(Druck)Fehler in Büchern

  • Ich muss gerade ein bisschen grinsen: In Bernard Cornwells "Schattenfürst" werden neue Begriffe bzw. Wörter erfunden. Auf "was keine Wirkung zeitigte" bin ich schon zweimal gestoßen, und vorhin mussten die Speerkämpfer beim Überqueren der Meeresbucht um ihr Leben pützen. :loool:

  • Ich muss gerade ein bisschen grinsen: In Bernard Cornwells "Schattenfürst" werden neue Begriffe bzw. Wörter erfunden. Auf "was keine Wirkung zeitigte" bin ich schon zweimal gestoßen, und vorhin mussten die Speerkämpfer beim Überqueren der Meeresbucht um ihr Leben pützen. :loool:

    "Zeitigen" im Sinne von "nach sich ziehen" oder "hervorbringen" kenne ich allerdings. Glaube, die Wendung wurde in der gesprochenen Sprache zu "Wirkung zeigen" abgeschliffen.

    "Pützen" kannte ich noch nicht. Es gibt allerdings in der Schiffsfahrt einen Schöpfeimer namens "Pütz". Sollte es ein Verb "pützen" geben, was bedeutet, mit der Pütz Wasser aus einem voll Wasser gelaufenen Schiff schöpfen? Scheint mir wenn ja aber äußerst ungebräuchlich und ohne Erklärung auch eher unverständlich. Man wird etwas unnötig im Lesefluss aufgehalten.:winken:

    David Lynch & Kristine McKenna "Traumwelten" (189/746)

    Blaise Cendrars "Auf allen Meeren" (420/549)

    Philip Whalen "Nachspielzeit" (32/170)

    Beat Brechbühl "Geschichten vom Schnüff" (15/175)


    Jahresbeste: Denton Welch (2018), Willa Cather (2017), Adrian Tomine (2016), Derek Raymond (2015), J. Agee (2014), K. Kesey (2013), J. Nisbet & R. Ford (2012) :king:
    Gelesen: 96 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Buchkauf: Georgi Gospodinov "Physik der Schwermut" (22.9.)

  • Wirkung zeitigte

    So was nennt man dann wohl "doppelt gemoppelt" :lol: Ist mir aber auch schon begegnet.

    beim Überqueren der Meeresbucht um ihr Leben pützen

    So ist es, wenn Autoren besonders kreativ sein wollen. Aber da eine Pütz ein Eimer ist, kann man auch hier einen gewissen Sinn erkennen. :totlach:


    Edit: Jean van der Vlugt war ein bisschen schneller als ich.

    Gelesen in 2018: 7 - Gehört in 2018: 6 - SUB: 352


    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)

  • Ich muss gerade ein bisschen grinsen: In Bernard Cornwells "Schattenfürst" werden neue Begriffe bzw. Wörter erfunden. Auf "was keine Wirkung zeitigte" bin ich schon zweimal gestoßen, und vorhin mussten die Speerkämpfer beim Überqueren der Meeresbucht um ihr Leben pützen. :loool:

    "Zeitigen" im Sinne von "nach sich ziehen" oder "hervorbringen" kenne ich allerdings. Glaube, die Wendung wurde in der gesprochenen Sprache zu "Wirkung zeigen" abgeschliffen.

    Ich kenn es auch, allerdings wird der Begriff heute wohl eher selten noch gebraucht. Aber er ist sprachlich eindeutig korrekt.

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Tad Williams - The Witchwood Crown
    :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (Langzeit-MLR)

    :study: Yuval Noah Harari - Homo Deus (Bücherwürmer-Langzeitprojekt)

  • Da wären zumindest Fußnoten hilfreich gewesen. :wink:


    Der Erzähler verwendet eigentlich eine recht moderne Sprache, so dass ein Glossar sich wohl nicht gelohnt hat. "Zeitigen" kannte ich nicht, hat m. M. auch nichts mit "zeigen" zu tun, aber das sind halt die Veränderungen über die Jahrhunderte. Und was "Pützen" angeht, so hat mir das gut gefallen, wirkt für mich nach der Erklärung aber ein bisschen gewollt, denn die Speerkämpfer (zu denen der Erzähler gehört) sind alles andere als Seebären.

