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Joe R. Lansdale - Ein feiner dunkler Riss/A fine dark line

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Ein feiner dunkler Riss

4.4|22)

Verlag: Suhrkamp Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 351

ISBN: 9783518464977

Termin: Februar 2014

  • Sommer 1958, ein kleiner Ort in Texas. Stanley, gerade 13 Jahre alt, muss erfahren dass der Weihnachtsmann nicht existiert - und es somit wohl auch keinen Osterhasen gibt. So etwas nennt man wohl eine behütete Kindheit ;-) Doch damit ist es in diesem Sommer vorbei. Denn als er beim Spielen ein kleines Kästchen mit Briefen und Tagebucheintragungen findet und Nachforschungen darüber anstellt, kommt er auf die Spur eines Doppelmordes, der noch immer nicht aufgeklärt ist. Gemeinsam mit seiner Schwester, seinem Freund Richard und Buster, dem schwarzen Mitarbeiter seines Vaters machen sie sich auf die Suche und finden so manches...
    Was sich hier so liest wie ein Krimi, ist sicherlich auch einer, aber dennoch nur ein kleiner Teil dieser aufregenden und unterhaltsamen Geschichte. Stanley wird erwachsen in diesem Sommer, denn so ganz nebenbei wird er nicht nur aufgeklärt, nein, er erfährt auch (wie wir Lesenden), wie böse und ungerecht aber auch wie schön das wahre Leben ist und wie wichtig Freundschaft und Vertrauen sind. Man lernt die Verhältnisse in den schwarzen und reichen Vierteln kennen, trifft warmherzige wie scheinbar abgrundtief böse Menschen und wird gewahr, welch unterschiedliche Gründe dahinterstecken können. Wie sagt Buster so schön am Ende: 'Ist nicht immer alles ganz befriedigend, aber wenn doch, dann kommt's verdammt gut. Denk dran, genieß das Leben, denn am Ende ist Fleisch und Dreck doch alles wieder eins.'
    Lansdale ist ein grandioser Erzähler, in dessen Buch man richtiggehend eintauchen und für Stunden die Welt um sich herum vergessen kann, da einen die seine vollständig gefangen nimmt. Toll!

  • Oh, ja. Da möchte ich meine Rezi auch anhängen, wenn ich darf.


    Sommerferien, Texas in 1958. Der 13 jährige, naive Stanley erlebt einen Sommer, den er nie vergessen wird.


    Stan kommt mit Gewalt in Berührung. Gottlob nicht in seiner Familie, aber sein bester Freund wird regelmäßig von seinem religiös fanatischen Vater verprügelt und die Haushälterin Rosy Mae von ihrem gruseligen Lebensgefährten Bubba Joe.


    Stan wird zu einer Zeit groß, die noch strikte Rassentrennung vorgibt. Schwarze sitzen im Kino hinten, Schwarze werden Nigger genannt und Schwarze arbeiten für die Weißen und haben sich ansonsten still zu verhalten. Während Stans Vater an diese Rassentrennung festhält, ist Stans Mutter sehr aufgeschlossen und kümmert sich rührend um die farbige Haushälterin Rosy Mae. Sie bezieht sogar ein Zimmer im Haus der Familie. Stan und sie freunden sich an. Generell hat in Stans Familie die schlagfertige Mutter das Heft in der Hand, was zu dieser Zeit nicht üblich war und für eine Leichtigkeit in dieser Geschichte führt.


    Der Junge Texaner findet beim Spielen mit seinem treuen Hund Nub Liebesbriefe und Tagebuchblätter, die er seiner Schwester Callie und Buster, dem farbigen Filmvorführer des väterlichen Autokinos, zeigt.
    Diese Briefe führen Stan auf die Spur eines „Doppelmordes“.


