Adam Nevill - Der letzte Tag

Anzeige
  • Der Autor:


    Adam Nevill, 1969, in Birmingham geboren, wuchs in England und Neuseeland auf und studierte an der Universität von St. Andrews. Nach seinem Abschluss war er in den verschiedensten Branchen tätig, bevor er sich dem Schreiben widmete. Unter anderem arbeitete er auch als Nachtwächter und Portier in exklusiven Londoner Apartment Häusern.



    Klappentext:


    Kyle Freeman, ein aufstrebender junger Dokumentarfilmer, erhält das beste Angebot seines Lebens: Er soll einen Beitrag über eine mysteriöse Sekte drehen, deren Mitglieder zusammen mit ihrer Anführerin Schwester Catherine ein grausames Ende fanden. Kyle und sein Kameramann Dan gehen an die Arbeit, doch bald machen seltsame Geräusche und merkwürdige Erscheinungen die Dreharbeiten zum Horrortrip. Schwester Catherine mag zwar tot sein, das hält sie aber noch lange nicht davon ab, Dan und Kyle die Hölle auf Erden zu bereiten ...



    Meine Meinung:


    Kyle, ein verschuldeter Indiefilmemacher, dem das Glück nicht gerade hold ist, bekommt von Max, einem sehr reichem Verleger und Verleiher, ein Angebot welches er, bei solch einer Bezahlung, nicht ablehnen kann. Er soll eine Dokumentation über eine Sekte drehen, welche sich in den 60er Jahren in London gegründet hat und Mitte der 70er in einem Massaker in den USA unterging.
    Was Kyle zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, ist dass ihn diese Dokumentation Dinge sehen lassen wird, die kein Mensch wirklich sehen sollte, er erringt Kenntnisse über Phänomene über die man einfach keine Kenntnisse haben sollte und es wird ihn geradezu in den Wahnsinn und an die Grenzen des menschlich Zumutbaren treiben.


    Der Klappentext ist definitiv überdramatisiert. Zu Beginn des Buches wird, wie gern üblich, natürlich erst einmal eine kleine Einleitung geschaffen, die die Protagonisten und in die Geschichte einführt. Es dauert dann auch nicht wirklich lange bis der erste Grusel sich blicken lässt und man hofft als Leser, dass es genau so weiter geht, denn bei den ersten Gruselmomenten handelt es sich um gut in Szene gesetzte Momente à la 'Blair Witch' oder 'Rec'. Im Halbdunkel hat man als Leser immer einen Blick auf die Tür.
    Leider verliert sich dieses Gefühl aber fast genau so schnell wie es gekommen ist. Der Autor kann leider diesen Grusel nicht wirklich aufrechterhalten. Das unbeschreiblich gruslige wird leider immer physischer. Am Ende hat man dann leider eine recht genaue Beschreibung davon.
    Die anfangs noch recht gruseligen Momente verkommen dann im Laufe der Geschichte auch immer mehr zu einer Art Actionsequenzen, bis hin zum finalen Showdown, der mich persönlich schon sehr an Szenen aus 'Alien' erinnert hat.


    Der Schreibstil ist sehr gut lesbar, allerdings hatte ich das Gefühl ,dass der Autor von dem Begriff 'Art-Déco' sehr angetan war ,vielleicht ist mir aber diese Wortwiederholung im Buch nur aufgrund der Auffälligkeit dieser Bezeichnung so aufgefallen.
    Die Hintergrundgeschichte der Sekte, das muss man dem Autor aber lassen, finde ich wirklich sehr gut konstruiert und glaubhaft. Sie würde sich sicherlich hervorragend für eine Verfilmung eignen. Die Darsteller sind in ihrem kleinen Handlungsrahmen nur einigermaßen glaubwürdig. Man wächst nicht wirklich mit ihnen zusammen, dazu bleiben sie zu blass. Selbst wenn sie sich in noch so bedrohlichen Momenten befinden, fiebert man nicht wirklich mit ihnen mit, dazu sind sie dann doch etwas zu flach gestrickt. Ab und an, so finde ich, ist Kyle, der Hauptcharakter, auch etwas undurchsichtig in seinem Handeln. [kl. Beispiel : Er will den Film machen (natürlich wegen dem Geld), erfährt dann immer wieder den Horror seines Lebens und will alles hinschmeißen. Einen Tag später ist dann alles wieder vergessen und er sieht nur noch den fertigen Film.]
    Auch haben mich zum Ende hin die doch recht andauernden Monologe und Erklärungen reichlich genervt, die Hintergrundgeschichte ist zwar sehr interessant und hat Potential, aber etwas weniger Erklärung und Ausschweifungen bei den Beschreibungen wäre sicherlich auch ausreichend gewesen. Zum Ende hin wird dann auch noch das Handeln auf die gesellschaftlich, moralische Art und Weise versucht zu rechtfertigen, was ich sehr übertrieben finde, vor allem wenn man die Geschichte bis dahin verfolgt, ist solch eine moralische Art meiner Meinung nach auch nicht nötig.


    Das Ende der Geschichte ist dann auch nicht ganz das was ich erwartet hatte. Das Buch gibt dem Leser zu Beginn das Gefühl in eine mystisches, dunkles, bedrohlich Geschichte abzutauchen, in der der Horror an der Tagesordnung ist, wo es vor bösen Geistern wimmelt, einem der Schrecken aus jeder dunklen Ecke und es für den Leser, wie auch für die Darsteller, wohl das Beste ist das Licht an zu lassen. Leider kommt es dann aber anders.
    Es artet alles etwas in eine Art skurrile, splattrige Monsterjagd aus und dann ist eben Schluss.


    Ich wollte diesem Buch zu Beginn und nach den ersten beiden Gruseleinlagen wirklich schon 4 Sterne geben, aber leider wird das jetzt nichts mehr. Das Buch verliert viel, wenn nicht sogar alles, von seiner bedrückenden Gruselstimmung und ist ab S. 150 zu langatmig, zu beschreibend , so dass es den Leser nicht bei Laune hält. Zum Ende hin, wenn überhaupt, ist es nur noch schockierend und brutal. Auch nerven die schier endlosen Erklärungen und Monologe im zweiten Teil des Buches.
    Da ich nun leider, auf Grund des Klappentextes, etwas anderes von der Geschichte erwartet hatte, wurde ich natürlich reichlich enttäuscht.
    Von mir gibt es jetzt nur noch eine Bewertung die irgendwo zwischen 'war ja fast ein Fehlgriff' und 'man kann es immerhin lesen' liegt.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb: Sterne

    "Ein gutes Buch ist wie ein erholsamer Kurztrip aus dem Alltag."
    »Verlass das Haus nie ohne ein Buch.« Edward Gorey
    "Zu Hause ist da, wo deine Bücher sind" SILBER - Kerstin Gier

Anzeige