Brom - Krampus/The Yule Lord

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Krampus

4.3|20)

Verlag: Knaur HC

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 504

ISBN: 9783426653340

Termin: September 2013

  • Produkt-Info [Amazon.de]:


    Einst war Krampus der gefeierte Herr des heidnischen Julfestes. Bis zu dem Tag, an dem er einem Komplott des Nikolaus zum Opfer fiel. Entmachtet und in eine dunkle Höhle in der neuen Welt ver¬-bannt, musste Krampus mit ansehen, wie der Nikolaus das Weihnachtsfest zum Jahres¬höhepunkt im Dezember erhob. Doch seine Zeit der Gefangenschaft neigt sich dem Ende zu. Denn dem mittellosen ¬Musiker ¬Jesse ist zufällig der Schlüssel zu Krampus’ Freiheit in die Hände gefallen.


    Eigene Beurteilung:


    Terry-Pratchett-Fans wissen seit „Hogfather“, dass die Legende des Weihnachtsmanns sehr viel weiter zurück reicht, als die des Christentums und dass diese Figur alle möglichen Wandlungen erfahren hat – unter anderem durch die Beifügung der noch älteren Figur des Krampus/Knecht Ruprechts. Während Pratchett daraus eine philosophische Humortour mit weitreichenden Konsequenzen gemacht hat, geht Brom – wie in „Der Kinderdieb“ – eine blutigere Route, indem er Krampus und den Heiligen Nikolaus einander als Antagonisten gegenüber stellt, deren Feindschaft ihre Quellen in vorchristlicher Zeit und in der Asenlegende hat. Dabei ist die Identität des Nikolaus wirklich überraschend. Daneben geht es in „Krampus“ aber auch wie in „Hogfather“ um die Kraft und die Bedeutung des Glaubens für die Menschen und für die Welt und die Gefahren von guten Vorsätzen für diejenigen gegenüber die man sie gefasst hat. All dies wird verbunden mit den für Brom typischen Illustrationen und kreiert so – wie „Der Kinderdieb“ – eine interessante alternative Sichtweise auf eine etablierte Kulturikone.

    1. Krampus

      (Ø)

      Verlag: Knaur HC


  • Klappentext (Quelle: www.droemer-knaur.de):
    Einst war Krampus der gefeierte Herr des heidnischen Julfestes. Bis zu dem Tag, an dem er einem Komplott des Nikolaus zum Opfer fiel. Entmachtet und in eine dunkle Höhle in der neuen Welt verbannt, musste Krampus mit ansehen, wie der Nikolaus das Weihnachtsfest zum Jahreshöhepunkt im Dezember erhob. Doch seine Zeit der Gefangenschaft neigt sich dem Ende zu. Denn dem mittellosen Musiker Jesse ist zufällig der Schlüssel zu Krampus’ Freiheit in die Hände gefallen.

    Über den Autor (Quelle: www.droemer-knaur.de):

    Brom, Jahrgang 1965, wurde in Albany im amerikanischen Bundesstaat Georgia geboren. Da sein Vater Pilot bei der U.S. Army war, verbrachte Brom einen Teil seiner Jugend im Ausland, unter anderem in Japan und Deutschland, wo er zur Schule ging; aus dieser Zeit rührt auch seine Angewohnheit her, seinen Vornamen nicht zu benutzen. Bereits mit 21 arbeitete Brom als Illustrator für Firmen wie Coca-Cola und IBM. Später begann er, sich auf die visuelle Umsetzung von Rollenspielen wie „Dungeons & Dragons“ und anderer Fantasywelten zu konzentrieren; er schuf außerdem Sammelkarten für Spielsysteme wie „Magic: The Gathering“ und arbeitet für zahlreiche Verlage und Computerspielhersteller. Brom hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht und lebt heute mit seiner Familie in Seattle.

    Aufbau / Allgemeines:

    Die 504 Seiten von "Krampus" sind in drei Teile aufgegliedert: "Jesse", "Krampus" und "Julzeit". Das Buch hat innerhalb dieser Abschnitte 19 betitelte Kapitel, von denen jedes mit einer vom Autoren erstellten Illustration begleitet ist, die ein Ereignis darstellt, auf das der Leser in den nächsten Seiten stoßen wird. In der Mitte findet man 8 farbige Bilder des Autoren auf Hochglanzpapier, die die wichtigsten Charaktere des Buches zeigen. Zusätzlich gibt es eine kurze Einleitung und ein Nachwort von Brom, in dem dieser Stellung zur verwendeten Mythologie nimmt und über Historisches zu den Legenden informiert.


