Haruki Murakami - Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki/Shikisaki wo motanai Tazaki Tsukuru to kare no junrei no toshi

  • Buchdetails

    Titel: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Taza...


    Verlag: btb Verlag

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 320

    ISBN: 9783442749003

    Termin: Juli 2015

  • Bewertung

    3.6 von 5 Sternen bei 70 Bewertungen

    72,9% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Taza..."

    Der junge Tsukuru Tazaki ist Teil einer Clique von fünf Freunden, deren Mitglieder alle eine Farbe im Namen tragen. Nur Tsukuru fällt aus dem Rahmen und empfindet sich – auch im übertragenen Sinne – als farblos. Als er nach der gemeinsamen Schulzeit nach Tokyo geht, tut dies der Freundschaft keinen Abbruch. Zumindest nicht bis zu jenem Sommertag, an dem Tsukuru voller Vorfreude auf die Ferien nach Nagoya zurückkehrt – und herausfindet, dass seine Freunde ihn plötzlich und unerklärlicherweise schneiden. Er erhält einen Anruf: Tsukuru solle sich in Zukunft von ihnen fernhalten, er wisse schon, warum. Verzweifelt kehrt Tsukuru nach Tokio zurück, wo er ein halbes Jahr am Rande des Selbstmords verbringt. Viele Jahre später offenbart sich der inzwischen 36-Jährige seiner neuen Freundin Sara und stellt sich, von ihr ermutigt, den Dämonen seiner Vergangenheit.
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    Frühlingsfee
    das kann ich nicht in 30 Zeichen zusammenfassen.
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    Smoke
    Vlt. ein literarisches Kunstwerk, aber eins, das in mir keine Saite zum Klingen bringt, langweilig - Geschmacksache

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  • Zitat

    Wo liegen da Deiner Meinung nach die Esoterik-Elemente?

    In Abschnitten wie diesem hier:



    Beim "Ruckzuck Tsatsiki": Kapitel 5 - Midorigawa sieht um die Menschen
    herum verschiedenfarbige Auren. So etwas bezieht sich eindeutig auf das hier - das kann ich nicht nur allein als Esoterik so sehen, dazu gibt es ganze Esoterikforen im Internet, wie z.B. das hier.
    Soll ich das auf einmal als Wissenschaft bezeichnen, damit es Dir
    passt, Eol? Nenn Du es Wissenschaft, wenn Du willst - das stört mich
    nicht weiter, aber für mich ist es, wie bei wikipedia so geschrieben, E S O T E R I K.


    Die Charakterisierung von Midorigawa, die Murakami wertfrei vornimmt (ein klarer Gegensatz zur fast schon indoktrinösen Behandlung spiritueller Aspekte bei Autoren wie Coelho) allein stößt dir derart auf, dass es für dich zum alleinigen Gegenstand dieses Buches reduziert wird? Das kann ich nicht nachvollziehen, das ist ja als ob man aufgrund anzüglicher inhaltlicher Abschnitte das Lied von Eis und Feuer als Pornographie bezeichnen würde. Vielleicht ist es da doch cleverer, erstmal das gesamte Buch durchzulesen, ich bin jedenfalls gespannt auf dein abschließendes Urteil :)

    "Wenn ich einer Untergrundkultgemeinschaft beitrete, erwarte ich Unterstützung von meiner Familie!" (Homer Simpson)


    :montag:

  • allein stößt dir derart auf, dass es für dich zum alleinigen Gegenstand dieses Buches reduziert wird?

    ??? ?(?( Wo hast Du denn das her? Wo habe ich denn das geschrieben? Ich habe geschrieben, dass ich auf Seite 100 war. Eol, wenn es Dir Spaß macht, darfst Du gerne Beiträge schreiben und in Rollenspielchen mit Dir selbst diskutieren, kein Problem für mich, das gilt auch für Das Lied von Eis und Feuer.


    Zu Deinem Spoiler: Ich kann mich nicht gut genug an diese Einzelheiten im "Aufziehvogel" erinnern, um einen Bezug zum Inhalt herzustellen. Doch der Spoiler klingt für mich jetzt nicht nach Esoterik - könnte das evtl. etwas Poetisches sein?
    Ich fand beim Lesen die Rundheit der Struktur im Roman, wie sich alles ineinandergefügt hat, so schön. Obwohl ich die Liebesbeziehung von Aufziehvogel zu seiner Frau (?) banal fand, die Zeitungsartikel im "Aufziehvogel" für mich ein unkreatives und schlecht geschriebenes literarisches Hilfsmittel darstellten und ich so meine Problemchen mit der Murakamischen Erotik hatte (das Rumgelutsche an dem Riesenmuttermal im Gesicht war ausgesprochen widerlich für meinen Geschmack), hat für mich doch die schöne Stimmung, die Murakami für mich mit dem Zusammenführen der gesamten Handlungsfäden erzeugt hat, deutlich überwogen. Deshalb die 4,5 Sterne. Ich werde das Buch nicht noch einmal lesen. Ich würde es gerne als ein für meinen Geschmack schönes Buch von diesem Autor in Erinnerung behalten.