  • Yael Genau, man erwartet ja eher Speerkämpfer-Fachsprache!:wink:

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  • Die 16-jährige Hauptfigur Ree Dolly besucht ihre beste Freundin Gail Lockrum zu Hause. Beim Eintreten werden Gails Haare wie folgt beschrieben (S. 43f.):

    Zitat
    Ihr langes Haar war glatt und leicht rötlich, es passte zu den Sommersprossen auf Nase und Wangen.

    In der gleichen Szene kurz darauf stellt Ree fest, dass Gail Kletten im Haar hat und will sie entfernen. Die entsprechende Stelle (S. 46f.) liest sich wie folgt:

    Zitat

    Gail ließ den Kopf sinken, und Ree beugte sich vor, griff mit den Fingern zwischen ihre langen Locken, zog Strähnen durch die Fingerspitzen, beugte sich noch weiter vor und atmete ihren Duft ein.

    Glatt? Locken? In der Romanverfilmung hat Gail jedenfalls Locken.

    David Lynch & Kristine McKenna "Traumwelten" (189/746)

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  • Hallo


    Wären die Stellen weiter auseinander würde ich vermuten, dass sie ihre eigentlich glatten Harre lockig frisiert hat (evtl. einfach Zöpfe geöffnet hat oder ähnliches), aber so?


    Liebe Grüße,

    die Brillenschlange

    "Märchen schreibt die Zeit..." - Madame Pottine ("Die Schöne und das Biest")


    Buchstaben sind eine tolle Sache, man kombiniert ein paar und schon hat man ein Wort, aus Worten kann man Sätze bilden und aus Sätzen ganze Geschichten...

  • Hier wird innerhalb von ein paar Seiten aus einer Armverletzung eine Beinverletzung.

    Zitat

    Sie tupfte die Wunde aus Samms Arm ab. Vales Kugel hatte eine blutige Furche hinterlassen und den Trizeps verletzt.

    Eine Seite weiter ist es noch immer der Arm.

    Zitat

    >>Reich mir Deinen Arm <<sagte Sie >> Ich muss Ihn verbinden<<

    Und ein paar Seiten weiter ist es ganz selbstverständlich mit einmal das Bein. schaut hier!

    Zitat

    >>keine Morde mehr<< schrie Samm Kira und Heron sahen Ihn an. Er kämpfte die Schmerzen seiner Beinverletzung nieder und richtete sich auf.

    Ich finde die Buchreihe wirklich toll, aber solche Fehler dürfen einfach nicht passieren. Das stört das Kopfkino den Lesefluss und überhaupt alles.

    So etwas stinkt mir immer gewaltig.

  • Ich höre gerade dieses Hörbuch und bin etwas irritiert. Es geht dabei um eine Situation kurz vor Ausbruch des deutsch-französichen Krieges 1870, nämlich die 'Emser Depesche'. In diesem Zusammenhang fällt des öfteren der Name des damaligen preußischen Ministerpräsidenten Bismarck. Und zwar wird er mehrmals bezeichnet als 'Otto Graf Bismarck'. Für mich hört sich das falsch an, ich würde sagen, er hieß 'Graf Otto von Bismarck' (Fürst wurde er erst 1871).

    Otto Graf Bismarck wäre meiner Meinung nach erst ab 1919 die richtige Bezeichnung gewesen, da damals der Adel abgeschafft und der Adelstitel Namensbestandteil wurde.

    Wer weiß genaueres? Wie war die korrekte Bezeichnung für den preußischen Ministerpräsidenten im Jahr 1870?

    Ich bin wahrscheinlich ziemlich pingelig, aber das ganze hat mich so irritiert, dass ich eine ganze Weile unaufmerksam war und etliche Male zurückspulen musste.

  • Ich höre gerade dieses Hörbuch und bin etwas irritiert. Es geht dabei um eine Situation kurz vor Ausbruch des deutsch-französichen Krieges 1870, nämlich die 'Emser Depesche'. In diesem Zusammenhang fällt des öfteren der Name des damaligen preußischen Ministerpräsidenten Bismarck. Und zwar wird er mehrmals bezeichnet als 'Otto Graf Bismarck'. Für mich hört sich das falsch an, ich würde sagen, er hieß 'Graf Otto von Bismarck' (Fürst wurde er erst 1871).