    Handlung:
    Jesse ist der geborene Verlierer. Nachdem er es beruflich zu nichts gebracht hat, hat er es auch noch geschafft, dass seine Frau Linda ihn zusammen mit seiner geliebten Tochter Abigail verlassen hat und nun bei dem viele Jahre älteren Polizisten Dillard lebt. Seitdem haust er in einem Wohnwagen und da er am Weihnachtsfest die Einsamkeit nicht ertragen kann, ist er sogar soweit, sich das Leben zu nehmen. Als er mit einer Waffe in seinem Auto sitzt, beobachtet er eine bizarre Szene: Ein muskelbepackter Weihnachtsmann fliegt mit seinem von Rentieren gezogenen Schlitten vorbei und wird dabei von seltsamen Wesen mit Kapuzen und Teufelshörnern angegriffen. Er kann den Wesen entkommen, doch löst sich im Kampf etwas und kracht mitten in Jesses Wohnwagen. Als er untersucht, was da bei ihm angekommen ist, muss er feststellen, dass es ein roter Sack mit einer goldenen Kordel ist. Als er ihn öffnet, liegt doch tatsächlich genau das teuere Spielzeug drin, dass sich seine Tochter von Herzen wünscht. Schnell findet er heraus, dass er unendlich viele Spielzeuge und genau diese, an die er denkt, herausfischen kann. Jesse hat den Weihnachtssack gefunden! Nun sieht er wieder einen Sinn in seinem Dasein und er hofft, Linda und Abigail zurückgewinnen zu können, wenn er einmal in seinem Leben etwas richtig anpackt und seiner Tochter eine große Freude macht. Doch ist der Sack ein begehrtes Objekt, denn die seltsamen Figuren, die den Weihnachtsmann bekämpft haben, sind die Belznickel und auf der Jagd nach dem Sack. Sie sind die versklavten Gehilfen von Krampus, der seit hunderten von Jahren in einem Erdloch sitzt und genau diesen Sack benötigt um sein unterirdisches Gefängnis, in das er vom Weihnachtsmann verbannt worden ist, verlassen zu können. Wenn ihm dies gelingt, wird der verräterische Falschspieler, der sich Santa Clause nennt, von der Erde getilgt werden, das elendige Weihnachtsfest verschwinden und das Julfest wird endlich wieder seinen angestammten Platz einnehmen können…


    Meine Meinung:
    Nachdem Brom mit „Der Kinderdieb“ einen sehr außergewöhnlichen Fantasyroman erschaffen hat, in dem er die Geschichte um Peter Pan regelrecht pervertiert und mir damit ein diebisches Vergnügen bereitet hat, ist nun der Mythos um den Weihnachtsmann und Krampus an der Reihe. Schon beim Betrachten des tollen Covers und des wiederum sehr aus der Reihe fallenden Handlung war ich mir sicher, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss.


    Man ist von Anfang an ein wenig befangen, denn wenn der Weihnachtsmann bzw. Santa Claus in einer Geschichte vorkommt, ist es doch selbstverständlich, dass dieser der Gute, der Sympathieträger sein muss, oder? Genau das ist eben nicht wirklich der Fall in „Krampus“. Kann es sein, dass der nette, pausbäckige Weihnachtsmann, der Kinder beschenkt und ein unverzichtbarer Teil des frohen Festes ist, sein Gesicht versteckt hat, quasi eine andere Identität angenommen und in Wirklichkeit gar ein Bösewicht ist? Oder täuscht Krampus dem Leser nur etwas vor und hat er ganz andere Pläne, als nur einen Falschspieler zu entlarven und seinen Platz einzunehmen? Brom zwingt einen regelrecht, sich mit „Gut“ und „Böse“ auseinanderzusetzen und Geschichten, Mythen und Traditionen aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten.


