Eric-Emmanuel Schmitt, Die Frau im Spiegel

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  • Seine zum Teil kleinen Bücher sind in den letzten Jahren einer größer werdenden Leserschar in Deutschland ans Herz gewachsen. Mich persönlich haben die beiden Bücher "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" und "Oskar und die Dame in Rosa" sehr gefallen. Nun, nachdem sein ehemaliger Verleger Ammann in Zürich aus Altersgründen seinen Verlag aufgegeben hat, erscheinen die Bücher Schmitts bei Fischer in Frankfurt.


    In diesem wieder einmal etwas dickeren Roman verfolgt Schmitt das Schicksal von drei Frauen, die in drei unterschiedlichen Epochen alle das Gleiche versucht haben. Sie sind auf der Suche nach sich selbst, spüren eine unbändige Lust am Leben und wagen eine Rebellion gegen das verordnete Leben aus zweiter Hand.


    Schmitt erzählt mit unterschiedlichen Stilmitteln drei voneinander unabhängige Frauenschicksale. Alle vereint, wie man es bei Schmitt kennt, der Unterschied des Lebens der Individuen in ihrer harten Realität und in ihren Träumen und Sehnsüchten nach einem freien, selbstbestimmten, vielleicht auch spirituellen Leben. Bei dieser Befreiungsarbeit aus ihren vorbestimmten Rollen wird eine Frau das ganze Buch durchziehend von einem Erzähler begleitet. Von einer zweiten hören und erfahren wir durch die Briefe, die eine Frau namens Hanna ihrer Freundin Gretchen schreibt.


    Das dritte Frauenschicksal berichtet von einer jungen und erfolgreichen Schauspielerin, die sich aus einem Leben aus Drogen, Alkohol und Sex zu befreien sucht, aber ihr Ziel nicht kennt.


    Hansjörg Schertenleib hat in seinem zur gleichen Zeit erschienenen Roman „Wald aus Glas“ etwas Ähnliches versucht, bleibt dabei aber mit seinen beiden aus ihrem verordneten Schicksal ausbrechenden und fliehenden Hauptfiguren in der Gegenwart.


    Beide Bücher sind poetisch-literarische Zeugnisse über ungelebte Träume, die Sehnsucht nach dem Glück und dem großen, starken Wunsch vieler Frauen nach Selbstbestimmung.

  • Klappentext:


    Zitat


    Drei Frauen, die in allen Facetten funkeln...


    Le Figaro Littéraire



    Eine Braut flieht vor ihrer Hochzeit, eine verheiratete Frau verrät in intimen Briefen ihr Geheimnis, eine junge Schauspielerin sucht hinter den vielen Masken und den Fallstricken des Glamours ihr wahres Selbst. Keine erkennt sich in der ihr zugewiesenen Rolle, jede sieht sich im Spiegel ihrer Sehnsucht als eine Andere, in einer Welt von verwirrender Schönheit und Tragik.


    Mit phantastischer Leichtigkeit gelingt es Eric-Emmanuel Schmitt in seinem neuen Roman, hinter diesen Spiegel zu schauen. Er schildert uns das Leben von drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und dren Schicksale durch einen einzigen Wunsch verknüpft sind - das betörende Gefühl. ganz bei sich zu sein.


    Eigene Beurteilung/Eigenzitat aus amazon.de:


    Drei interessante Frauen mit sehr ähnlichen Problemen in sehr unterschiedlichen Umbruchszeiten ihrer jeweiligen Kulturen - Brügge zur Reformationszeit, Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts und Hollywood gegen Ende der aktuellen Wirtscfahftskrise - werden hier vorgestellt, wobei neben der Darstellung des Außen- und Innenlebens der drei auch noch ihr jeweiliges Umfeld sehr detailliert und nachvollziehbar dargestellt wird. Die Auflösung religiöser Sicherheiten im Volksglaube und der Theologie zur Zeit der Reformation, die Veränderungen in Kultur Wissenschaft und Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Wien und der ständige Wandel der Unterhaltungsindustrie in Hollywood sind im Hintergrund stehende, aber durchaus gut gezeigte Protagonisten dieses Romans, die ihm eine Dichte und Fülle geben, die weit über die drei Einzelschicksal der Frauen hinaus gehen.


    Eric-Emmanuel Schmitt gelingt neben dieser Darstellung auch wunderbar die Verknüpfung dieser drei Figuren über die Jahrhunderte, wobei er Hanna in erster Linie durch ihre Briefe an eine Freundin aus Kindheitstagen sprechen lässt, was durch die Erzählsituationsverschiebung einen zusätzlichen Moment der Abwechslung bringt, der einen beim Lesen geradezu durch das Buch hindurch reißt. Dabei wird sein Prosa-Ausgangsthema der religiösen Identität aus seiner Reihe zum Unsichtbaren eng verknüpft mit den immer wieder auftauchenden Fragen nach Identität – so erinnert Anny in Teilen an den Protagonisten von „Als ich ein Kunstwerk wurde“ und anderen Grundthemen seines Schreibens.


    Ein überaus zufriedenstellender Roman, den man besser nicht am Spätnachmittag beginnt, da man sonst in der darauffolgenden Nacht wenig Schlaf findet. :thumleft::thumleft::thumleft::study:

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