Christopher Golden (Hrsg.) - The New Dead - Die Zombie-Anthologie

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  • Kurzbeschreibung von Amazon.de:
    Die Toten sind zurückgekehrt und sie sind hungrig! Sie wanken über die Straßen, sie verstecken sich in Hinterhöfen, Garagen und Einkaufszentren und sie verspeisen Nachbarn, Haustiere und Polizisten. Sie sind gekommen um zu bleiben. Die Frage ist jetzt, was kann man dagegen tun? Wie soll man überleben?


    Meine Meinung:
    Christopher Golden, selbst Stoker-Award-Preisträger, hat hier bekannte und manchmal auch weniger bekannte Autoren um sich geschart um zu Ehren eines der bekanntesten Horrorwesen, des Zombies, eine Anthologie zusammenzustellen. Dass dabei Schreiber wie Max Brooks, der die Buchvorlage zum Film "World War Z" mit Brad Pitt ablieferte, Stephen-King-Sohn Joe Hill, einer meiner Lieblingshorrorautoren Brian Keene oder Fantasy-Allrounder Tad Williams mitmachten, ließ mich aufhorchen und als ich von dem Buch erfuhr, wollte ich es unbedingt lesen.


    Kurzgeschichtensammlungen von mehreren Autoren sind ja immer ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bekommt man kurzweilige Unterhaltung geboten, andererseits ist meistens auch ein nicht beächtlicher Teil an Schwachsinn dabei. "Das große Horror-Lesebuch" z.B., das sich ebenfalls den Zombies widmet, besteht zu 90% aus wirklich miesen Geschichten und gerade mal 10% sind brauchbar. In "The New Dead" ist es allerdings genau umgekehrt, der Herausgeber hat sehr auf Qualität geachtet. Mindestens 80% der Geschichten kann man unter den Prädikaten "gut" bis sogar "überragend" laufen lassen.


    Manch einer könnte vielleicht die berechtigte Frage stellen wie man bei einer eigentlich doch recht limitierten Figur wie dem Zombie so etwas wie Abwechslung in einen an der 500-Seiten-Grenze nagenden Kurzgeschichtensammlung hineinbringen könnte. Aber so unwahrscheinlich es auch klingen mag, genau das hat Christopher Golden mit seinem Sammelsurium an Autoren geschafft. Wenn man sich Zombieromane zu Gemüte führt, kann man erkennen, dass sich die Handlungen oft ähneln: Ein Virus lässt die Toten auferstehen, es gibt kleine Gruppen Überlebender, die sich in der ungastlich gewordenen Welt zurechtfinden müssen. Sie kämpfen, viele sterben, sie müssen immer wieder flüchten und es gibt eine Menge Splatter und Action. Diese Standardvorlage ist in "The New Dead" aber so gut wie außen vor, stattdessen gleicht keine Geschichte der anderen. Die Zombiefigur wird immer wieder anders ausgelegt: Manchmal sind es nur die hirnlosen Fressmaschinen, manchmal aber auch denkende Wesen und die ein oder andere Geschichte ist sogar aus der Sicht der Untoten erzählt. Auf einige möchte ich nun näher eingehen.


