Tim Curran - Der Leichenkönig / The Corpse King

  • Buchdetails

    Titel: Der Leichenkönig


    Verlag: Festa Verlag

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 224

    ISBN: 9783865525260

    Termin: Februar 2017

  • Bewertung

    4.4 von 5 Sternen bei 8 Bewertungen

    87,5% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Der Leichenkönig"

    Edinburgh zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Grabräuber Samuel Clow und Mickey Kierney schleichen Nacht für Nacht auf die Friedhöfe, um die faulenden Leiber der kürzlich Verstorbenen wieder aus der Erde zu zerren. Die verkaufen sie dann an Ärzte und Studenten der Medizin. Die beiden glauben, dass sie ganz allein sind. Doch im trüben Licht des Mondes lauert der Leichenkönig auf sie … Auf Tim Curran gibt es die Gänsehaut-Garantie! Phantastik-Couch.de: »Ein großes Plus der Story sind aber auch die beiden Protagonisten, Clow und Kierney, die einem beinahe ans Herz wachsen. Ihre markigen Dialoge sind wirklich erwähnenswert. (…) In Currans Stimme schwingt darüber hinaus ein barocker Zynismus mit, der den ›Leichenkönig‹ als bitterböse Satire kennzeichnet.« Als Bonus enthalten: Ein Autoreninterview und die Ur-Erzählung zum Thema: ›Die Leichenräuber‹ von Robert Louis Stevenson.
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    Ambermoon
    Eine Schauernovelle mit dichter Atmosphäre und unglaublicher Sprachgewalt.

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  • Kurzbeschreibung (Amazon):


    "Auf den Feldern der Toten wird die Ernte eingeholt. Bestellt von Erweckungsfarmern mit schmutzigen Fingern, kalten Herzen und gierigen Gedanken, werden die Felder mit Schaufel und Spaten und Schweiß bearbeitet. Unter einem Leichentuch dünnen Mondlichts werden die Früchte aus der feuchten, schwarzen Erde gepflückt, aus wurmstichigen Särgen und verschimmelten Totenhemden gerissen, wie faulendes Korn aus zerfallenden Hülsen. Die Leichenernte wird auf schlammigen Karren aufgebahrt und zu Markte getragen, um an den Meistbietenden verkauft zu werden, zur Versorgung von Autopsiesälen und Anatomielaboren. Nacht für Nacht graben die Farmer auf ihren Gebeinfeldern und denken, sie seien allein bei ihrer finsteren Ernte. Aber es gibt noch einen anderen, der in Gräbern und Leichenhallen erntet. Einen anderen Schnitter, der seit Jahrtausenden sein Feld bestellt. Das Gesicht bleich wie der Mond und Finger wie Knochen, ist er der Große Herr der Leichenernte und Meister der Friedhofsegge. In der Welt des 19. Jahrhunderts gehen Samuel Clow und Mickey Kierney ihrem Lebensunterhalt im Erweckungsgewerbe nach - nicht ahnend, dass sie bald dem Leichenkönig begegnen werden ..."


    In "Der Leichenkönig" entführt Tim Curran den Lesen in das Edinburgh des frühen 19. Jhdt., ein Sammelsurium aus Schmutz, Ratten, Krankheiten und sozialem Elend. Die Darstellung der Verhältnisse jener Zeit, die Wohl durchaus mit den Zuständen in den Slums heutiger Megacities in manchen Teilen der Welt vergleichbar sind, nimmt dabei einen großen Teil der Erzählung ein. Von der ersten Seite an entsteht so eine ungemeine dichte Atmossphäre, ohne den Fluss der Handlung durch epische Breite zu beeinträchtigen.


    Diese ist - wie aus der Kurzbeschreibung ersichtlich - im Wiedererweckermilieu angesiedelt. Um der steigenden Nachfrage an Leichen für die medizinische Forschung bzw die Ausbildung von Ärzten nachzukommen, etablierte sich im gegenständlichen Zeitraum der "ehrenwerte Beruf" der Leichensammler, die sich darauf spezialisierten, die Gräber jüngst Verstorbener zu plündern. Die Diebe gingen dabei äußerst geschickt vor, so dass oft am Tag nach der Tat oft gar nicht erkannt geworden konnte, dass das Grab des Nächtens geöffnet worden war. Diese Vorsicht war auch bitter nötig, stand auf Leichenraub doch schließlich die Todesstrafe.


