Joanne Harris - Himmlische Träume

Affiliate-Link

Himmlische Träume: Die Fortsetzung des W...

3.8|6)

Verlag: Ullstein Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 496

ISBN: 9783548286297

Termin: August 2014

  • Autorin


    Joanne Harris ist 1964 in der nordenglischen Stadt Barnsley geboren. Ihr Vater war Engländer, ihre Mutter Französin. Sie studierte Sprachen in Cambridge und arbeitete fünfzehn Jahre lang als Lehrerin. 1999 veröffentlichte sie ihren Roman „Chocolat“ mit dem sie den Durchbruch zur gefeierten Autorin schaffte. In deutscher Übersetzung ist neben ihren Schokolade-Büchern unter anderem im Ullstein Verlag der Roman „Blaue Augen“ erschienen.


    (Quelle: Autorenhomepage)



    Inhalt


    Vianne Rocher lebt mit ihren Töchtern auf einem Hausboot in Paris. Noch immer verzaubern ihre Schokoladenkreationen die Menschen. Eines Tages trifft ein Brief ein von ihrer alten Freundin Armande, die sie bittet, zurück in das kleine Dorf Lansquenet im ländlichen Frankreich zu kommen. Vianne soll sich um Armandes Haus und vor allem um den alten Pfirsichbaum kümmern. Und das Dorf braucht ihre Hilfe … Der Duft von Pfirsichen und ein verheißungsvoller Wind treiben Vianne und ihre beiden Töchter in Richtung Süden. Und wirklich, der kleine Ort ist zutiefst zerstritten, und ausgerechnet der Priester Reynaud scheint hinter allem zu stecken.


    (Quelle: Verlagsinfo)



    Meine Inhaltsangabe


    Vianne, die mit ihrer Tochter Anouk vor 8 Jahren das Dorf Lansquenet verlassen hat, erhält Post aus dem Jenseits. Genauer gesagt handelt es sich um einen Brief ihrer verstorbenen Freundin Armande, den ihr Enkel Luc erst zu seinem 21. Geburtstag, also lange Zeit nach Armandes Tod, an Vianne weiterleiten kann. In ihren Zeilen bittet Armande Vianne nach Lansquenet zurück zu kommen, um ihre Pfirsiche zu ernten und um Curé Reynaud beizu stehen, weil dieser Viannes Hilfe brauchen wird. Und das tut er wirklich. Als Vianne mit ihren Töchtern Anouk und Rosette nach Lansquenet zurückkehrt, findet sie das Dorf verändert vor. Es liegt Rauch in der Luft. Im Haus, in dem sie früher ihre Chocolaterie betrieb, war ein Brand ausgebrochen und der Curé wird beschuldigt diesen gelegt zu haben und ist deshalb vorübergehend seines Amtes enthoben.
    Auch sonst hat sich im Dorf einiges verändert. Seit eine schwarz verschleierte Frau nach Lansquenet gezogen ist, und bei den jungen muslimischen Frauen für das Tragen des Schleiers wirbt, ist das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen gestört. Als sich ein Mädchen im Fluss Tannes das Leben neben will, wird es ausgerechnet vom Curé gerettet. Dieser bringt das Mädchen kurzerhand bei Vianne unter, die im Haus ihrer alten Freundin Armande wohnt.
    Vianne kommt dem Wunsch ihrer verstorbenen Freundin Armande nach und erntet die Pfirsiche vom Baum neben deren altem Haus. Sie bringt Pfirsiche bei ihren muslimischen Nachbarn vorbei und lernt diese dadurch besser kennen. Nach einiger Zeit beginnt Jeanne, Schokolade herzustellen. Sie schafft es, jedem seine Lieblingsschokolade zu kreiieren und so durch den Zauber der süßen Köstlichkeiten die Herzen zu öffnen.


    Als der Curé erst zusammen geschlagen wird und später verschwindet, spitzt sich die Situation zwischen dem christlichen und dem muslimischen Ortsteil zu.



    Meine persönliche Meinung


    Joanne Harris schafft es in diesem gefühlvollen und sinnlichen Roman viele Saiten zum Schwingen zu bringen. Die reifen Pfirsiche kann man förmlich riechen und den sich drehenden Wind meint man selber um die Ohren pfeifen zu spüren. Vianne begegnet ihren Mitmenschen auf sehr offene und respektvolle Weise, so dass sie Zugang zu einer anderen Kultur findet.


