Seite 391-527 ab 26.10.05

  • Hallo Leserundler


    Wie könnte es bei diesem Buch anders sein, ich habe es gestern bereits beendet, und nicht die geringste Lust verspürt, zu unterbrechen und hier zu posten. :oops:
    Carlos Ruiz Zafón hat m.E. mit grosser Erzählkunst zwei Geschichten (die eine beginnt 1914, die andere 1945) zusammengeführt, die so spannend und ineinander verschachtelt sind (der Autor vergleicht die Handlung mit einer russischen Puppe) das ich bis zur allerletzten Seite in dem dunklen Zauber, in der stimmigen Atmosphäre gefangen war.
    >Der Schatten des Windes< ist eine Art "Gothic Novel" die in der düsteren Zeit der Franco-Ära, in der gotischen Stadt Barcelona spielt. Ich darf sagen, dass ich die Stadt recht gut kenne, mir daher vieles vertraut ist und ich daher einen ganz besonderen Blick auf diese, mit wundervollen Worten erzählte Geschichte bekam.
    Zwei Abschnitte möchte ich euch zitieren, die mir im Gedächtnis geblieben sind:
    Bücher sind ein Spiegel; man sieht in ihnen nur, was man schon in sich hat.
    Und dieser Abschnitt (der Vater besucht mit Daniel den >Friedhof der vergessenen Bücher<)
    "Was du hier siehst Daniel, ist ein geheimer Ort, ein Mysterium. Jedes einzelne Buch hat eine Seele. Die Seele dessen, der es geschrieben hat, und die Seele derer, die es gelesen haben. Jedesmal, wenn ein Buch in andere Hände gelangt, jedesmal, wenn jemand den Blick über die Seiten gleiten lässt, wächst sein Geist und wird stark."
    Ach, DAS ist einfach nur schön.....und eigentlich möchte ich das Buch, dass mir ausnehmend gut gefallen hat, nicht zerreden, zerpflücken und analysieren.
    >Der Schatten des Windes< vereinte für mich alles was ich mir von einem guten Buch erhoffe:
    Eine lebendig, schwungvoll erzählte rätselhafte mysteriöse Geschichte, Spannung, ein ungewöhnlicher Schauplatz, interessante und (bis auf einige Ausnahmen) liebenswerte Personen, die nötige Portion Humor und Ironie......Leserherz was willst du mehr.
    Mit meiner Begeisterung habe ich schon meine Tochter (Kuifje hier im Forum :D ) angesteckt, die das Buch bereits in niederländischer Sprache bestellt hat.
    Für dieses Buch gebe ich ***** :thumleft: und das Prädikat >SEHR EMPFEHLENSWERT<.


    Gruss Bonprix :wink:


    :idea: Nun hätte ich beinahe einen wichtigen Menschen vergessen! Den Übersetzer des Buches, Peter Schwaar. Ich denke, sein Können, seine Erzählweise, haben diesem Buch auch in der deutschen Übersetzung zu seinem Lesegenuss verholfen. =D>

  • Es ist ja nun auch schon zwei Jahre her als ich das Buch las, dennoch empfinde ich die gleiche Begeisterung wie Bonprix. Es war alles so verwebt, und jeder einzelne Faden hat nur die Spannung gehebt, dass man es nicht mehr aus den Händen legen konnte. Die düstere Stimmung empfand ich als sehr angenehm :-k , weiß auch nicht warum. Ich freue mich, wenn es wirklich wahr ist, dass Zafón daraus eine Triologie machen möchte. Die weiteren Bücher kaufe ich mir direkt!


    Leider war ich noch nie in Barcelona :( , das hat mir allerdings mein Lesevergnügen nicht genommen :wink:


    Deine Zitate aus dem Buch @ Bonprix werde ich mir gleich mal notieren, die gefallen mir sehr.


    PS Es ist das absolute Lieblingsbuch von meinem Mann.

  • Zitat

    Original von Heidi Hof


    Die düstere Stimmung empfand ich als sehr angenehm :-k , weiß auch nicht warum.