    2 junge Frauen sterben auf mysteriöse Weise in der gleichen Nacht. Wer waren die Ermordeten, und warum ließen sie ihr Leben? Hingen die beiden Morde zusammen oder war alles ein Zufall? Und wer ist hier der Mörder? Stan möchte mehr herausfinden und so stürzt er sich mit Hilfe von Buster in Nachforschungen. Buster lehrt Stan detektivisches Denken und die beiden werden verbündete. Callie hilft mal mehr, mal weniger begeistert bei den Ermittlungen. Es entspinnt sich eine Geschichte, die weit über die Grenzen eines Kriminalromanes hinaus gehen. Es ist vielmehr eine Geschichte über bedingungslose Freundschaft, Mut und die Vielfalt der Menschen.
    .


    Meine Meinung:
    Der Schreibstil ist sehr flüssig. Landsdale kommt ganz ohne Kryptik oder sonstigen verwirrenden Schnickschnack aus. Er erzählt einfach aus der Sicht des erwachsenen Stanleys, der auf einen Sommer zurückschaut als er 13 Jahre alt war. Landsdale spielt mit den Konventionen der 50er Jahre und lässt seine Protagonisten bewusst einige Tabus ankratzen. Das gibt dem Buch seinen Charme. Protagonisten wie Antagonisten sind so fein gezeichnet und die Handlung so tiefgründig, dass man stundenlang über sie schreiben könnte. Die Rahmenhandlung ist für mich hier viel wichtiger als der Kriminalfall, der schon fast zur Nebensache verkümmert. Umso überraschender packt einen dann doch das Finale.
    Zum Ausklang des Buches hatte ich erstaunlicherweise sogar Tränen in den Augen. So wünsche ich mir ein Buch. Eine Geschichte, die mich sehr fasziniert hat.

  • Stan ist für seine 13 Jahre noch sehr kindlich: Bis vor Kurzem
    glaubte er noch an den Weihnachtsmann und an den Osterhasen.. Als ihm
    seine Freunde und seine Mutter darüber dann die Wahrheit erzählen ist es
    für ihn ein großer Schock. An die Zahnfee hatte er selbst nicht so
    überzeugt geglaubt- aber dass es den Weihnachtsmann nicht geben
    soll.....
    In der Stadt Dewmont, in der er lebt, hingt alles
    hinterher: Die Menschen benehmen sich nicht, als wären gerade die 60er,
    sondern eher die 30er, höchstens die 40er. In Dewmont hat Stan einen
    Freund: Richard Chapman. Dieser Junge ist stark, zwar nicht besonders
    intelligent und hygienisch, aber Stan bewundert ihn. Richard würde
    schließlich auch einen erastklassigen Tarzan Nr. 2 abgeben!
    Und so
    erzählt Stan davon, wie unaufgeklärt er doch war und wie er mit der
    Entdeckung, die er mit seiner großen Schwester Callie gemacht hat, sein
    größtes und gefährlichstes Abenteuer beginnt... Es beginnt in einem
    alten, halb abgebrannten Haus, wo er ein Kästchen mit Liebesbriefen
    findet... Und schon bald geht es nicht nur um eine längst vergangene
    Liebesgeschichte, sondern um einen Doppelmord und viele verdächtige, die
    immernoch gefährlich werden können...


    Dieses Buch hat mir sehr
    gut gefallen, da zum Einen der Schreibstil sehr angenehm ist und man
    sich zu Andeen sehr gut in das Geschehen hineinversetzen kann. Die
    Charaktee sind sehr lebendig und vielschichtig beschrieben und oftmals
    verbirgt sich hinter ihnen viel mehr, als man gedacht hätte.Darüber
    hinaus lernt man einige weise Gedanken kennen, über die man wirklich
    eine Weile nachdenken muss- und was natürlich ganz wichtig ist:
    Das Buch ist packend, spannendund überraschend!!!

