Elisabeth Florin - Commissario Pavarotti trifft keinen Ton

Anzeige
  • Inhalt: In der idyllischen südtiroler Kurstadt Meran wird gemordet. Einer der reichsten Hotelbesitzer und Unternehmer der Stadt wird erschlagen am Abort einer Weinstube aufgefunden. Die Ermittlungen leitet der italienische Commissario Pavarotti.


    Unglücklicherweise heißt der füllige Polizist mit Vornamen auch noch Luciano und muss sich deshalb gerne mal Anspielungen auf den berühmten Opernsänger gefallen lassen. Pavarotti stößt bei der deutschsprachigen Meraner Kaufmannschaft aber auf Ablehnung und Schweigen. So bezieht er zähneknirschend die deutsche Urlaubsreisende Lissie von Spiegel in seine Ermittlungen ein. Die mach gerade Urlaub in der Stadt und hat den Toten am Nachmittag vor seiner Ermordung kurz in einem Weinlokal kennen gelernt. Sie soll nun als unverdächtige Neutrale bei den Meranern ein Auge und Ohr offen halten. Lissie kennt die Stadt gut aus ihrer Kindheit und ist begeistert von der Aufgabe, kann sie sich damit doch von ihren eigenen Problemen im Beruf und im Privaten ablenken. Entsprechend baut sie eigenmächtig schnell ihre Kompetenzen aus, was bei dem Commissario nicht unbedingt Begeisterung auslöst.
    Das ungleiche Paar rauft sich aber zusammen, fetzt sich dabei immer wieder sprachlich, und kommt verschiedenen Motiven auf die Spur. Der Ermordete war in unsaubere Immobiliengeschäfte mit italienischen Handelsketten verstrickt und wolle, aus Sicht seiner Meraner Kaufmannskollegen, den Ausverkauf der historischen Laubengasse einläuten. Seine Familie hat zudem in den so genannten Bombenjahren in Südtirol, als die italienische Regierung und die nach Autonomie strebende deutschsprachige Bevölkerungsschicht sich gewalttätig auseinander setzen, eine dubiose Rolle gespielt. Es heißt, die Familie habe Gefährten in der Autonomiebewegung damals verrate, was für diese Folter und Tod zur Folge hatte. Mit dem Blutgeld wurde das Unternehmensimperium dann begründet. Immer tiefer tauchen Lissie und Pavarotti in die Ermittlungen ein, als ein zweiter Mord geschieht. Der Vater des Toten wird ebenfalls umgebracht. Die Sache spitzt sich zu, Verrat und Manipulation werden immer offenkundiger, bis das Ermittlerpaar den Fall aufklären kann.


    Aufbau: Ein Schauplatz, Meran, bei dem die äußerliche Unbeschwertheit und der Verrat und die Intrigen im Hintergrund einen spannenden Gegensatz bilden. Das Ermittlerpaar, Commissario Pavarotti und Lissie von Spiegel, harmoniert gut und die Personen werden in die Tiefe gehend entwickelt. Dabei kommen scharfzüngige Dialoge aber auch ein Blick in die Vergangenheit und seelischen Wunden der Beiden nicht zu kurz. Bei der Erzählung in der dritten Person wird immer zwischen der Sichtweise von Pavarotti und Lissie von Spiegel gewechselt, so dass damit zusätzliche Dynamik in Handlung kommt. Besonders hervorzuheben sind die historischen Aspekte der Handlung, die interessant sind ohne in irgendeiner Weise zu bremsen. Vielmehr bilden sie einen brisanten Hintergrund für eine aktuelle Krimihandlung. Die verschiedenen Motivmuster (Immobiliengeschäfte, Bombenjahre, menschliche Manipulation) werden gut miteinander verwoben, so dass daraus ein mörderisches Gesamtbild entsteht.


    Fazit: Ein Buch, das vor allem ein guter und spannender Krimi ist. Schön geschrieben, zum Teil zum Schmunzeln, unterhält und fesselt es den Leser ausgezeichnet. Die offenkundig fundierte Recherche zur südtiroler Vergangenheit macht das Buch zusätzlich interessant. Ich habe die Autorin vor einigen Monaten mal kennengelernt und weiß, dass sie sich intensiv in die Materie eingearbeitet hat. Das Buch ist bestens für Krimifans allgemein und Südtirol Fans und Urlauber im Besonderen geeignet. Sehr empfehlenswert.

