Stefan Gemmel - Sichelmond

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  • Klappentext:
    Bereits zum dritten Mal erwacht der 16-jährige Rouven in einer fremden Wohnung. Wie ist er dorthin gekommen? Und woher stammen die Kampfspuren? Ihm ist nur eines klar: Die eingebrannten Zeichen in den Türen haben etwas mit ihm zu tun, und er muss herausfinden, was dahintersteckt. Viel Zeit bleibt ihm nicht, denn die Polizei ist ihm schnell auf den Fersen. Zu seinem Glück trifft Rouven auf Tabitha. Sie hilft ihm bei der Suche nach Antworten, doch dabei nähert auch sie sich mehr und mehr einem furchtbaren Geheimnis ihrer eigenen Vergangenheit.

    Über den Autor (von Amazon.de):

    Stefan Gemmel, Jahrgang 1970, lebt in Lehmen an der Mosel. Viele seiner Kinder- und Jugendbücher sind bereits in 16 Sprachen übersetzt worden. Bekannt geworden ist er aber vor allem durch seine ungewöhnlichen Lesungen, Lesenächte und Workshops, die er in Schulen und Büchereien durchführt. Dabei bezieht er sein Publikum auf besondere Weise in Form von Rollenspielen, Sprachexperimenten oder Spontantheater mit ein. Seine große Leidenschaft gilt dabei immer dem Nachwuchs, den er zu fördern sucht. So unterstützt er junge Schreibtalente beim Verfassen von Texten oder sogar bei der Veröffentlichung ihrer Bücher und leitet Literaturprojekte und Schreibwerkstätten, in denen sich angehende Autoren erproben können. Für dieses ehrenamtliche Engagement und auch für seine originelle Art der Leseförderung wurde ihm 2007 das Bundesverdienstkreuz verliehen.


    Handlung:
    Es ist schon wieder passiert. Mittlerweile zum dritten Mal in einer Neumondnacht erwacht Rouven in einer ihm völlig fremden Wohnung. Und jedes Mal gibt es ähnliche Auffälligkeiten: Die Wohnungen scheinen gut betuchten Menschen zu gehören, sie sind völlig menschenleer, alles ist verwüstet, Rouven ist leicht verletzt und an den Türen sind Symbole zu sehen, die eingebrannt wurden: Ein Mond in Sichelform, eine Vogelkralle und ein Buchstabe. Das erste Mal war es ein "R", das zweite Mal ein "O" und nun ist es ein "U". Zumindest hat er nun die Anhaltspunkte, dass es vermutlich seinen Namen ergeben und es somit noch drei weitere Male passieren wird. Rouven kann gerade noch entkommen, da sich die beiden Ermittler Mayers und Tallwitz schon an seine Fersen geheftet haben. Es wurden nämlich nicht nur die Wohnungen verwüstet, sondern die Menschen die dort wohnten, sind spurlos verschwunden, weshalb man bei der Polizei an Entführungen glaubt. Doch die Gedächtnisaussetzer sind nicht Rouvens einziges Problem: Denn er weiß überhaupt nicht, wer er ist, wo er wohnt und wo er herkommt. Er hat überhaupt keine Erinnerung an seine Eltern, an Freunde, an Hobbies, ja, an gar nichts. Seine erste Erinnerung liegt gerade einmal ein paar Wochen zurück und da stand er vor der Tür zu einem verlassenen Wasserwerk. Dort hat er sich dann niedergelassen und kurze Zeit später eine ältere, verwirrte Frau aufgelesen. Die Frau, die er nun "Nana" oder "Großmutter" nennt, ist geistig in einem schlechten Zustand und spricht Rouven immer wieder mit einem anderen Namen an. Sie blieb bei ihm im Wasserwerk, kocht für ihn und scheint froh und glücklich zu sein, überhaupt jemanden zu haben, der für sie da ist. Als Rouven sein Missgeschick wieder passiert, dieses Mal mit dem "V", gibt es einen Unterschied: Ein verängstigtes Mädchen, das gefesselt wurde, blickt ihn an, als er aus seiner Ohnmacht erwacht. Wortlos scheinen sich die beiden zu verständigen und das Mädchen, das sich später als Tabitha rausstellt, flüchtet mit Rouven. Sie will ihm helfen, den Mysterien auf die Spur zu kommen. Doch die Zeit drängt, denn die Polizei kommt ihm immer näher, die nächsten Neumondnächte nahen und auch Tabitha umgibt ein düsteres Geheimnis, das den beiden einen regelrechten Schock versetzt....