    Otto Graf Bismarck wäre meiner Meinung nach erst ab 1919 die richtige Bezeichnung gewesen, da damals der Adel abgeschafft und der Adelstitel Namensbestandteil wurde.

    Wer weiß genaueres? Wie war die korrekte Bezeichnung für den preußischen Ministerpräsidenten im Jahr 1870?

    Ich bin wahrscheinlich ziemlich pingelig, aber das ganze hat mich so irritiert, dass ich eine ganze Weile unaufmerksam war und etliche Male zurückspulen musste.

    Es kommt darauf an. Bei direkter Anrede / Ansprache kann das von weggelassen werden.

    Gelesene Bücher Stand 16.09.2018:

    83 Bücher | 25.028 Seiten | ø 97,01 Seiten pro Tag


    Für mich ist der Inhalt eines Buches wichtig, nicht das Medium. Ich brauche keine Geruch nach Papier und Leim, um in eine Geschichte einzutauchen.
    Wir nutzen schließlich auch ein Telefon zur Kommunikation und nicht die Buschtrommel weil sie schön nach Holz und Leder richt.
    :study:

  • Graf Otto von Bismarck

    Ich habe jetzt ein paar Seiten über Bismarck gelesen und überall wird das "Graf" vorangestellt.

    Aber ich kann Dich gut verstehen. Über solche Kleinigkeiten stolpere ich auch gern. :wink:

    Bei direkter Anrede / Ansprache kann das von weggelassen werden.

    Wenn ich die Sache richtig verstanden habe, geht es weniger um das "von" - das besaß er von Geburt an - sondern darum, ob die Adelsbezeichnung vor- oder nachgestellt wird.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • Ein Adelstitel bezieht sich auf das Familiengeschlecht, berücksichtigt jedoch auch die Region oder das Land, auf das sich der Titel bezieht und wird den dort üblichen Gewohnheiten nach verwendet.


    Für Bismarck sind folgende Bezeichnungen gültig:

    Otto von Bismarck

    voller Name: Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen


    Die Adelstitel wurden wie folgt verwendet:

    ab 1865: Otto Graf von Bismarck-Schönhausen

    ab 1871: Otto Fürst von Bismarck

    ab 1890 auch Otto Herzog zu Lauenburg


    Es spielt auch eine Rolle, ob du den Titel erbst oder verliehen bekommst und ist ebenfalls von Land zu Land unterschiedlich.

    Und heute, wo in vielen Ländern der Adel abgeschafft wurde, sind es oftmals nur mehr Namensbestandteile:

    z.B. Otto von Habsburg, der sich eine Zeitlang nur im Ausland aufhalten konnte und dort u.a. als Otto von Österreich firmierte.


    Der schwerdische König heißt z.B. voll tituliert: Seine Majestät König Carl XVI. Gustaf von Schweden

    (Man spricht das auch so aus: Carl der 16. Gustav...)


    Wer will kann ja mal spaßeshalber sämtliche Titel der englischen Königin durchgehen: hier klicken


    Bridgeelke Bei Anreden, wie Marie schon geschrieben hat, ist es wieder anders. Es zählt hier auch das regional- oder landesübliche und Bismarck, davon ist auszugehen, hatte sicher auch seine eigenen Dünkel, wie er angesprochen werden wollte.





  • Vielen Dank, dass Ihr Euch mitten in der Nacht Gedanken über meine Problemchen gemacht habt! :)


    Ich habe jetzt ein paar Seiten über Bismarck gelesen und überall wird das "Graf" vorangestellt.

