Wie sehr stört euch die falsche Verwendung des Wortes ...

  • Mich stören falsche Verwendungen von Wörtern prinzipiell eher weniger. Im mündlichen Gebrauch sogar gar nicht, da ich selbst dazu neige, im Gespräch Wörter falsch zu nutzen. Das sorgt Gott sei Dank dann eher für Heiterkeit. :loool:



    Was mich vielmehr an falschen Verwendungen von Wörtern stört, ist die Person, die das zum Anlass nimmt, sein besseres Wissen zum Vorschein kommen zu lassen. Wenn diese Person denjenigen, der einen Fehler gemacht hat, dann auch noch als Ungebildeten bezeichnet, stört es mich sogar ziemlich hart. Ganz besonders, wenn es den psychologischen Zweck erfüllt, sich selbst gebildeter als andere zu fühlen. :loool:





    Oh je, oh je, da sollte ich mich wohl angesprochen fühlen. :pale::lol: 

    Allerdings muss ich nachträglich eingestehen, dass mir diese interessante Possessiv-Wendung auch manchmal einen Schauder den Rücken hinunterjagt. :D Das scheint allerdings sehr oft eine völlig normale dialektale Formulierung zu sein. Ihr einziger Fehler besteht anscheinend darin, nicht zur aktuellen Rechtschreibung zu gehören. Wie auch ähnlich mit dem Dativ, statt dem des Genitivs, hahaha. :)

  • Was mir immer wieder aufstößt, ist die zunehmende Verwendung der Wendung "jemanden etwas kosten" mit dem Dativ. Ich weiß, dass der Duden die Version mit Dativ als "seltenere" Form kennt, aber trotzdem. Zu meiner Schulzeit wurde das noch angestrichen, da bin ich mir ziemlich sicher, zumindest als schlechter Stil, und mir kräuseln sich die Nackenhaare, wenn ich denn lese "Das kostete ihm das Leben". Mein Eindruck ist, dass der Dativ da mittlerweile sogar die vorherrschende Form ist.

  • Was mich vielmehr an falschen Verwendungen von Wörtern stört, ist die Person, die das zum Anlass nimmt, sein besseres Wissen zum Vorschein kommen zu lassen. Wenn diese Person denjenigen, der einen Fehler gemacht hat, dann auch noch als Ungebildeten bezeichnet, stört es mich sogar ziemlich hart. Ganz besonders, wenn es den psychologischen Zweck erfüllt, sich selbst gebildeter als andere zu fühlen.

    Ich hoffe, du kannst uns vergeben, dass wir dieses Besserwisserthema hier trotzdem behandeln. Autoren haben nun einmal eine besondere Verantwortung, solche Fehler zu erkennen und nach Möglichkeit nicht weiter zu verbreiten. Da müssen wir auch schon einmal ordentlich diskutieren, was eigentlich überhaupt falsch ist, vor allem aber auch, ob sich Sprache irgendwo so weit gewandelt hat, dass auch bisher geächtete Formen als akzeptabel gelten (und wenn ja, vielleicht auch, ob sie deswegen vielleicht trotzdem nicht gleich die passende Wahl für den nächsten Roman sind).


    Dass

    "Das kostete ihm das Leben"

    inzwischen offiziell nicht mehr als falsch gelten soll, hatte ich verpasst. Und da es mir, wie Kurier, sehr missfällt, hoffe ich, es handelt sich dabei um einen Irrtum oder setzt sich in der Literatur wenigstens nicht durch.

  • Wie oft wird das "wie" fälschlich gebrauch

    Manchmal wirdes auch zuviel gebraucht, das wie.
    z.B. in "wie zum Beispiel"

  • wie zum Beispiel

    Die Verwendung dieser Dopplung ist in der Tat in den meisten Fällen stilistisch nicht ratsam.


    Ein gar grauenhafter Sprachfrevel deucht mir die Verwendung von "das Schild" zu sein, wenn die Schutzvorrichtung der Rittersleut gemeint ist.


