Gabrielle Alioth - Die griechische Kaiserin

  • GabrielleAlioth schreibt in ihrem neuen Buch "Die griechische Kaiserin" über Theophanu, die Nichte des oströmischen Kaisers Johannes I. Tzimiskes aus Konstantinopel, Ehefrau des sächsischen Kaisers Otto II. und für 11 Jahre Mitkaiserin des römisch-deutschen Reiches um die Zeit 960 bis 991 nach Christus. Im Buch wird die Zeit von der Geburt Ottos III. bis zu ihrem Tod erzählt. Theophanu (kurz Thea), die nach dem Tode ihres Mannes selbst Kaiserin wird, um den Thron für ihren Sohn zu abzusichern, wird von der Autorin als sehr starke und mutige Frau dargestellt, die sich schon zu ihren Zeiten von Männern nichts einindoktrinieren lies, was sehr ungewöhnlich ist.


    Die Autorin Gabrielle Alioth stellt die tatsächlich gelebte Geschichte durch exzellente Recherchen sehr bildhaftdar und lässt auch die politischen Details nicht außer Acht. Es ist eine Lehrstunde über eine Zeit, die man im Geschichtsunterricht nur so ganz am Rande streift. Verschiedene Perspektiven, erzählt aus der Sicht von Theophanu, eines griechischen Astrologen namens Stephano, einer Amme des Thronfolgers Otto III. und Theophanus Schwägerin Mathilde, geben die damaligen Vorkommnisse jeweils aus einem anderen Blickwinkel wieder und machen so Geschichte lebendig.


    Wer einen historischer Roman sucht, wie man ihn eigentlich vermuten würde, der wird hier wohl enttäuscht sein. Wer aber gelebte Geschichte gut und detailgetreu nachlesen möchte, wird an diesem Buch nicht vorbei kommen.Gabrielle Alioth hat mir einige schöne Lesestunden beschert und gleichzeitig mein Interesse geweckt, mich wieder mehr mit der Historie meines eigenen Landes zu beschäftigen. Für jeden Liebhaber von Geschichte ein Lesemuss!


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    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
    _____________________________________________


    gelesene Bücher 2020: 432 / 169960 Seiten

  • Vielleicht sollte man noch darauf hinweisen, dass dies der zweite Band zu diesem Buch ist. Es wäre sicher sinnvoll, zuerst den ersten Teil zu lesen.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Man muss den ersten Teil nicht lesen. Das Buch ist vollkommen unabhängig lesbar. Es wird auch gar nicht auf das andere Buch hingewiesen.

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
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    gelesene Bücher 2020: 432 / 169960 Seiten

  • Zuerst zu dem Kommentar davor: Die Geschichten sind in sich abgeschlossen, also ist das Lesen des ersten Teiles nicht notwendig.


    Seit gestern frage ich mich nun schon, wie ich dieses Buch rezensieren soll. Auch darüber zu schlafen hat mich nicht sonderlich weitergebracht.
    Kennt ihr das? Einem fällt nichts positives zu dem Buch ein, aber trotzdem war es nicht ausnahmslos schlecht? Genau so geht es mir gerade und ich weiß nicht wie ich es am Besten benennen soll. Also werd ich mir nun mal etwas aus den Fingern saugen.


    Dieses Buch fiel für mich klar in die Schublade "kann man lesen, muss man aber nicht". Es ist ein sich ein gut recherchiertes und hauptsächlich auf Fakten beruhendes Buch. Vielleicht ist es auch das was mich gestört hat. Durch die wenig fiktive Handlung, kam man nur schwer in die Geschichte rein und auch eine gewisse Spannung konnte man nicht finden. Es war zu lesen, als ob man einfach mal so die Geschichte einer Familie runtergerattert hatte ohne große Hoch- und Tiefpunkte. Klar das Buch hatte auch seine emotionalen Momente, diese wiederrum waren so sachlich geschrieben, das sie einfach nicht ankamen. Dazu passend wäre eigentlich ein Hörbuch mit einem Erzähler, der das alles monoton runterrattert. Ich hoffe ihr versteht worauf ich hinaus will.
    So schwenke ich nun mal zu den Personen, zu Thea, Otto und Co. Diese Personen waren wie aus weiter ferne betrachtet, man konnte sie nie verstehen, und auch nicht mit ihnen leiden oder sich freuen, einfach weil man immer von der Autorin auf Distanz gehalten wurde. Ich finde selbst wenn das alles auf Fakten beruht, kann man es doch so gestalten, dass man trotzdem Nähe zu den Personen aufbauen kann.
    Was mich allerdings am meisten geärgert hat, waren riesen Zeitsprünge in dem Buch. Hat man gedacht das es nun zu einer Wende mit viel Intrigen, Verrat und Co. kommen müsste, wurde man enttäuscht, stattdessen gab es immer Zeitsprünge nach 5 Seiten von 2-3 Jahren und es wurde nur nacherzählt was in der Zeit alles geschehen ist. Also vollkommen ernüchternd.


