Helen Humphreys - Der vergessene Garten

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  • Inhalt:
    England 1941: Gwen Davies, Mitarbeiterin der Royal Horticultural Society, flüchtet sich nach dem Tod ihrer Mutter vor den Fliegerangriffen aus London und nimmt eine Stelle bei der Women's Land Army (Frauenlandarmee) an. Auf einem Landgut soll sie mit einer Gruppe junger Mädchen Kartoffeln für die hungernde Bevölkerung anbauen. Im Nachbargebäude sind kanadische Soldaten untergebracht, die dort auf ihren Einsatzbefehl warten.


    Anfangs hat Gwen große Schwierigkeiten, die Mädchen zur Arbeit zu motivieren, da diese lieber mit den Soldaten Picknicks und Tanzabende veranstalten wollen. Erst als Captain Raley, der Vorgesetzte der Soldaten, vorschlägt, die Zusammenkünfte als Belohnung anzubieten, geht die Arbeit im verwahrlosten Garten schließlich voran. Die Mädchen lassen sich später sogar für andere Projekte begeistern.


    Gwen, die durch den Tod der Mutter und das Bombardement Londons traumatisiert ist und sich anderen Menschen nur schwer öffnet, entdeckt auf dem Anwesen einen versteckten Garten, den ein früherer Bewohner dort für seine / ihre große Liebe angelegt haben muss. Sie macht sich daran, den Garten wieder in Ordnung zu bringen, die verborgene Botschaft aus den Blumen zu entschlüsseln und herauszufinden, wer den Garten angelegt hat. Je mehr der Garten im Verlauf von Frühling und Sommer aufblüht, desto mehr öffnet sich auch Gwen. Sie schließt Freundschaft mit Jane, deren Verlobter vermisst wird und auch mit Captain Raley, dessen feinsinnige Art sie anziehend findet.


    Meine Meinung:
    Gwens Geschichte, ihre Bemühungen um den Garten und die anderen Menschen auf dem Anwesen werden sehr einfühlsam geschildert. Nach und nach erfährt man Einzelheiten aus den Vorleben der einzelnen Personen, was die Mädchen dazu bewogen hat, sich der Women's Land Army anzuschließen, welche Schiksale sie hergeführt haben. Auch ein paar der Soldaten lernen wir näher kennen. Das Erzähltempo ist ruhig, es geschieht nichts wirklich aufregendes (sieht man von dem Geist, der Hühner stiehlt, einmal ab), und doch ist im Hintergrund immer die Bedrohung durch den Krieg spürbar.


    Gwens innere Entwicklung, die Überwindung ihres Traumas und ihre Öffnung den anderen Gegenüber zeigt sich an Kleinigkeiten. Gibt sie zu Beginn allen Mädchen die Namen von Kartoffeln, weil sie sich ihre richtigen Namen nicht merken kann, so werden die Kartoffelnamen im Laufe der Erzählung immer weniger, je besser sie die Mädchen kennenlernt. Auch der vergessene Garten nimmt immer mehr Gestalt an, und sogar das Rätsel um den Geist von Mosel wird gelöst.


    Der Schluß machte mich allerdings sehr traurig, denn die verträumten Sommertage, die einen das Grauen des Krieges fast vergessen ließen, werden jäh unterbrochen: die jungen Soldaten erhalten ihren Marschbefehl und auch andere offene Angelegenheiten nehmen ein ungutes Ende. Das ist aber auch der einzige Wermutstropfen an diesem wirklich schönen Buch.


    Fazit:
    Wundervolle Lektüre, ruhiges Erzähltempo, einfühlsame Charakterstudien :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    Verführung Volljähriger zum Bücherkauf sollte nicht unter 5 Jahren Stadtbibliotheksmitgliedschaft bestraft werden!

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