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Peter Nathschläger - Der Falke im Sturm

Der Falke im Sturm

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Band 2 der

Verlag: Himmelstürmer

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 360

ISBN: 9783863612900

Termin: Mai 2013

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  • Der Falke im Sturm ist mein zweiter Kuba-Roman und ist somit der Mittlere meiner kleinen Kuba-Trilogie, über die ich ein anderes Mal schreiben möchte.


    Die Idee
    Die Grundidee zu diesem Roman kam mir im August 2010, nachdem ich mit meinem Lebensgefährten auf Kuba war und dort den idealistischen Radsportler Frank Montalvo kennen lernte und mit ihm bis spät in die Nacht am Strand von Mi Cayito an der Play del este in der Provinz Habana diskutierte. Frank verdiente sich seinen Unterhalt damals als Sportler, inzwischen arbeitet er bei einer Wach & Schließgesellschaft in Cotorro, einem unfreundlichen kleinen Bezirk in La Habana.
    Frank erzählte mir von seiner Freude, radzufahren und von seiner Sehnsucht, sich frei zu fühlen, er berichtete mir von seiner mißglückten Flucht nach Florida, wo er und die anderen im Boot von der Küstenpolizei aufgegriffen und zurückgeschickt worden waren.
    Daraus entstand zunächst einmal eine Kurzgeschichte, in der ich erzählte, wie einem jungen und idealistischen Kommunisten auf Kuba quasi über Nacht das Vertrauen in die Revolution schwindet und wie er sich an die pragmatischen Ideale seines Bruders heftet, der sich erfolgreich in Havanna prostituiert.
    Die Geschichte wurde mit jeder neuen Version länger, mehr und größer, so dass die Entscheidung, daraus einen mehrschichtigen Roman zu machen, der auf mehreren Handlungsebenen von einer zweiten kubanischen Revolution erzählt, wie von selbst kam.


    Die Handlung
    Der französische Student Lucas wird - nach dem er einen Literaturwettbewerb zum Thema Dissidenten auf Kuba nach der zweiten Revolution von der kubanischen Regierung eingeladen, nach Havanna zu reisen, um vor Ort Zeitzeugen kennenzulernen und bedeutsame Orte zu besuchen - um die Ereignisse, die zur zweiten Revolution führten, mit eigenen Worten als Roman nachzuerzählen. Die Universität Havanna stellt ihm einen außergewöhnlich schönen Studenten zur Seite, der Lucas den Kopf verdreht. Gemeinsam reisen sie quer durch Kuba und Gerardo, der kubanische Student, führt Lucas zu allen wichtigen Orten und macht ihn mit Zeitzeugen der jüngsten Geschichte bekannt. Im Zuge der Reisen wird Lucas immer mehr bewusst, dass sie verfolgt und beobachtet werden. Die Hinweise darauf, dass die zweite Revolution keineswegs so friedlich und gewaltfrei verlief, wie bisher kolportiert, ängstigt ihn zunehmend, bis er in einer Kurzschlussreaktion zu fliehen versucht und in Lebensgefahr gerät.
    Der Roman wird auf zwei Realitätsebenen erzählt. Da ist zuerst einmal der teilauktoriale Erzähler, der über Lucas berichtet, und dann gibt es die Realitätsebene von Lucas Bericht, in dem er prosaisch die Vorgänge beschreibt, die zur zweiten Revolution führten.


    Der Roman thematisiert (auch) die Lebensfreude und die Erotik der Kubaner, durch den Einsatz von Lukas als (unzuverlässiger) Erzähler bekommt der von ihm verfasste Bericht einen homoerotischen Fokus, weswegen der Roman vermutlich für Leser interessant ist, die sich für Kuba interessieren, Abenteuerromane mögen und eine Vorliebe für homoerotische Szenen haben. Der Roman befasst sich auch mit den Sonnen- und Schattenseiten des kubanischen Sozialismus; dies versuche ich anhand der wichtigen Nebenfigur Dimitrij Vengarov zu illustrieren. Dimitrij ist ein dreiundzwanzogjähriger Patient in der Tarara-Anstalt an der Nordküste Kubas, der Sohn eines Ehepaares, das bei den Aufräumarbeiten in der Ruine Tschernobyl verstrahlt wurde. Dimitrij kam mit schweren Deformationen zur Welt und wird in der Krankenanstalt Tarara gepflegt - wo er sich im Lauf der Geschichte mit Franco anfreundet, der - ebenfalls im Lauf der Handlung - zur Ikone der zweiten Revolution heranwächst.


