Willy Josefsson - In jenen dunklen Tagen

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  • Hallo :)


    Ich möchte mal wieder ein Buch vorstellen, welches ich soeben zu Ende gelesen habe und welches verdient hat genauer erörtert zu werden, als nur mit dem Klappentext :wink:


    Rückentext
    Martin Olsson wird sechzig und hat das Gefühl, dass ihm sein Leben zwischen den Fingern zerrinnt. Und dann noch dieser seltsame Anruf: Kurt Malmberg wurde gerade aus der gechlossenen Psychiatrie entlassen und will sich unbedingt mit ihm treffen. Olsson, der frühpensionierte Polizist, hatte den Mann vor dreissig Jahren wegen Vergewaltigung und Mordes eines fünfzehnjährigen Mädches verhaftet. Er wimmelt ihn ab. Doch dann findet man erneut eine Leiche - ein fünfzehnjähriges Mädchen, das offenbar vergewaltigt wurde...


    Es war mein erster Krimi mit dem Hauptprotagonisten Martin Olsson. Das Buch ist ein guter Krimi ohne thrilleffekte, aber dennoch mit stetig steigender Spannung.
    Martin Olsson ist ja nun eigentlich kein Polizist mehr, aber er fühlt sich hin- und wieder noch so und er findet trotzt Pensionierung auch nicht den Weg ins Rentenleben, vor dem er Angst hat und dessen Zukunft ihm so ungewiss ist. Durch Kurt Malmberg, einem ehemals Verurteilten, der nun - freigelassen - sofort Kontakt zu ihm sucht, wird er wieder in den Sog des Polizeidienstes hineingezogen. Einerseits schön, aber nicht in Verbindung mit einem ehemaligen Mörder, der ihm etwas sagen will, an dem Olsson gar nicht interessiert ist, zwangsläufig aber sein sollte.
    So nimmt dann alles seines Lauf und es tut sich eine unglaubliche Geschichte auf, die an Korruption, unglücklichen Umständen und Mauern des Schweigens nicht zu überbieten ist. Was am Ende rauskommt, übertrifft das bisher gelesene und seine eigenen Vermutungen, denn es kommt ganz anders als man denkt und für möglich gehalten hat.
    Dabei wird sehr schön das südliche Schweden beschrieben und die Wetterbeschreibungen von dichtem Nebel und Nieselregen oder die plätschernde Rönne, lassen einen manchmal genau spüren, wie Olsson sich gerade fühlt, den Jackenkragen hochkrempelt und den Kopf gesenkt, um sich vor Wind und Wetter zu schützen.
    Das Spannende, was passiert, wird so unverblümt geschrieben, dass man manchmal zweimal lesen muss, weil man es gar nicht glauben kann. Da wird nicht aufgebauscht mit Dramatik, sondern unumwunden erzählt, was da gerade wie gefunden wurde und man erschreckt, weil es so unvorbereitet kam und nicht wie in Thrillern oder anderen Krimis, sätzeweise vorher aufgebaut und an Spannung und Dramatik nicht zu überbieten. Und genau das macht dieses Buch so toll. Es ist einfach geschrieben und sicher für einen Anfäger im Krimigenre etwas zäh zu Anfang, nicht wegen der Erzählung, sondern wegen der Schwedischen Trägheit, dem Schwedischen Dorfcharakter und den damit verbundenen teilweise stummen, misstrauischen und mürrischen Charakteren. Aber so ist nunmal ein Skandinavien-Krimi - kühl und trocken.


    Ich möchte auf jeden Fall weitere Werke mit Martin Olsson lesen und kann das Buch nur empfehlen für all diejenigen, die nicht unbedingt Blut, Schocker, Thrill und dramtische Hochspannung lesen wollen, sondern die gern einen guten Krimi lesen möchte, der sich stetig aufbaut und ein klasse Ende hat, welches man überhaupt nicht erahnen kann und welches logisch und schlüssig ist.


    Ein Krimi, dessen Pulver nur langsam aber sicher und wohl dosiert verteilt wird!


    Wer jetzt Lust bekommen hat - dem wünsche ich viel Spass beim Lesen.


