Darwyn Cooke & Amanda Conner - Before Watchmen: Minutemen & Silk Spectre

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  • Diese Ausgabe der “Before Watchmen”-Reihe erzählt zunächst einmal die Geschichte der Minute-men, der Superheldengruppe mit dem überaus patriotischen amerikanischen Namen, zu der unter anderem der junge Comedian, Silk Spectre, die Mutter von Laur aus Alan Moores Werk und unter anderem Officer Hollis, beaknnt als Nite Owl gehörten. Letzterer ist es dann, der nach der Auflösung der Minutemen das Buch „Under the Hood“ schreiben sollte, das einige unangenehme Wahrheiten über die Geschichte dieser Superheldengruppe erzählt. Der erste Teil des Bandes ist die Geschichte selbst, wie er sie erzählt hat und wie seine ehemaligen Teamkameraden und auch die Öffentlichkeit auf die Veröffentlichung des Titels reagiert haben.


    Die Geschichte ist voller Politik und voller persönlicher und nationaler Tragik, als etwa der Comedian erlebt, was es bedeutet ein Soldat in einer Frontzone während des Südpazifik-Kriegs der USA zu sein und als man die Hintergrundgeschichte Silhouettes kennenlernt, die im „Hauptbuch“ und im Film einen sehr graphischen, aber nicht weiter ausgeführten Doppelauftritt hatte. Überhaupt werden die Figuren im Hintergrund – und auch gerade Laurs Mutter – mit sehr viel Leben gefüllt, so dass für Fans von Moores Ursprungsschöpfung dieser Teil der „Before-Watchmen“-Reihe eigentlich eine Pflichtveranstaltung sein sollte. Die beiden Autoren, die hier auch die Hauptkünstler sind legen dabei eine sehr solide und eindringlich erzählte Geschichte vor mit einigen sehr überraschenden und erschreckenden Wendungen.


    „Silk Spectre“ erzählt dann die Geschichte Laurs von ihrer frühen Jugend an, in der ihre Mutter neben ihrem „Vater“ Treffen mit überaus rätselhaften Männern hatte und ihrem „Onkel“ Hollis, der sich immer wie ein Vater um sie kümmerte. Von ihrer Mutter wird sie massiv auf eine Karriere als Superheldin vorbereitet, was der Mutter in ihrer Jugend in ihren eigenen Augen gefehlt hatte und sie deswegen auch so oft in Schwierigkeiten kommen ließ. Doch eines Tages – als sie gerade ihre erste große Liebe kennenlernt und ihre Mutter in brutalster Weise versucht, sich dazwischen zu zwängen, haut Laur von zu Hause ab und flieht mit ihrem ebenfalls durch häuslichen Druck gezeichneten Freund aus ihrem Heimatort und landet schließlich in einer Hippie-WG in San Francisco. Dort lernt sie ein freies und bunteres Leben kennen und vor allen Dingen viel mehr Menschen in ihrem eigenen Alter – bis sie auf einmal mitbekommt, wie fragwürdige Drogen in ihrem weiteren Bekanntenkreis großen Schaden anrichten. Schnell hat sie ein Silk-Spectre-Kostüm organisiert und nimmt den Kampf gegen die Bedrohung ihrer kleinen Welt auf – nur um zu merken, dass diese sehr umfänglich mit der großen weiten Welt verbunden ist, für deren Beherrschung die Fähigkeiten, die ihr ihre Mutter vermittelt haben von großer Hilfe sind. Doch trotzdem benötigt sie schließlich Hilfe ihrer erweiterten Familie und so nimmt ihr Leben eine weitere dramatische Wendung.


