PT Denys - Violence Begets

LGBT Fiction: Violence Begets

3.9 von 5 Sternen bei 5 Bewertungen

Verlag: Wilde Works; Indie Artist Press

Bindung: E-Book

Seitenzahl: 394

eISBN: 9781625220592

Termin: Dezember 2013

  • Seiten: 284
    Originaltitel: Violence Begets



    Inhalt: (laut amazon.de)
    After a tragic accident devastates his family, 16-year-old Rick St. James starts his junior year of high school alone in a suburb of Salt Lake City, Utah. When he meets Kevin Vincent, he’s too distracted by the promise of new friends to see that Kevin has secrets of his own.


    Having created an environment where he's feared and admired by his classmates, Kevin finds pleasure in using his good looks and violence to control and manipulate those around him. Secretly, he cruises the gay club scene, turning tricks to earn money so he can party and get high.


    As Rick’s dad becomes increasingly violent and abusive at home, the two form a surprising and volatile trust. In this battle of wills, their precarious friendship will either keep their lives from blowing up around them or possibly light the fuse that will cause the explosion.


    Disclaimer: This book contains extremely strong language, graphic violence and sexual situations. It is not suitable for young audiences.




    Vor dem Lesen unbedingt beachten:


    Zuerst einmal: Den Disclaimer bitte ernst nehmen. Die Gewalt ist sehr explizit, es wird ständig geflucht und der Drogen- und Alkoholkonsum der Protagonisten wird auch nicht geschönigt. Wer mit Kindesmisshandlung und ähnlich deprimierenden Themen nicht umgehen kann/will, sollte schleunigst die Finger von diesem Buch lassen!


    Ich war mir erst etwas unsicher, in welche Kategorie "Violence Begets" am besten passt. Letztendlich hab ich mich für "Liebesromane" entschieden, auch wenn es sich hierbei nicht um das handelt, was man sich sonst so darunter vorstellt. Doch alle anderen Genres passen meiner Meinung nach noch weniger.



    Zum Inhalt:
    Kevin ist ein fieser Schläger, der seine Gefolgsmänner mit gratis Drogen und Gewalt unter Kontrolle hält. Richtige Freunde hat er keine - die kann er sich nicht leisten. Um für die Drogen und den Alkohol für sich und sein Gefolge zu bezahlen, prostituiert er sich regelmäßig. Denn was keiner weiß - und auch keiner wissen darf - Kevin ist eigentlich schwul, auch wenn er immer wieder mit Mädchen schläft, um die Fassade zu erhalten. Sollte sein Vater das je herausfinden, ist das sein Todesurteil - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Kevins Vater ist ein strenggläubiger Mormone, der alles tut, um die Fassade des perfekten Vaters aufrecht zu erhalten. Hinter geschlossenen Türen ist er jedoch ein gewissenloser Soziopath, der sich immer brutalere und grausamere Strafen für seinen Sohn ausdenkt. Um die Kontrolle zu behalten, hat sich Kevin sein Leben in drei strikt voneinander getrennte Bereiche eingeteilt: da gibt es die Schule, mit seinen Gefolgsmännern und den Drogen- und Alkoholexzessen; dann gibt es noch sein geheimes Nachtleben in Schwulenbars; und schließlich ist da noch der Teil mit seinem Vater hinter geschlossenen Türen. Rick ist für ihn nichts weiter als ein einfaches Ziel, eine neue Herausforderung, denn einen weiteren Gefolgsmann kann er immer gebrauchen.


    Rick ist grade frisch mit seiner Familie nach Salt Lake City gezogen, nachdem sein älterer Bruder Jason in einem Autounfall gestorben ist, den Rick verursacht hat. Sein Vater hasst ihn, weil er seinen Lieblingssohn umgebracht hat. Seine Stiefmutter hatte noch nie sonderlich mütterliche Gefühle für ihn übrig und verübelt ihm, dass er seinen Vater so unter Stress setzt. Und dann ist da noch seine kleine Halbschwester, die er über alles liebt. Jede Nacht wird er von Alpträumen geplagt, in denen er den Tod seines geliebten Bruders immer und immer wieder durchleben muss. Er schließt sich Kevins Clique an, denn die Drogen und der Alkohol bieten eine willkommene Ablenkung von seinen schrecklichen Schuldgefühlen. Doch als auch sein Vater anfängt, ihn zu misshandeln, ändert sich sein Verhältnis zu Kevin und plötzlich ist alles noch viel komplizierter als es ohnehin schon war.



