Thomas Zirnbauer, Deutsche Literatur in 60 Minuten

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  • Thomas Zirnbauer weiß, wovon er spricht, wenn er in diesem kleinen handlichen Buch in der 60-Minuten-Reihe des Thiele Verlags von der deutschen Literatur spricht. Ist er doch seit vielen Jahren bei DTV für die Pressearbeit der Literatursparte tätig.


    Obwohl es mir nicht gelungen ist, dieses Buch in 60 Minuten zu lesen, muss man es dringend allen Literaturfreunden und allen Hobbyrezensenten ans Herz legen. Es ist eine ungewöhnliche und fantasievolle Einteilung, die er gewählt hat. Würden Sie etwa unter der Überschrift „Wir sind Weltmeister!“ eine komplette Übersicht aller deutschsprachigen Nobelpreisträger mit jeweiligen Kurzporträts vermuten?


    Es ist eine überaus originelle Kapiteleinteilung, die ungewohnte und überraschende Zusammenhänge herstellt. Die durch die Reihe vorgegebene Kürze hat bei vielen vorgestellten Autoren und Büchern bei mit jedenfalls dazu geführt, dass ich zuerst enttäuscht war, dann aber Lust bekam, mich weiter mit dem Autor zu befassen.


    Und genau das, so denke ich, hat Thomas Zirnbauer gewollt, als er sich auf dieses 60-Minuten Projekt eingelassen hat. Er will keine ambitionierte Literaturgeschichte, sondern will mit pfiffigen Überschriften und an manchen Stellen genialen Querverbindungen Menschen zum Lesen und Weiterlesen animieren, die sonst wenig mit Literatur zu tun haben. Über die notwendigerweise getroffene Auswahl zu streiten, wäre müßig. Dennoch: es hat mich sehr gefreut, dass Arno Geigers Romane „Es geht uns gut“ und „Der alte König im Exil“ eine gebührende Erwähnung finden.


    Ein Vorschlag: könnte man für eine weitere Auflage prüfen, ob man einige Seiten mehr dranhängt mit einem Namensverzeichnis der vorgestellten Autoren und einem Verzeichnis der erwähnten Bücher.

  • Klappentext:
    Die deutschsprachige Literatur gleicht einem reich bestückten Weinkeller. Mit diesem Buch wird zu (literarischen) Verkostungen eingeladen. Auf unterhaltsame und anschauliche Weise führt der Autor sein Publikum quer durch die Epochen und Genres. Er zeigt, was Gottfried von Straßburg und Theodor Fontane über die Jahrhunderte hinweg verbindet und was die Zeitgenossen Goethe und Novalis trennt.
    Thomas Zirnbauer folgt nicht der üblichen Chronologie, sondern wählt einen Ansatz, der neue Blickwinkel eröffnet: Große Schriftstellerinnen und Schriftsteller werden in thematisch ungewöhnlichen Kombinationen vorgestellt. In repräsentativen Ausschnitten entsteht ein ebenso anregendes wie fundiertes Bild einer Welt voller Geschichten, Poesie und faszinierender Autorenpersönlichkeite
    n. (von der Verlagsseite kopiert)


    Zum Autor:
    Thomas Zirnbauer (geboren 1971) studierte Germanistik, Geschichte und Buchwissenschaft in Regensburg und München. Mehrjährige Tätigkeit als Rezensent für Tageszeitungen und freier Mitarbeiter für Verlage. Publikationen zu Heimito von Doderer, Georg Britting und Alexandre Dumas. Heute arbeitet er als Pressereferent in einem großen Verlag in München. (von der Verlagsseite kopiert)



    Allgemeine Informationen / Inhalt:
    In acht Kapiteln nach persönlich formulierten Themen stellt der Autor die bedeutendsten deutschsprachigen Autoren mit ausgewählten Werken vor. Es kommen Romane ebenso zur Sprache wie Dramen oder Lyrik, aber auch Briefe, Fragmente und autobiographische Texte.
    Im Anhang stellt er fünf literaturgeschichtliche Werke mit Stichwort-Kommentaren vor.
    120 Seiten


    Eigene Meinung / Bewertung:
    Was das Buch nicht ist: Eine komprimierte Literaturgeschichte, mit der man sich in einer Stunde das Wissen aneignen kann, das man normalerweise nur durch zeitaufwändige Lektüre dicker Wälzer bekommt. Es ist auch keine chronologische Auflistung bedeutender Werke oder Schriftsteller im Sinne eines „Muss man gelesen haben“-Kanons.


    Es ähnelt vielmehr einem Streifzug durch eine vertraute Landschaft, bei dem man ständig Bekannten begegnet. Und so wie man alte Freunde manchmal zufällig trifft, folgt auch dieses Buch keinen eindeutigen Regeln oder strikten Richtlinien, wer wann und wo vorgestellt wird. Das macht es umso überraschender und lebendiger. Und ganz nebenbei entdeckt man Neues bei den Bekannten durch eine besondere Verknüpfung mit anderen Autoren, durch die Brille einer ungewöhnlichen Thematik oder Fakten, die noch nicht vertraut waren.


    60 Minuten Lesezeit – das ist nicht zu viel versprochen. Falls man nicht zum Bücherregal getrieben wird, um sich, angeregt durch das Buch, die guten alten Freunde näher zu betrachten und sich eventuell bei ihnen festzulesen – was aber durchaus der Intention des Autors entspricht.
    Trockene literaturtheoretische Überlegungen sucht man ebenso vergeblich wie eine Auflistung oder Ansammlung von allseits verbreiteten Daten. Daher ist das Buch in erster Linie denen ans Herz zu legen, die bereits Spaß an und Kenntnis von Literaturgeschichte haben.


    Leider fehlt ein Register. Sucht man irgendwann nach einem bestimmten Autor / Buch, hilft nur Blättern, weil die Kapitelüberschriften lediglich vage zuzuordnen sind.


    Fazit:
    Ein Buch, in dem Literaturgeschichte Vergnügen bereitet.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



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