Witold Pilecki: Freiwillig nach Auschwitz

Freiwillig nach Auschwitz

4.5 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen

Verlag: Orell Füssli

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 256

ISBN: 9783280055113

Termin: Dezember 2013

  • Er war der erste und einzige Mensch, der freiwillig ins das Konzentrationslager Auschwitz ging. Als engagiertes Mitglied einer polnischen Widerstandsgruppe, die zunächst gegen die Nazis kämpfte und nach dem Krieg gegen die kommunistischen Machthaber, ließ sich Witold Pilecki schon 1940 bei einer Razzia absichtlich festnehmen.


    Sein Ziel war, ins KZ Auschwitz zu kommen um dann von dort genaue Informazionen nach draußen zu schmuggeln und im Innern eine Widerstandsorganisation unter den Gefangenen aufzubauen. Schon sehr bald ließ er Teile seiner hier zum ersten auf Deutsch erschienenen Aufzeichnungen schon 1941 den Amerikanern und Briten zukommen, doch die zögerten zweifelnd. Doch die Tatsache des Massenmords an Juden und anderen konnten sie nicht mehr von der Hand weisen. Pileckis Bericht, dessen historischer Hintergrund von Jarek Garlinski zu Beginn des Buches erhellt wird, erzählt in knappen Sätzen, fast wie ein Drehbuch, vom Alltag im Lager, von den Schikanen der Aufseher und vom gelegentlichen Widerstand einzelner Gefangener, den Pilecki immer zu unterstützen suchte.


    Im April 1943 floh er mit seinen Aufzeichnungen aus dem Lager und schloss sich dem Widerstand im Warschauer Ghetto an. Nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstands 1944 wurde er als Kämpfer verhaftet, und verbrachte die Zeit bis zum Kriegsende in einem deutschen Internierungslager. Nach dem Krieg kehrte er im Auftrag der polnischen Exilregierung im Westen als Verbindungsoffizier zu den antikommunistischen Widerstandsgruppen nach Polen zurück. Trotz der Gefahr, verhaftet zu werden, blieb er 1947 im Land. 1948 wurde er wegen Spionage zum Tod verurteilt und hingerichtet. Erst nach dem Ende der sowjetisch dominierten Regimes wurde Witold Pitecki rehabilitiert und seine Aufzeichnungen erst 2012 in den USA veröffentlicht.


    In der Einleitung der bei Orell Füssli in Zürich veröffentlichten deutschen Ausgabe schreibt der britische Historiker Norman Davies: „Pileckis Name steht für das tragische Schicksal von Millionen, die im Westen vergessen sind. Erst wenn man das wahre Grauen seines Schicksals erfasst, versteht man, worum es im Zweiten Weltkrieg in Europa wirklich ging.“


    Ein wichtiges und bewegendes historisches Zeugnis eines mutigen Menschen.

  • Hallo,



    ich habe das Buch gerade beendet. Es ist erschütternd was die Menschen dort alles erleiden mussten. Ich musste bei einigen Buchabschnitten eine Pause machen. Ich bin erschüttert mit wieviel Brutalität manche Menschen auf andere losgehen. Leider ist das ja heute auch noch der Fall :(

  • Ich lese gerade diese Rezi. Natürlich erschütternd, wenn es um diese Themen geht...

    Er war der erste und einzige Mensch, der freiwillig ins das Konzentrationslager Auschwitz ging. Als engagiertes Mitglied einer polnischen Widerstandsgruppe, die zunächst gegen die Nazis kämpfte und nach dem Krieg gegen die kommunistischen Machthaber, ließ sich Witold Pilecki schon 1940 bei einer Razzia absichtlich festnehmen.

    Da wiederum bich ich mir nicht ganz sicher. Vielleicht der Erste? Aber nicht der Einzige. Angesichts ihrer Möglichkeiten oder ihres Informationsstandes haben wahrscheinlich einige mehr Menschen relativ bewusst diesen schweren Weg eingeschlagen. Es könnte sein, dass Witold Pilecki bei seiner Festnahme 1940 trotz aller Gräuel in Auschwitz nicht wusste, was dann auf ihn zukommen würde?


    Zumindest Etty Hillesum wiederum ging diesen Weg nach dem Beschluss der Wannseekonferenz und ihr wahrscheinlich bekannten Infos :


    Zitat

    1942 erhält Etty eine Position beim „Joodsche Raad“ (Judenrat) von Amsterdam, einer von den deutschen Besatzern geschaffenen Beratungs- , Auskunfts- und Verwaltungsstelle für die Juden in den Niederlanden. Damit hätte sie einen gewissen Schutz vor Deportation gefunden. Als ihr klar wird, dass die Stelle eingerichtet ist, die Verfolgung, Deportation und Vernichtung der niederländischen Juden zu flankieren und mit vorzubereiten, kündigt Etty die Stelle binnen zweier Wochen.


    Im August 1942 wird sie ins Sammellager Westerbork deportiert. Ihr noch gültiger Sonderausweis des Judenrates ermöglicht ihr noch mehrmals eine Rückkehr nach Amsterdam. Sie deponiert ihr Tagebuch über ihre Freundin Maria Tuinzing bei der befreundeten Familie Smelik. Sich in Sicherheit bringen oder unterzutauchen lehnt sie aus Solidarität mit ihren jüdischen Schwestern und Brüdern ab. (Quelle: