Leonid Andrejew

  • Zeitgenosse von Tschechow und Biely, Tolstoi und Gorki, befindet sich Leonid Andrejew (1871-1919) in guter Gesellschaft!


    Erst durch einen Bibliothekar, der meine Russophilie beachtete, wurde ich vor drei, vier Jahren auf diesen etwas unbekannteren Autoren hingewiesen. Und dann las ich eine erste Erzählung auf Französisch, erkundigte mich auf französischen Literaturseiten und stellte fest, dass der Verlag José Corti gerade das erzählerische Gesamtwerk in fünf Bänden und neuer Übersetzung herausgebracht hatte. Immerhin circa 2500 Seiten !


    Ich besorgte mir den ersten Band « Le gouffre (Der Abgrund)» und verteilte die circa 40 Erzählungen aus einer ersten Schaffensperiode bis 1902 auf wohl ein gutes Jahr Lesezeit. Aber was für eine Entdeckung, was für ein Autor! So manches Mal dachte ich : Oh, welche Dunkelheit, welche Verzweiflung muss dieser Mann gekannt haben – und tatsächlich schaue man auf seinen Lebensweg , siehe unten! -, dass er so von innen heraus die Tiefen menschlichen Empfindens beschreiben kann. Da geht es an Abgründe heran, weswegen ich diese Lektüren auch nicht allen empfehlen würde.


    Dieser von mir gelesene erste Band seiner Erzählungen und Kurzgeschichten existiert SO nicht auf Deutsch. Dafür gibt es – siehe z.B. Amazon – andere Teilausgaben oder auch Anthologien auf Deutysch. Einige mag es recht günstig geben und dem Liebhaber russischer Literatur kann ich hier eine Entdeckung versprechen. Wohl sollte man auf einen gewissen Pessimismus vorbereitet sein, selbst wenn hier und da auch hier ein Licht aufleuchten mag und mal ein Hoffnungsschimmer erscheint !


    Nun aber zum Autor :


    Leonid Nikolajewitsch Andrejew (russisch Леонид Николаевич Андреев; * 9. Augustjul./ 21. August 1871greg. in Orjol; † 12. September 1919 in Mustamäki, Finnland, heute Russland) war ein russischer Schriftsteller.

    Andrejew verlor früh den Vater (1889) und war nach seinem Jurastudium in Sankt Petersburg für kurze Zeit als Anwalt in Moskau tätig, um für den Unterhalt der Familie zu sorgen. Ab 1897 arbeitete er als Journalist und Chronist, Gerichtsberichterstatter und Feuilletonist, im «Московский вестник» (Moskauer Boten) und im «Курьер» (Kurier). Am Ende der 90iger Jahre begann er Erzählungen und Theaterstücke zu schreiben, die gelesen und gespielt wurden. 1902 heiratet er A.Veligorskoi.


    Wie die Mehrheit der russischen Intelligenz sympathisierte auch er mit der Revolution 1905, nach deren Scheitern wandte er sich allerdings den konservativen Kräften zu. Diese Entwicklung und der Tod seiner Frau (1906 ; er hatte mit ihr zwei Söhne) führten bei Andrejew zu einer pessimistischen, irrationalen Geisteshaltung, die durch den Einfluss von Schopenhauer, Hartmann, Nietzsche, Tolstoi und Dostojewski noch verstärkt wurde. Auch Edgar Allen Poe und Jules Verne beeinflußten ihn sehr. Seine anfangs realistische und expressionistische Erzählweise verdüsterte sich zunehmend, er wurde immer sarkastisch-resignierender. Er vereinte in sich Schüchternheit und Wut, Selbstmordgedanken und Alkoholabhängigkeit. Aber auch einen seltsamen teils dunklen Mystizismus.


    Er lebte eine Zeitlang bei Gorki auf Capri und heiratete erneut 1908. Drei Kinder entsprangen der zweiten Ehe. Er kennt einen gewissen Erfolg, bevor er ab circa 1909 in Vergessenheit gerät.