    In einem durchgelesen – und mit oder ohne den Hintergrund des „Hauptbuchs“ – ist auch dieser Band eine erzählerische, optische und haptische Freude, die ich gerne weiterempfehle. :thumleft::thumleft:

  • Before Watchmen Paperback 1: "Minutemen"



    von Darwyn Cooke



    Inhalt: In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts vereinigen sich einige maskierte Helden, um die immer mächtiger werdende Unterwelt und feindliche Aggressoren aus dem Ausland zu bekämpfen. Die „Minutemen“ waren geboren. Doch nach anfänglichen Erfolgen bekommt die ehemals eingeschworene Gemeinschaft Risse. Die persönlichen Differenzen und verschiedenen Ansichten können im Laufe der dann folgenden Jahre nicht mehr überbrückt werden und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die ehemaligen Freunde zu Feinden werden.


    Meinung: Erst einmal vorweg: Wer noch nicht Alan Moores wegweisendes Comic „Watchmen“ gelesen oder Zack Snyders Hollywood - Verfilmung von diesem Meisterwerk gesehen hat, sollte es vor der Lektüre nachholen. Denn im Gegensatz zu Before Watchmen Paperback 2 – "Rorschach" bezieht sich das von mir gelesene Minutemen an vielen Stellen auf Moores und Snyders Werk. Sicher, ohne Vorwissen kann es auch problemlos gelesen werden. Aber dann wäre es „nur“ die abgründige Reise eines vielschichtigen und bunt zusammengewürfelten Haufens von Helden durch drei Jahrzehnte Superhelden-Comicgeschichte, Gesellschaft und Politik in den Vereinigten Staaten von America von den Dreißiger bis in die Sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts.


    Mit dem entsprechendem Vorwissen im Hinterkopf macht das Lesen dann aber noch weitaus mehr Spaß, weil man immer wieder in die Versuchung gerät, nach Spuren, Hinweisen und Überschneidungen zu Moores und Snyders Werken zu suchen - und sich darüber zu freuen, sie gefunden zu haben.


    So ist Minutemen eine große (angenehme) Überraschung unter den Comics, die ich im Genre der Superheldencomics bisher lesen durfte. Denn diese Geschichte überzeugte mich nicht nur wegen des interessanten Artworks, sie konnte mich vor allem erzählerisch fesseln. Da Darwyn Cooke einen großen Teil der Geschichte von dem Teammitglied Hollis Mason (Nite Owl) wie einen autobiografischen Roman erzählen lässt, las sich für mich der ganze Comic auch wie Roman, so dass ich weitaus länger mit der Lektüre beschäftigt war als sonst.


    Man findet sich übrigens sehr schnell zurecht in dieser fiktiven Welt, die so viele Gemeinsamkeiten mit unserer Realität aufweist, was sicher auch daran liegt, dass Zeichnungen, Text und Ideen mit dem Künstler Darwyn Cooke aus einer Hand kommen, so dass kaum Reibungsverluste bei der Verbindung von Wort und Bild beim Lesen entstanden. Das Artwork als solches lässt sich vielleicht aus einer Mischung des originalen Watchmen Comic (David Gibbons) sowie die Kunst von Mark Buckingham (Fables) und Jack Kirby beschreiben, wobei Cooke noch jede Menge zeichnerische Ideen einbaut, die mich mitunter echt staunen ließen.


    Es gibt kaum Minuspunkte zu vermelden. Sicher sind es die wohl zu dick aufgetragenen sexuellen Vorlieben der Figuren: SM, Kinderschänder, Lesben, Vergewaltiger, Schwule. Fast die gesamte Palette wird dem Leser geboten, was etwas zu viel des Guten war. Ferner hatte ich das Gefühl, dass das deutsche Lektorat, bzw. die Übersetzung nicht immer ganz sauber gearbeitet hat.


    Fazit: Ein vielschichtiger Superheldencomic, der nicht verpasst werden darf, vor allem nicht von denen, die Watchmen als Comic gelesen oder die Verfilmung gesehen haben.

    Das Amt des Dichters ist nicht das Zeigen der Wege, sondern vor allem das Wecken der Sehnsucht.



    H.H.

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