    Gruss, Tanni

    1. (Ø)

      Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag


    Liebe Grüße von Tanni


    2021 gelesen: 153

    Januar = 20, Februar = 23, März = 20, April = 19

    Mai = 23, Juni = 23, Juli = 25

  • Hallo Tanni,


    die Serie habe ich mir bereits notiert, nachdem ich Janinas Anmerkungen gelesen habe und werde bei Gelegenheit mit "Die Spur im Meer" beginnen. Leider gibt es ja von den ersten beiden Fällen noch keine deutsche Übersetzung. :wink:

    Liebe Grüße
    Helga :winken:


    :study: [b]???


    Lesen ist ernten, was andere gesät haben (unbekannt)

  • Hi Ihr Zwei :wink:


    Schön, dass ich Euch da auf eine Fährte gebracht habe :)


    Ich war anfangs so eher der Leser von Thrillern, je schockierender und blutiger um so besser, aber durch den BücherTreff habe ich auch Krimis schätzen gelernt und bin froh darüber, weil, ohne den Thriller jetzt zu negativieren, der Krimi doch oft um einiges "lesbarer" ist - wisst Ihr was ich meine? Schwer zu erklären. Der Thriller à la Cupido, der Meister und die Chirurgin sind interessant und flüssig durchzulesen, da immer die gleichen Morde, immer das gleiche Szenario (bitte nicht abwertend verstehen, ich liebe Thriller und lese sie nach wie vor gerne), aber diese Art Krimis, regen zum richtigen Nachdenken an, man muss überlegen, man setzt sich mehr mit den Charakteren auseinander, oder sagen wir man setzt sich anders auseinander, durch das nicht so rasante Tempo wie bei einem Thriller bekommt man mehr mit von den Örtlichkeiten, dem Drumrum, die Vorstellungen sind präsenter, etc. Ich habe diesen Olsson-Krimi eindeutig mehr wahrgenommen, als der Meister von Tess Gerritsen, den ich unglaublich spannend fand. Manchmal empfinde ich einen Krimi als Anspruchsvoller als einen Thriller - so könnte man das sagen, auch wenn der Krimi augenscheinlich langatmig erscheint...


    Hoffentlich versteht Ihr, was ich hier verzweifelt versuche umständlich zu beschreiben :oops: 8-[


    Gruss, Tanni

    Liebe Grüße von Tanni


    2021 gelesen: 153

    Januar = 20, Februar = 23, März = 20, April = 19

    Mai = 23, Juni = 23, Juli = 25

  • Hi Tanni,


    ich weiß genau was du meinst. Es ist auch ein großer Unterschied zwischen Thriller und Krimi. Der Thriller ist ja meist sehr aktionreich und brutal und der Krimi doch etwas detaillierter, speziell vom Umfeld her, und intensiver. :wink:

    Liebe Grüße
    Helga :winken:


    :study: [b]???


    Lesen ist ernten, was andere gesät haben (unbekannt)

  • @Bonprix


    Ich habe in Buchhandlungen schon so oft einen Mankell in Händen gehalten (Die Hunde von Riga, Vor dem Frost...) und jedesmal habe ich mir das nicht zugetraut. Warum weiss ich nicht. Es war ähnlich wie mit Reginald Hill, an den ich mich endlich rangetraut habe und bis jetzt überhaupt nicht verstehen kann, warum ich da so lange gezögert habe. Und deshalb weiss ich, dass ich auch Rendell und Mankell bald lesen werde.


    Ich freue mich riesig über die für mich neue Entdeckungsreise mit Büchern. Habe ich mich doch zu lange mit blutigen Schockern allein aufgehalten. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich ganz schön was verpasst habe. Schade, aber es ist noch lange nicht zu spät und ich bin hocherfreut über diesen Verlauf.


    Und Martin Olsson ist mein Vorläufer geworden von Arnaldur Indridason, dessen Bücher auch auf meinem SUB liegen, vor denen ich jetzt auch nicht mehr zurückschrecke, weil ich mich, was das Lesen angeht, endlich kennengelernt habe.


    Gruss, Tanni, die so dankbar ist für den BücherTreff

    Liebe Grüße von Tanni


    2021 gelesen: 153

    Januar = 20, Februar = 23, März = 20, April = 19

    Mai = 23, Juni = 23, Juli = 25

  • Hallo Tanni.....ich kann deine Begeisterung gut verstehen, mir ist es ähnlich ergangen. :lol:
    Aber wenn ich dir einen Rat geben darf, fang bei Mankell NICHT mit dem Band >Die Hunde von Riga< an..... :roll: er ist, wie wir in den Niederlanden sagen "saai" (langweilig, langatmig), und m.M. nach bis jetzt wenig spannend.


