Lionel Shriver - Wir müssen über Kevin reden/We need to talk about Kevin (ab 13.08.2012)

  • Hallo ihr Zwei,


    ich bin auch noch nicht weiter vorangekommen mit dem Buch. Aber ab morgen werde ich mir wieder mindestens ein Kapitel pro Tag vornehmen. Außerdem fahre ich in dieser Woche wieder viel Zug, vielleicht nehme ich es zumindest an einem Tag mit auf die Reise. :D

    "Hab Vertrauen in den, der dich wirft, denn er liebt dich und wird vollkommen unerwartet auch der Fänger sein."
    Hape Kerkeling


    "Jemanden zu lieben bedeutet, ihn freizulassen. Denn wer liebt, kehrt zurück."
    Bettina Belitz - Scherbenmond

  • Und den Abschnitt, in dem sie ihre Genitalien haarklein beschreibt hätte ich definitiv nicht gebraucht!

    Ähm, ja, den hätte ich auch nicht unbedingt gebraucht. :roll:

    Fest steht für mich allerdings jetzt schon, dass Eva und Franklin niemals ein Kind hätten bekommen dürfen. Es war ja schließlich kein „Unfall.“ Eva hat schlussendlich einfach kleinbeigegeben, obwohl sie kein Kind haben wollte.


    Mh, ich muss aber sagen, dass ich Evas Beweggründe irgendwie nachvollziehen kann. Gerade so Gedanken wie "Falls du mal nicht mehr bist, habe ich wenigstens noch unser gemeinsames Kind" finde ich doch verständlich. Ich kenne ein paar erwachsene Frauen in den 50ern, die keine Kinder haben und sich auch irgendwie Gedanken machen, wer sich mal um sie kümmert, wenn sie alt sind. Das sind schon irgendwie Sachen, die bei der Familienplanung eine Rolle spielen. Bei manchen stehen sie mehr im Hintergrund, weil sie einfach ein Kind wollen. Und bei anderen sind sie vielleicht hauptausschlaggebend. :-k Ich denke nicht, dass das unbedingt bedeutet, dass man das Kind dann am Ende weniger liebt, nur weil es vielleicht Mittel zum Zweck oder so war... Schwierig!


    Die Szene am Anfang des Kapitels, als Eva so verzweifelt auf ihren Mann wartet und er sich einfach nicht meldet, fand ich furchtbar. Und ich konnte Eva total gut verstehen. Ich mache mir auch immer super schnell Sorgen, wenn sich mein Freund mal nicht meldet...


    Wie weit seid ihr denn inzwischen?

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  • Ich denke nicht, dass das unbedingt bedeutet, dass man das Kind dann am Ende weniger liebt, nur weil es vielleicht Mittel zum Zweck oder so war... Schwierig!

    Ich kann mir dennoch gut vorstellen, dass das Kind eine etwas andere Rolle spielen könnte, wenn man es in erster Linie wollte, um seine Zukunft zu sichern/nicht allein sein zu wollen. Mir kommt es zumindest auch erstmal befremdlich vor, sowas als primären Grund zu haben.

    Die Szene am Anfang des Kapitels, als Eva so verzweifelt auf ihren Mann wartet und er sich einfach nicht meldet, fand ich furchtbar. Und ich konnte Eva total gut verstehen. Ich mache mir auch immer super schnell Sorgen, wenn sich mein Freund mal nicht meldet...

    Das kann ich auch so unterschreiben. Manchmal denke ich, bin ich da sogar etwas überempfindlich, aber wenn ich meinen Freund spät abends nicht erreiche, obwohl er nur mal "kurz" wegwollte, könnte ich regelmäßig am Rad drehen. :-#


    Wie weit seid ihr denn inzwischen?

