Maria Ernestam - Die Liebesnachricht/Marionetternas Döttrar

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  • Kurzbeschreibung:
    Drei Schwestern, eine schwedische Kleinstadt und ein geheimnisvoller Mann...
    Mariana ist die älteste von drei Schwestern, die zusammen in einer schwedischen Kleinstadt leben. Der Vater, ein Schausteller, wurde vor Jahren tot auf seinem eigenen Karussell gefunden. Doch im Ort spricht niemand darüber. Bis der schöne und mysteriöse Amnon aus San Francisco auftaucht und plötzlich wieder Bewegung in die kleine Gemeinschaft kommt. Mariana wird zu Amnons Vertrauter, was einigen Leuten ganz und gar nicht zu gefallen scheint. Sie beginnt, das Geheimnis um ihre Familie aufzudecken, doch am Ende findet sie noch etwas viel Wichtigeres heraus: nämlich wie nah Liebe und Verzeihen beieinander liegen... *Quelle*


    Zur Autorin:
    Maria Ernestam, geboren 1959, begann ihre Laufbahn als Journalistin. Sie hat lange Jahre als Auslandskorrespondentin für verschiedene schwedische Zeitungen in Deutschland gearbeitet, daneben eine Ausbildung als Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin absolviert. Mittlerweile sind sieben hoch gelobte Romane von ihr erschienen. Für Die Röte der Jungfrau erhielt sie den Französischen Buchhändlerpreis. Der geheime Brief und Das verborgene Haus waren in Skandinavien Bestseller und standen auch in Deutschland wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Maria Ernestam lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Stockholm.


    Meinung:
    Mariana lebt mit ihren Schwestern Elena und Karolina in einer kleinen schwedischen Stadt. Dort betreibt sie ein Spielwarengeschäft, ihre Schwester Elena eine Bäckerei und Karolina bemalt kunstvoll Särge. Ihr Vater, ein Schausteller, der über Land reiste, kam mysteriös ums Leben: Auf seinem eigenen Karussell wurde er gefesselt und ermordet aufgefunden, der Täter wurde nie überführt. Alle drei Frauen haben dieses Trauma nicht richtig verwunden, zumal in der Familie nie offen darüber gesprochen wurde.


    Eines Tages zieht Amnon Goldstein in die Ortschaft, er hat eine ehemalige Konditorei erworben, die jahrelang leerstand und die er nun umbauen lässt. Außerdem möchte er ein Buch über die Bewohner und die Stadt schreiben, da sein jüdischer Vater als Kind während des Krieges dort gelebt hat. Viele sind von dem Neuankömmling und seiner offenen Art begeistert, doch einige auch misstrauisch. Als sich dann ein paar merkwürdige Vorfälle in der Stadt zutragen, wird sofort Amnon der Jude bezichtigt. Doch Mariana hält zu ihm und findet heraus, dass sie beide sogar etwas verbindet, was mit ihrer Vergangenheit zu tun hat...


    Die Geschichte wird aus der Sicht von Mariana in der Ich-Form erzählt, was dem Leser die Gedankengänge und Handlungen der Protagonistin nahebringt. Am Anfang deutet alles auf eine ruhig verlaufende Familiengeschichte hin, doch nachdem Amnon Goldstein in dem kleinen Ort ankommt, baut sich eine gewisse Anspannung auf, denn dieser wird nicht von allen Bewohnern mit offenen Armen empfangen.


    Es werden alte Wunden aufgerissen, nicht nur bei Mariana und ihrer Familie. Auch bei anderen Charakteren treten Züge zutage, mit denen man nicht unbedingt rechnet. Dann treten einige merkwürdige Vorfälle ein, für die manche Bewohner Amnon die Schuld geben und ihn mit Vorurteilen belegen, die aber allesamt haltlos sind. Hier baut Maria Ernestam die Thematik ein, dass Fremde oftmals mit vorgefertigten Meinungen über sie zurechtkommen müssen (in Amnons speziellem Fall, weil er Jude ist).