    Gruss Bonprix :wink:

  • Zitat

    Original von Bonprix


    Hallo Tanni.....ich kann deine Begeisterung gut verstehen, mir ist es ähnlich ergangen. :lol:
    Aber wenn ich dir einen Rat geben darf, fang bei Mankell NICHT mit dem Band >Die Hunde von Riga< an..... :roll: er ist, wie wir in den Niederlanden sagen "saai" (langweilig, langatmig), und m.M. nach bis jetzt wenig spannend.


    Gruss Bonprix :wink:


    Huhu nochmal,


    kannst Du mir von Mankell 2-3 Werke nennen, die für einen Mankell-Anfänger wie mich gut lesbar und interessant sind. Es gibt ja doch schon einige und ich habe das Gefühl den Wald vor lauter Bäumen nicht zu erkennen :wink:


    Gruss, Tanni

    Liebe Grüße von Tanni


    2021 gelesen: 153

    Januar = 20, Februar = 23, März = 20, April = 19

    Mai = 23, Juni = 23, Juli = 25

  • Danke Bonprix!


    Kenne alle drei Titel und 2 davon sind schon auf meinem Wunschzettel. Na, da lag ich ja nicht ganz so verkehrt, bis auf die Hunde von Riga :wink:


    LG Tanni

    Liebe Grüße von Tanni


    2021 gelesen: 153

    Januar = 20, Februar = 23, März = 20, April = 19

    Mai = 23, Juni = 23, Juli = 25

  • Willy Joseffssons "In dunklen Tagen" lässt sich relativ schnell lesen. Immer wieder wird in Rezensionen der Vergleich von Josefssons Protagonist Martin Olson mit Kurt Wallander gebraucht. Es gibt Parallelen: beide sind grüblerisch bis drepressiv, wobei Olson noch mit seinem Status als Pensionär kämpft, beide leben allein, beide hadern mit sich selbst, ihrem Alter und den gesellschaftlichen Umständen in Schweden, mit denen meist der aktuelle Fall zusammenhängt. Dennoch empfand ich Olson als sehr distanziert; er blieb mir fremd.


    Der Anfang, die Anrufe des entlassenen Mädchenmörders und Olson Abwehr, sich mit ihm zu treffen, ließ mich eigentlich gespannt darauf warten, wie es zur Begegnung kommt und was Malmberg über den alten Fall zu sagen hat.
    Aber dann zieht sich das Buch trotz mehrerer Leichenfunde dahin; man verfolgt eher Olsons Alltag als den Fall, zumal er selbst als Pensionär nicht mehr aktiv werden kann. Als er feststellt, dass er von Unbekannten verfolgt wird, bekommt er Angst, aber diese Angst ist eher als Tatsache beschrieben denn als nachvollziehbares Gefühl geschildert.
    Um Seite 180 herum war der Gipfel der Langeweile erreicht. Eigentlich war mir danach, das Buch zuzuklappen, aber ich war zu faul, von der Couch aufzustehen und mir ein neues zu holen. Glücklicherweise, denn etwa ab Seite 200 wirds interessant. Auf einmal spielen politische Machenschaften eine Rolle, und Olson erfährt, wie ihm damals bei der Ermittlung vor dreißig Jahren ins Handwerk gepfuscht wurde.
    Der Schluß kann auch nicht vom Hocker reißen. Man hat zwar vier Leichen, ein Mord kann nachgewiesen werden, eine Untersuchung verläuft im Sand, usw.


    Ein Manko des Buches ist es, dass es als dritter Band einer Reihe in Schweden erschienen ist, die ersten beiden aber nicht übersetzt wurden. Es gibt z.B. eine Frau in Olsons Leben, eine gute Freundin, aber mit den Andeutungen, was die gemeinsame Vergangenheit der beiden betrifft, kann man nicht viel anfangen.


    Das Thema des Buches ist nicht uninteressant, aber ein Autor, der etwas von Spannungsaufbau versteht, hätte mehr daraus machen können.


    Marie

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



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