und in Ruhe konzentriert lesen kann. Was ich nicht getan habe. Werde mir die Geschichte irgendwann noch einmal vornehmen.