    Die Protagonisten Samuel Clow und Mickey Kierney sind Meister ihres Faches. Der Autor verwendet äußerst viel Mühe darauf, die beiden möglichst detailliert auszugestalten. Im Besonderen die geradezu bissig selbstironischen Dialoge während der Arbeit, in denen die beiden Kindheitserinnerungen austauschen und ihre Mütter (Prostituierte) alsHeilige und gottesfürchtige Christen preisen, laden zu einem kleinen Lächeln ein. Dieses vergeht jedoch rasch, wenn man bedenkt, was die beiden gerade treiben. Herrlich verstörende Momente sind vorprogrammiert.


    Während zu Beginn der Handlung eher die Arbeit der Protagonisten bzw die Beschreibung des allgemeinen Elends dominieren, verschiebt sich der erzählerische Fokus im Laufe des Buches immer mehr auf den Leichenkönig. Dabei scheint es sich zunächst nur um eine Totengräberlegende zu handeln. Ein Wesen, dass unter den Friedhöfen hausen und sich von den Toten ernähren soll. Immer wieder wird er nur vereinzelt in Gerüchten erwähnt, dann immer öfter, bis es schließlich zu einer schicksalshaften Begegnung kommt.



    Die Spannung wird dabei ganz vom Widerstreit der Protagonisten zwischen Furcht, Geldgier und Verachtung des - wie sie meinen - Aberglauben getragen. Dieses hin und her überträgt sich unweigerlich auf den Leser. Gibt es den Leichenkönig wirklich? Ist es nur eine Sage, um die Konkurrenz von den fruchtbarsten Gräberfeldern fernzuhalten? Was scharrt dort unter der Erde?



    Fazit : Mein persönliches Highlight des Sommers. Eine packende Novelle, die ihre Spannung zur Abwechslung mal nicht aus literweise Blutphontänen, sondern aus der Darstellung sozialen Elends und dem Ende allen Irdischen bezieht.

  • Inhalt:
    Auf den Feldern der Toten wird die Ernte eingeholt. Bestellt von Erweckungsfarmern mit schmutzigen Fingern, kalten Herzen und gierigen Gedanken, werden die Felder mit Schaufel und Spaten und Schweiß bearbeitet. Unter einem Leichentuch dünnen Mondlichts werden die Früchte aus der feuchten, schwarzen Erde gepflückt, aus wurmstichigen Särgen und verschimmelten Totenhemden gerissen, wie faulendes Korn aus zerfallenden Hülsen. Die Leichenernte wird auf schlammigen Karren aufgebahrt und zu Markte getragen, um an den Meistbietenden verkauft zu werden, zur Versorgung von Autopsiesälen und Anatomielaboren. Nacht für Nacht graben die Farmer auf ihren Gebeinfeldern und denken, sie seien allein bei ihrer finsteren Ernte. Aber es gibt noch einen anderen, der in Gräbern und Leichenhallen erntet. Einen anderen Schnitter, der seit Jahrtausenden sein Feld bestellt. Das Gesicht bleich wie der Mond und Finger wie Knochen, ist er der Große Herr der Leichenernte und Meister der Friedhofsegge. In der Welt des späten 18. Jahrhunderts gehen Samuel Clow und Mickey Kierney ihrem Lebensunterhalt im Erweckungsgewerbe nach nicht ahnend, dass sie bald dem Leichenkönig begegnen werden ...


    (Q Buch)


    Meinung:


    Der Leser wird bereits im Vorwort auf die Szenerie im Buch eingestimmt. Und diese ist keine sehr ansprechende.
    Tim Curran zeichnet von Beginn an eine düstere Landschaft des Großbritanniens zu Beginn des 19Jh. Und man darf in dieser Geschichte tief darin eintauchen, bis man bis zum Hals in Schlamm, Fäkalien, Gedärm und Leichen steht. Die Atmosphäre ist gewaltsam, lebensfeindlich, schäbig und stinkend. Man bekommt bei den kurzen Beschreibungen direkt ein unschönes Gefühl und will sich nicht freiwillig dort aufhalten. Aber was passt besser in solch eine Zeit als eine kleine Horrorgeschichte über Grabräuber und den Leichenkönig, welcher unter Friedhöfen sein Unwesen treibt.


    Die beiden Protagonisten in dieser kleinen Erzählung glänzen durch ihr loses Mundwerk (trotz der widrigen Lebensumstände, oder gerade deswegen ?). Die Unterhaltungen der Beiden sind zum Teil recht schwarzhumorig und mich haben sie, trotz der Umstände amüsiert. Wobei ich sagen muss, dass dies insbesondere zu Beginn der Geschichte der Fall war, da es eine sehr schöne Abwechslung war den Gesprächen zu folgen. Im weiteren Verlauf der Geschichte fand ich es schon fast etwas erzwungen.