    Rund um Santa Clause und Krampus gibt es natürlich viele Mythen. Brom vermischt diese hier sehr stark mit der nordischen Mythologie, was einen zunächst mal etwas die Stirn runzeln lässt. Dabei gibt es durchaus alte Legenden, die diese These stützen. Wer sich für alte Götter wie Odin, Thor oder Hel interessiert, kann durchaus mal einen Blick in dieses Buch riskieren. Allerdings sollte diesen sich bewusst sein, dass der Autor hier sehr viel selbst erfunden hat, eigene Interpretationen einfließen ließ und alles andere als eddagerecht erzählt. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit hat man sich allerdings an diese seltsam anmutenden Verbindungen gewöhnt und wenig später, wenn man mehr aus Krampus’ Vergangenheit erfahren hat, sind sie gar nicht mehr wegzudenken.


    „Der Kinderdieb“, das letzte Buch von Brom, war ein sehr düsteres und brutales Werk. „Krampus“ wiederum schlägt nur manchmal in diese Kerbe. Es gibt einige deftige Szenen, allerdings sind diese hier eher die Ausnahme. Stattdessen ist das Buch oft richtig humorvoll, manchmal offensichtlich und manchmal auch unterschwellig. Dass eine von Krampus’ Belznickeln von Jesse eine Pelzmütze mit einem Pandakopf geschenkt bekommt und diese gar nicht mehr absetzen möchte, fand ich z.B. richtig witzig. Auch Krampus wird nicht immer ganz ernst genommen. Als dieser von seiner ereignisreichen und glorreichen Vergangenheit erzählt, man hat beim Lesen fast die epische Originalstimme von Christopher Lee im Ohr, hört Jesse gar nicht wirklich zu und möchte eher seine Ruhe haben. Auch die ersten Versuche, Weihnachten zu vertreiben und die Julzeit zurückzubringen, indem in die Häuser der Menschen eingestiegen wurde, waren einfach nur witzig dargestellt. Man mag es kaum glauben wenn man den Vorgänger gelesen hat, aber „Krampus“ ist unter dem Strich ein Buch geworden, dass sehr positive Vibes, eine tolle Message und gute Laune verbreitet und den Leser das ein oder andere Mal zum Lachen und Schmunzeln bringen kann. Wenn man nicht zu sehr auf die christliche Lehre und auf deren Traditionen angewiesen ist, denn diese bekommen schon das ein oder andere Mal ihr fett weg, und wenn es keine brutalen Szenen gäbe, könnte „Krampus“ durchaus eine Geschichte für Kinder sein, die lehren könnte, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt und dass man über sich hinauswachsen kann, wenn man nur fest genug an sich glaubt.


    Brom hat einen wunderbaren, anschaulichen Schreibstil, in dem man tatsächlich alles wie in einem Film ablaufen sieht. Er hat das Talent, und das haben bei weitem nicht alle Autoren, Actionszenen darzustellen, bei denen man als Leser nicht irgendwann den Faden verliert und nicht mehr weiß, wie sich der Schreiber das nun eigentlich gedacht hat. Die Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet und man hängt sehr schnell an ihnen. Gerade Jesse ist einfach nur toll geworden. Einerseits ist er ein typischer Underdog, dessen Kampfgeist durch einige Ereignisse erwacht und der sich schließlich auf das besinnt, was wirklich wichtig ist, andererseits ist er einfach ein netter, manchmal etwas tollpatschiger Typ mit einem guten Herz, den man einfach gern haben muss. Auch Krampus, ihn einfach nur „Charakter“ zu nennen, wäre wohl etwas vermessen, wurde wundervoll ausgearbeitet und hat ein sehr vielschichtiges Inneres, von dem der Leser im Laufe der Geschichte immer mehr erfährt.

    Fazit:

    "Krampus" ist ein Märchen für Erwachsene geworden, das mit tollen Charakteren und einer interessanten, humorvollen Geschichte voller Mythen und Legenden überzeugt.
    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Ich bin schon längere Zeit um die Bücher von Brom herum geschliechen, habe mich aber bisher nicht an "Kinderdieb" oder seine anderen düsteren Werke zu trauen, da ich eigentlich kein Fan von allzu brutalen und düsteren Büchern bin. Da Krampus jedoch als ein etwas weniger dunkles Buch beschrieben wurde und ich neben Schweinsgalopp ein weiteres Fantasybuch besitzen wollte, dass mit Weihnachten zu tun hat, habe ich mir Krampus letztendlich gekauft.
    Da die Handlung hier ja bereits ausführlich von Kapo geschildert wurde :thumleft: und meiner Meinung nach zusätzliche Details den Lesegenuss verderben würden, belasse ich es bei einer Bewertung.


    Das dreigeteilte Buch Krampus (Teil 1: Jesse, Teil 2: Krampus, Teil 3: Julzeit) behandelt den Krampusmythos und interpretiert hier neu. Was wäre wenn es Krampus und den Weihnachtsmann wirklich gäbe? Wären sie Geschäftspartner? Würden sie befreundet sein? Oder herscht eine große Feindschaft zwischen den beiden? Da ich gerne Fantasybücher lese,die von Mythen inspiriert sind, fand ich das Thema dieses Buches sehr interessant und wollte gerne mehr über die Hintergründe der Geschichte erfahren. Hier war es sehr schön, dass das Buch zum Ende einen Teil enthält, in dem Brom berichtet, wie er auf den Mythos gestoßen ist und wie er letztendlich zu seiner Idee gekommen ist. Auch die Idee, den Krampusmythos/ Weihnachtsmannmythos mit der nordischen Mythologie zu verbinden, fand ich sehr gelungen. Der menschliche Hauptcharakter des Buches Jesse ist ein mittelloser Musiker, der es nicht einmal hinkriegt, für seine Tochter zu Weihnachten ein Geschenk zu organisieren, weil er statt Geld für seinen letzten Auftritt Alkohol als Bezahlung akzeptierte. Seine Frau lebt seit 2 Jahren von ihm getrennt und er lebt seit dem in einem kleinen Wohnwagen. Gerade als er sich erschießen will, sieht er einen Schlitten über sich hinwegfliegen, der von Teufelswesen verfolgt wird. Dabei stürzt der Sack des Weihnachtsmannes in Jesses Wohnwagen und er wird in die Geschichte verstrickt. Der Charakter des Jesse gefällt mir sehr gut, da er einerseits den sympatischen Versager darstellt, andererseits aber auch bereit ist für seine Frau und Tochter sein Leben zu riskieren. Jesse ist nicht ohne Macken und schafft es sich überall Feinde zu machen. Trotzdem gibt er nicht auf, sondern versucht weiter, dass beste aus der Situation zu machen. Besonders seine Interaktion mit Krampus und Krampus Belznickel gefällt mir sehr gut. Im Laufe der Geschichte wandelt sich Jesse, so dass er kein flacher Charakter bleibt, sondern Tiefe gewinnt und menschlich wirkt. Auch die anderen Figuren in "Krampus" sind nicht schwarz-weiß gezeichnet sondern befinden sich eher im grauen Bereich. Dies in Kombination mit Broms Art selbst den scheinbar Bösen zumindest teilweise glaubhafte Motivationen zu geben sorgt dafür, dass es keinen Charakter gibt, der das Böse verkörpert auch wenn einige Charaktere recht nahe daran rankommen. Die beiden Gegenspieler Krampus und Weihnachtsmann waren ebenfalls gelungen beschrieben, so dass auch der Weihnachtsmann, der in diesem Buch nicht wie typisch den Guten darstellt, glaubhaft wirkt. Besonders die Gespräche zwischen den beiden machten meiner Meinung nach das Buch zu etwas besonderem, da in diesen deutlich wird, dass niemand wirklich selbstlos handelt und dass der scheinbar Böse nicht immer Böse sein muss. Als einzige Figuren bei denen ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht hätte, bleiben einige der Belznickel und die Gehilfen des Weihnachtsmannes. Ein Teil der Belznickel erhält eine interessante Geschichte und eine Persönlichkeit, die dafür sorgt, dass ich gerne mehr über sie erfahren habe. Die anderen blieben jedoch eher im Hintergrund und meiner Meinung hat man sowohl über sie als auch über die Gehilfen des Weihnachtsmannes zu wenig erfahren. Da das Buch aber keine 400 Seiten besitzt, hatte ich bereits vorher vermutet, dass einige Charaktere etwas flacher bleiben, deshalb hat mir das Buch in diesem Bereich dennoch sehr gut gefallen. Ein weiterer Pluspunkt des Buches ist, dass es für jedes Kapitel eine Zeichnung gibt und in der Mitte des Buches farbige Bilder der Hauptpersonen zu sehen sind. (Wer sich einen ersten Überblick über den Stil verschaffen will kann hier einige Bilder Brom's sehen: http://bromart.com/index.html )


    Alles in allem hat mir "Krampus gut gefallen und ich werde bestimmt bald andere Werke von Brom lesen. Ich vergebe :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: und empfehle das Buch jedem, der sich gerne mit Mythen auseinandersetzt und "Was wäre wenn..."-Fragen stellt, aber auch jedem Fantasyleser, der ein Weihnachtsfantasybuch haben möchte.