    @Heidi....genau so empfand ich es auch! Düster.....aber nicht trostlos, die Stimmung passte zur Geschichte, und konnte m.M. nach, auch nur so geschrieben werden.

    Zitat

    Ich freue mich, wenn es wirklich wahr ist, dass Zafón daraus eine Triologie machen möchte. Die weiteren Bücher kaufe ich mir direkt!


    Ja, ich hoffe auch, dass es stimmt! Auch ich würde mir sofort den zweiten Band kaufen, ungeachtet des sicher hohen HC Preises.

    Zitat

    Leider war ich noch nie in Barcelona :( , das hat mir allerdings mein Lesevergnügen nicht genommen :wink:


    Ich denke auch, dass der/die Leser Barcelona nicht kennen müssen, um an diesem Buch Gefallen zu finden.
    Meiner Tochter habe ich empfohlen (sie kennt die Stadt ebenfalls nicht) sich dazu bei >Google< die entsprechenden Abbildungen anzusehen, dann bekommt sie wenigstens eine kleine Vorstellung davon, wie es dort aussieht. :lol:

    Zitat

    Deine Zitate aus dem Buch @ Bonprix werde ich mir gleich mal notieren, die gefallen mir sehr.


    Die sind schön, nicht wahr? :D

    Zitat

    PS Es ist das absolute Lieblingsbuch von meinem Mann.


    DAS glaube ich gerne! Ich bin auch absolut begeistert.


    Gruss Bonprix :wink:

  • Hallo Zusammen,


    ich habe das Buch vor drei Tagen beendet und weiss gar nicht, was ich noch alles Gutes sagen soll.


    Dieses Buch gibt einem sehr viel, finde ich. Man konnte teilhaben an einer Zeit, die besser nicht hätte beschrieben werden können. Man konnte teilhaben an Gedanken, die ehrlicher nicht hätten sein können. Man konnte teilhaben an einer Geschichte, die schöner, trauriger, spannender und besser erzählt nicht hätte sein können. Man konnte teilhaben an einer Übersetzung, die trefflicher nicht hätte sein können.


    Das einzige, was ich auszusetzen hätte, wären ein paar Druckfehler, aber davon gab es so wenig, dass es nicht der Rede wert ist.


    Der Schatten des Windes steht vorerst an Nr. 1 meiner Lieblingsbuchliste und ich bin gespannt, wann es von dort verdrängt wird...wenn überhaupt.


    LG Tanni

    Liebe Grüße von Tanni


    :montag: Ich lese gerade:



    2020 gelesen: 10

    Januar = 07 | Februar = 03

    2019 gelesen: 50

  • Ich habe mir heute die Nacht um die Ohren geschlagen und das Buch fertig gelesen. Finale furioso würde ich sagen, mit einem für mich überraschenden Ende. Der Schatten des Windes bekommt von mir insgesamt eine Glatte 1.

    Liebe Grüsse
    Wonneproppen
    ;-)


    Ich lese gerade "Im Dunkel der Wälder" von Brigitte Aubert
    Es gibt nur ein Leben für jeden von uns: unser eigenes. Euripides

  • Hallo, liebe Leserunde!


    Also ihr habt mir wirklich Lust auf dieses Buch gemacht! Aus Zeitgründen konnte ich leider an der Leserunde nicht teilnehmen, aber das Buch, das steht jetzt auf meiner Wunschliste ziemlich weit oben!

    Herzliche Grüße
    Rosalita


    :study:
    Wenn das Schlachten vorbei ist - T.C. Boyle


    *Life is what happens to you while you are busy making other plans* (Henry Miller)

  • Hallo zusammen,


    ich habe mich ja schon geoutet, dass mich dieses Buch nicht wirklich begeistert und das kitschige happyend hat das nicht unbedingt verbessert. Sein Frauenbild, das vielleicht authentisch sein mag, ist mir zu klischeehaft, als gäbe es kein anderes Lebensbild für eine Frau, als sich für einen Mann aufzuopfern. Die einzige, die sich dem nicht beugt - Clara mit ihren mehreren Liebhabern - kommt am Ende nicht gerade gut weg.


