Petros Markaris, Zahltag. Ein Fall für Kostas Charitos

  • Buchdetails

    Titel: Zahltag


    Band 7 der

    Verlag: Diogenes

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 432

    ISBN: 9783257242683

    Termin: Januar 2014

  • Bewertung

    4.2 von 5 Sternen bei 5 Bewertungen

    84% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Zahltag"

    Reiche Griechen zahlen keine Steuern. Arme Griechen empören sich darüber, oder sie verzweifeln ob ihrer aussichtslosen Lage. Im zweiten Band der Krisentrilogie tut ein selbsternannter »nationaler Steuereintreiber« weder das eine noch das andere: Er handelt. Mit Drohbriefen, Schierlingsgift und Pfeilbogen – im Namen des Staates.
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  • Natürlich hat sich Petros Markaris, der insbesondere in Deutschland in den letzten beiden Jahren durch differenzierte Stellungnahmen zur finanziellen Situation seiner Heimatlandes Griechenland, deren Ursachen und möglichen Lösungen aufgefallen ist, auch in seinem neuen Fall für seinen Kommissar Kostas Charitos mit den Folgen der Finanzkrise in seinen Land beschäftigt.


    Auch wenn natürlich die Geschichte, die erzählt wird, erfunden ist, sind doch, so wie in allen früheren bisher erschienenen Bänden (Hellas Chanell, Nachtfalter, Live!, Der Großaktionär, Die Kinderfrau und Faule Kredite) auf fast jeder Seite soziale und politische Informationen und Analysen und am Beispiel von Kostas` Familie auch das private Schicksal von Menschen eingeflossen.


    Im neuen Buch geht es um die Taten und Absichten eines selbsternannten „nationalen Steuereintreibers“, der mit Drohbriefen und auch durchgeführten Morden erreichen will, dass die Steuermoral einer bestimmten Klasse sich verbessert. Lange tappen Charitos und seine bewährte Crew im Dunkeln und sind auch wie niemals zuvor unter einem erheblichen politischen Druck. Kostas`, dem sein dieses Mal sehr zur Kooperation motivierter Chef Gikas eine Beförderung in Aussicht gestellt hat, durch die er seine bisherigen Gehaltskürzungen zu egalisieren hofft, muss andauernd zu hochrangigen Besprechungen auf Ministerebene, denn die politische Klasse ist durch die Morde und die in Internet veröffentlichten Kommuniques des nationalen Steuereintreibers sehr verunsichert.


    Doch auch in seiner eigenen Familie spürt Kostas die dramatischen Folgen der Krise. Seine Tochter Katerina, promovierte Juristin, die fast ohne Lohn bei einem Anwaltsbüro Asylanten vertritt, und ihr Mann Fanis, der als Arzt im öffentlichen Dienst arbeitet, bringen sich zwar nicht um aus lauter Verzweiflung über ihre Lage, wie mindestens ein halbes Dutzend alte und junge Menschen, die Charitos und sein Team in diesem Buch auffinden, aber sie wollen beide auswandern, weil Katerina von der UNO eine gut dotierte Stelle in Schwarzafrika angeboten bekommen hat. Das stürzt natürlich die Eltern der beiden in tiefe Verzweiflung.


    Es gelingt Petros Markaris wieder einmal auf ganz besondere Weise, nicht nur einen spannenden und originellen Krimi in seiner durchweg empfehlenswerten Reihe vorzulegen, sondern er schafft es, dem deutschen Leser ein zwar fiktionales, deshalb aber nicht weniger realistisches Bild von der Situation und der Not der Menschen in Griechenland zu vermitteln. Sie wissen, dass sie selbst an der Ursache der Misere beteiligt waren, aber sie wissen nun in ihrer zum Teil dramatischen Not nicht mehr aus noch ein.


    Wer diesen Kriminalroman gelesen hat, der kann nicht mehr mit schlichten Parolen in den Chor derer einstimmen, die in Bezug auf Griechenland sagen, die seien doch an allem selbst Schuld und man sollte jede Unterstützung einstellen. Das Schicksal der einfachen Menschen dort, der Armen, Kranken und Rentner, die zurzeit ihre überlebenswichtigen Medikamente nicht mehr bezahlen können, weil die Krankenkassen Pleite sind, darf uns nicht kalt lassen.


    Markaris hat mit diesem Roman, der schon 2011 in Griechenland erschienen ist, einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung geleistet, mehr als die meisten Artikel und Zeitungen und erst recht als die Beträge im TV.
    Die Situation dort hat sich seit 2011 nicht verbessert.

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