    Meine Meinung:
    "Violence Begets" hat mir das Herz gebrochen. Die Geschichte hat mich eingesogen, gut durchgekaut und am Ende wieder ausgespuckt. Ich hab das Buch innerhalb kürzester Zeit verschlungen und konnte es einfach nicht mehr weglegen. Immer musste ich dran denken und ich hatte keine ruhige Minute, wenn ich dann doch mal aufhören musste. Am Ende hab ich dann einfach nur noch Rotz und Wasser geheult. Auch jetzt noch, Tage nachdem ich das Buch beendet habe, muss ich mit den Tränen kämpfen, wenn ich zu genau über so manche Details nachdenke. :cry:


    Es ist nicht einfach, die Protagonisten zu mögen, besonders am Anfang der Handlung. Kevin ist ein Tyrann, der auch nicht vor Gewalt zurückschreckt. Er ist zynisch, verbittert, manipulativ und ein absolutes Arschloch. Aber auch Rick hat immer wieder seine Arschloch Momente. Aber die Protagonisten waren mir nie unsympathisch. Sie haben einfach fiese Ecken und Kanten, an denen man sich leicht verletzen kann, was aber nicht weiter überrascht, wenn man erstmal einen Blick hinter ihre Fassade werfen kann. Ineinander finden die Beiden schließlich Hoffnung, einen kleinen Lichtblick in ihrem sonst so düsteren Leben.


    Erzählt wird das Ganze aus Sicht von beiden Jungen und das fand ich wirklich sehr gelungen. Der Einblick in beide Leben ist extrem wichtig, um sie wirklich zu verstehen.


    Generell wird hier nichts geschönigt oder ausgelassen. Kevin und sein Gefolge saufen wie ein Loch, rauchen wie ein Schlot und sind ständig auf der Suche nach dem nächsten High. Auch die Gewaltexzesse der beiden Väter werden genauestens beschrieben. Das ist natürlich nicht immer einfach zu verdauen. Das Einzige, was hier nicht explizit dargestellt wird, ist der Sex. Und das fand ich eigentlich ein wenig schade, denn die Dynamik zwischen den Beiden gerade in einer so intimen Situation wäre sehr interessant gewesen.


    Der Schreibstil des Autors ist simpel. Mit wenigen Worten schafft er eine unglaublich düstere Atmosphäre und trifft dabei immer den richtigen Tonfall. Dabei wirkt nie etwas gekünstelt oder gewollt. Ganz so, als ob die Protagonisten ihre Gedanken einfach zu Papier gebracht hätten, ohne sich dabei groß um irgendwelche Leser zu scheren.




    Fazit:
    "Violence Begets" gehört jetzt schon zu meinen Jahreshighlights 2014. Ich hab Rotz und Wasser geheult, etwas, das mir erst bei einer handvoll Bücher passiert ist. Es ist aber definitiv kein klassischer Liebesroman und man muss schon mit der düsteren, brutalen Handlung zurechtkommen. Wer auf der Suche nach einem Buch ist, das man mal schnell so zwischendurch lesen kann, ist hier definitiv fehl am Platze.
    Eine uneingeschränkte Empfehlung an alle, die's "dark and gritty" mögen und von mir volle :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: Sterne für dieses grandiose Buch.

    1. (Ø)

      Verlag: Wilde Works; Indie Artist Press


    "If you have never said "Excuse me" to a parking meter or bashed your shins on a fireplug, you are probably wasting too much valuable reading time."
    (Sherri Chasin Calvo)


    “I am not eccentric. It's just that I am more alive than most people. I am an unpopular electric eel set in a pond of catfish.” (Edith Sitwell)


    Alles rundum LGBT+ Bücher gibt's auf Scattered Thoughts and Rogue Words

  • Das klingt wirklich mal interessant. Ich konnte nicht widerstehen und habe das eBook bereits auf meinem Kindle. :wink:

    "Wenn es mir schlecht geht, gehe ich nicht in die Apotheke, sondern zu meinem Buchhändler" (Philippe Dijan)


    Tauschgnom

  • Da bin ich ja mal gespannt, wie's dir gefällt. Freut mich, dass ich dein Interesse wecken konnte. :mrgreen: Sag unbedingt Bescheid, wie's dir gefallen hat!