    Living in Middle-earth always paying my debts.
    Bücherregal und Wunschliste momentan nicht aktuell/vollständig.
    2013: Start-SUB: 25 End-SUB: 5 Gelesene Bücher 90 Gelesene Seiten 36795 Punkte-Challenge: 670,95 Punkte (Stand 31.12.13)
    2014: Start-SUB: 5 Aktueller SUB: 5 Gelesene Bücher 15 Gelesene Seiten 6021 Punkte-Challenge: 91,21 Punkte (Stand 11.03.14)

  • Mythologische Themen bieten schon seit jeher Stoff für faszinierende Geschichten und Anleihen, von denen manche hervorragend , andere eher weniger gelungen sind.
    Dass ich Brom's Krampus unbedingt haben musste, begründet sich nicht nur in meiner Affinität für vorchristliche Religion und Brauchtum, sondern auch – das darf hier gerne zugegeben werden – in dem fantastisch gestalteten Layout des Buches.
    Optisch ist dieses Buch eine wahre Augenweide, neben dem tollen Cover ist auch der Inhalt durchgehend mit schön gezeichneten Ausschmückungen und Illustrationen geschmückt - im Innenteil sogar im Hochglanz die wichtigsten Hauptcharaktere des Buches. Wirklich hübsch und toll aufgemacht, da habe ich für mehr Geld schon wesentlich schlechtere Hardcover in den Händen gehalten.


    Äußerlich also eine runde Sache – erfreulicherweise trifft das auch auf den Inhalt zu.
    Ich war ja wirklich skeptisch im Bezug auf die Verarbeitung des Krampusstoffes im Szenario mitten in der Einöde der USA, auch allzu gewagte Verwurstungen von mythologischem Stoff malte ich mir da inhaltlich aus. Glücklicherweise erwiesen sich diese Befüchtungen als unbegründet.
    Brom gelingt mit diesem Buch ein über alle Maßen gelungener Spagat, zahlreiche mythologische Elemente, welcher er wirklich formidabel recherchiert hat, in eine moderne Geschichte rund um den tragischen Helden Jesse einzuflechten. Das Restultat ist eine mit zahlreichem schwarzen Humor gespickte, aberwitzige Geschichte rund um ein für mich äußerst relevantes Thema – der Überlagerung und Verhunzung alter, naturverbundener Bräuche und Feste durch die verdrängenden Kräfte monotheistischer Religionen zu Beginn, Erlebnisgesellschaft und Medien zu späteren Zeitpunkten der Geschichte. Völlig richtig der indirekte Kritikpunkt des Autors, dass ein großer Teil der Menschen den Bezug zu den ursprünglichen Bedeutungen von Jahres(kreis)festen, und damit ein Verständnis, sich selbst als gewichtigen Teil im Kreislauf der Natur zu begreifen, völlig verloren hat. Entsprechend gut hat mir da natürlich die Figur des Krampus gefallen, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Menschen auf alte Werte rückzubesinnen – und dabei natürlich mit seinen teils unfreiwilligen Mitstreitern in so einige bizarr-komische Situationen gerät. Auf der anderen Seite ist auch die Figur von Jesse sehr gut ausgearbeitet und so kann man auch mit diesem kräftig mitfiebern.