    Ich bin nun bei Seite 201, mitten im Kapitel zum 01.01.2001. Ich kann nur sagen, dass einige Erzählungen der guten Eva auf mich manchmal richtig übertrieben wirken. Sorry, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass so ein kleiner Winzling solch eine Boshaftigkeit an sich haben soll. Ich frage mich derzeit wirklich, ob Eva nicht einfach unter Wahnvorstellungen leidet und ihrem Sohn Dinge unterstellt, die einfach nicht richtig sind, nur allein aus Angst ihren Mann und ihr eigenes Leben an ihren Sohn verloren zu haben. :-k Prägend war da für mich die Szene im Restaurant, nachdem Eva aus Afrika zurück kommt. Als ob der kleine der Kellnerin gezielt solch unangenehme Fragen stellen würde, um irgendjemanden bloß zu stellen?! Können sowas Kleinkinder überhaupt wissentlich? Blöd ist, dass ich nicht genau herauslesen kann wie alt Kevin mittlerweile ist, aber ich schätze einfach mal um die 3. Ich weiß auch nicht... mir kommt das alles irgendwie etwas weit hergeholt vor. Genauso wie die gezielte Art, in der Kevin die Eva und Franklin gegeneinander ausspielt, bzw. seiner Mutter so richtig frech begegnet. Dass Kevin als Kleinkind seine Mutter schon so dermaßen gehasst haben soll...? :scratch:

  • Also irgendwie mag ich Eva noch nicht wirklich. Sie hat schon einige komische Ansichten und ich finde sie sehr schwierig. Ich hoffe, dass sich das noch ändert, denn irgendwie ist mir das wichtig, um Gefallen an dem Buch zu finden...


    Die Szene, als Eva hochschwanger in ihrer Küche tanzt und Franklin völlig ausrastet, fand ich total übertrieben. Mein Gott, sie ist schwanger und nicht krank, wie es immer so schön heißt. Klar, sie hat Verantwortung für ein klitzekleines Wesen, aber tanzen darf doch wohl noch erlaubt sein. Franklin lernt man zwar kaum kennen, aber irgendwie ist er mir auch noch nicht sonderlich sympathisch...


    In dem Kapitel "December 12, 2000" habe ich einen Satz gefunden, der, wenn ich ihn richtig verstanden habe, wohl bedeuten könnte, dass Eva ihre Briefe wohl doch abschickt und auch Antworten von Franklin bekommt: "Then, while I do hope this correspondence hasn't degenerated into shrill self-justification (...)". Wobei Eva ja auch innerhalb von sehr kurzen Abständen die Briefe schreibt und ich gar nicht glaube, dass Franklin da überhaupt eine Chance hat, ihm zu antworten...


    Krass finde ich ja Evas Reaktion auf behinderte Kinder. Sie hat selbst so panische Angst, ein behindertes Kind zur Welt zu bringen, dass sie sich wahrscheinlich eher dagegen entscheiden würde, wenn sie vor der Geburt von der Erkrankung erfahren hätte. Deswegen stimme ich da doch Franklin zu, der sich sagt, solche Entscheidungen gar nicht treffen zu wollen und deswegen auch diese Tests mit dem Fruchtwasser und so gar nicht erst machen wollte.


    Und noch etwas Krasses: Jede Frau denkt wohl bei der Geburt, wie sehr sie ihren Mann "hasst" für das, was er ihr angetan hat. Aber Eva denkt zusätzlich auch, wie sehr sie ihren Sohn hasst. Puh, das ist natürlich ganz schön harter Tobak. Die Beziehung der beiden zueinander stand von Anfang an echt unter keinem guten Stern...

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    Hape Kerkeling


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    Bettina Belitz - Scherbenmond

  • Zugegeben ich habe seit gestern ein gehörigen Sprung im Buch gemacht und bin nun auf Seite 360 von 560. Leider liegt das aber nicht daran, dass das Buch so toll ist. Lettersalad hat ja schon von Beginn an die depressive Stimmung angesprochen, aber ich finde es mittlerweile eigentlich kaum noch zu ertragen. Eva ist eine furchtbare Person und mittlerweile sind einige Dinge passiert, die sie mir vollkommen unsympathisch machten. Ich würde sie ja am liebsten mal kräftig durchschütteln und ihr raten zu einem Psychologen zu gehen. Die Frau hat sie einfach nicht mehr alle. [-( Und dem Sohn solch ein berechnendes Verhalten vorzuwerfen ist für mich mittlerweile so befremdlich geworden, dass ich meine Theorie von Evas Wahnvorstellungen immer häufiger bestätigt sehe. Ich kann einfach nicht glauben, dass ein 6jähriges Kind so dermaßen gewitzt sein soll und ständig und immer die Kontrolle über alles zu haben scheint. Solche Psychospielchen würde ich vielleicht einem Teenager noch zutrauen, aber einem Kind, welches noch nicht mal die Schule besucht?! ?( Die Stimmung im Buch ist immer erdrückender und ich muss gestehen, so langsam freue ich mich dann doch auf ein baldiges Ende. :-?


