Simon Beckett - Der Hof/ Stone Bruises

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Der Hof

3.7|74)

Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 464

ISBN: 9783499268380

Termin: Juli 2015

  • Kurzbeschreibung:
    Auf der Flucht vor seiner Vergangenheit strandet Sean auf einem abgelegenen Bauernhof in Südfrankreich. Hier lebt der Eigenbrötler Arnaud mit seinen beiden Töchtern. Von Idylle keine Spur – in der brütenden Hitze wirkt die ganze Szenerie auf den jungen Engländer heruntergekommen, desolat. Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht. Weshalb aber schotten sich die Arnauds so rigoros ab, warum dulden sie keinen Fremden auf ihrem Besitz, was ist ihr tödliches Geheimnis? Simon Becketts neuer Thriller Der Hof: psychologische Hochspannung der Meisterklasse! (Quelle: Verlagswebsite)


    Der Autor:
    Simon Beckett arbeitete als Hausmeister, Lehrer und Schlagzeuger, bevor er sich ganz dem Schreiben zuwandte. Als Journalist bekam er Einblick in die Polizeiarbeit, und dieses Wissen verarbeitet er in seinen Romanen.
    Allein in Deutschland wurden bereits 7 Millionen Bücher des Autors verkauft. Für einige seiner Thriller hat er auf der «Body Farm» in Tennessee recherchiert. Der Autor ist verheiratet und lebt in Sheffield. (Quelle: Verlagswebsite)


    Allgemeines:
    Erschienen im Februar 2014 bei Rowolth Wunderlich.
    458 Seiten, 19 Kapitel + Einschübe unter dem Titel „London“ und ein Epilog
    Original: Stone Bruises, ebenfalls 2014 erschienen
    Erzählt wird die Geschichte in der Gegenwartsform von Sean als Ich-Erzähler parallel auf 2 Zeitebenen (jetzt in Frankreich und als Erinnerungen an London).


    Inhalt:
    Ein Mann ist auf der Flucht. Er hat Blut an seinen Händen (und das nicht im übertragenen Sinn) und ist voller Angst. Er hat es aus England immerhin schon nach Frankreich geschafft, fühlt sich aber dennoch verfolgt. So flüchtet er, als er ein Polizeiauto sieht, voller Angst in den Wald, nur um dort in eine Tretfalle zu geraten. Keine Chance auf Befreiung, kein Wasser und dazu noch Angst vor Entdeckung…
    Als er aus seiner Ohnmacht erwacht, findet er sich in einer Scheune wieder in der Obhut einer jungen Frau. Sie heilt ihn, er bekommt zu Essen und darf sogar bleiben, obwohl dem alten Hausherrn dies anfangs gar nicht zu schmecken scheint. Sean wundert sich über die Abgeschiedenheit des Hofes und den fehlenden Kontakt zur Außenwelt, aber all das kommt ihm ja eigentlich entgegen und so bleibt er gern, zumindest bis sein Bein verheilt ist. So nimmt der Alltag seinen Lauf, aber nicht nur die Angst vor den Wutausbrüchen des Alten bereiten dem jungen Engländer Unbehagen. Geheimnisse lasten auf dieser Familie, zu denen er ganz allmählich vordringt. Hinzu kommen die widersprüchlichen Gefühle für Arnauds Töchter: die ruhige Mathilde, die ihn ohne viel Aufhebens pflegt und auch vor dem Alten in Schutz nimmt und das merkwürdige Gretchen, das ihm mehr als deutliche Avancen macht.
    Und da sind dann auch noch die Erinnerungen an seine Zeit in London und Chloe, die Frau, die er geliebt hat. Nicht nur der Hof birgt Geheimnisse, auch Sean trägt mindestens eines mit sich herum…

    Meine Meinung:

    Von der ersten Seite an nimmt Simon Beckett seine Leser gefangen. Auch wenn man die Sorge und Angst des jungen Mannes auf der Flucht spüren kann, ist die Stimmung aber eher ruhig und beinahe schon träge – passend zum einem heißen Sommertag irgendwo in der französischen Provinz. Und diese Stimmung, gepaart mit einem unterschwelligen Gefühl von dunklen Geheimnissen, bleibt den ganzen Roman über erhalten. Dieses Buch ist kein Thriller im Sinne von Action, Blutrausch und Brutalität. Vielmehr ist es ein Krimi vom feinsten.
    Wir erleben alles aus der Sicht von Sean, aber wir wissen nicht, wovor oder vor wem er auf der Flucht ist. Dieses Geheimnis lüftet sich erst nach und nach durch seine Rückblenden an die Zeit in London. Hautnah erleben wir dagegen die Erlebnisse auf diesem merkwürdigen einsamen Gehöft in Frankreich, das von seinem Besitzer beinahe in eine Festung verwandelt wurde und auf dem der alte Arnaud sich und seine Töchter von der Außenwelt abschottet. Wir machen uns Gedanken über die Gründe für die Feindschaft der Nachbarn, erleben die beiden so unterschiedlichen jungen Frauen und den herrischen Arnaud und fühlen mit Sean, der hin und her gerissen ist, zwischen der trügerischen Sicherheit hier auf dem abgeschiedenen Hof und seiner Furcht, doch von der Vergangenheit eingeholt zu werden.
    Ganz allmählich lüften sich die Geheimnisse, manche Dinge scheinen vorhersehbar und sind am Ende dann eben doch nicht so, wie vermutet. Manche Wendung ist überraschend und beängstigend. Die Charaktere sind stimmig und durchweg glaubhaft in ihren Handlungen (auch wenn sich manche Motive erst nach und nach erschließen).


    Beckett hat mit „Der Hof“ einen atmosphärischen Krimi geschrieben, der auf mich wie ein französischer Film aus den 70er Jahren gewirkt hat - wäre Sean nicht rothaarig, hätte er Alain Delons Gesicht für mich ;-) - und sich wohltuend von der derzeit üblichen Thrillerkost abhebt: unaufgeregt, aber geheimnisvoll, beinahe unblutig, aber voller menschlicher Abgründe. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung und :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb: . Den kleinen Abzug verschuldet das ein wenig zu schnell erzählte Finale auf dem Arnaud-Gehöft.


    Fazit:
    Spannend, gefühlvoll, atmosphärisch und voller Geheimnisse – ein Krimi zum Genießen.

    Gelesen in 2018: 7 - Gehört in 2018: 6 - SUB: 352


    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)

  • Vielen Dank für die tolle Rezi, Hiri! Das Buch wandert natürlich gleich auf meine Wunschliste.
    Wenn hier nicht "Simon Beckett" sondern ein unbekannter Autor draufstehen würde, wäre ich wohl gar nicht darauf aufmerksam geworden, denn irgendwie hört sich die Inhaltsangabe fast nach einem Romantic-Thriller a la "Heiße, ausgehungerte Farm-Töchter buhlen um einen schönen, verlorenen Fremden mit dunklem Geheimnis". :mrgreen:

  • irgendwie hört sich die Inhaltsangabe fast nach einem Romantic-Thriller a la "Heiße, ausgehungerte Farm-Töchter buhlen um einen schönen, verlorenen Fremden mit dunklem Geheimnis". :mrgreen:

    Ja, einfach nur schrecklich der Klappentext... :wuetend: (deshalb hab ich auch die Kurzbeschreibung vom Verlag kopiert). Ich kann dich beruhigen: für romantische Säuseleien hat Beckett keinen Platz und Worte verschwendet :)

    Gelesen in 2018: 7 - Gehört in 2018: 6 - SUB: 352


    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)

  • Das klingt vielversprechend. Beckett hat mich damals mit "Die Chemie des Todes" wirklich gepackt und auch "Kalte Asche" war grandios. Leider sackte die Lesefreude mit "Leichenblässe" doch stark ab, so dass ich bisher noch nicht die Lust verspürt habe "Verwesung" zu lesen.
    Doch mit deiner Rezension machst du mir Hoffnung, dass Simon Beckett wieder ein lesenswertes Buch gelungen ist. Danke dafür!

    ~ Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken. ~

    Carlo Karges

  • Mit der Serie um Hunter hat es also nichts zu tun?
    Ich werde mir dann wohl in absehbarer Zeit die englische Ausgabe gönnen.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study: 
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Mit der Serie um Hunter hat es also nichts zu tun?

    Genau. Das ist ein völlig eigenständiger Roman und wird das wohl auch bleiben :)

    Gelesen in 2018: 7 - Gehört in 2018: 6 - SUB: 352


    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)

  • Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich nach meinem Reinfall mit "Obsession" nochmal einen von Simon Becketts Einzelbänden auf die Wunschliste setzen würde. Aber nach deiner Rezi kann ich gar nicht anders :pray: Das klingt soo gut!