    Die Erzählweise des Autors finde ich, in dieser kurzen Form, recht ansprechend, wenn auch hin und wieder ein paar kleine Wiederholungen vorhanden waren. Tim Curran gibt immer wieder ein paar Hintergrundinfo zur Zeit und der Umgebung zum Besten und somit bekommt alles etwas Hand und Fuß. Seine Beschreibungen der Gräul, des Ekels und der Abartigkeiten sind ausführlich, aber in keinem Moment so dass man das Buch angewidert zuklappen möchte. Es ist eben so wie es ist, nur etwas ausgeschmückt und greifbarer für den Leser.


    Fazit:
    ‚Der Leichenkönig‘ ist für mich wieder eine kleine klassische Horrorgeschichte. Das Setting und die Handlung passen. Die Charaktere sind sympathisch. Die Länge der Erzählung eignet sich hervorragend für einen kurzen Ausflug in Mittelalter. Ich für meinen Teil habe mich recht gut unterhalten gefühlt. Leider ist der Gruselfaktor wieder etwas auf der Strecke geblieben. Waren die ersten groben Begegnungen mit dem Leichenkönig noch recht spannend, so wurde es zum Ende hin etwas ruhiger. Dennoch eine gute Geschichte.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Lebenskunst besteht zu neunzig Prozent aus der Fähigkeit, mit Menschen auszukommen, die man nicht leiden kann.
    Samuel Goldwyn


  • Edinburgh zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Grabräuber Samuel Clow und Mickey Kierney schleichen Nacht für Nacht auf die Friedhöfe, um die faulenden Leiber der kürzlich Verstorbenen wieder aus der Erde zu zerren. Die verkaufen sie dann an Ärzte und Studenten der Medizin.
    Die beiden glauben, dass sie ganz allein sind. Doch im trüben Licht des Mondes lauert der Leichenkönig auf sie ...
    (Klappentext)


    ☠☠☠☠☠


    "Nacht für Nacht gruben die Farmer auf ihren Gebeinfeldern und dachten, sie seien allein bei ihrer finsteren Ernte. Doch es gab noch einen anderen, der in den Gräbern und Leichenhallen erntete. Einen anderen Schnitter, der seit Jahrtausenden sein Feld bestellt."
    (S. 19)


    Es sei zu erwähnen, dass sich diese Story nach dem Ereignis eines wahren historischen Kriminalfalls ereignete.

    Anfang des 19. Jahrhunderts gingen die beiden Iren William Burke und William Hare einem sehr makabren Beruf nach. Sie beschafften Leichen für das Edinburgh Medical College und kassierten dafür Geld. Doch sie wurden gierig und beschränkten sich bald nicht mehr nur auf das Ausbuddeln kürzlich Verstorbener. Um an noch frischere und besser erhaltenen Leichen zu kommen, welche mehr Gewinn abwarfen, halfen sie etwas nach. Innerhalb von elf Monaten fielen ihnen 16 Menschen zum Opfer, sieben Frauen und drei Männer.

    Diese Morde gingen als die West-Port-Morde in die Geschichte ein und der Begriff "burking" entstand - eine Tötungsmethode, welche William Burke perfektionierte. Es handelt sich dabei um eine spezielle Tötungsmethode durch Ersticken, und auch in der Rechtsmedizin als Terminus den Weg gefunden hat. Die Gesetze wurden daraufhin geändert, doch es zogen weiterhin Leichengräber über die Friedhöfe, um ihrer Arbeit nachzugehen und vor allem zwei darf man hier begleiten.


    Im Vorwort erhält man interessante Informationen zu historischen Hintergründen bezüglich der damaligen Zeit und dem Geschäft mit den Leichen. Gleichzeitig wird man dadurch auf den folgenden Roman eingestimmt und ehe es man sich versieht befindet man sich im alten Edinburgh auf einem Friedhof und buddelt eine Leiche aus, während sich der Regen über einen ergießt.


    Mickey Kierney, der Macher, und Samuel Clow, der Anführer, gehen hier ihrer Arbeit nach. Sie liefern Leichen an die anatomischen Institute und kassieren dafür Geld. Doch unter den Grabräubern geht ein Gerücht um - schaurig und beängstigend zugleich. Unter den nördlichen Grabfeldern scheint etwas Böses zu hausen, etwas Böses, welches sich durch unterirdische Tunnel gräbt, die Leichen in den Gräbern verschlingt und auch vor Grabräubern nicht Halt macht. Deshalb halten sich auch die meisten der Leichendiebe davon fern. Kierney und Clow tun dies jedoch als blödsinniges Geschwätz ab und graben in besagtem Gebiet. Selbst nach einer überaus beängstigenden Erfahrung und schaurigen Entdeckung, welche die gestandenen Mannsbilder vor Angst fast in ihre Hosen machen lässt, lassen sie sich nicht aufhalten ... und der Leichenkönig giert und wartet.