    Das Buch handelt von Freundschaft, Liebe, Respekt, Annäherung, Tradition aber auch von Unterschieden, Leid und Schicksal. Um diesen Roman wie eine gute Schokolade zu genießen, sollte man ihn nicht schnell nebenbei lesen, sondern sich darauf einlassen und sich Zeit nehmen. Er bietet sehr viele Impulse, sich seine eigenen Gedanken zu machen und entwickelt dennoch zunehmend an Spannung.


    Die sprachliche Ausrucksweise unterstreicht die sinnlichen Inhalte und untermalt die schwelenden Konflikte aufs Treffendste. Die Entwicklungen im Dorf Lansquenet und im Ortsteil „les Marauds“, wo vor allem die muslimischen Einwanderer leben, werden aus zwei Perspektiven erzählt. Einmal aus der Sicht von Vianne, deren Kapitel mit einem kleinen Halbmond eingeleitet werden. Die andere Perspektive entspricht einer Art Beichte, in der der Priester Reynaud seine Erlebnisse einem Beichtvater erzählt. Seine Kapitel werden von einem kleinen Kreuz eingeläutet. Das Läuten hat auch eine sehr große Symbolkraft und steht dem Ruf des Muezzins aus dem Kamin einer alten Gerberei in „les Marauds“ gegenüber. Überhaupt lebt das Buch von vielen Parallelen, so haben alle wichtigen Personen jeweils in den beiden Ortsteilen ihre Gegenspieler mit ähnlicher Funktion für die jeweilige Gemeinschaft.


    Während sich der Konflikt anhand von immer wieder auftauchenden Wendungen relativ langsam zuspitzt, kommt es vor dem Showdown zu einer doch sehr plötzlichen Aussprache, die mich zwar sehr in ihren Bann gezogen hat, die aber für meinen Geschmack doch etwas sanfter hätte sein können. Der Schluss birgt neben der Handlung auch sehr wertvolle und wichtige Inhalte, er ist aber für mich doch etwas unglaubwürdig aufgebauscht. Ich sehe darin bereits etwas den Film, der möglicherweise geplant ist und der natürlich mit so einem richtigen Showdown attraktiver wird. Mir persönlich hätte zu diesem Roman ein ruhigerer Schluss besser gefallen.


    Für mich war das der erste Roman von Joanne Harris, dennoch bin ich sehr leicht in die Geschichte hineingekommen, da es stets wiederholt wird, wenn etwas an Information aus dem ersten oder zweiten Teil fehlt. Man kann diesen Band also sehr gut isoliert lesen, wenn man vorwiegend interessiert ist an der Thematik Toleranz und Respekt zwischen Christen und Muslimen. Falls man sich für die komplette Geschichte um Lansquenet interessiert, ist das Einhalten der richtigen Reihenfolge für das Lesevergnügen sicher förderlich.



    Mein Fazit


    Mit „Himmlische Träume“ ist Joanne Harris ein sehr schönes und sinnliches Werk zum Thema Toleranz, Respekt und Freundschaft gelungen. Man kann wunderbar eintauchen in das Leben eines kleinen Dorfes irgendwo in Frankreich. Ich habe diesen Roman sehr gerne gelesen und konnte viele Anregungen für eigene Gedanken mitnehmen. Das Ende war mir etwas zu dick aufgetragen, das hätte dieser ruhige Roman gar nicht nötig gehabt.


    Ein wunderschöner Satz zum Schluss, den im Buch eine ältere, schlaue, muslimische Omi spricht:


    „In einem Beutel Walnüsse sind es die leeren Nüsse, die am meisten Lärm machen.“



    Ich vergebe diesem Buch :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude. Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht. Ich handelte und siehe, die Pflicht ist Freude!
    Rabindranath Tagore (1861-1941)


    Lha gyal lo - Free Tibet!

    Wir sind grüüüüüün!!!!

  • Danke für die schöne Rezi. Genau genommen ist es der 3. Teil der Chocolat-Reihe - die ersten beiden fand ich wunderschön und werde sicher auch diesen Band noch lesen. Kaum ein Autor schreibt so schön über kulinarische Genüsse wie Harris.

    Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
    (Leonard Cohen)

  • Ich muss sagen, dass mich das Buch leider etwas enttäuscht hat. Es nimmt eine ungewöhnliche Wendung die ich für die Story selbst (wie ich sie aus Teil 1 kannte) als unpassend empfand.
    Hier meine Rezi aus vorablesen.de: (Natürlich große Spoiler Gefahr!)


    Alles in allem war ich leider enttäuscht. Nur die Tatsache, dass mir die Charaktere aus Teil 1 so sympathisch waren, lies mich das Buch fertig lesen…
    Und auch nur wegen den Charakteren und dem Schreibstil vergebe ich :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

Anzeige