    :study:  Isla and the Happily Ever After (S.Perkins)
     :bewertung1von5: Bücher/Seiten 2018: 11/4.361 || SUB 170 O:-) (Start:173) 

    -

    "Bücher sind Wahrheiten inmitten von Lügen." / S.King
    "Ein Frosch ohne Humor ist nur ein kleiner grüner Haufen." / Muppet Show
    "Why do most people fail to give each other the fairy tale?" / M.Quick

  • Ich habe gerade bei amazon festgestellt, dass sich an diesem Buch wieder die Geister scheiden :) Die einen finden es spannend und großartig, andere eher langatmig und langweilig. Aber was ich vor allem sagen wollte:


    Lest die Rezis auf amazon nicht vor dem Buch!!!
    Vor allem einige der negativen Rezis sind voller Spoiler Eine erzählt quasi die komplette Auflösung - das ist unmöglich.

    Gelesen in 2018: 7 - Gehört in 2018: 6 - SUB: 352


    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)

  • Ich werde mir dann wohl in absehbarer Zeit die englische Ausgabe gönnen.

    Das kann ich mir schenken. Meine geliebte Bücherei hat mir heute die deutsche Ausgabe zurückgelegt. :love:


    Lest die Rezis auf amazon nicht vor dem Buch!!!

    Danke für die Warnung. Kann man Leute, die in ihren Rezis schon alles verraten, eigentlich nicht bei amazon "melden", damit diese Rezis gelöscht / entschärft werden?

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study: 
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  • Ich bin nicht so begeistert von "Der Hof". Ehrlich gesagt hatte ich mir mehr davon versprochen. :-k


    Es ist gar nicht so leicht für mich, etwas zu “Der Hof” zu schreiben. Eigentlich ist es gar kein schlechtes Buch. Man rätselt lange herum, was mit Sean los ist und warum er aus England abgehauen ist. Auch die Ereignisse auf dem Hof sind rätselhaft und die ganze Zeit über fragt man sich, was Sean wohl herausfinden wird. Die Handlung ist wirklich gut konstruiert und die Charaktere fand ich insgesamt glaubwürdig. Vor allem Sean mochte ich von Anfang an gern, auch wenn er mit einem David Hunter nicht mithalten kann.
    Was man allerdings wissen sollte, ist, dass dieses Buch kein Thriller ist, wie man ihn von Beckett erwartet. Ich zumindest habe einen Thriller erwartet, der mich atemlos Seite um Seite lesen lassen würde und den ich nicht aus der Hand legen würde, bis ich ihn beendet hätte. Das war nicht der Fall. Ich gebe zu, dass ich anfangs irritiert und ein bisschen enttäuscht war. Ich bin auch ehrlich gesagt bis zum Schluss nicht dahinter gekommen, ob ich das Buch an sich eher “ganz gut” als “großartig” fand, weil ich gehofft hatte, dass Herr Beckett mir Gänsehaut verschaffen würde, oder ob es tatsächlich eher “ganz gut” war.
    Immer wieder werden Fragen aufgeworfen und das macht die Atmosphäre schon irgendwie unheimlich – zumindest zunächst. Mit der Zeit hat mich das immer weniger überzeugt. Die Handlung plätschert über weite Teile einfach vor sich hin, anders kann man das leider gar nicht sagen. Gerade in der Mitte des Buches waren es eher die Kapitel über Seans Leben in London, die mich interessiert haben.
    Am Ende wartet Beckett dann mit einem Showdown auf, in dem es noch mal alle möglichen Auflösungen, Verwicklungen und so weiter gibt, aber irgendwie war mir das am Ende dann auch wieder zu viel. Den Epilog hingegen fand ich sehr gut, er hat den Roman gut abgerundet.
    Insgesamt fand ich “Der Hof” in Ordnung, aber ich hoffe, dass Beckett beim nächsten Mal wieder an seine David Hunter-Thriller anknüpft.
     :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Ich zumindest habe einen Thriller erwartet, der mich atemlos Seite um Seite lesen lassen würde und den ich nicht aus der Hand legen würde, bis ich ihn beendet hätte.