    Angelo Algieri von Queer.de schrieb in seiner Rezension zum Roman
    Peter Nathschläger hat nicht nur einen realistischen und fesselnden Roman geschrieben. Er vermengt darin auch surreale und symbolische Elemente – was in diesem Dunstkreis aus Idealismus, Ikonenbildung, Revolution und Verschwörung bestens passt. Herausragend gut beschrieben sind zudem einige Szenen wie die oben erwähnte Folterung. Daneben gelingt es Nathschläger, auch das kubanische Lebensgefühl einzufangen – jenseits von Kitsch und Klischee. Auch wenn Lucas teils mit seinen sehr ausführlichen E-Mails an die Schwester nervt, zieht im weiteren Handlungsverlauf die Dramatik schnell an – auch weil das Manuskript mit der Neo-Ikone Franco die Vorgänge der Rahmenhandlung widerspiegelt. Sozusagen eine genial-doppelte Spannung für den Leser.


    Dieses doppelte Spiel macht den Roman zu etwas Besonderem: Er schafft nicht nur eine Selbstreflexion, sondern bringt eine Metaebene mit ein. Wir sehen quasi Lucas beim Schreiben zu und bekommen seine Schwierigkeiten mit dem Regime, stellvertretend durch Gerardo, hautnah mit. Ein bekanntes Thema der Weltliteratur: Wie weit darf man im Namen des Staates schreiben? Auf welche Grenzen stößt man? Darf sich der Staat oder die Politik überhaupt in künstlerische Freiheiten einmischen bzw. Vorgaben machen? Hochbrisante politische Fragen, die Nathschläger stellt. Es kommen einen Goethes Torquato Tasso in dem Sinn oder auch DDR-Schriftsteller, die dem Regime sehr nahe standen. Besser: Jene, die sich von ihrer Ideologie losreißen wollten und daran gehindert wurden – entweder durch Zensur oder durch Berufsverbote. Es ist für den betreffenden Künstler immer ein Spagat: Annehmen oder Seinlassen, Anpassung oder Auflehnung.


    Trotz aller Widersprüchlichkeiten der kubanischen Gesellschaft, hat Nathschläger in erster Linie eine Hommage an die Kubaner geschrieben. Ebenso ein Appell, an Ideale zu glauben, ohne gleich Ideologien zu verfallen. Schön auch, dass Nathschläger die Figur des Dimitrij (eine Reminiszenz an einen seiner vorhergehenden Romane "Die Legende des heiligen Dimitrij") eingeführt hat. Er zeigt die humanistische und vor allem lebensbejahende Seite des Romans – unabhängig wie jemand aussieht oder was er für Gebrechen hat. Denn jeder ist ein Kubaner.


    Das Rohmanuskript verfasste ich zwischen August 2010 und Oktober 2012 (für technisch Interessierte, mit Papyrus Autor). Die letzte Version beendete ich im Januar 2013.


    Frank Montalvo, der mir als Vorbild für Franco Garcia Lopez diente:

  • Danke für die tolle Buchvorstellung. Das klingt ganz nach einem Buch, das mir gefallen könnte. Mal sehen, irgendwann zieht es bestimmt bei mir ein. Könnte allerdings noch eine Weile dauern, bei meiner elendig langen Wunschliste... :-,

    "If you have never said "Excuse me" to a parking meter or bashed your shins on a fireplug, you are probably wasting too much valuable reading time."
    (Sherri Chasin Calvo)


    “I am not eccentric. It's just that I am more alive than most people. I am an unpopular electric eel set in a pond of catfish.” (Edith Sitwell)


    Alles rundum LGBT+ Bücher gibt's auf Scattered Thoughts and Rogue Words

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