    Bleibt festzuhalten, dass Brom mit Krampus ein wunderbarer, sprachlich enorm gelungener, und mitunter bitterböser Genremix gelungen ist – allerdings nichts für Zartbesaitete, denn es geht in der Geschichte mitunter doch recht heftig zur Sache.
    Da verneige ich mich doch mal vor dem Talent Brom's, welcher sowohl ein herausragender Illustrator, als auch mächtig talentierter Autor ist. Da kann man gespannt sein, was von ihm noch so zu erwarten ist, die Messlatte liegt nun jedenfalls mal ganz oben. :pray:

    "Wenn ich einer Untergrundkultgemeinschaft beitrete, erwarte ich Unterstützung von meiner Familie!" (Homer Simpson)


    :montag:

  • Da verneige ich mich doch mal vor dem Talent Brom's, welcher sowohl ein herausragender Illustrator, als auch mächtig talentierter Autor ist. Da kann man gespannt sein, was von ihm noch so zu erwarten ist, die Messlatte liegt nun jedenfalls mal ganz oben.

    Schöne Rezi, Eol! :thumleft: Ich war mir nicht sicher ob es nicht jemand mit mehr Ahnung als ich von Mythologie als Kitsch abtun könnte. :wink:
    Von Brom ist bestimmt noch einiges zu erwarten. Du solltest unbedingt auch mal sein Erstlingswerk "Der Kinderdieb" antesten, das war ebenfalls hervorragend und hat ganz tolle Illustrationen.

  • Nun habe auch ich endlich den "Krampus" gelesen. Es gibt keine bessere Zeit im Jahr, als die Adventszeit, um in die Geschichte von Brom einzutauchen - dann kann sie ihren Zauber voll entfalten. :pray: Wer schon mal einen Krampuslauf erlebt hat (oder auch einen schwäbisch-alemannischen Fasnetsumzug), hat auch ein lebhaftes Bild vor Augen von dieser Truppe, die da die Häuser abklappert.


    Das Restultat ist eine mit zahlreichem schwarzen Humor gespickte, aberwitzige Geschichte rund um ein für mich äußerst relevantes Thema – der Überlagerung und Verhunzung alter, naturverbundener Bräuche und Feste durch die verdrängenden Kräfte monotheistischer Religionen zu Beginn, Erlebnisgesellschaft und Medien zu späteren Zeitpunkten der Geschichte. Völlig richtig der indirekte Kritikpunkt des Autors, dass ein großer Teil der Menschen den Bezug zu den ursprünglichen Bedeutungen von Jahres(kreis)festen, und damit ein Verständnis, sich selbst als gewichtigen Teil im Kreislauf der Natur zu begreifen, völlig verloren hat

    Dem kann ich eigentlich gar nichts mehr hinzufügen, denn Eol hat genau meine Empfindungen auf den Punkt gebracht. Brom führt uns vor Augen, was wir vergessen und verloren haben und wohin es führt, wenn der Mensch seine Wurzeln ausreist. Und er erklärt die Herkunft vieler Bräuche, über die die meisten von uns wahrscheinlich noch nie einen Gedanken verloren haben.


    Eine etwas andere und zuweilen deftige Weihnachstgeschichte voll schwarzem Humor und vielen Denkanstößen. Wer sich mit nordische Mythen auskennt, wird begeistert sein und wer nicht, sollte es erst recht reinlesen - vielleicht entdeckt er sie dann ja für sich. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Gelesen in 2018: 22 - Gehört in 2018: 24 - SUB: 366


    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)

  • Eine etwas andere und zuweilen deftige Weihnachstgeschichte voll schwarzem Humor und vielen Denkanstößen. Wer sich mit nordische Mythen auskennt, wird begeistert sein und wer nicht, sollte es erst recht reinlesen - vielleicht entdeckt er sie dann ja für sich.


    Du warst schneller Wichtelkind. :friends:


    Ich habe den Krampus in dieser Woche auch gelesen und war ebenfalls begeistert. Ein ganzes Jahr habe ich gewartet bis die Zeit für das Buch endlich reif war. Es passt wunderbar zur Vorweihnachtszeit und Brom hat einen fantastischen Schreibstil.
    Besonders gut hat mir gefallen, dass Krampus im Buch nicht als hoffnungslos böse dargestellt wird, sondern dass er hin und wieder auch menschliche Züge zeigt. Man kann sich gut in seine "Person" hineinversetzen. Brom hat das wunderbar gelöst.
    Das Buch ist eine Empfehlung für alle, die die etwas dunklere Fantasy und Mystik mögen und die sich für Mythen und Legenden interessieren . Brom hat für sein Buch viel recherchiert und das merkt man auch bei der Lektüre. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

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