Alice Schwarzer (Hg.), Es reicht. Gegen Sexismus im Beruf

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  • Die vor einiger Zeit bekannt gewordenen sexistischen Äußerungen des deutschen Wirtschaftsministers Rainer Brüderle haben in der Öffentlichkeit eine breite Debatte ausgelöst über die vielen Belästigungen, die Frauen in der Berufswelt nach wie vor durch Männer ertragen.


    Alice Schwarzer hat dies zum Anlass genommen, in einem sehr schnell zusammengestellten Sammelband viele alte und etliche neue Texte dazu zu veröffentlichen. In einem Vorwort weist sie darauf hin, dass die Debatte um sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz nicht neu ist, sondern schon in den 1970 er und 1980 er Jahren geführt wurde, mit entsprechenden Konsequenzen in der Gesetzgebung.


    Viel der hier noch einmal dokumentierten Texte u.a. von Susan Brownmiller, Susan Faludi u.a. beschreiben die „erste Welle“ der Empörung und des Widerstands gegen sexuelle Belästigung von meist abhängigen Frauen durch Männer. Aktuelle Texte unter anderem von Anna K., die mit ihrem Buch über die Arbeitsbedingungen von Zimmermädchen Aufsehen erregte, Alice Schwarzer über den Fall Strauss-Kahn und Ursula von der Leyen beschreiben die „zweite Welle“ des Widerstands und der öffentlichen Debatte.


    Eine wichtige Leistung dieses Sammelbandes ist es, besonders jüngeren Lesern und Leserinnen die lange Geschichte (feministischen) Engagements gegen sexuelle Gewalt und Belästigung zu verdeutlichen. Eine Chronik am Ende des Buches verfolgt die Debatte bis in die Anfänge 1972 zurück. Die einzelnen Beiträge zeigen die Vielfalt und die Internationalität dieses nun schon Jahrzehnte dauernden Engagements.
    Ob die Übergriffe ein Generationenproblem sind? Werden sie mit den alten Männern weniger? Oder sind sie Teil der Macht, in die Männer kommen, und werden dann auch von Männern verübt, die wesentlich jünger sind? Dazu hat mich das Buch angeregt nachzudenken.

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