  • Ein feiner dunkler Riss


    Joe R. Lansdale ist ein echter Geheimtip! Gute Sprache, ordentlich recherchiert, liberale Gedanken, nie loslassender Erzählstil, spannende Geschichte, Bodenhaftung. Sehr gut besetzte Figuren, mit jeder Menge Leben. Beim Lesen nicht ein Quäntchen Langeweile verspürt.Als ich das erste Drittel durch hatte, musste ich das Buch zu Ende lesen und habe den Rest in einem Stück in 5 - 6 Stunden hintereinander förmlich verschlungen. Der Grund war auch, dass ich die vielfältigen Verzweigungen nicht vergessen wollte. Das Buch hat mehrere parallele Handlungsstränge. Kein Mensch ist heroisch dargestellt und Sie alle haben Ihre menschlichen Fehler. Nichts ist klischeehaft, und entgegen den Sherlock Holmes Büchern ist hier die Spur nicht immer eindeutig. Landsdale hat den richtigen Mix aus komplexerer Atmosphäre, verbundenen Hintergrundsgeschichten und flüssigem Lesefluss gefunden. Lacher gibt es auch noch. Man fiebert mit, ist oft dem Jungen einen Schritt voraus, manchmal aber auch nicht.

  • Inhaltsangabe:

    East-Texas, 1958: Der 13jährige Stanley Mitchel ist gerade mit seinen Eltern und seiner älteren Schwester Calli nach Dewmont gezogen, weil sein Vater sich den Traum vom Auto-Kino erfüllt hat. Sein Hund Nub begleitet ihn auf Schritt und Tritt.


    Bis zu jenem Sommer glaubt er noch an den Weihnachtsmann und die Wahrheit hat er noch nicht ganz verdaut, als er beim Spielen im Wald eine sonderbare Kiste im Boden entdeckt. Sie enthält sonderbare Briefe über Freundschaft und einem Baby. Desweiteren erfährt er, das vor einigen Jahren zwei Mädchen umgekommen waren: Eine in ihrem Haus verbrannt und die andere wurde in der gleichen Nacht von der Eisenbahn geköpft. Angeblich würde noch ihr Geist auf der Suche nach dem Kopf sein, denn den hatte man nie gefunden.


    Gemeinsam mit Buster, einem farbigen Angestellten, und seinem Freund Richard macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit und erfährt dabei so einiges, was ihn den ganzen Sommer über mehr als beschäftigt …


    Mein Fazit:

    Der Plott der Geschichte hörte sich echt gut an und die vielen positiven Bewertungen ließen mich dazu verleiten, dieses eBook spontan zu kaufen. Und bei 216 Seiten sollte es eigentlich schnell durchgelesen sein – so dachte ich zumindest.


    Aber es kam doch irgendwie alles ganz anders. Ich kann noch nicht einmal genau sagen, woran es lag (wahrscheinlich an meiner persönlichen Gemütsfassung), aber ich kam sehr schlecht in die Geschichte rein. Der Autor hat durchaus einen feinen Sinn für Humor und hat die Geschichte wunderbar aus seiner Sicht geschildert. 13 Jahre alt, behütet aufgewachsen und Stanley kam zum ersten Mal mit Dingen in Berührung, die weit über seinen Horizont hinausgingen. Einzig seiner Schwester und seinem Freund Buster verdankte er es, das er es verstand. Sie erklärten ihm die Dinge, wie es damals eben so üblich war. Auch kannte Stanley es nicht, wie die Farbigen behandelt wurden oder das Kinder von ihren Eltern geschlagen oder vernachlässigt wurden. Seine Heile Welt bekam eben einen feinen dunklen Riss.


    Es gab immer wieder kleine Abschweifungen von der Geschichte, die mich dann auch zwischendurch verwirrten. Letztendlich ergab es am Ende jedoch einen Sinn und es fügte sich wie ein Puzzle-Teil zusammen. Die Auflösung der Morde war dann am Ende schon toll geschrieben. Aber bis dahin hat es sich für mich hingezogen wie Kaugummi.
    Wegen der grandiosen Auflösung der Geschichte gibt es vier Sterne von mir.


    Anmerkung: Ich habe es als eBook gelesen.

    LG, Elke :wink:

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