  • Ich habe mir das Buch in Bozen gekauft, also direkt vor Ort in Südtirol. Auf der Heimfahrt habe ich angefangen zu lesen und war begeistert. Die Handlung spielt in Meran, könnte aber genauso auch Bozen sein, denn auch da gibt es eine Laubengasse und das generellen Südtirol Flair trifft für Bozen genauso zu, auch wenn ich den Eindruck habe, dass Meran sogar noch etwas deutsch/österreichischer von der Anmutung ist.

    Die Figuren werden gut entwickelt, meine Sympathie gilt vor allem Pavarotti. Lissie ist etwas zickig (dass ich das als Frau mal schreiben würde...) in Kombination entstehen daraus sehr flotte und zum Teil richtig lustige Dialoge. Das Buch hat eine klar aufsteigende Spannungskurve: langsamer gleitet man in die Geschichte und die entwickelt sich dann immer rasanter. Ein klassischer Roman, der mich ein ganz kleines bisschen an Agatha Christie erinnert hat, weil er ohne Gewalt und Horror auskommt und statt dessen auf eine gut konstruierte Geschichte setzt.


    Die historischen Bezüge sind gut gelungen, auch wenn ich sie nicht unbedingt gebraucht hätte, Geschichte ist nicht so mein Ding. Aber zum Glück ist der Roman einfach spannend, witzig und sprachlich schön, so dass ich trotzdem vollkommen auf meine Kosten gekommen bin. Das Ende des Buches lässt vermuten, dass Lissie und Pavarotti vielleicht auch künftig gemeinsam auf Mörderjagd gehen werde. Ich freue mich darauf. Eine Randbemerkung noch, das Buchcover finde ich wunderschön. Heimelig und mit mediterranem Flair. Ich meine übrigens bei einem Tagesausflug nach Meran so eine Lampe wie auf dem Cover gesehen zu haben. Bin mir aber nicht ganz sicher, denn zu der Zeit hatte ich das Buch noch nicht. Vielleicht spielt mir die Erinnerung hier auch einen Streich.

  • Es gibt Bücher, die nimmt man mit großen Erwartungen in die Hand und muss dann Seie für Seite Abstriche davon machen. Es gibt auch solche, bei denen ist es genau andersherum. Das ist bei mir allerdings doch eher selten. Dieser Roman war so ein erfreulicher Fall. Eher aus Verlegenheit hatte ich mir das Buch zugelegt und war dann immer mehr beindruckt. Die Autorin kann ganz offenkundig mit Sprache umgehen, sie baut ihre Handlung langsam, ohne Aufregung aber sehr schön erzählt auf. Auch mit den Figuren gibt sie sich Mühe, die sind nicht nach Schablone gebaut, sondern haben Ecken, Kanten, Licht und Schatten und vor allem Tiefe. Am meisten hat mich aber die Handlung in den Bann gezogen. Selten habe ich bei einer deutschen Autorin so viele Motiv- und Handlungsebenen im Krimi angetroffen, die alle spannende und psychologisch stimmig erzählt werden. Das wird bis zum Schluß durchgehalten und hat mich für das Buch eingenommen. Außerdem habe ich noch eine Ecke der Welt entdeckt, die vorher überwiegend von mir ignoriert worden ist, aber das ist nicht der Kern meiner positiven Überraschung.

  • Titel: Commisario Pavarotti trifft keinen Ton
    Autorin: Elisabeth Florin
    Genre: Kriminalroman
    Erschienen: 12.03.2013
    Seitenzahl: 384 Seiten
    Format: Taschenbuch/eBook
    ISBN: 978-3954511228
    ASIN: B00BSCDFJM
    Preis: Print 10,90 Euro*/ebook 8,49 Euro*
    Kindle
    Verlag: emons Verlag



    Klappentext:
    Einer der reichsten Unternehmer Merans wirde tot im Hinterhof einer Weinstube aufgefunden. Der italienischstämmige Commissario Pavarotti und die deutsche Amateurdetektivin Lissie stehen vor einem Rätsel. Die Einheimischen haben die Reihen geschlossen und mauern eisern. Als auch der Vater des Toten stirbt, sieht es so aus, als hätte eine alte Schuld die Familie eingeholt. Lissie ist gezwungen, sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen ߝ bis schließlich die Berge über Meran das Geheimnis der Stadt und ihrer Bewohner preisgeben.