    Katia

  • Zitat

    Original von Katia


    ich habe mich ja schon geoutet, dass mich dieses Buch nicht wirklich begeistert und das kitschige happyend hat das nicht unbedingt verbessert. Sein Frauenbild, das vielleicht authentisch sein mag, ist mir zu klischeehaft, als gäbe es kein anderes Lebensbild für eine Frau, als sich für einen Mann aufzuopfern. Die einzige, die sich dem nicht beugt - Clara mit ihren mehreren Liebhabern - kommt am Ende nicht gerade gut weg.


    Hallo Katia,


    Du vergleichst das mit der heutigen Zeit.


    Zu der Zeit in der die Geschichte lebt, war das aber wirklich so. Die Frau hatte die untergeordnetere Rolle, war da für Haushalt und Co., sogar mitunter dankbar für die Erledigung dieser Arbeiten, während der Mann die Verantwortung trug und Entscheidungen traf. Und dann noch erstrecht in Spanien, in einem Land des tiefen Südens, wo die Mentalität sowieso eine ganz andere ist. Wir haben spanische Freunde seit ich auf der Welt bin und ich habe mit Vincente und Hose auch schon darüber gesprochen, sie sagen, es sei so identisch beschrieben. Selbst heute noch ist im tiefen Spanien noch ein wenig davon zu spüren...


    VG Tanni :wink:

    Liebe Grüße von Tanni


    :montag: Ich lese gerade:



    2020 gelesen: 10

    Januar = 07 | Februar = 03

    2019 gelesen: 50

  • Hallo Katja,


    ich glaube auch, dass Zafon nur das Frauenbild der damaligen Zeit authentisch dargestellt hat. Ich glaube nicht, dass er damit die Frauen diskriminieren wollte.

    Liebe Grüsse
    Wonneproppen
    ;-)


    Ich lese gerade "Im Dunkel der Wälder" von Brigitte Aubert
    Es gibt nur ein Leben für jeden von uns: unser eigenes. Euripides

  • Hallo Tanni,


    ich vergleiche das nicht mit der heutigen Zeit, deswegen habe ich ja auch geschrieben, dass das Frauenbild wohl authentisch ist. Trotzdem hat ein Autor Möglichkeiten zu reflektieren und seine eigenen Bewertungen einfließen zu lassen, o.k. er schränkt sich diese Möglichkeiten ein dadurch, dass er aus Daniels Perspektive schreibt. Es gab mit Sicherheit auch in dieser Zeit Frauen, die auf ihre Weise, in ihrem Umfeld sehr stark waren, z.B. in ärmlichen Verhältnissen viele Kinder großzogen, gerade während des spanischen Bürgerkriegs auch ohne Männer klarkommen mußten usw. Diese Figuren fehlen mir völlig, die Mütter z.B. sind entweder tot (Daniel, Bea) oder sehr negativ dargestellt (Penelope, der Inspektor). Oder Julians Mutter: sie muß für ihren Fehltritt viele, viele Jahre leiden, wird von ihrem Mann geschlagen.


    Ich habe im Hinterkopf noch ein bißchen die Autobiographie von Garcia Marquez, er ist 1929 (oder so) geboren, und ich denke das kolumbianische Frauenbild zu dieser Zeit wird nicht so anders gewesen sein. Und da werden reihenweise starke Frauen beschrieben, die vielleicht nicht in der Gesellschaft Anerkennung finden, Geld verdienen und einen Beruf haben, die aber nichts desto trotz Einfluss auf die Entscheidungen in ihren Familien haben, im Haus "die Hosen anhaben", oder z.B. seine Mutter, die ihre Heirat ihren Eltern gegenüber durchgesetzt hat, obwohl ihr Mann gesellschaftlich weit unter ihr stand.


    Sorry, ich wollte da jetzt keine große Diskussion lostreten...


