Heike Koschyk, Alf Leue (Hsg.) - Die vierte Zeugin

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  • Auszug aus dem Klappentext
    Köln im Jahre 1534. Ein ungewöhnlicher Gerichtsfall hält die Stadt in Atem: Der Londoner Geschäftsmann Richard Charman verklagt die Tuchhändlerwitwe Agnes Imhoff, um eine Schuld ihres unter rätselhaften Umständen verstorbenen Ehemanns Andreas zu begleichen. Agnes droht alles zu verlieren. Als sie versucht, ihre Unschuld an den Taten ihre Mannes zu beweisen, offenbart sich nicht nur ein Familiendrama, Stück für Stück gelangen tödliche Intrigen, Lügen und politische Verflechtungen ans Licht, die bis ins englische Königshaus reichen. Doch bis zuletzt stellt sich die Frage: Wer ist Agnes Imhoff wirklich – Opfer oder Täter?


    Meine Meinung
    Viele Köche verderben den Brei, so sagt der Volksmund. Trifft dies im übertragenen Sinn auch auf Autoren zu? „Die vierte Zeugin“ ist ein Projekt des Autorenkreisen Quo Vadis, dem Tanja Kinkel, Oliver Pötzsch, Martina Andrè, Peter Prange, Titus Müller, Heike Koschyk, Lena Falkenhagen, Alf Leue, Caren Benedikt, Ulf Schiewe, Marlene Klaus und Katrin Burseg angehören. Gemeinsam erzählen sie die Geschichte der Tuchhändlerwitwe Agnes Imhoff, die von dem Londoner Händler Richard Charman verklagt wird, die Geschäftsschulden ihres durch undurchsichtige Umstände ums Leben gekommenen Ehemannes zu begleichen. Der Roman basiert auf einem Dokument über eine Gerichtsverhandlung aus dem 16. Jahrhundert, das beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs schwer beschädigt wurde. Jeder der AutorInnen steht Pate für eine der im Roman handelnden Personen bzw. den Prolog und den Epilog. Ich hatte damit gerechnet, dass es bei den verschiedenen Abschnitten zu deutlich spürbaren Stilwechseln kommen würde. Da aber jede Person, die ihre Sicht der Dinge darlegt, von einem anderen Autor beschrieben wurde, sind diese Brüche nur vermeintlich. Beim Lesen hatte ich immer das Gefühl, das gerade durch den Wechsel der Autoren die Figuren besonders individuell erscheinen. Somit hat jede einen anderen Charakter und zeigt Facetten, die die Handelnden sehr wirklichkeitsgetreu erscheinen ließen. Der Spannungsbogen wurde konsequent gehalten und auch als es zu einem Zeitsprung kommt und die Geschichte viele Jahre später fortgesetzt wird, der Leser den Ausgang des Prozesses schon kannte und das Ende der Geschichte erahnte, kam es noch einmal zum deutlichen Aufleben der Spannung und somit zum Finale Grande. Bei diesem historischen Roman handelt es sich aber keineswegs um einen trockenen Gerichtsroman. Die Autoren erwecken die damalige Zeit zum Leben und schicken Figuren auf die Handlungsbühne, die dem Leser den Alltag vor etwa 500 Jahren vor Augen führen. Dabei stehen Fragen zu den Rechten einer Frau in der damaligen Zeit im Mittelpunkt. Deren Tragweite wird erst so richtig klar, verdeutlicht man sich, dass Dokumente über diesen Prozess die Jahrhunderte überdauerten.
    Von dem Autorenkreis Quo Vadis sind als Gemeinschaftromane bereits „Das dritte Schwert“, „Der zwölfte Tag“ und „Die sieben Häupter“ erschienen. Nachdem ich weiß, dass der von vielen Köchen zubereitete Brei verdorben sein soll, kann ich nach der Lektüre von „Die vierte Zeugin“ sagen, diese 12 Autoren stehen für hervorragende, historisch fundierte Unterhaltung. Zu den bereits erschienenen historischen Romanen der Autorengruppe werde ich nach und nach auch noch greifen.
    Mein Fazit: Wer einen historischen Roman, der auf einem realen Fall basiert, mit großartig gezeichneten Personen lesen möchte, wird mit „Die vierte Zeugin“ sicher sehr gute und spannende Unterhaltung finden.

    1. Die vierte Zeugin

      (Ø)

      Verlag: Aufbau Taschenbuch


  • Nach längerer Zeit habe ich mit Die vierte Zeugin einen Ausflug in´s historische Genré gemacht und war anfangs noch sehr skeptisch, da ich mir nicht vorstellen konnte wie sich eine Geschichte liest, die von zwölf verschiedenen Autoren geschrieben wurde. Ich muss ehrlich sagen, ich hab´s beim Lesen überhaupt nicht gemerkt, es gibt weder spürbare Übergänge noch Unstimmigkeiten oder große Unterschiede beim Schreibstil, hätte ich es nicht gewußt, ich hätte niemals darauf getippt, dass hier mehr als ein Autor am Werke war.


    Die vierte Zeugin hat mich in´s Jahr 1534 entführt und ich konnte das Köln von damals sehen, spüren und riechen. Ich finde es faszinierend wie sehr ich alles vor Augen hatte, aber genauso bin ich froh, dass ich in dieser Zeit nicht leben mußte. Meist gab es entweder Elend oder Protz und schnell wurde mit Verurteilten kurzer Prozess gemacht. Die Menschen hatten zu kämpfen um das Nötigste zum Überleben zu haben und in der Geschichte um die Tuchhändlerwitwe Agnes Imhoff wird klar, wie schnell man von ganz oben in der Gosse landen kann.


    Natürlich war früher alles anders, einfacher, primitiver und oft grober, aber allzuweit von der heutigen Realität ist der Prozess Richard Charman gegen Agnes Imhoff nicht enfernt. Es geht um Bestechung, Erpressung, Betrug und Intrigen und vieles kommt einem auch aus der heutigen Zeit sehr bekannt vor.


    Die vierte Zeugin hat mir sehr gut gefallen, es ist flüssig und somit gut nachvollziehbar, spannend und interessant. Charaktere und Handlung waren tiefgründig und gut durchdacht und trotz einiger offen gebliebenen Fragen hat mich die Geschichte zufrieden zurückgelassen. Ich kann mir vorstellen noch weitere Werke von dieser gelungenen Autorenkooperation zu lesen, einen Vorgängerroman (Die sieben Häupter) gibt es bereits.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Meine Meinung
    Agnes Imhoff ist Witwe eines wohlhabenden Kölner Tuchhändlers. Sie kommt nicht zur Ruhe, nicht nur, weil sie glaubt, dass ihr Mann ermordet wurde. Nein, sie wird auch verklagt, da sie für die Schulden ihres Mannes aufkommen soll. An den Mann, den sie für den Mörder ihres Mannes hält. Doch mit welchen Recht verklagt er sie? Denn Frauen können keine Schulden machen, sie sind nicht geschäftstüchtig.
    Es kommt zur Verhandlung und Agnes muss erkennen, dass sie dabei wohl nicht unbeschadet durchkommt. Es wird bekannt, dass sie wohl ein Verhältnis mit dem Geschäftspartner und mutmaßlichen Mörder ihres Mannes hatte.
    Wie wird es für Agnes und ihre Tochter ausgehen? Kann ihr der junge Anwaltsgehilfe zur Seite stehen? Warum ist ihr Anwalt so unbeteiligt?


    Alles spannende Fragen, die in dem Buch beantwortet werden. Dies ist ein Gemeinschaftprojekt von zwölf tollen Autoren. Und toll ist nicht nur einfach so gesagt.
    Es gab ein wirklich überaus ungewöhnliches Vorwort. Da war ich schon sehr von angetan.
    Die gesamte Geschichte war interessant und stimmig aufeinander abgestimmt. Ich konnte keine Unstimmigkeiten, Unebenheiten feststellen. Ich konnte anhand des Schreibstils keine Unterschiede feststellen, welcher Autor was geschrieben hat.
    Historisch belegte Daten waren sehr gut von Heike Koschyk und Alf Leue recherchiert. Was schon eine kleine Meisterleistung war, denn das Kölner Stadtarchiv war ja eingestürzt im Zuge von Bauarbeiten.


    Fazit: Mich hat das gesamte Projekt hervorragend gefallen und ich vergebe für diese überzeugende Arbeit gern fünf von fünf Sterne.

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