    (richtig: der Schild)

  • Manchmal wirdes auch zuviel gebraucht, das wie.z.B. in "wie zum Beispiel"

    Inwiefern zu viel?
    Im Büchertreff schreiben viele Leute, wie Waldbauer und Kurier. => Korrekt; das Komma sollte man allerdings nicht vergessen, sonst ändert sich die Bedeutung komplett.
    Im Büchertreff schreiben viele Leute, wie zum Beispiel Waldbauer und Kurier. => Ebenso korrekt, verstärkt meiner Meinung nach die Aussage, dass die Genannten beispielhaft für einen Teil derer stehen, die alle aufzuzählen nicht zweckmäßig wäre.

  • Gerade hatte ich selbst noch einen Fehler gemacht (und gleich korrigiert). Mir fiel auf, dass diese Klasse von Fehlern auch hierher gehört.


    Statt

    Die Verwendung dieser Dopplung ist in der Tat in den meisten Fällen stilistisch nicht ratsam.

    schrieb ich: "Diese Dopplung ist [...]"


    Vermutlich wäre es unbemerkt durchgegangen, streng genommen ist es aber verkehrt. Ratsam oder Unratsam kann nur die Verwendung sein, nicht aber die Sache an sich. Das Beispiel soll hier für eine ganze Gruppe ähnlicher unpräziser Bezüge stehen, von denen manche mehr, manche weniger unangenehm auffallen.

  • Inwiefern zu viel?
    Im Büchertreff schreiben viele Leute, wie Waldbauer und Kurier. => Korrekt; das Komma sollte man allerdings nicht vergessen, sonst ändert sich die Bedeutung komplett.
    Im Büchertreff schreiben viele Leute, wie zum Beispiel Waldbauer und Kurier. => Ebenso korrekt, verstärkt meiner Meinung nach die Aussage, dass die Genannten beispielhaft für einen Teil derer stehen, die alle aufzuzählen nicht zweckmäßig wäre.

    Sätze wie "Im Büchertreff schreiben viele Leute, wie zum Beispiel Waldbauer und Kurier" sind nicht wirklich falsch und man kann die Dopplung durchaus, wie du richtig bemerkt hast, zur Verstärkung verwenden. Der längere Satz könnte einem Zuhörer auch mehr Gelegenheit bieten, sich auf das angekündigte Beispiel mental einzustellen. Allerdings gibt es dazu meist, wie auch in deinem Beispiel, eigentlich keinen Anlass. "Im Büchertreff schreiben viele Leute, wie Waldbauer und Kurier" oder "Im Büchertreff schreiben viele Leute, zum Beispiel Waldbauer und Kurier" werden der Aussage absolut gerecht, die Dopplung zur besonderen Betonung ist unnötig. In kurzen Texten und gesprochener Sprache ist das relativ egal. Bücher können aber leicht zäh wie Kaugummi werden, wenn man nicht darauf achtet, solche Wendungen nicht ohne Not einzusetzen.

  • Bezüglich "hin" und "her" verwendet man die gesamten Begriffe im Alltag - oft ganz spontan - falsch.
    Beispiel-Frage:
    Geht der Junge die Treppe hinauf oder geht er die Treppe herauf?
    Lösung:
    Es kommt auf den Standpunkt des Betrachters - im wahrsten Sinne des Wortes - an.


    Stehe ich oben auf der Treppe, dann kommt der Junge zu mir herauf.
    Stehe ich am Treppenabsatz, geht der Junge hinauf.

  • @K.-G. Beck-Ewe: Ja, richtig, weil ich es plausibel machen wollte. Aber Ihnen zuliebe, bitteschön:


    Beispiel-Frage:
    Geht der Junge die Treppe hinauf oder geht er die Treppe herauf?
    Lösung:
    Es kommt auf den Standpunkt des Betrachters - im wahrsten Sinne des Wortes - an.
    Stehe ich oben auf der Treppe, dann geht der Junge zu mir herauf.
    Stehe ich am Treppenabsatz, geht der Junge
    hinauf.
     :wink: 

  • Das scheint mir missverständlich. Auch wenn ich oben auf der Treppe stehe, kann jemand hinauf gehen und mich oben treffen. Herkommen muss er nur dann, wenn ich jemanden der (oder etwas das) sich oben befindet (also das Ziel) zum Bezugspunkt mache. In vielen Fällen habe ich die freie Wahl, solange ich keine spezielle Perspektive festlege (wie es etwa durch das Wort "komme" geschieht.