    Den Vogel abgeschossen hat Jonathan Maberry mit "Familienbetrieb", der längsten Geschichte in diesem Buch. Diese gehört mit zum besten, was ich im Zombie-Genre bisher gelesen habe, und ich habe schon eine Menge davon gelesen. Sie handelt von zwei Brüdern und der jüngere wird vom älteren in dessen Arbeit eingeführt: Dem Jagen von Zombies. So scheint es anfangs zumindest, doch der ältere Bruder macht etwas ganz anderes als anfangs angenommen. Diese Geschichte war wahnsinnig unterhaltsam, hatte ganz viel Herz und ein schockierendes Ende, bei dem man sich fast eine Träne verdrücken muss. "Familienbetrieb" war so gut, dass ich es wiederum fast schade finde, dass aus dieser Idee und den beiden tollen Protagonisten nicht ein ganzer Roman geworden ist.
    Auf meiner persönlichen Rangliste folgen nun eine Menge Erzählungen, die allesamt sehr gut waren. "Maisie" von David Liss ist eine flüssig zu lesende Geschichte über einen Mann, der versehentlich eine Frau getötet hat als er sie betrunken mit dem Auto überfuhr. Sie wurde zu einer Untoten gemacht und einige Zeit später trifft er wieder auf sie. "Maisie" ist sehr morbide und auch eklig, denn es handelt u.a. vom Sex mit Zombies. "Im Staub" von Timm Lebbon ist vermutlich die Geschichte in "The New Dead", die am ehesten in die Nähe der üblichen Standard-Zombieromane gerückt werden kann. Drei Überlebende verstecken sich in einer von der Armee abgesperrten Stadt und kämpfen ums Überleben. Sehr spannend! "Die Sturmtür" von Tad Williams war die Story, die mir die größten Schauer über den Rücken gejagt hat. Es geht um einen Mann der eine Art Geisterjäger ist und festgestellt hat, dass immer mehr Menschen nach ihrem Ableben wieder zurückgekommen sind und anscheinend von Geistern aus dem Totenreich übernommen wurden. "Kinder und ihre Spielsachen" von James A. Moore ist eine kleine gemeine Geschichte über ein paar Kinder, die einen hilflosen Zombie finden und ihn in einem alten Bunker verstecken. Anfänglich war es nur Neugier, aber schon nach kurzer Zeit schlägt diese um in ein Martyrium für den Untoten, denn er wird von den Kindern bestialisch gequält. "Die Geheimwaffe" von David Wellington, der ja sowieso schon als Zombie-Experte gilt, greift das Thema auf, dass die US-Armee einen Weg gefunden hat, Tote wiederauferstehen zu lassen und diese als Soldaten im Nahen Osten einzusetzen. "Zum Leben verurteilt" von Kelley Armstrong, in der ein Millionär dem Tod von der Schippe springen will und auf gewissenlose Art und Weise nach Unsterblichkeit sucht, hat ebenfalls stark überzeugt, genauso wie die sehr kurze, aber sehr fiese Geschichte "Der Wind ruft Mary" von Brian Keene. Einen der außergewöhnlichsten Abschnitte des Buches hat wohl John Connolly gleich zu Beginn des Buches mit "Lazarus" abgeliefert als er die bekannte Bibel-Geschichte des Titelgebers, der von Jesus von den Toten erweckt wurde, auf etwas abgewandelte Art und Weise wiedergibt.


    Dass nicht alles in diesem Buch überzeugt habe ich ja schon erwähnt. "Copper" von Stephen R. Bissette, leider sehr unglücklich schon an dritter Stelle in "The New Dead" platziert, war ein Totalausfall und mit 40 Seiten viel zu lange. Sie besteht fast ausschließlich aus kurzen, abgehackten Sätzen und wird von einer wirren, unverständlichen Story umrahmt. "Der Zombie, der vom Himmel fiel" von M.B. Homler sollte wohl ein wenig Tarantino-Humor haben, was aber vollends in die Hose ging. Und leider konnte auch Joe Hill mit seiner ausschließlich aus Twitter-Mitteilungen bestehenden Geschichte "Twittern aus dem Zirkus der Toten" absolut nicht überzeugen. "Rack 'n' Break" von Joe R. Lansdale war zwar ziemlich gut, hatte allerdings nichts, aber auch gar nichts auch nur annähernd mit dem Thema "Zombies" zu tun, weshalb sie in dieser Sammlung völlig deplaziert ist.


    Fazit: "The New Dead" ist für Horror- und vor allem Zombiefans ein Muss. Christopher Golden hat eine abwechslungsreiche Anthologie mit vielen namhaften Autoren und qualitativ größtenteils überzeugenden Geschichten veröffentlicht.
    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Danke für die Rezi, Kapo.


    Da freue ich mich umso mehr das Buch Halloween endlich lesen zu können! :cheers: :twisted:

  • Da bist du aber schnell mit dem Lesen gewesen. Herrje, jetzt überlege ich fast, ob ich mir ein Zombiebuch kaufen soll. So weit ist es schon gekommen..

    Jaaaa, Zombiepremiere für Strandläuferin! :bounce: :cheers:

    Ach ja...und von wem hast du den Tipp bekommen...*hüstel*...

    Mein Dank geht an Euch beide! Durch Leila wurde ich überhaupt erst darauf aufmerksam und Strandläuferin hat mir das Buch gleich gekauft auf Grund einer verlorenen SUB-Wette.
    Von Wunschliste bis zur Rezension in kürzester Zeit....das könnte ein persönlicher Rekord für mich gewesen sein. :mrgreen:

  • Deine Rezension hat mich wirklich überzeugt, bin ein wahrer Zombie-Fan und bin echt froh, dass ich das Buch hier gefunden habe! :lechz:
    Also vielen Dank für die gute Rezension, kommt sofort auf meine Wunschliste! :) :)


    LG
    shaayaa :flower:

    :study: Lewis Caroll - Alice im Wunderland :study:
    :study: William Golding - Lord of the Flies :study:


    SUB: 57

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