    Das ändert jedoch nichts daran, dass ich die ersten hundert Seiten in den "Pilgerjahren" überhaupt nicht mag. Es ist bei mir nun mal kein positiver Funke übergesprungen - warum, habe ich ja schon erklärt. Ist es denn so schlimm, wenn andere Leute dieses Buch nicht gut finden, Eol? Ich finde es ja gut, dass Du Murakami mit Zähnen und Klauen verteidigst und Du so ein treuer Fan bist. Das finde ich ja fast sympathisch. Aber dass Du mich mit Aussagen, die ich so nicht gemacht habe, für doof erklären willst, ... naja, wie auch immer ... wenn Du meinst, dann bin ich halt zu doof, um den hyperliterarischen Wert dieses phantastischen Buches zu erkennen. Reicht Dir das? Langt Dir das, damit endlich wieder Frieden ist? (Ich werde auch nicht mehr posten, dass ich das Ende furchtbar fand).

    » Unexpected intrusions of beauty. This is what life is. «


    Saul Bellow, (1915-2005 ), U.S. author,
    in Herzog

  • Grundsätzlich bilde ich mir schon gerne meine eigene Meinung, aber "Kafka am Strand" hat mich von vornherein nicht so interessiert, dass ich es unbedingt lesen wollte - die Kritik von Mofre (stimmt, kann sein, dass du das in dem Thread geschrieben hast) war also nicht der einzige Grund, warum ich es nicht gelesen habe. Mein Bruder liest es gerade und auf seine Meinung bin ich sehr gespannt, denn auf die halte ich viel und unser Lesegeschmäcker sind sehr ähnlich. Ich habe aber - wie oben schon erwähnt - durchaus vor, mehr von Herrn Murakami zu lesen. Irgendwann. Welches Buch auch immer.


    Das Ende vom Tazaki fand ich zugegebenermaßen auch sehr enttäuschend. Es macht fast den Anschein, als hätte er sich nicht entscheiden können. So habe ich es empfunden. Oder als hätte er plötzlich keine Zeit/Lust mehr gehabt, weiterzuschreiben. :wink:

  • Zitat

    ??? ?( ?( Wo hast Du denn das her? Wo habe ich denn das geschrieben?

    Laut deinem ersten Satz geht es in diesem Buch um "diesen super-esoterischen Auren-Kram", was du an einem Auszug dessen festmachst, was du in den ersten 100 Seiten gelesen hast. Das ist bei kompletter Betrachtung des Inhalts dieses Buches für mich einfach nicht haltbar (in diesem Buch geht es nicht um "Auren"-Kram, auch wenn das so in einem Kapitel mit angesprochen wurde), entsprechend gebe ich dir da kontra.

    Ist es denn so schlimm, wenn andere Leute dieses Buch nicht gut finden, Eol?

    Was denn nun? Dieses Buch oder nur die ersten 100 Seiten davon? :wink:
    Aber generell ganz und garnicht, ich finde unterschiedliche Ansichten zu Büchern immer wertvoll. Ich nehme mir aber das Recht heraus, die dargelegten Meinungen auch mal zu diskutieren - dafür sind wir hier in einem Literaturforum und nicht in einem Blog.

    "Wenn ich einer Untergrundkultgemeinschaft beitrete, erwarte ich Unterstützung von meiner Familie!" (Homer Simpson)


    :montag:

  • sträube mich aber gegen die Bezeichnung "kafkaesk" für die verrätselten, surrealen Elemente in seinen Romanen, denn Kafkas magischer Realismus ist ein ganz anderer.


    Da gebe ich dir gerne Recht. Ich denke, dass sein magischer Realismus wirklich auf seine ganz andere Herkunft zurück zu führen ist. Eine Kultur, die im Grunde ganz anders tickt als unsere, ähnlich wohl wie in den lateinamerikanischen Ländern. Oder auch Island, aufgrund der Lichtverhältnisse und den nordischen Gottheiten, voller Zauber steckt.



    Angeblich ist das bei "Kafka am Strand" ganz schlimm. Das ist der Grund, warum ich es nicht gelesen habe.


    Ich mag die Bücher von Murakami eigentlich sehr, Susannah. Und gerade "Kafka am Strand" finde ich ein ganz großes von ihm, sowie Band 1 und 2 von "1Q84", dies ist das erste, mit dem ich nicht parat gekommen bin. Band 3 von "1Q84" hatte nicht mehr die Kraft, der ersten Bände. Im Urlaub werde ich endlich mal dieses "Wonderland" lesen, wohl ein Schlüsselroman von ihm, dort soll er seinen magischen Realismus "erklärt" haben, ich bin sehr gespannt.

  • Mit "1Q84" liebäugle ich schon eine Weile, Krümel. Außerdem habe ich vor kurzem mit Lauftraining angefangen und habe überlegt, ob ich Murakamis Buch über dieses Thema nicht lesen sollte/möchte. Obwohl ich ganz sicher nie so fanatisch sein werde, was diesen Sport anbelangt.

  • :-k Kafkaesk? Im Leben nicht.
    :-k Esoterisch? Sehe ich nicht so. Im Gegenteil: Nach dem Lesen erschien dieses Buch mir als das bodenständigste, das ich von Murakami gelesen habe. (Sofern man den Begriff "bodenständig" für seine Bücher verwenden kann.) Die verschiedenfarbigen Auren und das Wissen um seinen Tod in der Episode um Midorigawa? Solche Passagen sind typisch für den Autor, die nehme ich inzwischen gelassen hin, nachdem ich in den ersten Büchern, die ich von ihm las, meine Schwierigkeiten hatte. - Abgesehen davon gibt es tatsächlich Menschen, die so etwas sehen. Nicht immer und nicht bei jedem und nicht zu jedem Anlass, aber es ist möglich.


    Die Charakterisierung von Tazaki nicht ausgeprägt genug, nicht tiefgehend? Natürlich nicht. Aber mehr als FARBLOS in den Titel schreiben kann der Autor nun wirklich nicht.


    Nein, das Ende gefiel mir nicht, obwohl ich schon damit gerechnet habe.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Hallo,


    ich habe das Buch vor einigen Tagen erst gelesen. Ich mag die Sprache sehr, mich hat sie sofort in das Buch hineingesogen. Die Metaphern sind phantastisch! Es war mein erster Murakami :) Was mich kurzfristig nach de Lektüre geärgert hat ist das Ende. Es kam zu schnell^^ und für mich persönlich blieb viel zu viel offen. Ein Freund hat zu mir gesagt, Murakami würde in allen seinen Büchern dem Leser nicht mehr offenbaren als dem Protagonisten. Im Nachhinein ärgert es mich nicht mehr, weil schließlich das worum das Buch handelt eine Lösung hat. :)

    Bücher müssen schwer sein, weil sie eine Welt in sich tragen.

  • Ich muss dazu sagen, dass dies erst mein zweiter Murakami ist. Zuerst habe ich von ihm „Hardboiled Wonderland“ gelesen, was mich von der Story her zwar irgendwie verwirrte, aber trotzdem wegen des Schreibstils gefangen nahm und an das ich heutzutage auch immer mal wieder denken muss.
    So habe ich mir dann „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ auf meinen Reader geladen und ich muss wirklich sagen, dass ich nicht enttäuscht wurde!
    Im gegenteil finde ich diesen Teil sogar noch um einiges besser.
    Der Sprachstil hat meine Erwartungen hier mehr als erfüllt. Sehr gefühlvoll beschreibt Murakami die Geschichte Tsukuru Tazakis, der irgendwann von seinen besten Freunden ohne Grund verstoßen wird. Sechzehn Jahre später macht er sich auf, den Grund dafür in Erfahrung zu bringen, damit er sich ganz auf seine neue Liebe einlassen kann.
    Sehr schön ist dabei die Entwicklung Tazakis zu sehen, der sich vom zweifelndem, am Abgrund stehenden in einen selbstbewussteren, aktiveren Mann entwickelt.
    Interessant waren für mich vor allem die Geschichten, die seine alten Freunde erzählten und bei denen klar wird, dass jeder auch Schicksalsschläge zu verkraften hat und sich teilweise verleugnen muss, um zu überleben.
    Ich will auch gar nicht mehr verraten, da sonst viel des Reizes an der Geschichte verloren geht.
    Für mich ist klar, dass ich zeitnah noch weitere Romane Murakamis mein Eigen nennen und lesen werde!