    Meine Meinung:
    Der Klappentext hat mich auf Grund seiner mysteriösen Anspielungen sehr stark angesprochen und auf den ersten Seiten hat das Buch auch so ziemlich alles gehalten, was es versprochen hat. Man wird zu Beginn mitten in die Geschichte geworfen, gerade als Rouven wieder in einer Wohnung erwacht. Und gleich darauf muss er von der Polizei flüchten, was sehr spannend dargestellt wurde. Als dann Tabitha aufgetaucht ist, erfuhr man erst von der Tatsache, dass Rouven sein Gedächtnis fast komplett verloren hat und er sich nur an die letzten Wochen erinnert, was dem Buch noch einmal einen zusätzlichen Schub gab. Ab dann ging es leider stark bergab mit "Sichelmond". Das Geheimnis, das Tabitha umgibt, das ich aber hier nicht verraten möchte, erfährt man auch relativ früh. Dieses war aber keine wirkliche Überraschung, da man sich etwas in dieser Richtung schon kurz nach ihrem Auftauchen denken konnte. Nun drehte sich die Geschichte ziemlich im Kreis und kam nicht von der Stelle. Auch wenn man nach und nach immer wieder etwas mehr erfährt und sich Stefan Gemmel bemüht hat, den Leser bei der Stange zu halten, z.B. mit Details wie den Symoblen des Mondes und der Kralle, die immer wieder in unterschiedlichster Form aufgetaucht sind. Funktioniert hat dies bei mir allerdings nicht, stattdessen hat sich Langeweile breitgemacht. Eins der größten Problem waren die Charaktere, denn gerade die Hauptperson Rouven und dessen Begleiterin Tabitha blieben sehr blass. Sie hatten null Humor, ich fand sie ziemlich unsympathisch und das Bemühen, sie zumindest kämpferisch erscheinen zu lassen ist ebenfalls fehlgeschlagen, denn auf mich wirkten sie eher weinerlich. Einzige Ausnahme waren die beiden Polizisten, aus deren Sicht die Geschichte auch immer wieder geschrieben ist. Deren Dialoge und wie sie sich die Bälle zugespielt haben, haben mich sogar manchmal zum Schmunzeln gebracht. Die Nebenfiguren, z.B. die immer fröhliche Großmutter oder ein Professor, der von den Polizisten zu Rate gezogen wird, waren stattdessen viel zu überzeichnet.
    Das Buch ist mit einer Altersempfehlung von 13-16 Jahren angegeben. Ich weiß zwar nicht genau, nach welchen Gesichtspunkten dies festgelegt wird, aber für mich war "Sichelmond" ein reines Kinderbuch und für meinen persönlichen Geschmack ganz einfach zu harmlos. Ein 16jähriger, der vielleicht Bücher wie "Panem" von Suzanne Collins oder "Die Auserwählten" von James Dashner gelesen hat, die mit einer ähnlichen Empfehlung angegeben werden, könnte hier enttäuscht sein. Man hat nie wirklich das Gefühl, dass tatsächlich etwas Schlimmes passieren könnte. "Harry Potter" oder "Biss" sind im Vergleich zu diesem Buch die reinsten Teufelswerke! Die Figuren sind alle viel zu gut dargestellt, z.B. tut hier die ganze Zeit irgendjemand einer anderen Person total leid, auch aus den nichtigsten Gründen. Sogar den Polizisten wenn sie jemanden befragen müssen und derjenige etwas ängstlich reagiert. Später taucht auch ein Bösewicht auf, der aber leider auch ziemlich lächerlich wirkt und der Versuch, diesen durch möchtegern-coole Sprüche und pseudo-bösen Humor zu einem guten Schurken aufzubauen, ging völlig in die Hose. Auch die ganze Auflösung, wer Rouven eigentlich ist und wo er herkommt, hat mir überhaupt nicht gefallen. Es war zwar mal etwas Neues und durchaus Überraschendes, doch das muss ja nicht gleichzeitig bedeuten, dass dies auch Gefallen finden muss.


    Fazit: "Sichelmond" ist kein Buch, das ich weiterempfehlen könnte, da es nach starkem Anfang ziemlich schnell ziemlich stark nachlässt. Wer gerne "Tu-mir-nicht-weh"-Kinderbücher liest, kann zu meiner Wertung zusätzlich einen halben Stern addieren. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:

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