    Mir ist es so gegangen, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte, bis ich es beendet hatte. Es ist kein Thriller im üblichen Sinne mit Mord :arrow: Ermittlung samt forensischen Details :arrow: Aufklärung, sondern eher ein psychologisch ausgerichteter Roman. Die Personenkonstellation hat mich total gefesselt, besonders Arnaud und Gretchen haben in mir sehr starke Emotionen (Wut, Ablehnung) ausgelöst. Die Darstellung des Arnaud ist genial: er ist ein absolut unsympathischer Kotzbrocken, aber eine der fesselndsten Romanfiguren, die mir bisher begegnet sind. Selten ist eine Romanfigur für mich so lebendig geworden.
    Auch sonst ist es dem Autor gelungen, mich emotional sehr zu "involvieren": die Szene,


    Die Atmosphäre des heißen, drückenden Sommers mit der durch unausgesprochene Geheimnisse verbundenen unterschwelligen Angst wird sehr gut rübergebracht. Interessanterweise hatte ich von Anfang an den richtigen Verdacht. :wink: 
    Der zweiteilige Aufbau sorgt für Abwechslung, wobei der extreme Kontrast zwischen dem modernen Lebensstil im lauten, schnelllebigen London und dem total abgeschotteten, stillen Leben auf dem Hof in Südfrankreich bereichernd ist.
    Mich hat dieses Buch sehr intensiv angesprochen und mir mindestens(!) so gut gefallen wie die David Hunter-Romane, wobei diese Bücher nicht vergleichbar sind. Für mich gehört "Der Hof" auf jeden Fall zu den Lesehighlights des Jahres. :thumleft: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:

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    :study: 
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  • Lest die Rezis auf amazon nicht vor dem Buch!!!


    Vor allem einige der negativen Rezis sind voller Spoiler Eine erzählt quasi die komplette Auflösung - das ist unmöglich.

    Nach der Beendigung des Romans habe ich mir heute die Rezensionen bei amazon angesehen. Über die von Dir genannte Rezi habe ich mich so aufgeregt, dass ich mich eingeloggt und einen Kommentar geschrieben habe - es war im Übrigen schon die 13. Missfallenskundgebung zu dieser Rezi. In diesem Kontext habe ich direkt mal ein paar "Nicht hilfreich"-Klicks gegeben, was ich eigentlich so gut wie nie mache (außer bei ultimativen Katastrophen-Rezis :mrgreen: ).
    Ich finde, dass manche Rezensenten bei amazon aus dem Verkehr gezogen gehören, da sie anderen Lesern die Lust auf bestimmte Bücher nehmen. Ich frage mich, ob es einen "Melden"-Button gibt.



    @ Hiri, Dir habe ich für Deine gelungene Rezi einen "Hilfreich"-Klick verpasst. :wink:

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    (Francis Bacon)
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  • @ Hiri, Dir habe ich für Deine gelungene Rezi einen "Hilfreich"-Klick verpasst. :wink:

    :friends: Danke! Ich hatte die erwähnte Rezi auch als "nicht hilfreich" gekennzeichnet, von Unmutsäußerungen hatte ich da abgesehen, weil ich wahrscheinlich ausfallend geworden wäre :wink: Aber vielleicht kann ich das jetzt mit ein wenig Abstand noch nachholen.
    Auf jeden Fall freut es mich, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat. Ich hab bei Büchern, die mich so begeistern, aber die Lesergemeinde doch spalten, immer ein bisschen Angst, jemand auf die falsche Fährte zu locken.

    Gelesen in 2018: 7 - Gehört in 2018: 6 - SUB: 352


    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)

  • Ich habe das Buch gestern "gefressen"-


    perfekt für den ersten warmen Frühlingstag, wenn man sich die heiße Sonne vorstellen kann, und die Lust auf Frankreich aufkeimt-
    Mir gefällt der Schreibstil, und die "Ruhe", die trotz Spannung ausgestrahlt wird. Wer schon mal auf so einem Hof in Frankreich Urlaub gemacht hat, kann sich genau vorstellen, wie die Luft riecht, und die Sonne auf der Haut sich anfühlt- und die Darstellung der diversen Franzosen ist einfach nur gut!


    Keine Gänsehaut, aber aus meiner Sicht durchgehende Spannung und keine Lust, dieses Buch aus der Hand zu legen-

  • Sean hatte sich dafür entschieden England hinter sich zu lassen und nach Südfrankreich zu gehen. Allerdings geht seine Flucht vor der Polizei dort weiter und während dieser zerfetzt er sich seinen Fuß, als er in eine Eisenfalle tritt. Mathilde und Gretchen finden Sean dort bewusstlos auf und bringen ihn auf den heruntergekommenen Hof ihres Vaters, der keine Fremden duldet. Sean, der mit seinem verletzten Fuß ans Bett gefesselt ist, sieht sich dem tyrannischen Arnaud und der verführerischen Gretchen hilflos ausgeliefert aus. Nur Mathilde scheint einen normalen, freundlichem Umgang mit ihm zu pflegen. Allerdings schwebt ein dunkles Familiengeheimnis über das Anwesen.