    Da ich schon so weit bin, setze ich lieber mal ein paar Spoiler, dann müsst ihr nicht mühsam die Augen zupetzen. :lol:


    Die bisher schwierigste Szene diesbezüglich war für mich die, in der


    Und natürlich das nächste große Ereignis, in dem


    Also irgendwie mag ich Eva noch nicht wirklich. Sie hat schon einige komische Ansichten und ich finde sie sehr schwierig.

    Das kann ich nur bestätigen.


    Ich hoffe, dass sich das noch ändert, denn irgendwie ist mir das wichtig, um Gefallen an dem Buch zu finden...

    M.E. wird das leider immer schlimmer. :-?


    Franklin lernt man zwar kaum kennen, aber irgendwie ist er mir auch noch nicht sonderlich sympathisch...

    Franklin wurde mir im Laufe der Zeit auch immer unsympathischer. Er
    kümmert sich keine Minute um die Bedürfnisse seiner Frau. Auch scheinen
    die beiden generell ziemlich wenig miteinander geredet zu haben.
    Vielleicht sind daher auch die Briefe zu erklären. Schlimm fand ich
    jedoch auch, was


  • Boah, ihr beide habt mich weit überholt. Ich bin immer noch im Dezember 2000. :lol:


    Ich muss aber leider auch sagen, dass mich gerade absolut nichts zu diesem Buch hinzieht. (Ich hab das Buch sogar schon mit zwei anderen Büchern überrundet!)
    Wie ich schon sagte, die Stimmung ist so depressiv, dass es mich selber runterzieht. Und da habe ich derzeit keine Lust drauf. Zudem kann ich Eva einfach nicht nachvollziehen. Ihr Ansichten und ihre Probleme sind für mich einfach zu weit hergeholt. Eva schreibt ja, dass Kevin sie selbst während der Schwangerschaft schon gehasst haben soll. Wie soll das bitte gehen? :scratch:
    Ich hoffe nicht, dass die komplette Geschichte schlussendlich darauf hinausläuft, dass Eva ganz einfach spinnt.


    Ich denke, dass diese ganze Problematik noch nicht einmal etwas mit Kevin zu tun hat. In der Beziehung von Eva und Franklin hat es vor seiner Geburt schon mächtig gekriselt und die beiden haben wohl gehofft das mit einem gemeinsamen Kind wieder alles gut wird. Ich kenne ehrlich gesagt kein Paar, bei dem das funktioniert hat! Jetzt projiziert Eva ihren Hass deswegen auf Kevin, da der seinen Zweck mehr oder weniger nicht erfüllt hat. So abartig das klingt…

    Da ich schon so weit bin, setze ich lieber mal ein paar Spoiler, dann müsst ihr nicht mühsam die Augen zupetzen. :lol:

    Ich les sie trotzdem. Spoiler verderben einem ja eigentlich den Spaß am Buch, aber da ich ohnehin keinen Spaß dran habe... :loool:


    ... nachdem was ich da bei dir gelesen habe (besonders der erste Spoiler), weiß ich nicht, ob ich überhaupt weiterlesen will.

  • Ich bin heute ein gutes Stückchen mit dem Buch vorangekommen und werde es jetzt wohl auch als einziges Buch lesen und nicht noch parallel ein anderes. Mittlerweile habe ich mich doch recht gut an den Schreibstil der Autorin gewöhnt und da Kevin nun auch eine aktive Rolle spielt, finde ich das Buch ganz interessant.