    Fazit: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Der Roman, mein erster von Haruki Murakami, hinterläßt bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Zum einen zog er mich durchaus in seinen Bann, war flüssig zu lesen und weckte mein Interesse am Geschehen und an den beteiligten Personen. Zum anderen aber hatte ich bei etwa der Hälfte des Romans das Gefühl, für das was man mir bisher erzählt hat, hätte die halbe Anzahl Seiten auch genügt. Die Handlung ist nicht sondelich komplex und das Leben des Herrn Tazaki verläuft in ruhigen und geordneten Bahnen und auch die Beziehung der fünf Freunde vor dem großen Bruch ist schnell skizziert. Ich bin kein Intelektueller, habe keine höhere Schulbildung, und mit dem deuten von Metaphern und Symbolen habe ich so meine Schwierigkeiten. Mir reicht es aber durchaus, wenn der Autor in meinem Kopf Gefühle, Bilder und ganze Landschaften entstehen lassen kann, und dies gelingt dem Roman in ausgezeichneter Weise, weshalb ich mich beim lesen keine Minute gelangweilt habe.


    Manche Handlungsstränge, die für die Geschichte wichtig schienen, wurden ausführlich dargelegt aber dann nicht weiter verfolgt. Zum Beispiel seine Beziehung zu dem Studenten Haida, der auch aus seinem Leben verschwindet und nie wieder auchtaucht. In der zweiten Hälfte des Romans spielt diese Begebenheit keine Rolle mehr. Und auch seine verstörende Geschichte, von der Fähigkeit die Farbe eines jeden Wesens sehen zu können und die mit dem Leben bezahlt werden muss, von der man meinen konnte, dass sie eine Schlüsselrolle in der Handlung einnehmen könnte, in der zweiten Hälfte des Romans kein Wort mehr davon. Aber vielleicht liegt darin gerade die große Kunst des Autors. Der Leser muss dies alles, die Andeutungen und möglichen Handlungsstränge selbst verarbeiten, weshalb dies auch kein Roman ist, den man so einfach weglegt, dieser Roman wirkt nach und braucht eine ganze Weile, bis er zur Gänze verdaut und aufgearbeitet ist.


    In gar nicht wenig Teilen des Romans, in manchen Charackterzügen des farblosen Herrn Tazaki zum Beispiel, meinte ich, mich selbst wiederzuerkennen und ich bin mir gar nicht sicher, ob ich das wirklich gut finden soll.

  • Die ersten 100 Seiten dieses Romans fand ich ziemlich langweilig, denn das farblose Leben eines Ingenieurs wird geschildert, mit seiner Gedankenwelt kann ich wenig anfangen. Den Inhalt werde ich nicht nochmals wiederholen. Mich stören die offenen Fäden, die nicht eingewoben werden. Haida, der neue Freund kommt, nimmt sehr viel Platz ein, und ist genauso plötzlich wieder verschwunden. Und was tut unser Held? Warum sucht er ihn nicht? Warum nimmt er das Schicksal so einfach hin und tut nichts dagegen? Und das schon zum zweiten mal in seinem Leben?

    Wenn das ein Gleichnis sein soll, dann habe ich es nicht verstanden. Was ist ein Traum, und was ist die Wirklichkeit?

    Teilweise ist die Sprache sehr schön, gefühlvoll, wunderschöne Bilder werden aufgebaut. Z.B. hier auf Seite 81:


    Zitat

    ... Ich müsste einen Menschen finden, der eine bestimmte Farbe hat, die auf bestimmte Weise leuchtet. Nur an diesen Menschen könnte ich das Zeichen des Todes weitergeben. Denn nicht jeder kommt dafür in Frage. ...

    und dann wieder recht banal. Tsukuru ist ein Nerd, eindimensional, langweilig und ein typischer Ingenieur, der erst zum selbstbestimmten erwachsenen Mann wird und sich nicht mehr nur treiben lässt, als er eine interessante Frau kennenlernt. Sie ermutigt ihn, sich mit den alten Freunden zu treffen und Antworten auf die ungeklärten Fragen von damals zu suchen.


    Ich lege das Buch mit einem Fragezeichen zur Seite. Ich glaube nicht, dass ich so schnell wieder einen Murakami lesen möchte. Noch dazu, nachdem man mir gesagt hat, dass die anderen Romane noch mehr surreale Elemente und Anspielungen auf die Popkultur haben ...




    Nicht jeder, der das Wort ergreift, findet ergreifende Worte :-,


    (frei nach Topsy Küppers)


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