    Katia

  • Hallo Katia


    Zitat

    Original von Katia


    Trotzdem hat ein Autor Möglichkeiten zu reflektieren und seine eigenen Bewertungen einfließen zu lassen, o.k. er schränkt sich diese Möglichkeiten ein dadurch, dass er aus Daniels Perspektive schreibt. Es gab mit Sicherheit auch in dieser Zeit Frauen, die auf ihre Weise, in ihrem Umfeld sehr stark waren, z.B. in ärmlichen Verhältnissen viele Kinder großzogen, gerade während des spanischen Bürgerkriegs auch ohne Männer klarkommen mußten usw. Diese Figuren fehlen mir völlig, die Mütter z.B. sind entweder tot (Daniel, Bea) oder sehr negativ dargestellt (Penelope, der Inspektor). Oder Julians Mutter: sie muß für ihren Fehltritt viele, viele Jahre leiden, wird von ihrem Mann geschlagen.


    Da hast Du vollkommen Recht!
    Ich denke, dass C.R.Z. in diesem Buch keine andere Möglichkeit blieb, denn es wurde alles aus Daniels Sichtweise beschrieben, wie Du schon sagst und ausserdem denke ich, dass in diesem Buch diese Wahl der Frauencharaktere ganz passend war für eben diese Geschichte, auch wenn wir wissen, dass es natürlich auch starke, bzw. stärkere Charaktere gibt.


    Zitat

    Ich habe im Hinterkopf noch ein bißchen die Autobiographie von Garcia Marquez, er ist 1929 (oder so) geboren, und ich denke das kolumbianische Frauenbild zu dieser Zeit wird nicht so anders gewesen sein. Und da werden reihenweise starke Frauen beschrieben, die vielleicht nicht in der Gesellschaft Anerkennung finden, Geld verdienen und einen Beruf haben, die aber nichts desto trotz Einfluss auf die Entscheidungen in ihren Familien haben, im Haus "die Hosen anhaben", oder z.B. seine Mutter, die ihre Heirat ihren Eltern gegenüber durchgesetzt hat, obwohl ihr Mann gesellschaftlich weit unter ihr stand.


    Natürlich, das sehe ich auch so. Es gibt ja in keinem der Gezeiten nur solche oder solche, aber es hält sich eben nicht immer unbedingt die Waage. Und so war es denke ich damals, erstrecht wenn ich mir die Erzählungen meiner spanischen Freunde anhöre und dem Leben ihrer Eltern und Grosseltern, die genau in der Zeit gelebt haben.


    Zitat


    Sorry, ich wollte da jetzt keine große Diskussion lostreten...


    Warum? Hier wird doch über den Eindruck des Buches diskutiert. Gerade das finde ich interessant und jeder darf doch seine Meinung sagen. Du gibst Deinen Eindruck und Dein Empfinden wieder und das ist vollkommen ok.


    VG Tanni

    Liebe Grüße von Tanni


    :montag: Ich lese gerade:



    2020 gelesen: 10

    Januar = 07 | Februar = 03

    2019 gelesen: 50

  • Ich hab das Buch heute morgen fertig gelesen und finde, es ist ein sehr bemerkenswertes Buch.
    So etwas in der Art hab ich noch nie gelesen.


    Ein paar Zitate sind mir auch in Erinnerung geblieben, eines ganz besonders, da steckt bereits ein Lesezeichen drin, damit ich es immer wieder sofort finden kann :wink:


    Zwischendrin hatte ich eine kleine Flaute, muss aber nicht unbedingt am Buch liegen. Dafür konnte ich am Schluss das Buch nicht mehr weg legen!


    Sehr schön, einzigartig - ein Lesetipp!!!

    Liebe Lesegrüße
    Eure Süße
    :study::)


    Erinnerungen, die unser Herz berühren, gehen niemals verloren.

  • So was. Jetzt hab ich das Buch vorgeschlagen und trödele völlig hinterher.


    Also, abschließend: Mir hat es auch sehr gut gefallen, wobei es mich erst auf der Hälfte so wirklich in seinen Bann gezogen hat. So viele Verwicklungen, Parallelen und, und, und...


    Spannung pur. Auch ich bin der Meinung, daß man dieses Buch ohne weiteres weiterempfehlen und verschenken kann.

    Viele Grüße, Alianne


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    Bücher sind Schiffe, welche die weiten Meere der Zeit durcheilen.
    Francis Bacon