  • Ganz allgemein:
    HER, wenn etwas auf mich zukommt.
    HIN, wenn etwas von mir weggeht.

    Nein, nicht wirklich.


    Ganz allgemein:
    HER, wenn etwas auf den Bezugspunkt zukommt.
    HIN, wenn etwas vom Bezugspunkt weggeht.


    Dass ich der Bezugspunkt bin, ist nur ein besonderer Fall. Und der Bezugspunkt muss auch nicht immer durch einen Betrachter festgelegt sein.


    Zur Verdeutlichung: Ein automatisch abgefeuerter Pfeil fliegt auf einen Turm. Der Beobachter befindet sich auf halber Höhe (oder es gibt keinen oder es sind unten und oben Beobachter oder ich beschreibe die Szene als allwissender Autor). Ob der Pfeil auf den Turm hinauf fliegt oder heraufgeflogen kommt, hängt allein vom (in diesem Fall frei wählbaren) Bezugspunkt ab. In anderen Situationen ist der Bezugspunkt durch den Betrachter und dessen Perspektive festgelegt.

  • Lieber Martin, ich verstehe ...
    Doch - ich sagte ja "ganz allgemein". ...
    Natürlich kann man die Fälle konkretisieren.
    Meine grobe Hilfestellung bezog sich auf die jeweilige Person, die handelt und spricht.


    Wenn ich die Treppe runtergehe, dann gehe ich hinab;
    wenn ich die die Stufen nach oben erklimme, dann gehe ich auch hinauf.
    Kommt mir ein Mensch entgegen, Richtung Boden, dann geht dieser die Treppe herunter.


    Schönen Abend! :winken: 

  • wenn ich die die Stufen nach oben erklimme, dann gehe ich herauf.

    Nein. Dann gehst du hinauf, kommst also herauf. Ansonsten widerspräche es auch deiner eigenen Erklärung (die ja richtig ist, aber nur für einen Spezialfall gilt):

    HIN, wenn etwas von mir weggeht.

    (wobei du in diesem Fall selbst das Etwas bist, das von dir (also deiner bisherigen Position) weggeht).


    Auch dir einen schönen Abend. Ich werde jetzt nämlich hinab in die Küche gehen. Wenn ich dann herabgekommen bin, werde ich dort etwas essen und wieder hier hinauf (herauf) gehen (kommen).

  • Ich habe meinen Text längst korrigiert!
    Schau' bitte zurück auf Posting 76!


    Und - Guten Appetit!

    Danke, es mundete.


    Die Korrektur kam verspätet bei mir an, da die Seite sich nicht dauernd automatisch aktualisiert. Wie dem auch sei, jetzt hat sicherlich keiner mehr Zweifel daran, wie weise es sein kann, das Hin und Her des "hin" und "her" durch "rauf / runter" und "nach unten / nach oben" zu umgehen. :D

  • @Martin Hühn:
    Falls ich mich nicht verständlich ausgedrückt habe, möchte ich es einmal anders erklären.
    Wenn sich etwas von mir wegbewegt (eine Person, ein Auto), dann "hin ..."
    Bewegt es sich auf mich zu, dann "her ...".
    Beispiele:
    "Pierre läuft zur Laterne hin."
    "Pierre ergreift den Geldumschlag und läuft zu mir her."


    Klar, den Bezugspunkt legst Du als Autor selbst fest.
    Wenn z. B. eine Drohne im Himmel der Bezugspunkt ist und das Geschehen am Boden aufzeichnet,
    dann gilt diese Regel nicht.


    Und? Schon gegessen? :wink: 
    Oh, hast Du ja schon beantwortet ... :lol:

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