    Ich kann nur sagen, dass einige Erzählungen der guten Eva auf mich manchmal richtig übertrieben wirken. Sorry, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass so ein kleiner Winzling solch eine Boshaftigkeit an sich haben soll. Ich frage mich derzeit wirklich, ob Eva nicht einfach unter Wahnvorstellungen leidet und ihrem Sohn Dinge unterstellt, die einfach nicht richtig sind, nur allein aus Angst ihren Mann und ihr eigenes Leben an ihren Sohn verloren zu haben.


    Da stimme ich dir zu, Steffie - einiges klingt wirklich etwas übertrieben. Da das Buch ja auch eine Rückschau ist, kann ich mir vorstellen, dass Eva nun wirklich zu viel in manche Ereignisse hineinliest und versucht, sich selbst zu rechtfertigen oder zu entschuldigen. So nach dem Motto, dass der Amoklauf kein Produkt einer falschen Erziehung ist, sondern Kevin schon immer so ein schwieriges Kind war. :-k Andererseits glaube ich aber auch, dass Kevin schon als Baby durchaus in der Lage war, zu spüren, dass er von seiner Mutter nicht richtig geliebt wird. Dass er zum Beispiel ihre Brust nicht akzeptiert hat, könnte daran liegen. Und ich glaube, er ist ein ziemlich intelligentes Kind und ist durchaus in der Lage, seine Eltern gegeneinander auszuspielen. Wobei ich da nun natürlich überhaupt nicht einschätzen kann, ab welchem Alter er das eventuell bewusst macht und wo Eva einfach wieder zu viel hinein interpretiert...


    Aber Siobhan, die Baby-Sitterin, hat ja auch bestätigt, dass Kevin kein einfaches Kind ist, um es mal vorsichtig auszudrücken. Und letztlich ist sie ja auch an dem Job kaputtgegangen. Also wird schon das Meiste von dem, was Eva erzählt, stimmen.


    Da Sandra sowieso die Spoiler liest, spoiler ich jetzt einfach mal nicht. :loool:


    Die Beziehung zwischen Eva und Franklin finde ich sehr schwierig und überhaupt nicht schön. Wie Sandra schon gesagt hat: Die beiden haben versucht, ihre Ehe mit einem Kind zu retten. Aber das hat nun wirklich nicht geklappt. :roll: Erschreckend finde ich in dem Zusammenhang auch, wie dick dieses Buch ist, wie viel Eva also loszuwerden hat. Das sind alles Sachen, über die sie eigentlich während ihrer Ehe schon längst mit Franklin hätte reden müssen. Und zwar in den Momenten, als die Sachen passiert sind bzw. ihr manche Gedanken gekommen sind. Aber sie hat nie darüber geredet. Wahrscheinlich ein weiterer Grund dafür, dass die Ehe zerbrochen ist.


    Sehr krass fand ich die Szene, als Eva mit Kevin spricht, ihn als "little shit" bezeichnet und Franklin die ganze Zeit hinter ihr steht und alles mitanhört. Und obwohl sie unter anderem auch zu ihrem Sohn gesagt hat, dass sie manchmal am liebsten von einer Brücke springen würde, reden die beiden einfach nicht miteinander. Im Gegenteil: Franklin "bestärkt" sie sogar fast darin, von einer Brücke zu springen. ](*,)


    Und die Szene in dem Restaurant war auch einfach nur krass. Aber was macht man mit so einem Kind? Das ist doch wirklich total schwierig. Schließlich verpasst Eva Kevin sogar eine Ohrfeige. Wow, so weit muss es erst mal kommen.


    Und Franklin kauft einfach mal so ein Haus... :roll:

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  • Ich hoffe nicht, dass die komplette Geschichte schlussendlich darauf hinausläuft, dass Eva ganz einfach spinnt.

    Ich kann es mir momentan ja eigentlich kaum noch anders erklären... :roll:


    ... nachdem was ich da bei dir gelesen habe (besonders der erste Spoiler), weiß ich nicht, ob ich überhaupt weiterlesen will.