    Seht ihr, das meinte ich, das klingt als sollte man das Buch zum beheizen benutzen, aber so war das ja gar nicht. Klar, ich werde es nicht behalten, aber es war wirklich nicht komplett schlecht.


    Ich versuche es jetzt mal aus Bildungs-Sicht zu sehen. Man konnte viel über das damalige Leben lernen und auch über viele historische Personen zu der damaligen Zeit hier im deutschen Raum, wo das Buch größtenteils spielt. (Okay, ich glaub ich mach mir grad selbst was vor, aber ich mach mal weiter) Ich habe vorher nie etwas von den handelnden Personen gewusst und habe auch nicht die Auffassung das ich etwas verpasst hätte. Denn irgendwie haben diese Personen nichts großartiges geleistet. Sie haben sich gegen Intrigen behauptet und all sowas, aber hat das damals nicht fast jeder?


    Mist, schon wieder auf der schlechtes Buch - Schiene... Ich glaube ich gebe es auf da was rauszuholen was nicht ist. grml...


    Fazit: Wer an historischen Fakten interessiert ist und nicht unbedingt Spannung braucht, sondern schlichtes erzählen, für den ist dieses Buch perfekt. Für mich allerdings war es schlichtes Lesen was ich als in Ordnung bezeichnen würde.


    2 Sterne, obwohl mir das richtig Leid tut, es hätte einfach so schön sein können

  • Der Roman handelt von Theophanu, die aus Konstantinopel stammend im Jahr 972 Otto II zu heiratet, sie war Mitkaiserin, bekam mehrere Töchter und 980 endlich den ersehnten Sohn, den späteren Otto III. Nach dem Tod ihres Ehemannes regierte sie für ihren Sohn. Die Geschichte setzt mit der Geburt des Thronfolgers ein (die Vorgeschichte hat die Autorin in ihrem Roman „Die Braut aus Byzanz“ erzählt).


    Gabrielle Alioth erzählt die Geschichte aus vier Perspektiven, aus der der Hebamme und späteren Kinderfrau Otto III, Martje, die die westliche Sicht sowie die des niederen Volkes und die des Aberglaubens jener Zeit repräsentiert, aus der des Astromonen Stephanos, den Theophanu aus Konstantinopel mitbrachte, er repräsentiert die östliche Sicht, außerdem deutet er die Sterne. Die dritte Perspektive ist der des Erzählers vorbehalten, der vorwiegend aus Theas Sicht berichtet. Als vierte Perspektive kommen die Briefe, die Ottos II Schwester, die Äbtissin Mathilde an Willigis, den Erzbischof von Mainz schreibt, diese sind stark politisch motiviert. Allein durch diese vier Perspektiven wird der Roman sehr komplex, ein Weiteres tut der sehr umfängliche historische Hintergrund dazu, der zwar eine große Rolle spielt aber nicht immer näher erläutert wird. Dadurch ist das Buch keine leichte Lektüre sondern setzt konzentriertes Lesen sowie darüber hinausgehendes Interesse an der Materie voraus. Im Anhang befindet sich neben einem ausführlichen Personenregister auch ein Stammbaum, beides ist für das Verständnis des Romans auch nötig. Wahrscheinlich wäre es auch sinnvoll, den Vorgängerroman zuerst zu lesen, da viele frühere Geschehnisse eine große Rolle spielen aber oft nur angedeutet werden. Da ich den erwähnten Roman bisher nicht gelesen habe, ist dies allerdings nur ein Vermutung.


    Was mir besonders gut gefällt, ist die Sprache des Romans, sie zieht einen direkt in ihren Bann. Auch die Erzählung aus verschiedenen Perspektiven gefällt mir sehr gut, sie macht die Geschichte interessanter und greifbarer. Weiterhin kommen einem dadurch die Charaktere näher. Diese bleiben zwar größtenteils nur oberflächlich erfahrbar, durch die Perspektivenwechsel erhalten wir allerdings doch in gewissem Maße Einblick in ihre Emotionen und Gedanken.


    Wer keinen lockerleichten historischen Roman erwartet sondern eher eine sehr gut recherchierte Romanbiographie,sich auf den geschichtlichen Hintergrund einlassen kann und bereit ist sich über den Roman hinaus zu informieren, erhält dafür einen sprachlich schönes Buch über eine interessante, kluge und starke Frau, die leider viel zu früh gestorben ist.


    Von mir 4 von 5 Punkten.