    So sehe ich das auch:
    bis 1919: Titel - Vorname - (von, zu, von und zu usw.) - Nachname

    ab 1919 Vorname - Titel, (von usw.) als Namensbestandteil - Nachname


    Ich bin ja ein älteres Semester und habe noch unseren Grafen-Minister miterlebt. Da ich das Buch höre, hatte ich nicht die gesamte Schreibweise vor Augen und deshalb kam erschwerend hinzu, dass ich die Sprecherin bei 'Otto Graf ...' gedankenschnell mit "Lambsdorff" ergänzte und zusammenzuckte bei "Bismarck". Für mich ist und bleibt Bismarck "Fürst (bzw. Graf) Otto von Bismarck". Den Otto Graf Bismarck empfinde ich als (umgekehrten?) Anachronismus, da die Menschen 1870 meiner Meinung nach den Grafen als Titel IMMER vorangestellt haben/hätten und nicht als Namensbestandteil. Und somit wären wir wieder beim schlampigen Lektorieren. Oder wissen es die Lektoren heutzutage nicht besser?


    Mein Sohn würde jetzt sagen, dass es mir sehr gut gehen muss, wenn das meine Probleme sind. Aber bei Euch kann ich mich ja darüber auslassen. :wink:


    Vielleicht sollte ich statt der Familiengeheimnis-Historien-Verzällche nur noch gute Historienromane lesen oder besser mehr SF und spannende Krimis :lol:

  • mehr SF und spannende Krimis

    Und Du glaubst tatsächlich, dass Du dann hier nichts mehr posten musst. :-,

    wenn das meine Probleme sind

    Solche Mini-Fehlerchen habe ich gestern Abend auch gefunden und zwar zwei einem Abschnitt: In der Erzählung "Karfreitag" heißt es: "Der Priester trägt eine rote Soutane. Sie (=Protagonistin) mag den immer gleichen Ablauf der Messe, ..." (S. 97)


    1. Rote Soutanen tragen nur katholische Kardinäle, und eine Soutane ist das "Alltagsgewand", das nicht als Gottesdienstbekleidung getragen wird.

    2. An Karfreitag wird nie eine Messe gefeiert, sondern eine Karfreitagsliturgie, die es nur an diesem einen Tag im Kirchenjahr gibt.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • Mit solchen Kirchen-Fehlern kann man mich auch auf die Palme bringen. Irgendwo gab's mal den Schlusssegen gleich nach dem Sanctus *ARGH*


    Der Unterschied zwischen Soutane und Messgewand ist jetzt auch nichts so Schwieriges, oh Mann ...

  • Mit solchen Kirchen-Fehlern kann man mich auch auf die Palme bringen.

    Hast Du schon "Illuminati" von Dan Brown gelesen? Nirgends habe ich schlimmere Kirchen-Fehler gelesen, v.a. auf die Historie und die Kirchengesetze bezogen. :roll:

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • Mein Sohn würde jetzt sagen, dass es mir sehr gut gehen muss, wenn das meine Probleme sind. Aber bei Euch kann ich mich ja darüber auslassen. :wink:

    Es geht ums Prinzip und da darf man sich solche Luxusproblemchen leisten. :mrgreen:

    Gelesene Bücher Stand 16.09.2018:

    83 Bücher | 25.028 Seiten | ø 97,01 Seiten pro Tag


    Für mich ist der Inhalt eines Buches wichtig, nicht das Medium. Ich brauche keine Geruch nach Papier und Leim, um in eine Geschichte einzutauchen.
    Wir nutzen schließlich auch ein Telefon zur Kommunikation und nicht die Buschtrommel weil sie schön nach Holz und Leder richt.
    :study:

  • Mit solchen Kirchen-Fehlern kann man mich auch auf die Palme bringen.

    Hast Du schon "Illuminati" von Dan Brown gelesen? Nirgends habe ich schlimmere Kirchen-Fehler gelesen, v.a. auf die Historie und die Kirchengesetze bezogen. :roll:

    Da war nicht nur kirchlich gesehen viel Quatsch drin, ich sage nur "mit dem Sakko als Fallschirm aus dem Hubschrauber hüpfen" (ich fand's damals allerdings trotzdem ziemlich unterhaltsam, war mein erster Brown).


    Was mich auch immer total nervt: wenn die Übersetzungen von "Standardgebeten" wie dem Ave Maria misslingen, statt dass sich der Übersetzer einfach ein katholisches Gebetbuch besorgt und den gängigen Text da abpinselt.

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