    Ich könnte verstehen, wenn Du abbrichst. Mich hindert meine angeborene überdurchschnittliche Neugier, wie das ganze denn nun endet, am Abbruch. Ich kann das Buch nicht einfach so da liegen lassen. :loool:


    Da das Buch ja auch eine Rückschau ist, kann ich mir vorstellen, dass Eva nun wirklich zu viel in manche Ereignisse hineinliest und versucht, sich selbst zu rechtfertigen oder zu entschuldigen. So nach dem Motto, dass der Amoklauf kein Produkt einer falschen Erziehung ist, sondern Kevin schon immer so ein schwieriges Kind war. :-k

    Das kann natürlich sein. Rückblickend sieht man ganz bestimmt viele Dinge anders! Aber dennoch verstehe ich bisher absolut nicht, ob Eva nun eine Schuld für Kevins Tat verspürt oder auch nicht. Sie hat bisher so unendlich viel über Schuld geredet, aber dennoch habe ich nicht ganz verstanden, wie das nun eigentlich sieht. Mal stellt sie es so hin, als sei Kevin einfach von Natur aus so gewesen und sie hätte gar nichts anders machen können, aber andererseits erwähnt sie auch oft genug, dass sie eine schlechte Mutter war. :scratch: Ich hab deswegen noch nicht so ganz verstanden wie das nun genau sieht...


    Aber Siobhan, die Baby-Sitterin, hat ja auch bestätigt, dass Kevin kein einfaches Kind ist, um es mal vorsichtig auszudrücken. Und letztlich ist sie ja auch an dem Job kaputtgegangen. Also wird schon das Meiste von dem, was Eva erzählt, stimmen.

    Ich bin auch fest davon überzeugt, dass Kevin ein schwieriges Kind ist und Babysitter es sicher nicht leicht haben. Dennoch glaube ich übertreibt Eva bei sehr vielen Dingen. In der Familie meines Freundes lungern derzeit sehr viele Kinder im Alter von 7 bis 10 Jahren und wenn ich mir überlege, wie die so ticken, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein 6jähriger so berechnend an die Beziehung seiner Eltern rangehen soll. Zwar können Kleinkinder schon durchaus frech und hinterlistig sein, aber nicht auf solch durchdachte Art und Weise, wie ich finde. Zumindest kommt mir das - wie schon gesagt - absolut fremd vor.


    Das sind alles Sachen, über die sie eigentlich während ihrer Ehe schon längst mit Franklin hätte reden müssen.

    Genauso sehe ich das auch! Dass die beiden irgendwie nie miteinander über irgendwas geredet haben - gerade bei solch wichtigen Dingen! - konnte ich auch nicht ganz nachvollziehen. Das muss einen doch zwangsläufig innerlich auffressen.


    Und Franklin kauft einfach mal so ein Haus... :roll:

    Das fand ich auch ein starkes Stück. :lol: Ich hätte meinem Kerl sonstwas erzählt, wenn der einfach loszieht und solch grundsätzliche Dinge allein entscheidet. Eva reagiert ja normalerweise bei jeder Kleinigkeit total zickig, aber da hält sie auf einmal den Mund und sagt gar nichts dazu. :roll:

  • @ Steffie:


    Stimmt schon, Eva gibt keine konkrete Antwort auf die Schuld-Frage, aber vermutlich gibt es darauf auch keine Antwort. :-k Ich zumindest kann auch überhaupt keine Antwort geben bzw. mir eine klare Meinung bilden. Ich denke nicht, dass Kinder von Grund auf böse sind. Das geht meiner Meinung nach gar nicht, weil sie überhaupt keinen Grund dafür haben, böse zu sein. Ich denke daher schon, dass man böse nur durch Beeinflussung durch andere bzw. durch Erlebnisse wird. Aber irgendwie muss Kevin schon im Mutterleib gespürt haben, dass er nicht gewollt ist. Und das hat sich sein ganzes Leben lang so für ihn angefühlt. Aber ich denke trotzdem nicht, dass Eva Schuld an der schlechten Entwicklung ihres Sohnes hat. Ich kann bislang noch nicht einschätzen, wie er erzogen wurde, aber Eva konnte vermutlich einfach nicht anders. Sie hat sicherlich versucht, Kevin zu mögen, aber aus irgendwelchen Gründen ging es einfach nicht. Sicherlich wäre es besser gewesen, sie wäre nie schwanger geworden, aber gleichzeitig kann ich auch wiederum ihre Gründe verstehen, warum sie schwanger werden wollte. Ach herrje, das ist echt schwierig. :-k


    Thelmas Reaktion darauf, dass Eva zu der Beerdigung ihres Sohnes gekommen ist, fand ich toll. Und vermutlich ist ihre Reaktion genau die richtige, weil Eva eben einfach keine Schuld an den Taten ihres Sohnes hat und man deswegen gar keinen Grund hat, wütend auf sie zu sein. :-k


    Wobei ich dann natürlich schon wieder extrem krass finde, dass Eva ihrem Sohn die Todesstrafe wünscht. Puh, dieses Buch ist wirklich EXTREM.