    Auf der anderen Seite ist Amnon aber auch dafür verantwortlich, dass sich die Dorfbewohner wieder mehr einander nähern und aus ihrem festgefahrenen Alltag ausbrechen. Einige Aussprachen finden statt und jahrelange Missverständnisse werden aufgeklärt. Für Maria Ernestams Bücher muss man sich auf jeden Fall Zeit nehmen, da sie immer eine Botschaft vermitteln und nicht nur zur reinen Unterhaltung dienen. Auch ihr Schreibstil ist eigen, ruhig aber eindringlich und oft gefühlsbetont. Leider sind aber auch bei dieser Geschichte einige Längen vorhanden, die etwas gestrafft hätten werden können, da sich Maria Ernestam gerne mal in Kleinigkeiten verliert. Da ich bereits zwei Bücher von ihr gelesen habe, fiel mir das Eintauchen in die Geschichte jedoch nicht ganz so schwer.


    Fazit:
    Ein zeitgenössischer Roman mit sympathischen Charakteren, der mehr als eine Botschaft zu vermitteln versteht, aber auch einige Längen aufweist.

  • Inhalt

    Mariana ist die älteste von drei Schwestern und lebt in einer schwedischen Kleinstadt, wo sie einen Spielzeugwarenladen betreibt.
    Als Mädchen hat sie ihren Vater, der als Schausteller gearbeitet hat, ermordet und festgebunden auf einem der Pferde seines eigenen Karussells aufgefunden. Doch die Ermittlungen verliefen damals im Sande, auch die Bewohner hüllen sich noch heute in Schweigen.
    Erst als der amerikanische Journalist und Schriftsteller Amnon Goldstein auftaucht, kommt Bewegung in die eingeschworene Gemeinschaft – im positiven wie im negativen Sinne. Während er sich bei einigen im Ort unbeliebt macht, alleine schon durch sein Auftauchen, freundet er sich mit den drei Schwestern an, obwohl oder gerade weil er alte Wunden aufreißt. Angeregt durch Amnons geheimnisvolle Art und das Buch, das er schreiben möchte, beginnt Mariana sich nach Jahren wieder mit dem rätselhaften Tod des Vaters auseinanderzusetzen.


    Meine Meinung

    Marianas Leben verläuft ruhig und beschaulich:
    Ihr (Noch-) Ehemann und die gemeinsame Tochter leben mittlerweile in den USA, sie verbringt viel Zeit mit ihren Schwestern Karolina und Elena, sie betreut den Spielzeugladen sowie das alte Kinderkarussell, das sie von ihrem Vater geerbt hat, auf seltenen Reisen sammelt sie außergewöhnliche Spielwaren und Marionetten.
    Auf einer dieser Reisen hat sie den Münchner Marionettenspieler Ivo kennengelernt. Lediglich 24 Stunden haben sie miteinander verbracht, doch die emails von Ivo sind die Highlights ihres Tages, sind sie doch gefühlvoll, ehrlich, weise und ein klein wenig philosophisch angehaucht. Marianas Antworten fassen ihre Gedanken und Sorgen sowie das Tagesgeschehen zusammen, und sind nicht weniger klug.


    Der email- Verkehr war dann auch mein Highlight während des Lesens. Denn genauso ruhig und gemütlich wie Marianas Lebensstil gestaltet sich auch der Roman.
    Der Anfang und das Ende beherbergen einige Überraschungen, es geschehen mysteriöse Dinge, schreckliche Unfälle passieren, die Stimmung in der schwedischen Kleinstadt kocht immer mehr auf, bis sich die Lage zuspitzt.
    Doch der Mittelteil gestaltet sich leider ein wenig zäh und langatmig. Viele Nebenschauplätze und Nebensächlichkeiten nehmen sehr viel Raum ein, sodass sich beim Lesen das Gefühl einstellt, dass man viel zu sehr von der Haupthandlung um Amnon und das Dorfgeheimnis wegdriftet.


