Eric-Emmanuel Schmitt - Das Evangelium nach Pilatus/L´Évangile selon Pilate

Das Evangelium nach Pilatus

4.1 von 5 Sternen bei 8 Bewertungen

Verlag: FISCHER Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 304

ISBN: 9783596174003

Termin: Oktober 2007

Klappentext / Inhaltsangabe: Ein Mann im Garten am Ölberg, allein, am Vorabend seiner Verhaftung. Die Worte der Mutter klingen ihm noch im Ohr: »Jemand, der liebt wie du, wird leiden müssen.« Ein schlechter Jude, ein schlechter Zimmermann. Er wartet auf die Soldaten, die ihn holen und abführen werden. Er wartet auf seine Hinrichtung. Ein anderer Mann, ein anderer Ort. Vielleicht fünfzehn Verhaftungen, nur drei Kreuzigungen, es hätten geruhsame Feiertage für ihn werden können. Doch dann verschwindet die Leiche eines der gekreuzigten Männer. Ganz Jerusalem ist erschüttert, die Menschen sprechen von Wunder und Auferstehung, manche sagen, der Gekreuzigte sei ihnen erschienen, oder man habe zumindest davon gehört. Pilatus hat wenig Verständnis für die jüdischen Verrücktheiten, die Lage muß beruhigt, der Tote muß gefunden werden, die Ermittlungen beginnen. Judas, der Verräter, Pilatus, der Henker, und Jesus das Opferlamm? – vergessen wir diese Rollenfestschreibung. Schmitt befreit die Protagonisten der Passionsgeschichte von jeder Überhöhung oder Vorverurteilung, haucht ihnen mit frischer Feder neues Leben ein und erzählt uns eine sehr vertraute Geschichte so spannend und neu, als hörten wir sie zum ersten Mal.
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  • So, ich habe das Buch gestern abend noch zu Ende gelesen und bin überaus erfreut davon. Ich hoffe, dass Eric im Zusammenhang mit dieser neuen Übersetzung wieder mal auf Lesereise in Deutschland geht.


    Zunächst erst einmal ein Eigenzitat:


    Zitat

    Wenn La Part de l´autre Eric-Emmanuel Schmitts Betrachtung des Bösen darstellt, so ist dieser Roman die davor stattgefunden habende Betrachtung des Guten. In diesem Roman begegne die Leserinnen und Leser den Protagonisten der Evangelien und zwar aus einmal aus der Perspektive von Jesus von Nazareth und dann aus der Perspektive von Pontius Pilatus in Briefen an seinen Freund Titus. Den ersten Teil habe ich bereits hinter mir und bekomme nun die Situation im römischen Besatzungsgebiet im Nahen Osten durch den zuständigen römischen Vertreter beschrieben. Was durchaus ungewöhnlich ist. Gegen Ende des Buchs findet sich wieder ein Arbeitstagebuch, wie wir es auch in dem Buch über Hitler finden, was uns noch eine weitere Perspektive auf die Ereignisse gibt. Sehr interessant, diese Anthropomorphisierung von Wundern.


    Der zweite Teil ist eine Art Antikriminalroman, wie Eric selbst sagt, in dem Pilatus verzeifelt bemüht ist, eine Leiche zu finden um Ruhe zu schaffen und gerade dies nicht gelingt. Pilatus, der hier als ziemlich gebildet und intelligent dargestellt ist, versucht zunächst auf verschiedene Arten und Weisen Jesus zu retten, bevor diesen das allgemein bekannte Ende ereilt (ich hoffe, das wird jetzt von niemanden als Spoiler betrachtet :wink: ) Und durch Pilatus Augen sehen wir auch die anderen in dieser Zeit aufkommenden philosophischen und weltanschaulichen Strömungen, die in der Anfangszeit mit dem Christentum in Konkurrenz stehen sollten.
    Wie in "La Part de l´Autre" ist das Werktagebuch dann eine überaus eigene Auseinadersetzung mit dem Thema und es erklärt einige der grundlegenderen Entscheidung - wie die Namensgebung der Protagonisten -in diesem Buch. EMMINENT LESENSWERT :cheers::thumleft: :thumright: :study: =D> \:D/

  • Am 04.11. um 20:30 liest Eric aus seinem Buch in der Mayerschen Buchhandlung auf der Kölschen Schildergasse. Leider kann ich nicht hin, weil ich für diesen Abend bereits Karten für das Jazzfestival in Leverkusen habe. Man kann sich nun mal nicht aufteilen :cry: Aber wer auch immer hingeht, ich wünsche Euch viel Spaß.

  • Er spricht nur französisch, weswegen ein Übersetzer dabei ist. Letztes Jahr habe ich ihn hier in Duisburg erlebt - wozu ich sagen muss, dass meine Französisch-Kenntnisse - nun - übersichtlich sind :mrgreen: Er wird wohl wieder mit seinem Bekannten im Wechsel lesen und das ist eigentlich eine nette sache - wobei mir Erics Vorlesestil besser gefällt, auch wenn ich mich mit dem Französischen schwer tue.

  • Hallo!


    Ich habe das Buch nunmehr auch ausgelesen und bin tief beeindruckt. Eigentlich kann ich mich den Gedanken von K.-G.Beck-Ewe nur anschließen und zustimmen.


    Es ist wohl - so stellt es E.E. Schmitt auch in seinem "Arbeitstagebuch" dar - ein sehr persönliches Buch. Ich möchte folgende Textstelle aus dem Buch - genauer gesagt aus dem angehängten Arbeitstagebuch zitieren:


    Zitat

    Meine Rechtfertigung ist der Zweck meines Buches: Ich will diesen Jesus lebendig, nah, intim wiederaufleben lassen, weil seine Gestalt im Lauf der Jahrhunderte hinter den Bildern verblasst ist, weil seine Worte nach unzähligen mechanischen Wiederholungen nur noch wie ein abgedroschener Refrain klingen, weil seine Taten in so vielen berühmten Gemälden erstarrt sind, dass sie nicht mehr gesehen werden, und weil die Kirchen, die zur Erbauung des Volkes einen beruhigenden, selbstsicheren, seiner Bestimmung bewussten Gott präsentieren wollten, seine Schreie, seine Zweifel und seinen Mut ignoriert und erstickt haben.


    Und das ist ihm gelungen! Es werden die "Menschen" gezeigt, nicht der abgehobene, unerreichbare Sohn Gottes, und nicht der "Mörder" Pilatus. Auch für Judas bietet er eine durchaus menschliche Rehabilitation an :wink:


    Es wird das Christentum in seinen ureigensten Ideen dargestellt, die sich leider im Laufe der Zeit in Dogmen, Zwängen und zwischenkirchlichen Glaubensstreitereien verloren haben.

    Herzliche Grüße
    Rosalita


    :study:
    Wenn das Schlachten vorbei ist - T.C. Boyle


    *Life is what happens to you while you are busy making other plans* (Henry Miller)

  • Den ersten Teil des Buches fand ich genau richtig: kurz, prägnant und für meine Teile stimmig. So sehe ich das auch. Ein zweifelnder Jesu, eine nicht verherrlichte Mutter, keine überdimensionalen Wunder, einfach menschlich …


    Den zweiten Teil fand ich hochinteressant. Mir ist Pilatus dadurch sehr sympathisch geworden, denn er kämpft mit seiner Ratio gegen Dinge an, die man nicht erklären kann. Das hat ihn mir sehr nahe gebracht. Ich finde es eine große Kunst, wenn ein Mensch diesen Spagat hinbekommt, und dann für innerlichen Frieden sorgt. Na ja, Pilatus schafft es so richtig … „Zwei Seelen in meiner Brust“ dieses Problem kenne ich gut :wink:


    Der dritte Teil hat mir eigentlich gar nicht gefallen, das hätte sich Schmitt sparen können. Ich brauche keine Erläuterungen, dass z. B. Judas nicht der Verräter gewesen ist, eine solche Synthese bilde ich mir lieber selber! Obwohl manche Gedanken auch sehr interessant waren …

  • Zitat

    Original von Heidi Hof
    Den ersten Teil des Buches fand ich genau richtig: kurz, prägnant und für meine Teile stimmig. So sehe ich das auch. Ein zweifelnder Jesu, eine nicht verherrlichte Mutter, keine überdimensionalen Wunder, einfach menschlich …


    Den zweiten Teil fand ich hochinteressant. Mir ist Pilatus dadurch sehr sympathisch geworden, denn er kämpft mit seiner Ratio gegen Dinge an, die man nicht erklären kann. Das hat ihn mir sehr nahe gebracht. Ich finde es eine große Kunst, wenn ein Mensch diesen Spagat hinbekommt, und dann für innerlichen Frieden sorgt. Na ja, Pilatus schafft es so richtig … „Zwei Seelen in meiner Brust“ dieses Problem kenne ich gut :wink:


    Der dritte Teil hat mir eigentlich gar nicht gefallen, das hätte sich Schmitt sparen können. Ich brauche keine Erläuterungen, dass z. B. Judas nicht der Verräter gewesen ist, eine solche Synthese bilde ich mir lieber selber! Obwohl manche Gedanken auch sehr interessant waren …


    Da fehlt ein nicht! Na ja, Pilatus schafft es nicht so richtig ... :uups:


    @ Mario


    Warum kann man nur noch 360 Minuten editieren?
    Das finde ich aber äußerst blöd ...

  • ich lese das buch derzeit und ich muss sagen, dass ich den 1. teil doch ein bisschen träge fand... konnte mich auch teilweise nicht wirklich begeistern, weiterzulesen. jetzt bin ich am anfang des zweiten teils und ich muss sagen, dass mir die briefe von pilatus (der genitiv ist der dativ des nominativs :twisted: ) an seinen bruder doch mehr zusagen. werde jetzt mal weiterlesen und berichten, wenn ich fertig bin (sollte heute nacht noch irgendwann passieren...).


    grüßle
    Mosh

  • zu blöd, um den edit button vom quote button zu unterscheiden :shock:

  • Zitat

    Original von K.-G. Beck-Ewe
    Mosh, es wäre schon nett, wenn Du Dich an die Regeln der Groß-Kleinschreibung halten würdest.


    darf ich fragen, weshalb? ich glaube nicht, dass dies dem verständnis meiner beiträge einen abbruch tut. ich habe das bisher schon immer so mit meinen foren-beiträgen gehalten und es hat sich (bisher) noch niemand beschwert, ebensowenig, wenn leute ihre beiträge mit rechtschreibfehlern spicken, was ja auch oft genug vorkommt...