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    Hape Kerkeling


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  • Ich denke nicht, dass Kinder von Grund auf böse sind. Das geht meiner Meinung nach gar nicht, weil sie überhaupt keinen Grund dafür haben, böse zu sein.

    Das denke ich auch. Es gibt zwar durchaus Kinder, die eine gewisse Aggressivität an den Tag legen, aber so durch und durch "böse" muss schon einen Grund haben.



    So, ich habe das Buch nun mittlerweile zu ende gelesen. Die letzten 200 Seiten gingen für mich etwas einfacher von der Hand, als der Rest des Buches, da Kevin nun wesentlich präsenter ist und einiges mehr passiert. Dennoch geht das Buch für mich nicht über eine 3-Sterne-Bewertung hinaus. Dafür war es mir einfach zu langatmig und ausschweifend. Ein gewisser Grad an Spannung war aber durchaus vorhanden, daher würde ich Kevin's Geschichte nicht als "schlecht" bezeichnen wollen. Teilweise hat es mir richtig gut gefallen, teilweise habe ich aber an gewissen Stellen das Interesse verloren. 150 Seiten weniger hätten dem Buch m.E. vielleicht ganz gut getan.


    Zum Ende selbst:


    Dieses Buch ist definitiv eine tolle Grundlage für Diskussionen! :thumleft:

  • Ich hab das Buch heute auch ausgelesen, werde aber erst morgen ausführlicher was dazu schreiben. :wink: Auf jeden Fall fand ich das Buch dann doch noch richtig gut und von mir gibt es :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: .

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  • So, hier kommt also mein Fazit. :wink:


    Zu manchen Szenen könnte ich wahrscheinlich nur wieder schreiben, dass ich sie extrem krass fand - das spar ich mir jetzt einfach mal, damit ich mich nicht dauernd wiederhole. Aber das Buch ist auch einfach unglaublich krass. :!: Als Stichwort sag ich mal

    ,

    oder

    . Ich denke, damit wisst ihr schon, was ich meine.


    Ich muss unbedingt noch was zu Franklin loswerden: Seine Art, Kevin zu erziehen, fand ich teilweise schon ganz gut. Er ist sehr locker und flapsig mit ihm umgegangen und hat versucht, dadurch einen Zugang zu Kevin zu finden. Wirklich ERZOGEN hat er ihn damit aber nicht und zu oft stand seine Erziehungsmethode im Gegensatz zu der von Eva. Klar, dass es dadurch immer wieder zu Spannungen kam. Franklin ist mir auch bis zum Ende des Buches nicht mehr sympathisch geworden. Er war mir irgendwie zu inkonsequent, zu lasch, zu wenig streng. Kevin hätte ein strenger Vater sicherlich nicht geschadet.


    Sehr deutlich geworden ist, dass Kevin stolz auf seine Tat ist. Als seine Mutter ihn fragt, ob sie Schuld daran ist, schreit er sie an, warum sie all die Lorbeeren dafür bekommen sollte. Das ist schon ziemlich bedenklich. Und natürlich bleibt die Frage nach dem "Warum". Ich finde auch, dass sich aus dem Buch nicht so wirklich eine Antwort herauslesen lässt. Die steckt vermutlich eher zwischen den Zeilen. Ich denke einfach, dass Kevin nie ein Junge war, der wirklich Spaß in und an seinem Leben hatte. Er konnte sich für nichts begeistern, ihm war alles egal, er hatte keine Hobbies, keine Freunde. Und ja - wahrscheinlich ging es ihm im Endeffekt wirklich einfach nur darum, ein mal im Leben etwas zu tun, was jeder mitbekommt, worüber jeder spricht, wofür er jede Menge Aufmerksamkeit bekommt. Er wollte eine Show abliefern, die für Gesprächsstoff sorgt. Mehr "Sinn" kann ich hinter der Tat nicht entdeckern. Vermutlich war es eine Mischung aus Langeweile und Gier nach Aufmerksamkeit.