    "Denn unter den Nördlichen Grabfeldern gab es gewaltige Gänge und Tunnel, der Bau eines Teufels, der Leichen verschlang und seine Zähne an menschlichen Knochen schliff. Irgendein bösartiger Grabwühler, der sich durch die Erde bohrte, und die Nördlichen Felder waren sein Heim."
    (S. 35)


    Tim Currans Schreibstil ist mit nichts zu verlgeichen. Mit literarischer Sprachgewalt lässt er einen in die Vergangenheit zurückreisen und im dreckigen Edinburgh des frühen 19. Jahrhunderts Halt machen.

    Man schleicht auf sumpfigen Friedhöfen zwischen Grabsteinen umher, genehmigt sich in einer heruntergekommenen Spelunke ein Ale nach dem anderen, fühlt sich in den dreckigen und stinkenden Gassen zu Hause und wohnt einer Hinrichtung eines "Kollegen" bei.

    Diese dichte Atmosphäre und der bildhafte Schreibstil, welche einem pures Kopfkino bereiten, machen bei den schaurigen Szenarien nicht Halt, sodass einem eine leichte Gänsehaut den Rücken hinunter kriecht.


    "Dies war die Stadt und dies war die Zeit, in der Clow und Kierney lebten. Eine brodelnde, überfüllte Hölle ohne eine Vorstellung von Hygiene. Eine Zeit der Kinderarbeit und Epidemien, von Flüssen voller Jauche und Aas und Straßen vollgestopft mit Müll, den Lebenden und oft auch den Toten. Eine Zeit, in der faulendes Fleisch offen verkauft wurde; und wenn es frisch war, dann kam es von gerade verendeten Tieren."
    (S. 49)


    Die Protagonisten sind durchwegs hervorragend und vor allem facettenreich gezeichnet. Die Dialoge zwischen Clow und Kierney strotzen nur vor Ironie, Sarkasmus und trockenen Humor und ließen mich nicht nur einmal schmunzeln. Selbst hier beident sich der Autor einer authentischen Sprachführung, welche die damalige Zeit aufleben lässt. So muss das!


    "Der Leichenkönig" lebt eindeutig von seiner düsteren und authentischen Atmosphäre, sowie seinen Charakteren, doch auch die Story selbst ist nicht zu verachten.

    Schaurige Begegnungen mit dem Leichenkönig, düsterer und spannender Plot zugleich, welcher auch eine überraschende Wendung bereithält, lässt einen durch die Seiten fliegen. Das Ende enthält nicht unbedingt ein Happy End und bleibt bezüglich des "Leichenkönigs" offen. Manchen mag dies sauer aufstoßen und auch ich hätte mir da gerne etwas mehr erwartet. Im Nachhinein betrachtet, würde jedoch kein anderes Ende passen und ist eben auch ein typisches Merkmal des Autors.


    "Bei seiner Arbeit hatte Clow nach und nach jegliche Furcht vor den Toten verloren. Aberglauben war etwas, das ein Grabräuber bald ablegte, wollte er sich keine neue Arbeit suchen. Aber in dieser Nacht kehrte alles zurück ... Diese kindliche Angst vor dunklen Orten und einsamen Friedhöfen, vor kriechenden Dingen, die aus den Schatten nach einem griffen."
    (S. 60)


    Im Anschluß ist noch ein Interview mit Tim Curran und die klassische Kurzgeschichte "Die Leichenräuber" (Originaltitel: "The Body Snatcher") von Robert Louis Stevenson, aus dem Jahr 1884, enthalten, welche ich ebenso verschlang.


    Fazit:

    Dies ist kein Horrorroman im eigentlichen Sinne, sondern eher eine Schauernovelle. Mich konnten vor allem der Schreibstil und die unglaublich dichte Atmosphäre, welche mich ins frühe 19. Jahrhundert katapultierte, begeistern.

    Nur wenige Autoren schaffen es einem historischen Setting regelrecht Leben einzuhauchen, doch Tim Curran ist einer davon und meiner Meinung nach auch der Beste!

    Wer also in die Geschichte und gleichzeitig in einen Schauerroman eintauchen will, kann mit diesem Buch nichts falsch machen ... sofern einem ein trauriges und auch offenes Ende nicht allzu sehr etwas ausmachen. Für mich war es definitiv ein Lesehighlight! :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    © Pink Anemone (mit Bildern, Leseprobe, Autoren-Info und Rezept zum Buch "Pizza-Särge"

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