Urs Widmer - Top Dogs

  • Buchdetails

    Titel: Top Dogs


    Verlag: Verlag der Autoren

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 96

    ISBN: 9783886611898

    Termin: 2011

  • Bewertung

    3.5 von 5 Sternen bei 6 Bewertungen

    70% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Top Dogs"

    Widmers Königsdrama über die Kündigungskultur wird in aller Welt gespielt. 'Das Thema könnte brisanter gar nicht sein: Es heißt: strukturelle Arbeitslosigkeit – es ist das Dilemma der westlichen Industrie- und Wohlstandsgesellschaft. Doch anders als sonst wird das Thema ganz vom Kopf her aufgezäumt. Nicht um Underdogs geht es hier, sondern um TOP DOGS. Um Spitzenmanager also, die im Zuge global bedingter Umstrukturierungen entlassen wurden und die sich jetzt, zwecks Schockabfederung, Enttäuschungsverarbeitung und späterer beruflicher Reintegration, in einem Züricher Outplacement-Büro zusammengefunden haben. Wichtig ist der Perspektivenwechsel. Präsentiert wird ein Königsdrama der Wirtschaft, nicht ein Kleine-Leute-Stück. Das bugsiert das Spiel aus den Grauzonen der üblichen Sozialreportage heraus, sichert ihm überraschende Einsichten – und Witz: Ein klein wenig Schadenfreude, natürlich, ist auch dabei – schon tröstlich zu wissen, dass es auch `die da oben´ jederzeit treffen kann. Lachend, bestens unterhalten, aber immer wieder auch in Beklommenheit begreifen wird: Da ist etwas faul, nicht nur im Staate Helvetia; da bahnt sich weltweit ein ziemlich wölfischer Kapitalismus seinen Weg – in seiner Inhumanität notdürftig getarnt hinter den phraseologischen Fassaden eines dynamischen Neoliberalismus; da wird der Mensch, sofern er nicht gerade als Verbraucher benötigt wird, zunehmend überflüssig; da müssen Manager nicht nur ihre Untergebenen, sondern am Schluss auch sich selbst entlassen – das ist die groteske Logik der Ökonomie. Die Globalisierung frisst ihre Kinder.' (Gerhard Jörders Preisrede auf TOP DOGS beim Berliner Theatertreffen 1997)
    Weiterlesen
  • Aktion

  • Bestellen

Anzeige

  • [Eigenzitat aus amazon.de:]


    Zur Aufarbeitung ihrer Kündigungen in der Wirtschaftskrise werden einige unterqualifizierte Topverdiener zu einer speziellen Schulung geschickt, die ihnen dabei helfen soll, den Schock über die Kündigung zu überwinden und stattdessen wieder erfolgreich ins hochbrisante Erwerbsleben zurück zu kehren. Dabei gibt es Gesprächsrunden, Peer-to-Peer-Counselling, Urschrei-Therapie mit Marktbegriffen und albernen Anglizismen (was ja manchmal dasselbe ist) und - Schrecken über Schrecken - Rollenspiele, in denen die Geschäfts- und Privatbeziehungen näher beleuchtet werden.


    Erschreckend einleuchtene Studie der Recyclingabteilung der "Masters of the Universe", wie sie sich in den 90ern zu nennen wagten, die Topmanager in allen Bereichen, die eben die Top- oder Alpha-Dogs und nicht die Underdogs sind, die sonst das kapitalismuskritische Drama bevölkern. Eine willkommene Abwechslung zum Thema - besonders die eigentlich menschenverachtende Folter durch Rollenspiele ;-)

    1. (Ø)

      Verlag: Verlag der Autoren


  • Ich hatte das Theaterstück anlässlich des Todes von Urs Widmer (21. Mai 1938 in Basel - 02. April 2014 in Zürich) gelesen.
    Insgesamt acht ehemalige Topmanager sollen in einer Gruppentherapie von der Agentur "New Challenge Company" für den Berufseinstieg fit gemacht werden. In den darauffolgenden Rollenspielen und Gesprächen offenbart sich die völlige Entfremdung von ihrem Beruf und Privatleben. Teilweise dauert es eine Weile, bis sie überhaupt verstehen, dass sie entlassen wurden und der Arbeitgeber auf sie verzichten kann. Zudem schafft es kein Manager, nach seiner Kündigung einen Neuanfang zu wagen: sie schwärmen weiterhin von ihren bisherigen Zielen "Geld, Einfluss und Ansehen", und sind gegenüber ihrer Familie und Liebe entfremdet.


    Mir haben die teils sehr grotesken Fälle und Rollenspiele gefallen, die zwar überzeichnet aber doch nicht völlig abstrakt waren. Erschreckenderweise kann ich mir vorstellen, dass ähnliche Therapien / OutplacementCenter oder Situationen vorkommen, wenn auch nicht so komprimiert wie in dieser Gruppe. Tatsächlich lässt uns Urs Widmer im Anhang wissen, dass er zur Vorbereitung auf das Stück, mehrere Gespräch mit Beratern und Ex-Managern führte und die Informationen und Erlebnisse leicht abgewandelt mit in die Inszenierung eingeflossen sind.


    Die Theaterpremiere fand 1996 in Zürich statt; die Berliner Inszenierung von 1997 erhielt den 3sat-Innovationspreis.

Anzeige