    Was Franlin und Celie betrifft, hatte ich ja gedacht, dass Franklin Selbstmord begangen hat und Celie in eine Pflegefamilie gesteckt worden ist. Aber da habe ich mich ja ganz schön getäuscht. Mit dem tatsächlichen Ende hatte ich überhaupt nicht gerechnet und das hat mich auch ziemlich schockiert. :shock:


    Wir haben ja schon darüber gesprochen, ob Eva es mit ihren Darstellungen nicht ein wenig übertreibt. Aber ich denke, man sollte nicht ihr die Schuld geben, sondern der Autorin. Diese hat es wohl an einigen Stellen zu gut gemeint und übertrieben. Das Buch wirkt etwas überladen an dramatischen Szenen. :-k


    Die letzten Seiten haben dem Buch noch mal eine etwas andere Wendung gegeben und das hat mir sehr gut gefallen. Die vielen Seiten davor waren sehr deprimierend und irgendwie auch beängstigend. Aber die letzten Seiten geben irgendwie wieder Hoffnung und fand ich sehr gut.


    Zum Ende hin habe ich mir nicht mehr viel markiert, aber ich denke, das Wichtigste habe ich gesagt. :D

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  • Ich denke einfach, dass Kevin nie ein Junge war, der wirklich Spaß in und an seinem Leben hatte. Er konnte sich für nichts begeistern, ihm war alles egal, er hatte keine Hobbies, keine Freunde. Und ja - wahrscheinlich ging es ihm im Endeffekt wirklich einfach nur darum, ein mal im Leben etwas zu tun, was jeder mitbekommt, worüber jeder spricht, wofür er jede Menge Aufmerksamkeit bekommt. Er wollte eine Show abliefern, die für Gesprächsstoff sorgt. Mehr "Sinn" kann ich hinter der Tat nicht entdeckern. Vermutlich war es eine Mischung aus Langeweile und Gier nach Aufmerksamkeit.

    Ich muss sagen, dass Deine Aussage ziemlich treffend klingt. Ich kann auch partout nichts anderes aus dem ganzen herauslesen. Es ist zwar ein wirklich, wirklich trauriger Grund, aber wahrscheinlich gibt es für solche Taten auch keine "guten" Gründe. Dennoch bleibt mir Kevins Charakter ein gewisses Rätsel...


    Was Franlin und Celie betrifft, hatte ich ja gedacht, dass Franklin Selbstmord begangen hat und Celie in eine Pflegefamilie gesteckt worden ist.

    Du hattest tatsächlich mit Franklins Tod gerechnet? Ich ja zugegeben überhaupt nicht, daher war das Ende eine RICHTIGE Überraschung für mich. :lol: Aber wahrscheinlich habe ich mir um Franklin auch von Beginn an zu wenig Gedanken gemacht. Dass er nie antwortet, fand ich zwar schon mit der Zeit komisch, aber so richtig mit beschäftigt hatte ich mich dann doch nicht. :roll:


    Dass Kevin seine Mutter am Leben gelassen hat, erklärt er ja damit, dass er nicht sein bestes Publikum töten konnte.

    Ui, der Satz muss vollkommen an mir vorbei gegangen sein. #-o Er will also weiterhin seine Mutter auf möglichst effektive Weise quälen... :-?


    Wir haben ja schon darüber gesprochen, ob Eva es mit ihren Darstellungen nicht ein wenig übertreibt. Aber ich denke, man sollte nicht ihr die Schuld geben, sondern der Autorin. Diese hat es wohl an einigen Stellen zu gut gemeint und übertrieben. Das Buch wirkt etwas überladen an dramatischen Szenen. :-k

    Ja, das finde ich auch. Rückblickend muss ich aber sagen, macht es für mich mittlerweile mehr Sinn. Hätte mein Sohn meinen Mann und meine Tochter ermordet, dann würde ich wahrscheinlich vieles auch etwas anders sehen. Ganz besonders würde ich vieles auch mit anderen Augen sehen. Dennoch blöd, dass man sich das ganze Buch über lang fragen muss, wie krank die Mutter doch eigentlich ist, und erst auf den letzten Seiten einen Grund dafür erfährt.


