Gerhard Loibelsberger - Todeswalzer

Anzeige

  • Worum es geht

    Wenige Tage nach dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger Erzherzog Ferdinand und seine Gattin Sophie in Sarajewo wird in Wien ein Schauspieler ermordet. Der junge Mann stammt aus gutem Hause und ist wegen anhaltender Erfolglosigkeit in seinem Traumberuf ins Rotlichtmilieu geschlittert. Aus diesem Grunde muss Inspektor Nechyba seine Kur in der Steiermark abbrechen und die Ermittlungen aufnehmen.

    In Wien empfängt ihn eine von patriotischer Stimmung und Kriegsbegeisterung aufgeheizte Atmosphäre, von der sich der leidenschaftliche Hobbykoch und Genießer guten Essens aber nicht anstecken lässt. Ins Schwitzen kommt der Inspektor dennoch gewaltig, woran nicht nur der ungewöhnlich heiße Sommer 1914 und die kritische politische Lage Schuld tragen, sondern auch eine scheußliche Mordserie, vorwiegend an Prostituierten. Nechyba ist überzeugt davon, dass der Tod des Schauspielers mit den Verbrechen an den jungen Frauen in Zusammenhang steht.


    Wie es mir gefallen hat

    Der Kriminalfall spielt hier eher eine untergeordnete Rolle, vielmehr kann man fast von einer Milieustudie aus dem alten Wien sprechen. Hervorragend versteht der Autor die längst untergegangene Welt der Wiener Kaffeehauskultur mit seinen unverwechselbaren Charakteren erstehen zu lassen. Ob als reiche Hausbesitzerin, als Dienstmädchen, als Schauspielerin, Zuhälter oder "Randsteinschwalbe" - alle sind so pointiert gezeichnet, dass sie vor dem geistigen Auge des Lesers zum Leben erwachen. Besonders sympathisch war mir Inspektor Nechyba, der mit gutem Essen Leib und Seele zusammenhält und selbst nach vielen Dienstjahren beim Anblick nackter Haut noch zart errötet.

    Motiv und Vorgehensweise des Täters darf man allerdings nicht allzu ernst nehmen, sonst würde man sich womöglich ärgern und das wiederum würde die angenehme Stimmung zerstören, die mich beim Lesen begleitet hat.

    Der Autor lässt auch sehr viele spezielle Wiener Ausdrücke in den Text einfließen, die mir als Steirerin fast alle bekannt waren. Wer hier nicht sattelfest ist, findet aber alle Wörter auch ins Hochdeutsche übersetzt.

    Eine sehr unterhaltsame Lektüre, die weniger durch Stil und Inhalt als vielmehr durch ein ausgesprochen gut beschriebenes Lokalkolorit punktet.

Anzeige