    "If you have never said "Excuse me" to a parking meter or bashed your shins on a fireplug, you are probably wasting too much valuable reading time."
    (Sherri Chasin Calvo)


    “I am not eccentric. It's just that I am more alive than most people. I am an unpopular electric eel set in a pond of catfish.” (Edith Sitwell)


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  • Chaotin hat recht, die Geschichte bricht einem das verdammte Herz.
    Ich hab meiner Katze das Fell nass geheult und letzte Nacht hat mich das Buch noch in meinem Träumen beschäftigt. Das passiert mir - nie. Also, eigentlich.


    Das Buch hat ein paar handwerkliche Schwächen; die Nebencharaktere bleiben bloßes Klischee, werden zumeist auf eine Charaktereigenschaft reduziert (warum kommen eigentlich die Frauen immer so schlecht weg bei solchen Geschichten?), überhaupt türmen sich ziemlich viele Klischees aufeinander, mehr, als dem Buch für mein Empfinden gut tun. Eine paar Extreme weniger, sowohl hinsichtlich der Gewaltexzesse als auch der Drogenexzesse, hätten es meiner Meinung nach zudem auch getan und die Geschichte noch glaubwürdiger gemacht. Dazu kommen ein, zwei unlogische Momente, die der Erzählperspektive geschuldet sind (wobei es anders vermutlich auch nicht funktionieren würde, daher: geschenkt).


    Aber das sind Kleinigkeiten, die nichts daran ändern, dass Violence Begets verstört, bewegt und anrührt. Dass die beiden Jungs dem Leser zu Herzen gehen und man irgendwas, einfach irgendetwas tun möchte, um es ihnen leichter zu machen, um sie aus ihrer Hölle zu holen.
    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:


    Und jetzt möchte ich etwas mit bunten Blumenwiesen und rosa Ponys.

  • Durch den Hinweis von @Chaotin im eBook-Thread wurde ich aufmerksam auf dieses Buch, das eigentlich überhaupt nicht in mein Beuteschema passt (schon gar nicht mit diesem unsäglichen Cover :-# ), ihre Rezension hat mich dann dazu bewogen, es zu kaufen. Und ich habe es nun an zwei aufeinanderfolgenden Abenden gelesen. Ich hätte es auch an einem Abend gelesen, aber irgendwie habe ich geahnt, dass es mich sehr aufwühlen würde, weshalb ich eine Pause gemacht habe. Und, verdammt, es hat mich aufgewühlt.
    Ja, es gibt eine Menge Klischees. Und etwas weniger Gewalt hätte der Geschichte nicht geschadet und sie auch kein bisschen weniger herzzerreißend gemacht, das war zum Teil schon etwas "over the top" und ging zulasten der Glaubwürdigkeit, aber funktioniert hat es trotzdem.
    Obwohl Kevin so ein Arschloch ist, habe ich selten mit einer Figur so mitgefühlt und mitgelitten.

    "Violence Begets" hat mir das Herz gebrochen. Die Geschichte hat mich eingesogen, gut durchgekaut und am Ende wieder ausgespuckt. Ich hab das Buch innerhalb kürzester Zeit verschlungen und konnte es einfach nicht mehr weglegen. Immer musste ich dran denken und ich hatte keine ruhige Minute, wenn ich dann doch mal aufhören musste. Am Ende hab ich dann einfach nur noch Rotz und Wasser geheult.


    Ich kann das eigentlich nur so unterschreiben. Die Geschichte von Kevin und Rick hat auch mir das Herz gebrochen und wird mich sicher noch einige Tage begleiten. Beim letzten Satz

    sind noch einmal alle Dämme gebrochen :cry:


    Der Roman ist keine literarische Glanzleistung - aber ein Buch, das mich weinend zurücklässt und so viele Emotionen hervorruft, schafft es in die Riege meiner Lieblingsbücher. Schade, dass es das nur als eBook gibt und ich es mir nicht ins Regal stellen kann.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    :study: John Steinbeck - East of Eden

    :study: Frank Witzel - Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

    :montag: Veronica Roth - Rat der Neun

    :musik: Claire North - Die vielen Leben des Harry August


    "There is freedom waiting for you, on the breezes of the sky, and you ask 'What if I fall?'
    Oh but my darling, what if you fly?"
    (Erin Hanson)