    Ich möchte vorweg nehmen, dass ich bisher nur "Die Chemie des Todes" von Simon Beckett gelesen habe. Somit habe ich keinen Roman im "David Hunter"-Stil erwartet. Des Weiteren muss ein Thriller für mich nicht aus zahlreichen, blutigen Szenen oder reichlich Leichen bestehen, um überzeugen zu können. Was Simon Beckett jedoch mit seinem neuen Roman abgeliefert hat, war für mich eine komplette Enttäuschung und wie ein solcher Roman im Thriller-Genre veröffentlicht werden kann, erschließt sich mir absolut nicht. Natürlich schreibt Beckett einen Bestseller nach dem Nächsten, aber ein guter Name allein macht nicht automatisch aus jeder x-beliebigen, langweilig geschriebenen Story einen guten Roman.


    "Der Hof" hätte theoretisch enorm viel Potential haben können. Ein Protagonist, der aus unbekannten Gründen auf der Flucht ist, und auf einem abgelegenen Hof aufgepäppelt bzw. vielleicht sogar festgehalten wird. Dazu reichlich verquere Charaktere, die scheinbar ein Familiengeheimnis hüten. Das ganze Geschehen spielt sich in einem räumlich recht eingeschränkten Umfeld ab, was dazu hätte führen müssen, dass sich unterschwellig eine spannungsgeladene Atmosphäre entwickelt. Passiert ist dieses jedoch nicht,


    Meiner Meinung nach hat Beckett bei diesem Roman nichts richtig gemacht. Die Geschichte ist zäh, einfallslos und in großen Teilen vorhersehbar. Eine fesselnde Handlung existiert einfach nicht, von einem ausgearbeiteten Spannungsbogen oder gar einem fulminanten Abschluss ganz zu schweigen. Ich habe mich selten bei einem Buch derart gelangweilt. Ein Roman ohne mitreißende Atmosphäre und ohne spannende Handlung -so wie dieser- verdient das Prädikat "Thriller" einfach nicht, da es irreführend ist und das Buch absolut nicht hält, was diese Aussage verspricht.


    Fazit: "Der Hof" ist ein Roman, bei dem es mir wirklich schwerfällt eine geeignete Zielgruppe zu finden. Einzig Leser, die sich normalerweise an seichter Frauenliteratur erfreuen und für die ein Beziehungs-Aus in einem Roman bereits zu viel Herzrasen verursacht, könnten es evtl. einmal mit diesem Buch versuchen. Jedem Thriller-Liebhaber, der sich fesselnd und mitreißend unterhalten lassen möchte, der eine ausgefeilte Story und eine spannungsgeladene Atmosphäre erleben möchte, rate ich auf Schärfste von diesem Roman ab, der für mich eins der langweiligsten, unspektakulärsten und enttäuschendsten Bücher seit Langem war. 1/5 Sterne.


    • Taschenbuch: 320 Seiten
    •  :bewertung1von5: 
  • Einzig Leser, die sich normalerweise an seichter Frauenliteratur erfreuen und für die ein Beziehungs-Aus in einem Roman bereits zu viel Herzrasen verursacht, könnten es evtl. einmal mit diesem Buch versuchen.

    Ganz ehrlich: Diese Aussage empfinde ich als unglaublich unverschämt! :thumbdown: Ich lese weder "seichte Frauenliteratur" noch verursacht mir ein Beziehungs-Aus in einem Roman Herzrasen, dennoch habe ich dieses eher psychologisch ausgerichtete Buch sehr gern gelesen.


    und wie ein solcher Roman im Thriller-Genre veröffentlicht werden kann, erschließt sich mir absolut nicht.

    Ein Thriller im Sinne der Bücher von Cody Mc Fadyen, Mo Hayder etc. ist es natürlich nicht und es wäre geschickter gewesen, dieses Buch bei den "Romanen und Erzählungen" einzusortieren. Ich kann die Enttäuschung der Leser verstehen, die einen actionreichen blutigen Thriller erwartet haben, aber die oben zitierte Äußerung über andersdenkende Leser kann ich nur als unzutreffend verbale Entgleisung bezeichnen. [-(

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study: 
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

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