    Die letzten Seiten haben dem Buch noch mal eine etwas andere Wendung gegeben und das hat mir sehr gut gefallen. Die vielen Seiten davor waren sehr deprimierend und irgendwie auch beängstigend. Aber die letzten Seiten geben irgendwie wieder Hoffnung und fand ich sehr gut.

    Das kann ich eigentlich auch so unterschreiben. Das letzte Drittel des Buches fand ich auch am besten. Aber die zwei Drittel vorher nehmen für mich einfach zu viel Platz ein, daher gab es von mir nur drei Sterne. Deine Aussage "ein krasses Buch" kann ich aber dennoch bestätigen! :wink:


    Vielen Dank für die Leserunde ihr zwei! :friends: (Auch wenn Lettersalad kläglich aufgegeben hat :P Ich hoffe unser nächstes gemeinsames Buch wird endlich mal ein gutes! :lol: )

  • Ich fand die Leserunde mit euch auch klasse und würde mich freuen, wenn wir bald mal wieder was zusammen lesen. :D

    "Hab Vertrauen in den, der dich wirft, denn er liebt dich und wird vollkommen unerwartet auch der Fänger sein."
    Hape Kerkeling


    "Jemanden zu lieben bedeutet, ihn freizulassen. Denn wer liebt, kehrt zurück."
    Bettina Belitz - Scherbenmond

  • Da kann ich mich nur anschließen, auch wenn ich vorzeitig ausgestiegen bin :mrgreen:
    Ist aber interessant bei euch zu lesen, wie die Story ausgegangen ist!!



    Würde mich auch freuen, wenn wir das mal wieder machen :D

  • @ lettersalad:


    Tja, das ist eigentlich schnell erzählt:

    "Hab Vertrauen in den, der dich wirft, denn er liebt dich und wird vollkommen unerwartet auch der Fänger sein."
    Hape Kerkeling


    "Jemanden zu lieben bedeutet, ihn freizulassen. Denn wer liebt, kehrt zurück."
    Bettina Belitz - Scherbenmond

  • Ich glaube ja fast, dass wir uns die Spoiler mittlerweile sparen können. :loool:


    Ja, Kevin hat beides getan. Nach dem Frühstück hat er seine Schwester am Schießstand hingerichtet, und so wie Eva die beiden gefunden hat, muss es wohl so gewesen sein, dass Franklin zu Hilfe eilen wollte, und Kevin ihn dabei ebenfalls erschossen hat. Im Anschluss daran ist er dann in die Schule und hat seine weiteren Opfer (die er sich alle vorher speziell ausgesucht und über eine Falle in die Turnhalle gelockt hat) hingerichtet. Und als die Polizei eingetroffen ist, hat er sich widerstandslos festnehmen lassen.

  • Ich glaube ja fast, dass wir uns die Spoiler mittlerweile sparen können. :loool:

    Einer zu viel ist immer besser als einer zu wenig :loool:

    Ja, Kevin hat beides getan. Nach dem Frühstück hat er seine Schwester am Schießstand hingerichtet, und so wie Eva die beiden gefunden hat, muss es wohl so gewesen sein, dass Franklin zu Hilfe eilen wollte, und Kevin ihn dabei ebenfalls erschossen hat. Im Anschluss daran ist er dann in die Schule und hat seine weiteren Opfer (die er sich alle vorher speziell ausgesucht und über eine Falle in die Turnhalle gelockt hat) hingerichtet. Und als die Polizei eingetroffen ist, hat er sich widerstandslos festnehmen lassen.

    Mein Gott :-?


    Na ja, jedenfalls Danke ihr beiden fürs zusammenfassen.
    Ich glaub ja nicht, dass ich das Buch irgendwann mal weiterlesen möchte.
    Aber ich lass es mal im Regal liegen.

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