    Nach der von ihm abgelehnten Revolution 1917 wanderte Andrejew mit kurzen Zwischenaufenthalten in Deutschland und Frankreich nach Finnland aus, wo er 1919 nur 48-jährig auf seinem Landsitz Terijoki verstarb. Er ist nach Umbettung seines Grabes nun auf dem Volkovo-Friedhof von Sankt Petersburg begraben.


    Er war ebenfalls Photograph.
    (Quellen : http://de.wikipedia.org/wiki/Leonid_Nikolajewitsch_Andrejew ; http://fr.wikipedia.org/wiki/Leonid_Andre%C3%AFev ; http://ru.wikipedia.org/wiki/%…0%D0%B5%D0%B2%D0%B8%D1%87 ;der französische Verlag José Corti: http://www.jose-corti.fr/auteursetrangers/andreiev.html , der in diesen letzten Jahren das Gesamtwerk in neuer Übersetzung herausgebracht hat.)


    DAS WERK :


    Рассказы/Erzählungen
    1898 — Баргамот и Гараська
    1898 — Из жизни штабс-капитана Каблукова
    1898 — Защита
    1898 — Алёша-дурачок
    1899 — Ангелочек
    1899 — Друг
    1899 — Большой шлем (dtsch : Der große Schlemm)
    1899 — У окна
    1899 — Петька на даче
    1899 — Мельком
    1900 — Ложь (dtsch : Lüge)
    1900 — Молчание (dtsch : Das Schweigen)
    1900 — Рассказ о Сергее Петровиче
    1900 — В тёмную даль
    1901 — Жили-были
    1901 — Бездна
    1901 — Буяниха
    1901 — Кусака
    1901 — Случай
    1901 — Стена
    1901 — Иностранец
    1901 — В подвале
    1902 — В тумане (dtsch : Im Nebel)
    1902 — Город
    1902 — Предстояла кража
    1902 — Мысль (Der Gedanke)
    1904 — Вор таракашка
    1904 — Красный смех (dtsch : Das rote Lachen)
    1904 — Нет прощения
    1905 — Губернатор (dtsch : Der Gouverneur)
    1905 — Христиане
    1905 — Марсельеза
    1906 — Так было
    1906 — Елеазар
    1907 — Из рассказа, который никогда не будет окончен
    1907 — Тьма (Dtsch : Finsternis)
    1908 — Иван Иванович
    1908 — Рассказ о семи повешенных (dtsch : Die Geschichte von den sieben Gehenkten)
    1909 — Сын человеческий
    1910 — Рассказ змеи о том, как у неё появились ядовитые зубы
    1911 — Правила добра
    1913 — Земля
    1913 — Он (Рассказ неизвестного)
    1913 — Полёт
    1914 — Герман и Маргарита
    1915 — Ослы
    1916 — Два письма
    1916 — Жертва
    1916 — Таракашка

    Пьесы/Stücke :
    1906 — К звёздам (Dtsch : Zu den Sternen)
    1907 — Жизнь человека (пьеса)
    1907 — Савва
    1908 — Царь Голод
    1909 — Анатэма (dtsch : Anathema)
    1909 — Дни нашей жизни
    1910 — Анфиса
    1910 — Gaudeamus
    1912 — Екатерина Ивановна
    1914 — Мысль (dtsch : Der Gedanke : Geschichte eines Verbrechens)
    1915 — Тот, кто получает пощёчины

    Романы и повести/Romane und Novellen
    1903 — Жизнь Василия Фивейского
    1905 — Губернатор (Der Gouverneur)
    1907 — Иуда Искариот и другие (dtsch : Judas Iskariot)
    1911 — Сашка Жегулёв
    1916 — Иго войны (dtsch : Das Joch des Krieges)
    1919 — Дневник Сатаны (не окончен)


    Hier ein Portrait des Schriftstellers von Repin (es gibt z.B. Auf google Bilder noch manch andere Photos und Bilder von ihm) :
    http://www.google.fr/imgres?q=…0&ved=1t:429,r:3,s:0,i:92


    Ich verlinke einfach mal eine Ausgabe von Erzählungen des Autors aus dem Aufbau-Verlag :
    Gebundene Ausgabe: 691 Seiten
    Verlag: Aufbau-Verlag (1986)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3351000049
    ISBN-13: 978-3351000042