    Zum Buch:
    Das Buchcover fällt durch die schwungvoll, geschmiedete Straßenlaterne auf. Auf dem ersten Blick erkennt man jedoch nicht sofort, dass es sich hier um einen Kriminalroman handelt, wäre dies nicht unter dem Buchtitel aufgeführt. Der Titel des Buches ist geprägt und hebt sich vom Gesamtbild leicht ab. Insgesamt finde ich die Buchgestaltung sehr gut und gibt im Ganzen schon mal einen kleinen Einblick auf die Umgebung des Schauplatzes.


    Erster Satz:
    "Wie fühlt es sich an, wenn du glaubst, gleich sterben zu müssen?"


    Meine Meinung:
    Dies ist der erste Band über den italienischen Ermittler Pavarotti und der deutschen Amateurdetektivin Lissie und zeitgleich das Kriminaldebüt der Autorin Elisabeth Florin.


    Bereits auf den ersten 50 Seiten war ich der Umgebung von Meran (Südtirol) verfallen. Ohne vorab zu recherchieren hatte ich gedanklich ein festen Bild, welches sich später bestätigte. Als Leser spürt man hier sehr genau, dass die Autorin eine tiefere Bindung zu den Ortschaften pflegt und dies mit Herzblut an die Leser weitergibt. Doch dies wurde genau in der Mitte des Buches zu einem leichten Storykiller. Die Umgebungsbeschreibungen, sowie das Geschichtliche um die Stadt herum und der Bewohner von Meran, rückten in den Vordergrund und zog sich in die Länge. Der wesentliche Fall um den Mord und die Ermittlungen gerieten hier zeitweise aus den Augen und der Spannungseffekt blieb dabei aus.


    Direkt zum Anfang des Buches wurde mir der Commissar Pavarotti durch mehrere Bemerkungen gegenüber voluminösen Frauen unsympathisch. Zumal er selbst nicht gerade der Schlankste ist. Mit der Zeit wurde meine Antipathie besser. Doch er selber wurde mit der Zeit geschichtlich in den Schatten gestellt. Die Amateurdetektivin Lissie rückte ins Licht des Geschehens. Lissie mochte ich sehr und freute mich jedes Mal über ihre einzelnen Ermittlungserfolge, da es in diesen Handlungssträngen zu einem Fortschritt der Story kam.


    Auf den letzten 150 Seiten kam der Fall wieder mehr ins Geschehen und als Leser begann man selbst detektivisch zu forschen. Durch unvorhersehbare Wendungen hatte ich zu keinem Zeitpunkt einen klaren Verdacht und war überrascht über den Ausgang der Story, der plausible und authentisch von der Autorin dargelegt wurde.


    Trotz der Langatmigkeit im Mittelteil des Buches fand ich diesen Kriminalroman gut. Die Spannung hat mir hier allerdings gefehlt und ich hoffe, dass im zweiten Teil "Commissario Pavarotti küsst im Schlaf" mehr auf Spannung geachtet wird und die Ortsumschreibungen sowie die geschichtlichen Daten etwas in den Hintergrund rücken.


    Fazit:
    "Commissario Pavarotti trifft keinen Ton" ist das Kriminaldebüt der Autorin Elisabeth Florin, wo mit viel Herzblut die Ortschaft Meran/Südtirol mit eingebracht wurde. Mit einigen geschichtlichen Wendungen bleibt der Täter bis zur letzten Buchseite unermittelt. Ein unterhaltsamer Kriminalroman mit kleinen Schwächen, aber mit Potential nach mehr. Auf den Folgeband bin ich sehr gespannt und werde diese Kriminalreihe weiter verfolgen.


    Meine Wertung: 3,0 von 5 Blumen

Anzeige