    Amnon bringt frischen Wind in die Kleinstadt, entfacht aber einen Sturm, der droht, alte Geheimnisse aufzudecken, aber auch vieles dabei zu zerstören.
    Er ermuntert die Menschen neue Wege zu gehen, Dinge zu überdenken, aber er bringt sie auch dazu, Vergangenes wieder ans Tageslicht zu bringen, denn auch seine Familiengeschichte ist mit der Geschichte der Stadtbewohner verwoben.
    Da das Dorf das Geheimnis nicht lüften will, macht er sich mit seinem Verhalten nicht nur Freunde, ein einflussreicher Mann hetzt sogar gezielt gegen den fremden Eindringling auf. In Amnon sucht man schließlich den Schuldigen für die mysteriösen Vorkommnisse der letzten Wochen.


    Über den mitunter langatmigen Mittelteil konnte mich dann auch die wunderschöne Erzählweise von Maria Ernestam nicht mehr hinwegtrösten.
    Sie versteht es, mit nur wenigen Worten und Bildern ihren skurrilen Figuren Leben einzuhauchen. So bemalt die verträumte Karolina Särge, Bäckerin Elena gestaltet keine romantischen Hochzeitstorten, sondern blutige und rachsüchtige Scheidungstorten, Mariana gibt in ihrem Laden die Märchenerzählerin und Puppenspielerin.
    Die schwedische Autorin hat ein feines Gespür für Menschen, Szenen und Dialoge, sie erschafft eine Atmosphäre, die einen sofort einnimmt, sie schreibt mit viel Poesie und mit leisem Humor, streut kleine und große Weisheiten ein, Märchen und Vergleiche mit dem Marionettenspiel.


    Fazit


    Cover, Titel und Klappentext der deutschsprachigen Ausgabe suggerieren einen völlig anderen Roman, als den, den ich gelesen habe.
    Vielleicht wäre der Originaltitel, der übersetzt „Die Töchter der Marionetten“ heißt, die bessere Wahl gewesen, denn bis zum Ende erschließt sich mir der Titel „Die Liebesnachricht“ nicht wirklich. Der Roman verbreitet viele Botschaften, aber die Liebe steht dabei für mich nicht an erster Stelle.


    „Die Liebesnachricht“ ist ein Roman über Rache und Gerechtigkeit, Sühne und Vergeltung, Vergessen und Vergeben.
    Ein nachdenklich stimmender Roman über das Leben als Außenseiter, Ausländer, Fremder, Eindringling, Schausteller, Flüchtling.
    Ein Roman, der zeigt wie ein einziger Funken einen riesigen Brand auslösen kann, wie aus ein paar Vermutungen und Gerüchten Verleumdungen und eine Hetzjagd entstehen können, sodass man (auch als Leser) nur das Vordergründige sieht und sehen will.


    Der Roman ist dennoch nicht so spannungsgeladen und aufwühlend, wie man nun meinen könnte, denn die Auflösung des Mordfalls, die Auflösung der gleichsam erschreckenden wie auch geheimnisvollen Vorfälle in der Vergangenheit und der Gegenwart stehen nicht im Mittelpunkt, sondern die Menschen und wie sie mit den Geschehnissen umgehen, wie sie sie verändern. So werden zwar auch am Ende die wichtigsten Fragen beantwortet, dennoch muss man sich manche Lösungen auch selbst zusammenreimen.


    Deshalb leider nur :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: für diese zwar intelligent, gefühlvoll und behutsam erzählte Familiengeschichte, die aber doch an einigen Stellen zu langatmig ist. Sicherlich hätten dem Roman eine Straffung des Mittelteils sowie der Wegfall des einen oder anderen Nebenstrangs gut getan, um ihn ausgewogener und spannender zu gestalten.

    :study: C L Wilson - Der Winter erwacht
    :) Gelesen 2013: 105 / 2014: 77 / 2015: 16
    8-[ SUB: Ich geb`s auf...



  • Hier geht es zur Homepage der Autorin, auf der man sich auch mal das Originalcover, welches ich passender finde, ansehen kann: Klick .

    :study: C L Wilson - Der Winter erwacht
    :) Gelesen 2013: 105 / 2014: 77 / 2015: 16
    8-[ SUB: Ich geb`s auf...



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