  • Nun, Du bist noch nicht so lange dabei und deswegen ist es vielleicht noch nicht so aufgefallen. Die Diskussion haben wir schon öfter lang und breit geführt. Speziell auch hier. Es gibt da eigentlich einen Konsens in diesem Forum zu dieser Frage. Und es wäre schön, wenn Du Dich daran halten könntest.

  • nein, ich bin noch nicht lange dabei (zumindest nicht als angemeldetes mitglied), habe mich aber schon ein bisschen eingelesen - egal, bei der fülle der beiträge hätte ich den von dir angegebenen auch nicht gefunden. ich habe die diskussion verfolgt und nun ja - ich habe meine meinung diesbezüglich auch schon oben geschrieben. wäre ich hier damit beschäftigt, die rechtschreibfehler mancher mitglieder zu zählen, wäre ich auch gut beschäftigt. aber da für mich weder diese fehler noch meine kleinschreibung eine einschränkung des textverständnisses darstellt, werde ich es weiterhin so halten.


    sollte das für das admin team ein grund sein, mich des forums zu verweisen, kann ich das wohl leider auch nicht ändern, auch wenn das ziemlich kleinkariert wäre...


    aber jetzt back to topic:


    ich bin jetzt in der mitte des 2. teils angekommen und musste auch bei dem auftritt des kraterios ziemlich schmunzeln und auch ansonsten liest sich das werk für mich flüssiger. bin mal auf den rest gespannt.


    EDIT: für alle die, die bei meiner signatur denken, ich könne kein deutsch, das ist absicht :P

  • So, ich habe das Buch jetzt fertig gelesen und mein Fazit lautet: es ist nett. Die anderen Werke wie "Das Kind von Noah", "Monsieur Ibrahim et les Fleurs du Coran" und "Oskar et la Dame en Rose" haben mir jedoch bedeutend besser gefallen. Biete es daher auch zum Verkauf an.


    Die Passagen, in denen Kraterios auftauchte, waren mir mit Abstand die Liebsten und Pilatus, nun ja, ich konnte mich nicht wirklich mit ihm anfreunden, der Charakter an sich gefiel mir nicht, einfach zu unentschlossen, zu zwiespältig.


    Als großer E.-E. Schmitt Fan werde ich sicher auch noch die anderen Bücher von ihm lesen, hoffe aber, dass die dann besser sind als das "Evangelium nach Pilatus".

  • Ich habe das Buch heute morgen begonnen und im Gegensatz zu den anderen Werken Schmitts, die ich in den letzten Tagen gelesen habe, fühle ich beim Lesen immer mehr Skepsis in mir aufsteigen - ich kann dieses Gefühl nicht wirklich passend in Worte pressen, aber bis jetzt scheint es so, als müsste mich der Autor mit jeder Seite überzeugen weiterzulesen (was ich auch tun werde, da ich die Geschichte an und für sich sehr interessant finde).


    Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt wieder berichten.


    LG,
    Casoubon.

  • Meine Skepsis konnte mir nicht genommen werden - im Gegenteil; sie führte dazu, dass ich nun doch abgebrochen habe. Ich kann es irgendwie nicht erklären, warum dieses Buch in mir ganz andere Gefühle auslöst, als die anderen von Eric-Emmanuel Schmitt.


    LG,
    Casoubon.

  • Ich hatte mir das Buch aus der Bücherei geliehen und habe angefangen. Am Ende der ersten Seite stieß ich auf den Satz:


    Zitat

    Ich könnte heute abend auch woanders sein, in einer Herberge voller Flöhe inmitten von anderen Pilgern, um Ostern zu feiern wie alle Juden.


    Seit wann feiern Juden Ostern?
    Es geht um das Passahfest; das Osterfest ist enstanden aus dem germanischen Frühjahrfest, das in Laufe der Jahrhunderte mit dem christlichen Fest der Auferstehung Jesu zusammengelegt wurde.
    Natürlich ist es möglich, dass nicht der Autor, sondern der Übersetzer den Bock geschossen hat, denn das französische Wort für Ostern (pâques) leitet sich von "Passah" ab.


    Ich bin im Moment noch unschlüssig, ob ich weiterlesen soll, weil solche Fehler mich ärgern, und weil ich befürchte, dass dies nicht der letzte Fauxpas war. Andererseits will ich mir auch nicht ein evtl. gutes Buch entgehen lassen, nur weil der Übersetzer auf der ersten Seite geschlampt hat.


    Marie

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)